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Rabbiner Samson Raphael HIRSCH
(1808-1888)

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Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH
(1833-1900)
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Rabbiner Dr. Salomon BREUER
(1850 - 1926)
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Rabbiner Dr. Raphael BREUER
(1881-1932)
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Reb Julius HIRSCH
(1842-1909)
Jubelsinget, Gerechte, in Gottesanschauung, den Geraden geziemt Thatenoffenbarungslied (Psalm 33)

ברוך הבא!    السلام عليكم!

 

Welkom op de blog van de studievereniging JESJOEROEN, Jodendom tegen Zionisme


Thoratrouwe antizionistische inzet en anti-imperialistische solidariteit. U vindt hier Rabbijnse teksten (vooral Samson Raphael HIRSCH strekking), nieuws en achtergrondinfo.

 

Bienvenue sur le blog de l'association d’étude YECHOUROUN, Judaïsme contre Sionisme.

 

Nous proposons des textes rabbiniques, (surtout de l’école de Samson Raphael HIRSCH) ainsi que des infos et documentations, le tout avec engagement antisioniste et solidarité anti-impérialiste, inspirés par la fidélité à la Torah. Visitez notre blog similaire en langue française: www.bloggen.be/yechouroun .  

 

Willkommen im Blog des Studienverbandes JESCHURUN, Judentum gegen Zionismus.

Wir bieten Rabbinische Texten (hauptsächlich von der Samson Raphael HIRSCH Tendenz – meistens in deutsche Originalfassung), sowie Nachrichten und Hintergrundinformationen, im ganzen mit Thoratreues antizionistisches Engagement und anti-imperialistische Solidarität.

 

Welcome to the blog of the Study Association YESHURUN, Judaism against Zionism.

We propose Rabbinical texts (mostly from the S R HIRSCH tendency), news and information, the whole inspired by Thora-true anti-Zionist Commitment and anti-imperialist Solidarity.

Inhoud blog
  • Rabbiner Dr. Mendel Hirsch zur Haftoroh des Wochenabschnittes Haasinu
  • Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro des Morgengebetes Jaum Kippurs
  • Rabbiner Dr. Salomon BREUER : JAUM HAKIPPURIM
  • Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH : HUMANISM and JUDAISM (A)
  • Psalm 50,4 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Ha'asinu
  • Psalm 92,13 und Sprüchlein der Woche für Wajélèch
  • Samson Raphael HIRSCH: Zaum G'daljoh
  • Historische rabbinische Erklärung:
  • Ludwig Stern: Der Tag der Erinnerung, das Neujahrsfest
  • Rabbiner Samson Raphael Hirsch Komm. Wochenabschnitt Nezovim
  • Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro Wochenabschnitt NEZOWIM
  • Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt NEZOWIM
  • Rabbiner Simon SCHWAB „Heimkehr ins Judentum” (1934) Auszüge
  • Rabbiner Samson Raphael HIRSCH : ELUL Zu den Selichauss-Tage (2)
  • Sprüche 15,3 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt NEZOVIM
  • Rabbiner Samson Raphael HIRSCH : ELUL Zu den Selichauss-Tage (1)
  • Rabbiner Samson Raphael HIRSCH Komm. Wochenabschnitt KI SSOVAU
  • Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Wochenabschnitt Ki Ssovau
  • Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt KI SsOWAU
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  • Mehrsprachige Seite „Yakov RABKIN, Historian and Author“
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    Judentum gegen Zionismus
    17-10-2017
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    Rabbiner Dr. Raphael BREUER

                 (1881-1932)

     

    Das Hebräische

     

    … Tausende von Juden sind zur Zeit von einem förmlichen Taumel des Hebräischen erfasst. Anfangs war die zionistische Liebe zum Hebräischen eine zionistische Mode, der man sich mit jener zärtlichen Hingabe verschrieb, mit der man sich auch sonst in die historische Überbleibsel der jüdischen Antike vergrub. Man lernte Hebräisch, wie man jüdische Geschichte trieb, wie man mit der jüdischen Religion, ihren Heroen und ihre Märtyrern kokettierte. Heute ist das Hebräische turmhoch über allen sonstigen Elemente der jüdischen Kultur gestellt, heute ist es zu einem gellenden Feldgeschrei geworden, mit welchem  kundige Strategen eine bunte Menge fanatisierter Schekelzahler zu wildem Kampfe wider die Hochburgen der Assimilation verlocken.

    …Es ist nun klar: das große Gewicht, daß der Zionismus auf das Hebräische legt, ist nichts anders als eines der zahlreichen Symptome, durch die er seinen Hang zur Assimilation bekundet. Auch die Zionisten sind Assimilaten. …Nur an die europäische Geschichte hat er sich orientiert, als er den Kampf für die heilige Sprache begann.

    Umsomehr ist aber die Orthodoxie verpflichtet, nach der historischen Stellung des Hebräischen im Judentum zu fragen, und dafür zu sorgen, daß dieser hebräische Taumel, dieser nationale Sprachfanatismus nicht auch ihre Reihen erfasst. Das würde zu einer gefährlichen Infektion von unabsehbaren Folgen führen. …

     

    Aufsatz erschienen in „Jüdische Monatshefte“ Jahrgang 1 (1914) Heft 6 und hier die vollständige in Beilage:

    Bijlagen:
    Das Hebraïsche R.B. Jg. 1 Hft. 6 Seite 211.JPG (126.6 KB)   
    Das Hebraïsche R.B. Jg. 1 Hft. 6 Seite 212.JPG (124.4 KB)   
    Das Hebraïsche R.B. Jg. 1 Hft. 6 Seite 213.JPG (124.8 KB)   
    Das Hebraïsche R.B. Jg. 1 Hft. 6 Seite 214.JPG (130.5 KB)   
    Das Hebraïsche R.B. Jg. 1 Hft. 6 Seite 215.JPG (129.9 KB)   
    Das Hebraïsche R.B. Jg. 1 Hft. 6 Seite 216.JPG (124.5 KB)   
    Das Hebraïsche R.B. Jg. 1 Hft. 6 Seite 217.JPG (89.1 KB)   

    17-10-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    16-10-2017
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    Samson Raphael Hirsch


    ÜBER DIE BEZIEHUNG DES TALMUDS ZUM JUDENTUM

    UND ZU DER SOZIALEN STELLUNG SEINER BEKENNER (6)

     

    Wir glauben, durch die vorstehenden wortgetreuen Auszüge aus den talmudischen Schriften den Urgrund der von manchen gehegten Meinung von gemeinschädlichen Einfluß des Talmuds auf das soziale Verhalten und das Verkehrsleben der Juden dargetan, und vielmehr gezeigt zu haben, welche in hohem Grade die allgemeine Wohlfahrt fördernden Grundsätze der Rechtschaffenheit, der Betriebsamkeit und der Loyalität der Talmud auf dem Boden religiöser Gewissenhaftigkeit in der Brust seiner Bekenner zu pflegen versteht.

    Wir haben dem vorangehend die Erklärung geäußert, daß auch überhaupt die selbst von seinen Gegnern zugestandenen löblichen Eigentümlichkeiten  des jüdischen Nationalcharakters durch und durch als ein Erzeugnis der talmudischen Lehren und der unter ihrem Einfluß sich vollziehenden Erziehung und Bildung zu betrachten sind.

    Wir möchten auch dies durch einige Auszüge aus dem talmudischen Schriften belegen und damit den Beurteiler das Bild von der talmudischen Lehre einigermaßen  vervollständigen, beschränken uns aber auf nur wenige Sätze aus dem reichen Schatz der talmudischen Weisheit von der Bildung des Charakters, der Gesinnung und der Lebensgrundsätze der Einzelpersönlichkeit, der Ehe und des Familienlebens, der Wohltätigkeit und der Menschenliebe und des Gemeindelebens. 

     

    GEISTES- UND CHARAKTERBILDUNG, GESINNUNG UND LEBENSANSCHAUUNG

     

    In höchsten Ehren steht den Weisen des Talmuds de Bildung des Geistes. Die durch Schrift und Überlieferung gegebene Wissenschaft ist ihnen nicht das Vorrecht eines besonderen Standes, sondern die Nationalwissenschaft, zu deren Aneignung und Pflege jeder ihrer Söhne, welchem sonstigen Beruf er auch obliegen mag, berufen ist. Und weil diese Wissenschaft nicht das übersinnliche Jenseitige, sondern die reale diesseitige Welt mit ihren geschichtlichen Entwicklungen in der Vergangenheit, ihren religiösen, sittlichen und sozialen Aufgaben in der  Gegenwart des Einzel- und Gesamtlebens und ihren Zielen in der Zukunft zum Gegenstande hat, so ist sie einerseits eine tüchtige Schule für logische Auffassung und Beurteilung der Dinge, Zustände und Verhältnisse, und ist anderseits so universaler Natur, daß sie sich gerne mit allen anderen Wissenschaften befreundet, welche die Erkenntnis der realen Zustände und Verhältnisse in Natur und Geschichte anstreben. Daß der Knabe zur Kenntnis dieser Wissenschaft, zu selbständiger Hausesgründung und zu tugendhaften Werke heranblühen möge, das ist der Wunsch, den Freunde und Genossen einem Vater bei der Geburt eines Sohnes ausdrücken, und wenn nach dem bereits zitierten Ausspruch des Talmuds bei unserem einstigen jenseitigen Erscheinen vor Gottes Richterstuhl, die Frage nach der von uns gepflegten Rechtschaffenheit  in Handel und Wandel die erste sein wird, so wird nach der Talmud die zweite sein: Bist du nicht ganz und gar ins Geschäftsleben aufgegangen und hast du dir täglich eine bestimmte Zeit für deine geistige Fortbildung in der Wissenschaft offengehalten[1]?  Die Bitte um Erkenntnis, Einsicht und Verständigkeit bildet das erste Anliegen in den dreimal täglichen Gebete der jüdischen Liturgie[2].  Wer es verabsäumt; sich die richtige Erkenntnis zu erwerben, macht sich fast des Anspruchs auf Erbarmen verlustig.  Ein Mensch aber, der die rechte Erkenntnis und Einsicht besitzt, ist ein Baustein zum Heiligtum[3].  Wem es an rechter Kenntnis und Ansicht fehlt, der ist der wahre Arme[4]. Sie schützen aber nur eine gerade Geistesrichtung, keine, die, wie sie sich ausdrücken einen Elefanten durch einen Nadelöhr zwingen will, und zählen eine ganze Reihe verkehrter Geistesbildungsarten auf, die sie ernstlich tadeln[5].

    Allein alles Wissen, alle Wissenschaft haben nur Wert, wenn sie im Dienst eines gottesfürchtigen Lebens verwertet werden sollen. Gottesfurcht ist der wahre Bau des Lebens, Wissenschaft nur die Pforte dazu. Wehe dem, der kein Haus hat und sich eine Türe zum Hause zimmert! Ja, Gottesfurcht ist der, den rechten Eingang zur Wissenschaft bedingende Schlüssel. Wer aber Wissenschaft ohne Gottesfurcht hat, gleicht dem der wohl die inneren Schlüssel, aber nicht den äußeren hat, wie will der hinein[6].

    Gottesfürchtig wird aber ein Mensch nur durch sich selbst. Wenn ein Mensch ins Dasein treten soll, tritt sein Engel vor Gottes Thron mit der Frage: dieser Menschenkeim, was soll ihm werden, soll er stark oder schwach, klug oder einfältig, reich oder arm werden, ob er aber gut oder schlecht werden soll, fragt er nicht; denn alles stammt aus Gottes Händen, nur nicht die Gottesfurcht[7].  Unablässig achte auf deinen Charakter und wäge jeden Schritt ab, den du tutst[8]. Bessere dich einen Tag vor deinem Tode, und da du nicht weißt, wann dieser eintritt, so denke, jeder Tag sei vielleicht dein letzter, und dein ganzes Leben sei ein Leben fortschreitender Besserung[9].  Jederzeit halte deine Gewänder rein und hüte dich vor dem kleinsten Flecken, denn du weißt nicht, wie bald du vor deinen Schöpfer geladen wirst[10]. Diese Welt gleicht dem Vorzimmer zur jenseitigen.  Bereite dich im Vorzimmer, das du würdig zur Audienz erscheinest[11]. Dein Vorbild aber sei Dein Schöpfer, wie Er barmherzig und gnädig, langmütig, reich an Liebe und Wahrheit ist, wie er Nackte kleidet, Kranke pflegt, Trauernde  tröstet, so strebe du Ihm nach in gleichen Tugenden und gleichem Liebeswirken; denn es ist dir gesagt, wandle Ihm nach, wandle in seinen Wegen, werde ihm ähnlich[12]. Ist doch deine Seele, ihrem Wesen nach, Gottes Ebenbild, ist rein, sehend und unsichtbar wie Gott, füllt den Körper, ihre Welt, so aus, wie Gott die ganze Welt erfüllt und ist dabei so unfindbar wie Gott, trägt und überdauert den Körper wie Gott seine Welt, ist einzig im Körper wie Gott einzig in seiner Welt[13].

    Der angeerbte Grundzug des jüdischen Charakters ist: Barmherzigkeit. Der Jude, der nicht barmherzig ist gegen alles, was Gott geschaffen, der ist kein echter Jude[14].  Wer sich seiner Mitgeschöpfe erbarmt, des erbarmt man sich vom Himmel, wer aber sich seiner Mitgeschöpfe nicht erbarmt, der hat auf kein Erbarmen von oben zu rechnen[15].

    Von dem gefeiertesten Meister der Lehre, dem Verfasser der Mischna, erzählt der Talmud, ein Kalb, das zum Schlachten geführt werden sollte, flüchtete sich einst zu ihm und barg den Kopf weinend in seinen Mantel. „Geh“, sagte er, „dazu bist du geschaffen.“ Darauf sagte man oben: weil er kein Erbarmen gezeigt, seien lange anhaltende Schmerzen über ihn verhängt.  Eines Tages wollte seine Magd junge Wiesel, die sie im Hause zusammengefegt hatte, ertränken. „Laßt sie“, sagte er, „sein Erbarmen erstreckt sich auf alle seine Werke“, heißt es von Gott. Darauf sagte man oben, weil er Erbarmen gezeigt, werde ihm Erbarmen erwiesen, und die Schmerzen hörten auf[16].

    (Fortsetzung folgt)

     

    Quelle: S.R. HIRSCH: Gesammelte Schriften Band VI Frankfurt am Main 1912

    (Erschien als Broschüre im Jahre 1884)



    [1] Sabbath 31a.

    [2] Berachoth 33a.

    [3] Das.

    [4] Nedarim 41a.

    [5] Baba Mezia 38b. Kethuboth 17a.

    [6] Sabbath 31a. b.

    [7] Niddah 16b.

    [8] Sota 5b.

    [9] Sabbat 153a.

    [10] Das.

    [11] Aboth IV, 21

    [12] Sota 14a.

    [13] Jalkut zu Ps.103

    [14] Beza 23b.

    [15] Sabbath 151b.

    [16] Baba Mezia 85a.

    16-10-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    15-10-2017
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    נח

     

    ה' למבול ישב וישב ה' מלך לעולם:

     

     

    Schon der Sündflut gegenüber blieb Gott ruhig auf seinem Thron, und so setzte Gott sich zum König für immer.

    (Psalm 29,10 Übersetzung Rabbiner Samson Raphael HIRSCH)

     

    1.

    Wenn alle um dich fehlen,

    Bleib‘ du nur treu und gut,

    Gott kennt die reinen Seelen,

    Nimmt sie in seinen Hut.

    2.

    Wenn Sünder trifft die Strafe,

    Du wirst geborgen sein,

    Den Frommen, auch im Schlafe

    Beschützt der Herr allein.

     

    Aus: Erbauungsbuch „Bibel- und Talmudschatz“ J.H. Kohn S. 32  13.Auflage Hamburg 5691 – 1931

     

    15-10-2017 om 09:34 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    11-10-2017
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Notiz über Antizionismus der historische Agudaß Jißroel in 1914
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    Notiz

    „Nichts liegt mir ferner, als in meinen folgenden Ausführungen den Zionismus zu bekämpfen, was ja auch nicht in den Aufgabenkreis der Agudaß Jißroel gehört“ (H. Eiseman im Israelit Nr. 4 ; 22. Januar 1914)

     

    Es ist selbstverständlich daß die Agudaß Jißroel ihre Kräfte in bloßer Polemik gegen den Zionismus nicht aufreiben kann. Durch eine ständige Betonung ihrer Friedensliebe kann aber die Agudaß Jißroel bei der großen Masse, die nicht in allen ihren Schichten urteilsfähig ist, in den Ruf kommen, daß  sie den Zionismus gar nicht für ein so bedenkliches Ding halte, daß mit aller Energie bekämpft werden müßte. So ganz ohne Kampf, ohne Polemik und klare  Frontstellung gegen den Zionismus wird sich die Agudaß Jißroel niemals betätigen können,  will sie die Gefahr vermeiden, was sie auf der einen Seite durch praktische Arbeit gewinnt, auf der anderen Seite durch Duldung von Begriffsverwirrungen im eigenen Kreise zu verlieren, soll doch die Agudaß Jißroel nichts anderes sein als die Organisation der jüdischen Bekenntnisgemeinschaft. Diese jüdische Bekenntnisgemeinschaft kann und darf aber eine so wichtige Sache, wie es der Zionismus ist, nur eine Meinung haben. Einer Idee gegenüber, die gleich den Zionismus die Grundlagen der jüdischen Religion, des jüdischen Bekenntnisses, der jüdischen Bekenntnisgemeinschaft tangiert, Neutralität zu bewahren, das ist nicht einmal diplomatisch, denn der Zionismus wird schon die Agudah zwingen, ihre Stellung klar zu formulieren.

    (Jüdische Monatshefte 1914, Heft 3 S.124)

     

    Kommentar: Wahrlich, nichts Neues unter der Sonne! Und der „Antizionismus“ vom Israelit ist wieder mal kundgetan.

    11-10-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    10-10-2017
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    Rabbiner Dr. Pinchas KOHN

            (1867-1942)

     

     

    DER ALTE WEG

     

    Das Träumen, so sang schon König David, ist eine unentbehrliche Begleiterscheinung der Erlösung. Gewiß jede Erlösung versetzt als das Wunderbare die Menschen in einen Traumzustand, aber nicht jeder Traum bedeutet die Erlösung.

    In dem Ringen der Seelen um einen Sinn der Tatsachen während des Krieges, glaubten viele Menschen es müsse eine bessere Zeit anheben, damit die unerhörten Opfer nicht vergeblich gebracht worden wären. Auch jüdischen Menschen träumten also. Da noch jede epochale Wendung in der Weltgeschichte nicht ohne Rückwirkung auf jüdisches Geschick verblieb, ahnte man, wusste man sogar, daß wieder einmal – עת פקידה nannten es die Alten – Jissroél am Vorabend einer Wandlung stand. Das Bild ist unterdessen klar geworden; auf der eine Seite eine Verschärfung des Galuth in ägyptischer und mittelalterlicher Form, auf der anderen Seite das Hineinragen von Erez Jissroél in den Mittelpunkt des Denkens und Schaffens auch solcher Juden, welche noch vor einem halben Jahrhundert jede Erinnerung an die Zionsverheißungen des Allmächtigen zu tilgen für gut und notwendig hielten. Man könnte sogar einen inneren Zusammenhang zwischen diesen beiden Erscheinungen vermuten; tatsächlich ist ja die Befürchtung Max Nordaus in etwas anderem Sinne Wahrheit geworden. Palästina droht ein Nachtasyl zu werden. In den wirtschaftlichen Nöten zeigt sich eine fluchtartige Sehnsucht nach Palästina und die Tragik des ganzen Komplexes liegt darin, daß die Pforten auch dieses Nachtasyls nicht mehr offen sind. Es ist ganz müßig zu fragen, ob es anders hätte kommen können.

     Umsomehr aber erwächst für die Erben der Chalukagründer die ernste Aufgabe, der Situation gerecht zu werden. Diese Erben sind allerdings nicht organisiert und es zeigt sich jetzt mit aller wünschenswerten Deutlichkeit, welch eine Kurzsichtigkeit es war, daß die Kolalim (die landmannschaftlichen Vertretungen der Chaluka) nicht zu einer einheitlichen Linie in Bezug auf ihr ureigenstes Gebiet zu bringen waren. Denn was wollten die Begründer der Chaluka, der vielgeschmähten? Sie wollten der Anschauung zum Siege verhelfen, welche das wohnen in Palästina in unlöslicher Verbindung mit Einstellung des Daseins auf lückenlose Hingabe an die Thora im Forsche und Erfüllen bringt. Man darf wohl in diesem Zusammenhang davon reden, daß fast alle Bewohner der Städte in Palästina ob Juden oder die Anhänger der verschiedenen christlichen Konfessionen mehr oder weniger Pensionäre ihrer Gesinnungsgenossen waren und zum guten Teil noch sind. Merkwürdiger Weise machen sich ähnliche Versuche auch jetzt im Islam geltend. In welcher Weise die Subventionierung erfolgt, dürfte ziemlich belanglos sein.

     Sind aber die Kolalim bzw. ihre Vertreter (Nesiim) wirklich und ernstlich diese Erben, so haben sie im Augenblick eine sehr ernste Augabe. Man wäre versucht, zu sagen, daß der historische Moment für diese Kreise gekommen ist.

     Denn füglich wird man sich heute in allen Kreisen darüber klar, daß der Kernpunkt dieser ganzen Palästinafrage sich letzten Endes auf die Frage Europa oder Orient zuspitzt.

     Vor mehr als zwei Jahre hatten wir in der Wiener „Jüdischen Presse“ diese Frage zur Debatte gestellt, allerdings ohne nennenswerte Reaktion. Neuerdings hat, in einer allerdings ganz anderen Sphäre Dr. Kadmi Cohen diesen Punkt aufgegriffen. (Dr. Kadmi COHEN, Ein Beitrag zur  Frage des Großzionismus, Paris „le Triangle“. Eine Besprechung dieser ganz eigenartigen Ideenfolge bleibt vorbehalten.) So lange die Einwanderer nicht entschlossen sind, sich etwas weniger gegen die Orientalisierung zu wehren, wird der Konfliktsstoff in der Umgebung stetig wachsen. Denn der Gegensatz Araber – Juden ist nicht bloß ein machtpolitischer, sondern in seinen letzten Wurzeln ein kulturpolitischer. Nun haben aber alle orientalische Völker als Protest gegen die Materialisierung der Lebensbeziehung eine Art von Reservation für rein geistige, nicht auf Erwerb abzielende also, wie man heutzutage beliebt, unproduktive Tätigkeit und für die Pflege des Gemütslebens geschaffen. Dieses hat ebenso die Brahminen, die Lama, wie auch die Derwische geschaffen. Man geht fehl, wenn man darin bloß etwa eine Erfindung  schlauer und berechnender Priester  erblicken wollte; vielmehr entsprachen derartige Einrichtungen und Personengruppen den inneren Sehnsuchtsbedürfnissen eines Volkes. Und es ist wahrlich ein nicht gutes Zeichen für den Geist einer Zeit, wenn man auch derartige Reservationen nur von dem Gesichtswinkel materieller, produktiver Interessen betrachtet, bekämpft, vernichtet. Dagegen wehrt sich alles was Orient heißt. Übrigens könnte man diesen Faden weiter ausspinnen und behaupten, daß bis tief in die Neuzeit auch im Occident solche Erscheinungen sich geltend machten und sich bewährten, bis der Mangel an Ehrfurcht von der Welt des Geistes und Gemütes einerseits, allerdings auch andererseits gewisse Entartungen im Kreise dieser Erscheinungen und die Sieghaftigkeit des Chassidismus ist auch heute noch eine solche Reservation in nuce. 

    Blickt man auf die Vergangenheit im Galuth zurück, so erkennt man, daß der Rettungsanker in kritischen Zeiten, die Freude der ruhigen Tage – die Kehilla war, ohne staatlichen Zwang die Heimstätte idealer Bestrebungen. Will man nun ernstlich den Versuch machen, trotz aller modernen Bestrebungen, trotz aller Wirtschaftlichkeiten, trotz der Säcularisierung des jüdischen Volksbegriffes, dem heiligen Land noch irgendwie den Charakter der Heiligkeit zu wahren, so müssen dort Kehillaus entstehen. Wir sind überzeugt, die Begründer der Chaluka würden den letzten von ihnen gesammelten Pfennig so verwerten, daß eine Kehilla alten Stils in allen Siedlungen, im heiligen Lande entstünden, für die Kreise, welche mit einem gewaltigen, im Occident nicht erkannten und deshalb nicht gewürdigten Heroismus sich der Säcularisation zu erwehren versuchen. Es wäre Aufgabe der Aguda, den Kolalim dieser Situation klar zu machen, es wäre Aufgabe des Rabbinischen Rates, den gesamten Occident über die Vordringlichkeit dieser Aufgabe aufzuklären.

    Die so geschaffene Kehilla müsste eben diese Reservation werden, ihr müsste als Trägerin des Schulwesens die Erziehung der kommenden Generation überantwortet werden. Der neue vom Highcommissar veröffentlichte Entwurf von Normen für das Erziehungswesen wird über kurz oder lang ja doch dazu zwingen, allen Schulen, Gemeinden als Träger zu geben.

     Sie müsste sich so aufbauen, wie die alte Kehilla und sie müsste einen so weiten Rahmen spannen, daß alle, die Gegner der Säcularisation sind, darin Raum finden, behaglichen Raum. Da könnte man auch wieder einmal den Versuch machen, die soziale Fürsorge nach den Normen des Schulchon Oruch zu betätigen.

    Es ergibt sich dann ein interessantes Gegenspiel. Auf der eine Seite der ganz in den Anschauungen des Occidents befangene Zionismus, dem gerade deshalb Galuth, sinnlos geworden ist, der in Palästina auch das köstlichste Erbe des Galuth, die Kehilla, in seinen Bahnen zu zwingen versucht und sich dabei recht – galuthmäßig der nichtjüdischen staatlichen Macht zu bedienen versucht mit mittelalterlicher Entrechtung des alten Jischuw, auf der anderen Seite die Kehilla, welche die Geheimnisse ihrer Konstruktion einer Zeit entlehnt, in der idealistische gottesgerichtete Träume und Bestrebungen den Kulturinhalt des jüdischen Volksbegriffes bildeten.

    So könnte es in Palästina tagen. Es wäre ein Sieg des Orients.   

     

    Rabbiner P.Kohn, Wien. 

    in „NachAlass Zwi“ 5692, 1931/32 S. 206-209

     

     

    Dieser Text ist Teil unseres Studienprogramms des Sommers 5768 (2008)

    10-10-2017 om 15:19 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    09-10-2017
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.NACHRICHTEN und HINTERGRUNDINFORMATION 09.10.2017
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    Als ‚Mensch Jissroél’ mit Thora im Derech Erez

    gegen den Zionismus

     

     

    Hassan Nasrallah To Jews: Flee Israel Before Its Destruction, Zionism Is Our Common Enemy

    Video and Transcript

    Netanyahu Is Leading You To Annihilation And Destruction. 

    http://www.informationclearinghouse.info/47973.htm

     

    Israeli Chief of Staff Concerned about Hezbollah: "Gravest Threat" Comes from North

    http://english.almanar.com.lb/362569  

     

    Religious Fanaticism is a Huge Factor in Americans' Support for Israel

    https://theintercept.com/2015/04/15/religious-fanaticism-huge-factor-americans-support-israel

    09-10-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Rabbiner Dr. Raphael BREUER: Nationaljudenthum - ein Wahnjudenthum (Auszug)
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    Rabbiner Dr. Raphael BREUER

                 (1881-1932)

     

    Nationaljudenthum - ein Wahnjudenthum (Auszug)

     

    Wer nicht zu uns gehört, ganz zu uns gehört, der ist gegen uns. Wer da behauptet, er achte die Orthodoxie in ihren aufrichtigen Bekennern, nur er selber wolle nicht orthodox sein, weil er den orthodoxen Standpunkt nicht theile, ihn für einen längst überwundenen halte, der hat, von unserem Standpunkt aus betrachtet, längst mit dem einzigen, wahren Judenthum im Innern gebrochen, er hat sich losgesagt von Hakodausch Boruch Hu und seiner Thauroh, und das Judenthum, das er sich, weil er nun einmal als assimilationsunfähiger Jude ein Judenthum nicht entbehren kann, aus erträumten Idealen einer in weite Nebelfernen hinausgerückten, auf Zion beruhenden Nationalkultur, nothdürftig zusammengezimmert, ist ein - Wahnjudenthum. Was macht uns zu Juden? Die Geburt? Die Erinnerung an vergangene Herrlichkeit des Judenthums? Das jüdische Herz? Das jüdische Gefühl? Nein und tausendmal nein! Gewiß, die Bestimmung Jude zu sein, verliert kein Jude. Er wird mit dieser Bestimmung geboren. Ob er nun aber aus dieser Bestimmung praktische Konsequenzen für's Leben zieht, oder nicht, ob er sein Leben in allen seinen Beziehungen unter das Diktat der Thauroh stellt oder nicht, ob er in seinem Genussesleben die von der Thauroh gezogenen Schranken bewahrt oder nicht, ob er Koscherfleisch genießt, ob er Thefillin legt, Schaboßauß und Jomim Tauwim hält, die Gesetze für's eheliche Leben beobachtet, seine Kinder jüdisch erzieht und sie herantreten läßt an die Quellen des jüdischen Schriftthums, auf daß sie Begeisterung daraus schöpfen und Liebe für ihren jüdischen Beruf und ihre nationale Aufgabe - oder nicht -: das und nur das allein entscheidet darüber, ob der mit der ewigen, unvergänglichen und unverlierbaren Bestimmung, Jude zu sein, geborene Jude in Wirklichkeit Jude ist oder nicht. Judenthum heißt: Thauroh. Jude sein: die Thora halten. Was sagt der Zionismus dazu? "Religion ist Privatsache".

    (S. 12-13, wird fortgesetzt.)

     

    09-10-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    08-10-2017
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    Rabbiner Samson Raphael HIRSCH

     

    SsUCKOH (aus: Chauréw)

     

    § 216.

     

    Am Ssuckaußfeste, das der körperlichen Erhaltung Jissroéls durch Gott geweiht ist, in der Zeit, wenn fast vollendet ist des Jahres Ernte, und nun entweder dir gefüllt ist Scheuer und Haus, du nicht mehr sorglich aufblickst zum Himmel und Segen, sondern ihn schon aufgespeichert hast den Segen, und selbstzufrieden, auf deinen Vorrat bauend, ruhigen Gemütes dem Winter entgegensiehst; – – oder für dich spärlich ausgefallen ist die Ernte des Jahres, und auf deinen Mangel und deine Armut blickend, du verzagst mit Weib und Kind, und verzweiflungsvoll ausblickst in die bedürfnisvolle Zukunft; –  sollst du verlassen dein festes Haus, unter die Laubdecke ziehen, und bedenken: daß Haschém, dein Gott, vierzig Jahre in Wüstenei deine Väter in Hütten wohnen ließ, und in Hütten erhielt, als Er aus Mizrajim sie führte, und sich da als erhaltende Vorsehung offenbarte.

    § 217.

    Nur daß, bist du reich, du inne werdest: daß nicht Reichtum, nicht Besitz, überhaupt nicht stolze Menschenkünstlichkeit des Lebens sichernder Gott sei, daß Gott es sei, der auch in Hütten zu erhalten weiß die, die nur verstrauensvoll ihm sich hingeben; – dabei bedenkest, daß ja auch deinen Reichtum, deine Größe, deine Schätze, du nur Gott verdankest, und nur so lange haben werdest, als es Gottes Wille ist;  bedenkest, daß ja wandelnd sei alles äußere Geschick und deinen eigenen, das reichen Enkels, Väter einst vierzig Jahre lang in Wüstenei in Hütten wohnten; – gemahnt werdest, darum dich nicht fesseln zu lassen durch deinen Reichtum und abführen von Gott – unter seinem Schutz dich eben so sicher zu halten in Laubhütte wie unterm steinernen festen Dache; – Gesinnungen fassest, die dich leicht los sagen lassen von aller Bequemlichkeit und den süßen Banden des Reichtums um ihm nachzufolgen, ging’s auch durch Öde und Wüstenei; – und endlich, auf daß du auch in deinem reichen Hause nicht auf dieses Hauses Reichtum und Wohlstand bauest, sondern auf Gott, der auch durchs Steindach in deine Behausung blickt, und dessen Gnaden allein es ist, nicht nur daß du es erhieltest, sondern auch daß du behaltest was du hast – und so lernest: trotzt Reichtum und Fülle nur auf Gott vertrauen, den Allein-Erhalter alles Lebens.

    § 218.

    Und bist du arm,    Jissroél – bist arm, und verzweifelt, – o, so zieh unters Laubdach! Verlasse selbst noch dein wetterschützendes Dach, mache dich freiwillig noch ärmer, und gedenke: daß in Hütten Gott deine Väter in Wüstenei erhielt, derselbe Gott auch noch lebt, auch dein Gott ist, und wie der Sterne Schimmer durch die Laubdecke fällt, also mild sein Auge auch auf dich blickt; siehet dein Leiden, siehet deine Tränen, höret deine Seufzer, kennet deine Sorgen – und verlässt dich nicht wie Er die Väter nicht verlassen. – Du verzweifelst, – weil du arm bist an Gütern, worauf Menschen ihr Leben bauen? Wahrlich! deine mongespeistesten Väter lernten es in ihre Hütten, daß nicht auf künstlichen Menschenmitteln der Mensch sein Leben, sondern auf jedem Ausspruch Haschéms leben könne der Mensch – und du wolltest es nicht mit ihm erlernt haben für deinen Zug durch deines Lebens Wüste? Gehe in der Ssuckoh, Armer! Und lerne stark sein und heiter in Leiden, und Gott vertrauen, der auch in Hütten und Wüsten erhält. –

    §219.

    Was ist’s, das uns im Leben Gott entfremdet? Übermütig oder verzweifelnd uns macht – und über alle Sorge für unser eigentliches Wohl keinen Raum mehr lässt? Es ist der Wahn, mit dem wir an den Besitz uns anklammern und ihn zu unseres Lebens Gott erheben; – es ist der Wahn, mit dem wir jeder uns unsren Babelbau erbauen, und nur unter eigenem erkünstelten Schutz uns sicher glauben. – Von den Wahn soll uns Ssuckoh befreien; von Besitz- und Menschenkünstlichkeits-Vergötterung soll uns Ssuckoh befreien; von Besitz- und Menschenkünstlichkeits-Vergötterung soll uns Ssuckoh entfesseln – und dafür Gott in user Leben als alleinigen Grund einführen; sie soll uns auf Gott vertrauen lehren und nur auf Gott vertrauen = Emunoh אמונה!

    §220.

    Aber nicht nur mit deinem Einzelgeschick und als einzelner sollst du in die Suckoh ziehen und für dein Einzelleben Emunoh gewinnen – als Jissroéls Sohn, und mit deines Volkes Geschick – Emunoh. O, wenn Jissroél, als es noch glücklich auf Gottes Boden vereinigt lebte, wenn es da im Ssuckohsinne gezogen wäre – nimmer, nimmer wäre seiner Städte Zahl seine Götter geworden – nimmer hätte Prophetenstimme: „in die Wüste wieder!“ gesprochen.– Du aber, wieder in die Wüste zerstreutes Jissroél, ziehe in die Ssuckoh und erkenne, daß Gott deine Väter in ihrer ersten Wüstenwanderung erhielt – Er ist auch mit dir in dieser Wüstenwanderung. Siehe zurück auf die Jahrhunderte des Leidens, des Drucks, und der Hohnung und der Nacht – hat dir gefehlt schützendes Allmachtgewölk – wandelte keine leuchtende Feuersäule dir? – hat dich dein Gott nicht erhalten, armes, jedes künstliche Menschenschutzes beraubtes Jissroél, war’s nicht Gott, der dich erhielt? – Und nun! Wenn, – wie zur Prüfung ob du, du in Leiden treu gebliebenes Jissroél, auch erstarkt seiest, im Glück treu zu bleiben, – einen Geist der Menschlichkeit und der Milde Gott Fürsten und Völker einhaucht – daß sie selber zu lüften beginnen die Fessel, die sie selber so straff gezogen, selber zu heilen beginnen die Wunden, die sie selber im Wahne geschlagen – und nun Jissroél! dein jüngeres Geschlecht – in dieser Milde die Errettung, in dieser Entjochung die Erlösung erblickend – ihre Erringung, die Erringung freigegebenen Selbstbaues des eignen künstlichen Lebens, als ganzes Ziel der Jissroélaufgabe verehrt, – als ob Jissroél nur deshalb herausgegriffen ward aus der Völkermitte zu so eigenem Gang durch Völkergeschichte – um so in Besitz vergötternder Zeit – Besitz vergötternd wieder unterzugehen in Völkerzahl –   – zieh in die Suckoh, mit Jissroélgesit erfüllter Jüngling – sage dich los vom Wahne deiner Zeit, als müsse sich auch Jissroél menschlich erkünstelte Lebensgründung zum Lebensgott erkiesen – klammere an Gott dich fest – der auch durch diese Prüfung auf Adlersflügeln trägt –    – .

    § 221.

    Ja, als Menschheitsbürger ziehe in die Suckoh, Jissroéljüngling! Wenn einst also enthüllt der Propheten und Weisen Wort den Blick in die Zukunft – wenn einst die Menschheit, vor ihrer eigenen Geschichte belehrt, die Nichtigkeit ihres, mit Bowél begonnen Strebens ihr Erdenleben auf Erdbesitz  ohne Gott zu gründen, erfahren – in die Ssuckoh zieht – dann umschließt ein Bruderband die Allmenschheit, unter einem Gott, allbrüderlich vereint - losgesagt von den Banden des vergötterten Besitzes – nimmt sie der alleinige Gott, unter eine Friedensdecke, allväterlich auf – und wie alleinig Haschém, also Er als der Alleine, allein verehrt auf Erden. – 

     

    Aus: Chauréw  Versuche über Jissroéls Pflichten in der Zerstreuung, zunächst für Jissroéls denkende Jünglinge und Jungfrauen  Frankfurt a.M. 1909 S.111-113

    08-10-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    04-10-2017
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    Aufsatz erwähnt in „Koheleth übersetzt und kommentiert von Rabbiner Dr. Raphael  BREUER:

     

    Koheleth und die pessimistische Weltanschauung von Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH

    im „Israelit“ Jahrgang 42 n°22

    Suchen und finden Sie es durch

    http://www.compactmemory.de

     

    Schritt 1:  Der Israelit“ anzeigen

    Schritt 2: Jahrgang 42 ist 1901

    Schritt 3: Heft 22 Leitender Artikel (ist schon eine Fortsetzung auf Heft 21!)

    Schritt 4: Gutes Lernen!

     

    Schlußsatz: „Und so dürfen wir es denn aussprechen fußend auf der tiefsten Überzeugung der Erkenntniß: nicht ein Pessimist war Koheleth, sondern mit jede Fiber seines Wesens der größte,  bewußteste, herrlichste Optimist

     


    04-10-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    03-10-2017
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    Rabbiner Samson Raphael HIRSCH

     

    סוכות

     

    Suckauß (Laubhüttenfest)

     

    Kap. 29, V.13 Und ihr bringet ein Emporopfer, eine Feuerhingebung zum Willfahrensausdruck Gott nahe: junge Stiere dreizehn, Widder zwei, jährige Schafe vierzehn, in ihrer Ganzheit seien sie.

     

    Kap.29 V. 13 …Offenbar ist hier der Gegensatz Jissroéls zur übrigen Völkergesamtheit gezeichnet, ein Gegensatz, der nicht sowohl in der Anerkennung und Nichtanerkennung Gottes als Lenkers der menschlichen Geschicke, als in Erkennung und Nichtanerkennung Gottes als Leiters der menschlichen Taten besteht. Die Gruppe פרים שבעה,איל אחד  und שבעת כבשים  ist Israel; die Gruppe: פרים ששה,איל אחד  und שבעת כבשים ist die übrige Menschheit, und indem Israel am Hüttenfeste, dem Feste des „unter Gottes Schutz und Segen“ heiteren Hüttenbaues auf Erden, dieses letzten Zieles aller völkergeschichtlichen Wandelungen, mit dreizehn פרים, zwei אלים und vierzehnכבשים  naht, tritt es eben nicht für sich allein, sondern mit dem Ausdruck der Völkergesamtheit als „Jissroél und die Völker“ für die Gesamtmenschheit zu seinem Gott hin, allein mit Kennzeichnung des „Gegensatzes der Gott dienenden und nicht dienenden Tat“, der noch in der Gegenwart der Zeiten die Menschheit in zwei Lager klüftet. 

    Allein dieser Gegensatz ist immer mehr im Verschwinden begriffen. Unter Einfluß der Sendung Jissroéls und seines still wirkenden Beispiels in Mitten der Völker wird dieser Gegensatz immer kleiner, er beginnt mit sechs zu sieben, ist am zweiten Tage schon fünf zu sieben, dann vier zu sieben u.s.w., bis am siebten Tage, dem Ziele der Menschentwicklung und der Sendung Jissroéls für dieselbe, er völlig aufgehört hat und Jissroél in der Gotteshuldigung, in dem Lebensdienste der Tat mit der Gesamtmenschheit vereint als אילים שנים ,פרים שבעה und  ארבעה עשר כבשים vor Gott steht. Hinsichtlich der geschichtlichen Führung und des Anteils an der Lösung der Gesamtmenschheitsaufgabe hört Jissroéls Stellung in Mitten der Völker aber nicht auf, eine besondere zu sein. Jissroél und die Menschheit, die Menschheit und Jissroél, sie bleiben, nach ihrer ganzen geschichtlichen Entwicklung und ihrer besonders gearteten Tüchtigkeit für die Zwecke der Menschheit, zwei besondere, in ganz gleicher Würdigkeit geschichtlich Gott nahe und für die Ziele der Menschheit voranschreitenden Größen, – sie bleiben sieben und sieben כבשים, ein und ein איל; allein in Huldigung Gottes, des einen Einzigen, durch Erfüllung des einer jeden dieser Größen für die Lösung ihrer Aufgaben erteilten Gesetzes, des sinaitischen Jissroéls, des allgemein menschlichen in der  Menschheit, in Huldigung Gottes des einen Einzigen durch Erfüllung Seines Willens auf Erden, werden Jissroél und die Menschheit eins sein, und es wird das Tatenleben aller Menschen auf Erden also das Gott offenbarende Gepräge sittlicher Pflichttreue wie das Tatenleben Jissroéls tragen, sie werden zusammen als פרים nur „eine Sieben“ bilden והיה ד' למלך על כל הארץ ביום ההוא יהיה ד' אחד ושמו אחד.

    Auch das Wort der Weisen Sucka 55b: הני שבעים פרים כנגד שבעים אומות sieht in diesen Suckoth-Mussafopfern einen Opferausdruck für die Völkergesamtheit, und wenn (daselbst) Jissroéls Opfer als sühnende Fürbitte für die Gesamtmenschheit begriffen wird, so dürfte, wenn unsere Auffassung nicht ganz irrig, diese Fürbitte eben auf den im Laufe der Zeiten schwindenden Gegensatz, somit auf die allmälige Rückkehr der Menschheit mit ihrem Tatenleben zu Gott sich stützen. Um dieser Zukunft willen und für diese Zukunft möge Gott sie erhalten!

    Finden wir aber hier in der Moedgruppe des Hüttenfestes die Grundzüge aller der Wahrheiten niedergelegt, die über das weltgeschichtliche Ziel aller Völkerentwicklungen und Jissroéls zeitliche und künftige Stellung zu demselben durch den Mund der Propheten zum Ausspruch gelangten, so erscheint auch gerade das Hüttenfest in engster Beziehung zu diesem einstigen Völkerziel im Munde des Propheten. Secharja 14,16  enden alle gegen ihre Gottesbeziehungen ankämpfenden Kraftanstrengungen der Völker mit der endlichen Huldigung Gottes in Jerusalem und der jährlichen Gesamtmenschheitsfeier des Hüttenfestes. Ja, wir wagen den Gedanken: Ezechiel 38,39 wird das leitende Haupt der letzten Kampfe gegen Gott und seine Gestaltungen auf Erden: גוג genannt. Es liegt nicht ferne, darin den Begriff des Dachbildens von גגג, und damit sofort den Gegensatz zu סוכה, dem unsteten, kunst- und machtlosen Laubdach zu erkennen. In der Tat lässt sich der ganzen Menschheitsweltgeschichte in diesem Gegensatz begreifen. Ein Wahn führt die Menschheit irre. Wie es ihnen gegeben ist, ihre דפנות, ihr Bereich den geschöpflichen Mitweltgenossen gegenüber durch ihre mit Kunst verbundene Macht abzugrenzen und sicher zu stellen, so, wähnen sie, sei es auch die Aufgabe ihrer Macht, sich nach oben, Gott und den Einflüssen Seiner Waltungsmacht gegenüber sicher zu stellen, sich nur unter den Schutz der eigenen Macht zu begeben, ihr Geschick in die eigene Hand zu nehmen und den Ausbau der Menschengröße durch das die Unabhängigkeit von Gott sicherstellende Giebeldach zu krönen. Es ist der Kampf des גג gegen סוכה, der Kampf des die Menschen nicht zur Ruhe gelangen lassenden  „Giebelwahns“ der Menschengröße  gegen das heitere Vertrauen der sich Gottes Schutz unterstellenden Hüttenwahrheit. Die Weltgeschichte beginnt mit dem himmelstürmenden Turmbau der sich selbst vergötternden Menschenmacht – und endet mit dem Gott huldigenden Hüttenbau des heiteren Menschendaseins auf Erden. –

    Das Judentum überlässt anderen Disziplinen die Lehre, wie man mit Verzichtleistung auf das Diesseits das Jenseits gewinne. Es reserviert sich die Lehre, wie man durch ein Gott huldigendes Pflichtleben das Diesseits selig gestalte und das Jenseits schon im Diesseits beginne – und diese durch das Hüttenfest für Jissroél aller Zeiten gepredigte Lehre gestaltet sich durch die Moedopfergruppe desselben zur universalen Zukunftsaussicht aller Völker. Von dem Gipfel seiner nationalsten Freude schaut der Blick des Gottesvolkes auf die Heileszukunft aller Menschen aus. Auch war es nach dem Jeruschalmi Sucko V,1 eben der Freudengipfel dieses Jissroéls und der Menschheit Hoffnung umspannenden Hüttenfestes, auf dessen Höhen die „Quellen des Heiles“ sprangen, aus welchen die Jünger des Prophetentums den Geist schöpften, der sie zur Prophetie befähigte (siehe zu V.19).

    (Vergl. über diese universale Bedeutung des Hüttenfestes und der damit zusammenhängenden סוכתו של לויתן Jeschurun, Jahrgang VIII, S.14)

    03-10-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    02-10-2017
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.NOTIZEN von 'Jüdische Monatshefte' 1919 Heft 5. u. 6
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    NOTIZEN

     

    1.

     


    In N° 3-4 des Jeschurun finden wir den Versuch einer Exegese des Psalms 81, in welchem auch die Stellung des
    חז"ל einer Kritik unterzogen wird. Die N° kam erst kurz nach Redaktionsschluß; wir werden בל"נ diese Gelegenheit benutzen, um einmal das Verhältnis der Kritik zu מאמרי חז"ל zu  erörtern. Für heute begnügen wir uns mit der Bemerkung, daß wir die Exegese des Herrn Dr. Eppenstein in religionsgesetzlicher Hinsicht für höchtsbedenklich, in ästhetischer Hinsicht für äußerst geschmackslos halten, und daß wir unsere Leser bitten, nach wie vor davon überzeugt zu sein, daß der Vers תקעו בחדש שופר, sich nicht, wie Eppenstein lehrt, auf  פסחsondern auf ראש השנה bezieht.

     

    2.

     

    Wie lange noch will das Provisorische Comité der Agudass Jissroél unser Geduld  missbrauchen? Wie lange noch will es dulden, daß Herr Dr. J. Heinemann, Dozent des neologen Breslauer Seminars, in seinem Schoße weilt? Erhebt sich keine Stimme im Comité, den unerhörten Skandal ein Ende zu bereiten? Wartet das Comité vielleicht, bi Herr Dr. Heinemann freiwillig geht? Monate sind vergangen, seit Heinemann die Stelle am Breslauer Seminar angenommen hat. Die Mühle des Comités mahlt langsam. Wir hoffen, daß der Delegiertentag der Agudass Jissroél  an seine Pflicht erinnern wird.

     

    Quelle:דרש טוב לעמו  Jüdische Monatshefte, herausgegeben von Rabbiner Dr. P. Kohn, Ansbach, unter Mitwirkung von Rabbiner Dr. Salomon Breuer, Frankfurt a.M. Jahrgang 6 Heft 1 u. 2 S. 144

     

     

    N.B.: Die obengenannte Zeitschrift „Jeschurun“ war ein Machwerk des Dr.Wohlgemuth!

    Siehe in unser Archiv „Geschichte der Zeitschrift Jeschurun“

    http://www.bloggen.be/jesjoeroen/archief.php?ID=254573

     

    02-10-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    01-10-2017
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Haus Jakobs! Gehet voran, wir möchten im Lichte Gottes mitwandeln! Jesajas 2,5
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    בית יעקב לכו ונלכה באור ה'

     

    “Haus Jakobs! Gehet voran, wir möchten im Lichte Gottes mitwandeln!“

     

    Jesaja 2,5

     

    Kommentar von Reb Julius HIRSCH:

    „V.5 bringt die Aufforderung zum Ausdruck, welche die Völker bei ihrem Hinaufgehen zum Berge Gottes an Jissroél richten, die Bitte um Führung und Belehrung über ihre Pflichten. Sie wollen gerne Jissroél folgen (S. weiter Kap. 49,23 zu ועפר רגליך וגו' bemerkte“.

     

    Das BUCH JESAJA, nach dem Forschungssystem Rabbiner Samson Raphael HIRSCH übersetzt und erläutert von Julius HIRSCH Kaufmann Verlag Ffm. 1911

     

    Julius (Jehuda) HIRSCH: (1842-1909) Sohn von Rav Samson Raphael HIRSCH, Beruf: Geschäftsmann.

     

     

    Dieser Vers ist eine der durch den Zionisten meist mißbrauchten, meist gefälschten. Unter Weglassung bzw. Mißbrauch  des Gottesnamens, gilt der Akronym ביל"ו (lies Bilu) als Aufforderung Palästina zu kolonisieren. Laut den widerlichen religiöszionistischen Fälschern genügt es den Göttlichen Namen zuzulegen um den gottes- und menschenfeindlichen Zionismus zu „koschern“.

    01-10-2017 om 08:12 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    27-09-2017
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro des Nachmittaggebetes am Jaum Kippur
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    Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH

                  (1833 – 1900)

     

    הפטרה למנחה של יום כפור

     

    Aus dem Kommentar zur Haftoro vom Nachmittaggebet des Jaum Hakippurim

     Prophet Jona

     Längst schon hat die Sonne den Zenith überschritten und der größte, herrlichste Tag neigt sich bereits zum Scheiden. Im Geiste haben wir uns so eben in die heiligen Weihehandlungen der Abodah versenkt, die einst an diesem Tage auf Moriah, im Gesetzesheiligtum unseres Gottes vollzogen wurden. Und da ist uns die Herrlichkeit des Einst und das Elend des Jetzt in der ganzen Schroffheit ihres Gedankens entgegengetreten, und wir haben uns so unsäglich arm gefühlt, haben gefühlt, wie unendlich viel wir verloren. – Und bitterer Schmerz hat da unser Herz zerrissen und hat dessen Starrsinn gesprengt, und tiefe Sehnsucht ergriff uns nach dem Vaterhause, und da haben wir uns vor unserem Gotte ausgeweint, wie das Kind in den Armen des Vaters.

    Doch nicht durch Rührung und tatenlose Sehnsucht wird der Aufgabe des Tages genügt. Rückkehr, Besserung ist die Losung. Darum ward noch einmal die Thora dem heiligen Schreine entnommen und aus dem Gottesworte jener Abschnitt vorgelesen, der an die allererste Grundlage eines heiligen Lebens und an die erste Vorbedingung unsre dauernden Rückkehr mahnt: an die sittliche Reinheit, an die Reinheit des Familienlebens. Und da es nun galt, aus dem Prophetenworte einen Abschnitt zu wählen, der in diesem ernsten Momente des dahinsinkenden Tages uns so recht die Macht und das Wesen der Theschubah vergegenwärtigt, die Rückkehr aus tiefster Gesunkenheit zu seinem Gott sich emporringenden Menschen, da fiel die sinnige Wahl auf das Wort von der Sendung des Propheten Jona.

    Er hatte der gewaltigen Ninive, der glänzenden Hauptstadt des weltherrschenden Assyrerreiches, wegen ihre Missetaten den Untergang verkündet. Die Worte des fremden Propheten, der im Namen des unsichtbaren Gottes gesprochen, hatten in den Herzen des götzendienenden Volkes tiefe Erregung erzeugt. Sie waren in sich gegangen, hatten Fasten verkündet, und der vom Volke ausgehenden Bewegung hatte der König, hatten die Grossen sich angeschlossen. Der König war von seinem Throne gestiegen, hatte seine Königsgewänder abgelegt und gleichfalls ein härenes Trauergewand angelegt, und der Befehl war im Namen des Königs und der Grossen ergangen, daß ein jeglicher fasten und Gott inständig anrufen und „zurückkehren solle von seinem schlechten Wandel und von dem Unrecht, das in seinen Händen“. – Da heißt es nun nicht, bemerken unsere Weisen: Gott sah, wie sie sich durch Fasten kasteiten und mit ihren härenen Gewänder sich peinigten, auch nicht: wie andächtig sie beteten, sondern: „Gott sah ihre Taten, daß sie von ihrem schlechten Wandel zurückgekehrt waren, da änderte Gott seinen Entschluß hinsichtlich des ihnen angekündigten Unglückes und führte es nicht aus“. So ist die Besserung das alleinige Wesen der Teschubah, und nur sie erwirkt das Wunder der göttlichen Gnade. Wir haben an einem anderen Orte eingehend darauf hingewiesen*) wie charakteristisch es ist für die in jeder konfessionellen Engherzigkeit abholde, wahrhaft freie Universalität des Judentums, daß es götzendienende Heiden sind, deren Besserung uns an diesem Tage als Vorbild für die eigene Besserung vor die Seele geführt wird. Nur mit dem Unterschiede, aß die Verzeihung, die ihnen durch die Rückkehr zu den allgemein menschlichen Pflichten zu Teil wurde, für uns an die Rückkehr zu dem gesamten Gottesgesetze geknüpft ist.

    Doch noch zwei andere Momente sind es, die uns dieses Prophetenwort in einer ergreifenden Eindringlichkeit wie kaum ein anderes vor die Seele führt.

    Einmal die Allgegenwart und die alle Wesen und Kräfte als Vollstrecker seines Willens verwendende Vorsehung Gottes. Was dem gedankenlosen Menschen als Spiel der Elemente, als Walten des Zufalls erscheint: so es in den Dienst zur Ausführung des Gottesgedankens gestellt ist, ist es planvolle Gottesfügung. Der Sturm auf dem Meere, der dem sich der Gottessendung entziehenden Flüchtling schon vorausgesandt ist (Kap. 1,4), das wildbrandene wütende Meer, die Gottesfügung, die ihm in Leben erhält in einer Lage, die sonst unrettbar der Tod bringt, die dunkle Meerestiefe; die ihn wieder emporschleudert in den Bereich der Meereswogen, der Meeresstrudel, der ihn umkreist und emporhält, das Seetier, das ihn verschlingt und später ans Land wirft, das Kikajon, das in einer Nacht aufsproßt, ihn im Sonnenbrand zu beschatten, das Insekt, dessen Stich dasselbe Kikajon verdorren macht, der Glutwind aus dem Osten, der Jona verschmachten ließ, – von einigen dieser Fügungen erfahren wir es aus den Worten des Propheten, bei den anderen, so bei dem Sturme auf dem Meere, dem gewaltigen Fische, dem aufsproßenden Kikajon heißt es ausdrücklich: וימן ה', וה' הטיל, in vielmaliger Wiederholung: Gott bestellte, Gott bestimmte sie.          

    Und sodann jenes Allerbarmen, jene Liebe, die ein jedes Wesen und sein Gedeihen als ein Werk der Fürsorge des Schöpfers anschaut und diesem wert und teuer sein läßt! „Dich dauert des Kikajons, mit dem du dich nicht abgemühet und das du nicht großgezogen hast – und mich sollte nicht der grossen Stadt dauern und all der Kinderseelen in ihr und all des Viehes?“    Also ist jeder Kreis von Menschen eine „Pflanze“, von der Gott spricht: אשר עמלתי בו ואשר גדלתי! Das ist die Vaterliebe des Schöpfers, die unverlierbare, die jedem seiner Kinder zugewandte, wie das „Alte Testament“ sie lehrt, jene Liebe, die der Rückkehr der verirrten Kinder harrt, die ihnen aus freier sittlicher Energie stets offen steht, weil sie nicht „sündig“, sondern rein und für das Höchste befähigt geboren werden, jene Liebe, die, wenn das ältere Geschlecht gesunken ist, auf die reinen Keime des Guten in die Brust derer hinschaut, die noch nicht „die Rechte und die Linke“ unterscheiden können, und schon um der unschuldigen Kinderseelen willen den drohenden Untergang abwendet.

     

    *) Das Reine Menschentum im Lichte des Judentums. Frankf. A. M. Kaufmann 1893, S.35

    (Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 532 – 545   Kommentar zu JONA Kap. 1 V.1…) 

    27-09-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    25-09-2017
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.The Jewish Guardian Archive
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    The Jewish Guardian Archive

     

     

    The Jewish Guardian was an English-language anti-Zionist periodical that appeared during the 70s and 80s. It contained a rich treasury of articles by famous rabbis as well as historians and activists, detailing the Torah view on the issues of the time as well as analyses of the history of Zionism. It was mailed out to subscribers and reached a wide variety of Jews from all communities - fulfilling a similar function to True Torah Jews and Yeshurun – Judaism against Zionism in the pre-internet age. We thank Hashem that this archive of Torah thought has now become available in PDF format, and True Torah Jews – Natruna has made it accessible here.

     

    http://www.truetorahjews.org/guardian

    25-09-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    12-09-2017
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    Synopsis of a Special Address by Rabbi Leo BRESLAUER
    of Congregation Kehilas Yaakov of Washington Heights

     

     

    My friends, all of Kehillas Yaakov!

     

    Although I had already given notice in our Board some times ago, I am sorry that by force of circumstances I had to delay my appearance before you. Now, that we have moved to Monsey, we are in the situation of a Niftor M’Chaveiro, one who parts with his friend and does not want to be forgotten. We in Monsey will surely never forget you. After all those forty years how can we forget so much of our individual life span. But you are a Tzibbur, your timing is different.

     

    I would like to follow the advice of Chazal; they said: “If, Chaveirim are parting with each other, it should be done by a D’var Halocho. Being Chaveitim they belong together, and a D’var Halocho can keep them together even while separated by the longest distance.

     

    We are now in the Parshios Nitzovim-Vayeilech. These two words reflect our problem. Nitzovim means remaining firmly, and is a Loshon Rabbim, plural, referring to K’lall Yisroel. But Vayelech means moving, and is Loshon Yochid, referring to a single person. Even though he was Moshe Rabbeinu, yet he was a mortal individual and the Tzibbur would still remain long after him. And also he might have been concerned about being forgotten, were it not for the Toras Moshe which made him unforgettable.

     

    So, I came now to take leave from you with two Divrey Halocho.

     

    First, a D’var Halocho on Vayelech. It is a matter of Hashkofo. I will try to be very precise. Moshe Rabbeinu had to teach Shiras HaAzinu to B’nei Yisroel so intensively that it would never be forgotten. Its essence is: Heaven and earth are made witnesses by their Creator that: “Hashem bodod yanehenu ve’ein lmo Eil Neichor.” Hashem alone shall guide His people and no strange god with him.

     

    About 65 years ago, in Kattowitz, the Agudas Yisroel World Organization was founded expressively for the purpose to put up an absolute negating factor against the worldwide wide Zionist movement, which denied and opposed the belief in Shomer Yisroel. Political Zionism, the very Eil Neichor, declared that the Jewish nation cannot rely on Hakodosh Baruch Hu for its survival. It must normalize itself by establishing a secular Jewish national statehood, independent of HaShem and His Torah. Real Meenus (atheism). To make bad worse, political Zionism, characteristically prone to disguise, insisted on Admas Kodesh (the Holy Land) for its unholy statehood, thus turning the Meenus into the gravest tempting test for Torah true Achdus. A real Satan. In the year 5709, the United Nations recognized a part of Palestine as a territory of the Zionist State and so gave unwittingly recognition to the worst global Chilul Hashem, which – to our shame – was seconded by the prompt silencing of protesting Ma’aminim (Faithful) among us.

     

    Now, again a Knessio Gedaulo of Agudath Yisroel World Organization in Jerusalem is in the making, but the genuine Agudath Ysroel World Organization of Kattowitz -- faithful to her raison d’être for the sake of K’vaud Shomayim -- would never parade in a Jewish national state of secular normalization, which l’maan Hashem should never have come into being -- even without enjoying the facilities of the capital and official felicitations.

     

    So, who is who?

     

    As long as Torah-political truth is basis Hashkofo in Kehilas Yaakov, we will be united in mutual remembrance.

     

    Second, a D’var Halocho on Nitzovim:  Areivus as responsible in behalf of the Tzibbur. Rabbon Gamliel, in the second peirek calls it “La’aruk im hatzibbur le Shem Shomayim.” Also we all being members of our Kehillas Yaakov, must be concerned about it, although not all in the same way.

     

    First of all, those who do the administrative or fulfill specific congregational functions or represent K.Y. in social and public life. Also those who are learning Torah or teaching it. Then, those who take part in making K.Y. an Eido of Yereim morning and evening. And even those who just say “Omein”. Those last ones are far from being the least ones.

     

    You probably heard about New Square, a Chassidic village in Spring Valley. They had a beautiful Shul and in it a small cheder where the Rebbe could be by himself, to daven and meditate. One day, a fire destroyed the Shul but the cheder survived unharmed. Someone asked the Rebbe, “Is it true?” and he answered, “It is; but why are you so amazed by it? In my cheder there is never Sichas Betello, no shmuessing during the davening.”

     

    The Sh’mone Esre is primarily a substitute for the daily Korban Tamid in the Beis Hamikdosh. Just as one lamb was offered for K’lal Yisroel, all united by the common Shekel, so its substitute is the Sh’mone Esre, said by one man for the entire Tzibbur, all united by the common “omein”, in other words, the loud repetition of the Sh’liach Tzibbur. Nobody would have dared to shmuess during the offering of the Korban Tomid in the Beis Hamikdosh, the House of the Shechino. Nobody should dare to schmuess during the loud Sh’moneh Esre in our Mikdosh M’at, also a House of the Shechino.

     

    This is the meaning of the sign over the Aron Hakodesh: “Da Lifnei Mi Ato Omed.” No schmuess even with the best friend, not even a word of Torah, only “Omein”. If this is not done, then, chas vesholom, our Beis Haknesses is not properly shielded, in spite of all insurances. But those who resist all temptations and say “Omein” and only “Omein” in the loud Sh’mone Esre because they feel responsible for the Tzibbur, even the ladies on their balcony, they, that are “oskim im HaTsibbur LeShem Shomayim” in the fullest sense of the word “Ve’Lezidkosom Omedes l’ad.”

     

    Now you might ask: Is this mutual remembrance among people really so important?  Perhaps is it just a human frill? You are right: If just among people, it can be just unimportant. But our remembrance of two or more B’nei Yisroel is through a D’var Halocho which is Torah, and Thora is always remembered by HaKodosh Boruch Hu, thus performing the very important union of Hakodosh Boruch, Torah and Yisroel.

     

     It is just what we are praying and hoping for in these days of Slichoss “Zochreinu LeChayim, Melech Chofetz BaChaim.”

     

    May Hakodosh Boruch Hu grant us this Z’chiro, all of us and K’lall Yisroel, today and forever, omein!

     

    Source: The Jewish Guardian Archive

    Vol 2 Number 5 1982

    12-09-2017 om 22:44 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    11-09-2017
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    Samson Raphael Hirsch

    ÜBER DIE BEZIEHUNG DES TALMUDS ZUM JUDENTUM

    UND ZU DER SOZIALEN STELLUNG SEINER BEKENNER (5)

     

    VERHALTEN ZU DEN REGIERUNGEN UND MITBEVÖLKERUNGEN

     

    Mit drei Eiden sandte Gott Jissroél ins Exil, heißt es im Talmud, er ließ Jissroél schwören, daß sie nie eigenmächtig die Rückkehr zum gelobten Lande zu erzwingen versuchen, sondern geduldig ausharren sollten, bis Gott sie wieder zurückführen werde. Er ließ Jisroel schwören, daß sie sich nie gegen den Staaten, die sie aufgenommen, empören sollten. Und er beschwor die Völker, daß sie Jissroél nicht über die Masse drücken sollte[1].  Seinen beiden Eiden ist das jüdische Volk in all den Jahrhunderten seines langen Exils gerecht geworden, nie hat es einen gewaltsamen Versuch zur Rückkehr gemacht, und nie und nirgends hat es sich gegen die Regierungen empört, in deren Land es Aufnahme gefunden. Derselbe Talmud, der die Zuversicht auf die einstige Wiederkehr in das Land der Väter, der Wiederbau des Tempels und die dann vollkommene Erfüllung des göttlichen Gesetzes auf dem diesem Gesetze ureigenen Boden des gelobten Landes, Hand in Hand mit dem Anbruch des den ewigen Frieden bringenden Gottesreiches auf Erden durch Sammlung aller Menschen zur Erkenntnis Gottes, des Einzig Einen, und zur Verehrung desselben durch ein Leben der Pflichttreue in Gerechtigkeit und Liebe, derselbe Talmud, der diese Zuversicht und diese Hoffnungen als wesentlichen Bestandteil der jüdischen Überzeugungen in unser tägliches Gebet einfügte, derselbe Talmud macht jeden eigenmächtigen Versuch zur Erlangung dieser Rückkehr zum verbrecherischen Auflehnen gegen den göttlichen Willen, verpflichtet vielmehr seine Bekenner, den Eintritt dieser Verheißungen ausschließlich dem von Gott zu ergehenden Ruf unserer Wiederversammlung zu überlassen, bis dahin  geduldig auszuharren im Lande ihrer Verweisung, es wie ihr Vaterland zu lieben, sein Wohl zu fördern, und Fürst, Obrigkeit und Mitbewohnern gegenüber alle Pflichten treuer Untertanen und Bürger zu erfüllen, wie dies Jeremias K. 29, V.1-7 dem babylonischen Staate gegenüber ausgesprochen ist. Infolgedessen haben denn auch die Juden sich überall und immer als die treuesten und gehorsamsten Untertanen bewährt. „Das Recht der Regierung ist Recht“ lautet der kurzer Satz, den der Talmud für unser Verhalten als Norm aussprach, d.h. was eine Regierung für ihr Land als geltendes Recht bestimmt, das hat für uns unverbrüchliche Geltung und muß gewissenhaft von uns beobachtet werden[2].  Nach diesem Grundsatz lehrt, wie wir bereits bemerkt, der Talmud, daß staatsseitig geforderte Zölle und Steuern umgehen durchaus als Diebstahl zu betrachten ist, und ausdrücklich wird dabei im Rechtskodex Ch.M. 369,6 bemerkt, daß diese selbst hinsichtlich solcher Steuern der Fall ist, die der Staat nur von Juden fordert. Das Land, wird dieser Grundsatz von R. Nissim (Nedarim 28a) erläutert, ist Eigentum des Landesherrn, und ist dem Juden die Erlaubnis zur Niederlassung im Lande nur unter der Bedingung erteilt, daß von ihm die Landesgesetze beobachtet werden.  Nie lasse die der Regierung schuldige Ehrfurcht außer Augen[3].  Es gibt nichts Machtherrlicheres auf Erden als einen König[4].  Ein vom König beauftragter Diener ist wie der König[5].  Eine Regierung macht ihr Wort zur Tat; sagt sie, sie wolle Berge von der Stelle rücken, so tut sie es und nimmt ihr Wort nicht zurück[6].  Bete für das Wohl der Regierung, denn wäre  nicht ihre gefürchtete Macht, es würde sich die Gesellschaft in einen Krieg aller gegen alle auflösen[7].  Jede Obrigkeit, auch den einfachsten Beamten, hast du als vom Himmel gefügt zu achten, denn er hat in dem ihm angewiesenen Kreis das Recht und die Ordnung zu handhaben[8].

    So ist denn auch in unserer synagogalen Liturgie das Gebet für Fürst und Obrigkeit enthalten, und beim Anblick eines Königs lehrt der Talmud die Benediktion sprechen: gebenedeit sei Gott, der sterblichen Menschen von seiner Herrlichkeit mitgeteilt[9].      

    Wir haben schon unter dem Titel Rechtschaffenheit gezeigt, wie nach der ausdrücklichen Lehre des Talmuds die Pflichten der Rechtschaffenheit gegen jeden Menschen ausnahmslos, auch gegen Heiden und Götzendiener geboten sind und jedes Abweichen vom Rechten, jedes gegen irgend welchen Menschen geübte Unrecht im Kauf und Verkauf, jeder Betrug und jede Täuschung im Messen, Wägen, Rechnen, Zählen, usw. von Gott verabscheut wird. Aber nicht nur alle Pflichten der Gerechtigkeit, auch aus dem sozialen Zusammenleben  fließende Menschlichkeit lehrt der Talmud selbst gegen Heiden und Götzendiener üben, lehrt ihre Arme unterstützen, ihre Kranke pflegen, ihre Leichen bestatten[10], ihren Greisen mit ehrerbietiger Hilfe entgegenkommen[11], ihren in menschlicher Wissenschaft hervorragenden Weisen  mit der zu Gott aufblickenden Benediktion begegnen, der von seiner Weisheit sterbliche Menschen gegeben[12]. Alles dies selbst gegen Heiden und Götzendienern zählende Menschen.  Nichtjüdische Menschen aber, die den von der Bibel gelehrten Gott des Himmels und der Erde erkennen und sich zur Erfüllung aller allgemeinen menschlichen Pflichten, wie des Verbotes des Mordes, des Diebstahls, der Unkeuschheit usw. verpflichtet, bekennen,  die stehen nach der Lehre des Talmuds hinsichtlich der Pflichten von Mensch zu Mensch dem Juden völlig gleich und haben den Anspruch nicht nur auf alle Pflichten der Gerechtigkeit, sondern auch auf den Erweis tätiger Menschenliebe[13].  Überhaupt sind wohl die Weisen des Talmuds die einzigen Lehrer einer Religion, die nicht sagen: außer unserem Bekenntnis kein Heil! Sie vielmehr lehren: die Gerechten aller Völker haben Anteil an der ewigen Seligkeit[14]. Die mosaischen Gesetzen sind dem Talmud zufolge nur Jissroél zur ewigen Verpflichtung erteilt, alle übrigen Menschen aber sind vollkommene Gerechte vor Gott, wenn sie nur die allgemeinen, sogenannten sieben mosaischen [noachidischen] Pflichten gewissenhaft beobachten. Daher zu 3. B.M. K. 18, V. 5 die talmudischen Sätze: Selbst ein Nichtjude, der das ihm erteilte göttliche Gesetz erfüllt, steht dem Hohenpriester gleich, denn es heißt: welche der Mensch erfüllt und Leben durch sie gewinnt. Ebenso (Jesajas K.26, V.2): Öffnest die Pforten, daß Priester und Jissroél eingehen, heißt es nicht sondern: daß ein gerechtes, die Treue bewahrendes Volk eingehe.  Ferner (Psalm 118, V.20): Dies ist die Pforte zu Gott, Priester, Leviten und Jissroél heißt es nicht, sondern: Gerechte gehen in sie ein.  So auch (Psalm 133, V.1): Jauchzet, Priester, Leviten und Jissroél, heißt es nicht, sondern: Jauchzet Gerechte in Gott. Endlich (Psalm 125, V.4): Tue Gutes, Gott, den Priestern, Leviten und Jisroel heißt es nicht, sondern: Tue Gutes, Gott, den Guten! Aus allem diesem folgt, das selbst ein Nichtjude, der das ihm erteilte Gesetz erfüllt, dem Hohenpriester gleich steht[15].  Diese Sätze gewährleisten Leben, Gottesnähe, Glückseligkeit und Heil jedem Menschen, der die ihm obliegenden Pflichten in treuer Gewissenhaftigkeit vor Gott erfüllt.  Spricht doch ein talmudischer Weiser geradezu: Himmel und Erde rufe ich zu Zeugen, es sei Nichtjude, Mann oder Frau, Knecht oder Magd, je nach seinen Werken ruht heiliger Geist auf ihm[16].

    Auf  Grund und im Geiste dieser talmudischen Lehren haben denn auch die Gesetzlehrer aller Zeiten ihre Brüder das Verhalten gelehrt, das ihre jüdische Pflicht von ihnen in Beziehung zu den Regierungen und Bevölkerungen fordert, unter deren Schutz und in deren Mitten sie leben, wie sie auch sonst von den jüdischen Anschauungen und Lebensweisen sich unterscheiden mögen, doch auch die jüdische Bibel des alten Testaments als ein Buch göttlicher Offenbarung verehren und in ihrer Glaubens- und Pflichtenlehre den von der Bibel gelehrten Gott des Himmels und der Erde und seine in diesem und jenem Leben waltende Vorsehung bekennen, der sie zur Erfüllung der allgemeinen menschlichen Pflichten verpflichtet, sie daher von den heidnischen und götzendienenden Völkern der talmudische Zeit, hinsichtlich deren der Talmud wohl alle Rechtspflichten, die Erfüllung tätiger Menschenliebe aber nur im beschränktem Masse gebietet, sich völlig unterscheiden, vielmehr zu denen nichtjüdischen Menschen zählen, die auch hinsichtlich des Erweises tätiger Menschenliebe der Talmud dem Juden völlig gleichstellt. Sie weisen mit Ernst und Nachdruck darauf hin, wie uns noch ganz besonders die Pflicht der Dankbarkeit gegen die Fürsten und Völker obliegt, die uns Aufnahme und Schutz gewähren, da doch selbst vom Egypter (5. B.M. K.23, V.8) gebietet: hege keine Unfreundlichkeit gegen den Egypter, denn Aufenthalt fandest du in seinem Lande.  In einer unserer Gegenwart nahen Zeit, Ende des vorigen Jahrhunderts, haben namentlich hochgefeierte Rabbinen wie R. Jecheskeel Landau, R. Eleasar Fleckeles und R. Jakob Emden in verschiedenen Schriften diese Thema eingehend behandelt. Dieser letztere in seinem Kommentar zu Aboth IV. 13 hob ganz besonders hervor, wie „Christen und Mohammedaner von uns als ein Mittel zur einstigen, Verwirklichung der allgemeinen Gotteserkenntnis auf Erden zu betrachten sind.  Während die Völker vor ihren Götzen dienten, Gottes Dasein leugneten, also weder Gottes Macht noch einer Vergeltung anerkannten, diente das Bestehen der Christen und Mohammedaner dazu, unter den Völkern das Gottesbewußtsein zu verbreiten und in den fernsten Ländern der Erkenntnis Eingang zu verschaffen, daß einen Gott gibt, der die Welt beherrscht, der belohnt und bestraft, und an Menschen seine Offenbarungen ergehen ließ.  Einsichtsvolle christliche Gelehrte haben aber nicht bloß der schriftlichen Offenbar im Kreise der Völker Anerkennung verschafft, sondern auch der der Mündlichkeit übergebenen Gottesoffenbarung zum Schutze gedient.  Denn  als ruchlose, dem Gottesgesetze feindliche Personen aus unserer Mitte die Absicht hatten, den Talmud zu abrogieren und zu vertilgen, haben sich aus ihrer Mitte Fürsprecher zur Abwehr dieser Bestrebungen erhoben usw.“

     Daß das jüdische Volk diese Verpflichtung des Talmuds auf Treue und Gehorsam für Obrigkeit, auf Gerechtigkeit und Menschenliebe für alle Mitbevölkerungen um großen ganzen gewissenhaft und freudig erfüllt hat, kann nur eine die Wahrheit geflissentlich verkennende Feindseligkeit in Abrede stellen. (Fortsetzung folgt)

     

    Quelle: S.R. HIRSCH: Gesammelte Schriften Band VI Frankfurt am Main 1912

    (Erschien als Broschüre im Jahre 1884)



    [1] Kethuboth 111a.

    [2] Baba Kama 113a.

    [3] Sebachim 102a.

    [4] Gittin 56a.

    [5] Baba Kama 113b.

    [6] Baba Bathra 3b.

    [7] Aboth 3,2.

    [8] Berachoth 58a.

    [9] Das.

    [10] Gittin 61a.

    [11] Kiduschin 32b.

    [12] Berachoth 58a.

    [13] Maimonides Melachim 10,12

    [14] Sanhedrin 105a.

    [15] Sifra zu 3. B.M. K.18, V.5.

    [16] Tana debe Elia zu Richter K.4, V.4.

    11-09-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    04-09-2017
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    Samson Raphael Hirsch

     

    ÜBER DIE BEZIEHUNG DES TALMUDS ZUM JUDENTUM

    UND ZU DER SOZIALEN STELLUNG SEINER BEKENNER (4)

     

    NAHRUNGSZWEIGE

     

    Ein hoher Wert legt der Talmud auf eine selbständige Existenz die keiner mildtätigen Unterstützung bedarf, und lehrt mit Nachdruck, dieses Ziel auf jede mögliche redliche Weise anzustreben und sich zu dessen Erreichung keiner Arbeit und keiner Leistung zu schämen, lieber sich die größten Entbehrungen aufzulegen, um nur der Menschenhilfe entbehren zu können.  Hoch in Ehren stand im talmudischen Kreise die Arbeit. Sein Grundsatz war: Groß ist die Arbeit, denn sie ehrt dem Mann[1]. Einem gefallenen Tiere, heißt es, ziehe auf der Strasse das Fell ab und verdiene dir etwas, und sage nicht, ich bin ein Priester, bin ein großer Mann, es schickt sich nicht für mich[2] ! Lebe am Sabbat wie am Werktage, nur brauche nicht Menschenhilfe anzusprechen[3].  Verdinge dich selbst zu einer dir sonst widerstehenden Arbeit und bleibe unabhängig von Menschenhilfe[4].

    Die Weisen des Talmuds achteten ihre Wissenschaft zu hoch, um sie, wie sich ausdrückten, „zu einem Spaten zu machen, um damit zu graben[5]“, sie lehren ihre Wissenschaft unentgeltlich und ernährten sich größtenteils von Arbeit, Handwerk, Ackerbau, oder einfachem Handel. Wie wir diese Nahrungsweise unter ihnen selbst vertreten finden, so lehrten sie auch allgemein[6]: Wie der Vater verpflichtet ist, seinen Sohn im religiösen Gesetze zu unterrichten, so ist er auch verpflichtet, ihn ein Handwerk lernen zu lassen. Nach einer Auffassung wäre jeder ordentliche Erwerb dem Handwerk gleich, nach anderer wäre jedenfalls auch ein Handwerk zu erlernen, selbst wenn der Sohn ein anderes Geschäft treiben sollte; denn nur ein Handwerk  gewähre immer eine Existenz[7]. Immer lehre man seinen Sohn ein solches Gewerbe, das möglichst rein vom Versuchung zum Unrecht ist und ihm auch noch irgend welche Masse läßt, auch seiner geistigen Bildung zu leben[8]. Er lehre ihn auch nicht ein solches Gewerbe das ihn in Berührung mit Frauenzimmern bringt.  Insbesondere wird das Handwerk geschätzt.  Alle Handwerke bleiben in der Welt, glücklich, wem ein gutes Handwerk zu teil geworden[9].  Sieben Jahre mag Hungersnot sein, die Türe eines Handwerkers weiß sie nicht zu finden[10].  Liebe die Arbeit und wolle nicht hoch gestellt sein[11].  Der Gottesfürchtiger, der von seiner Arbeit lebt, hat es doppelt gut, er ist glücklich in diesem und in jenem Leben[12].

     

    In hoher Achtung stand auch der Ackerbau. Wohl zog mancher das Geschäft vor, und einer der Rabbiner ging an einem Ackerfeld vorüber, dessen volle Ähren wie grüßend und winkend die Köpfe bewegten, und sagte er scherzend: winket nur immer, mit einem Geschäft sich befassen ist doch besser als mit euch[13]. Aber das allgemeine Urteil lautet doch anders.  Jeder Mensch, wird gelehrt, der keinen Acker hat, ist kein Mensch, denn es heißt: die Erde hat er den Menschenkindern gegeben. Säe dir selbst deine Frucht und kaufe sie nicht, kommen dir auch beide gleich teuer, das Selbstgesäete ist gesegneter[14].  Wenn es in der Strafverkündung (5. B.M. K. 28, V.66 heißt: „Dein Leben wird dir in unsicherer Ferne schweben,“ so gilt das von dem, der sich seinen Kornbedarf von Jahr zu Jahr kauft, „du wirst Tags und Nachts in Sorge sein,“ gilt von dem, der seinen Kornbedarf von Woche zu Woche kauft, endlich: „du wirst keinen Glauben an dein Leben haben,“ das ist der, der sich auf den Brotverkäufer verläßt[15]. Wer seinen Acker bestellt, wörtlich: wer seinem Acker „dient“, heißt es (Prov. K. 12, V.11), wird des Brotes satt, nur wenn der Mensch sich wie ein Knecht mit seinem Acker beschäftigt, wird er sich an Brot sättigen, sonst nicht[16].  Aus allen diesen Sätzen leuchtet hervor, wie sehr es im Talmud gewünscht und empfohlen wird, daß jeder seinen eigenen Acker besitze und bestelle und sich seinen Fruchtbedarf in eigener Landwirtschaft erziele, und wird es nach den damaligen Bodenverhältnissen als ein gesegneter Besitzstand bezeichnet, der zu je einem Drittel aus Getreide-, Öl- und Weinbau besteht[17].

    Als, heißt es in M.Rabba zu 1. B.M. K.12, V.1, Gott den Abraham zur Wanderschaft nach einem Lande berief, das ihm und seinen Nachkommen zu eigen werden sollte, und er in Mesopotamien die Menschen essen und trinken und müßige Kurzweil treiben sah, sagte er: „gebe Gott, das in diesem Lande nicht mein Anteil werde. Als er aber zu der tyrischen Aufgängen an der Grenze von Palästina kam und sah dort die Menschen mit jäten beschäftigt zur Zeit des Jätens und mit ackern zur Zeit des Ackerns, sagte er: gebe Gott, daß in diesem Lande mein Anteil werde. Darauf sprach Gott: deinen Nachkommen gebe ich dieses Land. Wie sich in diesen Worten die Erkenntnis ausspricht, daß auch für die sittliche Entwicklung der eine regelmäßige  Tätigkeit beanspruchende Ackerbau am vorteilhaftesten ist, so setzt ja auch das ganze jüdische Religionsgesetz in allererste Linie die den Ackerbau voraus, wie ja auch alle jüdischen Feste in Zusammenhang mit der Feldarbeit und den Ackerbau stehen. Der wegen seiner geistigen Bildung gefeierteste Stamm Issachar war Ackerbauer, und „jeder unter seinem Weinstock und Feigenbaum“ ist[18],  das jüdische Ideal glücklicher Nationalwohlfahrt.  Und dies blieb auch nachdem das jüdische Volk aus dem eigenen Lande vertrieben in fremden Lande wohnte. Ein Blick in den umfangreichen Traktat Seraim, der von den religionsgesetzlichen Vorschriften hinsichtlich des Ackerbaues handelt, sowie in die dem Zivilrecht angehörigen Traktate Baba Kama, Mezia und Bathra, welche gelegentlich Angelegenheiten der Landwirtschaft bespreche, zeigt, welche umfassende Detailkenntnis von der eigentümlichen Beschaffenheit und Lage des Bodens usw., überhaupt welche eingehende Kenntnis von den Erfordernissen einer rationellen Feld- und Baumkultur die Weisen des Talmuds hatten, ein Kenntnis, die sich nur im ernsten Selbstbetrieb der Landwirtschaft erwerben läßt, und beweist, wie sie die oben mitgeteilten Äußerungen über den Wert des Ackerbaues auch in eigener Praxis betätigten. Waren sie doch so sehr für ihre Ernährung auf die Landwirtschaft hingewiesen, daß ein Meister der rabbinische Lehre sich veranlaßt sah, seine zahlreiche Hörer zu bitten, in Frühjahrs- und Herbstzeit nicht seinen Hörsaal zu besuchen, damit sie sich während dieser Zeit ausschließlich mit ihrer Landwirtschaft beschäftigen möchten, um nicht das ganze Jahr von Nahrungssorgen gequält zu werden[19].   Wohl wurde in talmudischer Zeit auch Handel und Industrie gepflegt, sind doch beide ebenso wie der Ackerbau unentbehrlich, und ein Bauer selbst bedarf namentlich des Handels.  Wo soll er mit seinen Früchten bleiben, wenn der Kaufmann ihm nicht die Produkte seiner Arbeit abnimmt, um sie anderwärts zu verwerten, eine Zusammengehörigkeit, die schon das Bibelwort in der brüderlichen, sich gegenseitig ergänzenden Verbindung des ackerbauenden und bildungsfreundlichen Stammes Jissochor und des Handelsstammes Sebulun[20] vergegenwärtigt.  Jedoch waren die Weisen des Talmuds einem zu weitläufigen Handelsgeschäfte und einer zu großen Hingebung an den Handel nicht hold.  An dem überseeisch eingehenden Groschen, meinten sie, sei kein Segen[21].  Und während der Ackerbau nach beendigtem Tagewerk und in der Winterzeit auch einige Muße zur Weiterbildung gewährt, sprachen sie aus der       Erfahrung aus, daß bei der Geschäfts- und Handelsleuten die Weiterbildung meistens zum Stillstand kommt[22], daß, wer zu viel Geschäftsmann ist, kein Weiser wird[23],  mahnten daher: beschränke dich im Geschäft und gewinne Zeit für  geistige Weiterbildung[24], nur bei beschränktem Geschäftsbetrieb läßt sich auch Wissenschaft erwerben[25].  Wir haben schon bemerkt, daß sie ihre Wissenschaft nicht als Erwerbsquelle gebrauchten, und jeder daher noch eine Nahrungszweig pflegen mußte, sie daher auch erinnerten: Schön ist  Gesetzstudium mit Pflege eines Nahrungszweige, Gesetzstudium, das mit keiner Arbeit verbunden ist, hat keine Dauer[26].

    Die bisherigen Mitteilungen aus dem Talmud, die noch leicht, wenn es sein müßte, vermehrt werden könnten, zeigen wohl zur Genüge, wie irrig die Meinung ist, als sei der Talmud ein Feind der Arbeit, insbesondere abhold dem Ackerbau. Wenn der Jude in den späteren  Jahrhunderten seines Aufenthaltes in den europäischen Landen dem Ackerbau entfremdet wurde und sich mehr mit Handel beschäftigte, so ist daran nicht der Talmud, auch nicht etwa der Unlust oder Ungeschick des Juden zum Ackerbau, sondern lediglich die Ungunst der  Staaten und Völker schuld, die ihm ja den Erwerb von Grund und Boden nicht gestatteten oder mit unendlichen Beschränkungen erschwerten. Und auch ohnehin, so lange der Jude sich nicht der entschiedenen Rechtsgleichheit und des gleichen Rechtsschutzes wie allen anderen Staatsgenossen erfreuten, so lange er gewärtig sein mußte, durch Beamtenwillkür oder entfesselte Leidenschaft fanatisierter Bevölkerungen von Haus und Hof vertrieben zu werden, konnte er sich nicht dem Landbau widmen, der wie kein anderer Nahrungszweig sonst ein völlig gesicherten Rechtstandes bedarf, mußte er sich nach dem Erwerb solcher Güter und solcher Fähigkeiten umsehen, die er überall mit hinflüchten und überall für seinen und der Seinigen Unterhalt verwerten konnte. Man mache den Juden frei und gleich und gebe ihm Zeit, sich in einen Beruf hineinzuleben, mit dem man –wenn uns nicht alles täuscht- eigentlich von Jugend in Gewöhnung und Übung  vertraut sein muß, und es wird der Jude in angestammter Liebe zu einem Nahrungszweig zurückkehren, der in seiner ursprünglichen Bestimmung mitbegriffen war. (Fortsetzung folgt).

     

    Quelle: S.R. HIRSCH: Gesammelte Schriften Band VI Frankfurt am Main 1912

    (Erschien als Broschüre im Jahre 1884)



    [1] Nedarim 49b.

    [2] Pesachim 113a.

    [3] Das.112a.

    [4] Baba Bathra 110a.

    [5] Aboth 4,7.

    [6] Kiduschin 30b.

    [7] Das.

    [8] Das.82a.

    [9] Das.

    [10] Sanhedrin 29a.

    [11] Aboth 1,10.

    [12] Berachoth 8a.

    [13] Jebamoth 63a.

    [14] Das.

    [15] Menachoth 103b.

    [16] Sanhedrin 58b.

    [17] Baba Mezia 107a.

    [18] Micha 4,4

    [19] Berachoth 35b.

    [20] 5. B.M. 33,18

    [21] Pesachim 50b.

    [22] Eruwin 55a.

    [23] Aboth 2,6.

    [24] Aboth 4,12.

    [25] Aboth 6,6.

    [26] Aboth 2,2.

    04-09-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    28-08-2017
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    Samson Raphael Hirsch

    ÜBER DIE BEZIEHUNG DES TALMUDS ZUM JUDENTUM

    UND ZU DER SOZIALEN STELLUNG SEINER BEKENNER (3)

     

     

    RECHTSCHAFFENHEIT

     

    Wenn du, lehrt der Talmud, einst jenseits vor Gott zur Rechenschaft gezogen werden wirst, wird die erste an dich gerichtete Frage sein: warst du gewissenhaft im Handel und Wandel?[1] Dein Ja sei Ja, dein Nein sei Nein. Nie sei das, was du denkst, im Widerspruch zu dem, was du sprichst. Wäre selbst ein Geschäft deinerseits noch nicht juridisch perfekt geworden, so wisse, daß, der einst das Geschlecht der Sündflut und das Geschlecht des Turmbaues mit Strafe traf, der wird auch den mit Strafe treffen, der bei seinem Worte nicht bleibt. Auch vom bloß gesprochenen Worte abweichen, ist ein Mangel an Gewissenhaftigkeit[2]. Ja, gelobt wird, wer auch seinem bloßen Gedanken treu bleibt, wie einer der Weisen des Talmuds, dem ein Käufer ein Angebot auf  einen Verkaufsgegenstand machte, während er,  der Verkäufer mit anderem beschäftigt, ihm nichts erwidern konnte, der Käufer daher in der Meinung, er habe ihm zu wenig geboten, sein Angebot erhöhte, nachdem er seine Beschäftigung beendigt hatte, dem Käufer die Sache für das erste, niedrigere Angebot ließ, weil, wie er sagte, er schon im Gedanken sein erstes Angebot anzunehmen entschlossen gewesen war[3].

    Verboten ist es, irgendein Menschen, gleichgiltig ob Jude oder Nichtjude beim Kauf oder Verkauf zu betrügen, ihm auch nur mit Worten zu täuschen, oder ihm einen an den Verkaufsgegenstand bewußten Fehler zu verschweigen. Ebenso darf man der Ware kein täuschendes Ansehen geben oder deren Wert durch Mischung verringern[4].

    Jeder, auch der kleinste Diebstahl, Raub, oder Vorenthalten dessen, was dem anderen gebührt, ist verboten, gleichgiltig, ob dies einen Juden oder Nichtjuden oder einem Götzen dienenden Heiden betrifft. Man darf auch nichts zum Scherz  oder in der Absicht, es wieder zu geben, oder es wieder zu erstatten, stehlen. Auch die bloß zeitweilige Benutzung eines Gegenstandes ohne Wissen des Eigentümers ist Raub[5]. Man darf nichts kaufen, was voraussichtlich gestohlen ist, und darf von keinen Menschen etwas kaufen, der in begründeten Verdacht des Diebstahls steht[6]. Sind jemandem beim Gastmahl oder im Trauerhause Kleider vertäuscht worden, so darf er die ihm gewordenen nicht gebrauchen[7]. Staatsseitig geforderte Steuern und Zölle hintergehen ist nicht weniger als Raub[8]. Selbst ein Stücken Stroh von einem Strohbündel, ein Zweigstückchen von einer Hecke zum Zahnstocher abzubrechen wird nicht gebilligt; denn, wird hinzugefügt, würde jeder das tun, Würde bald der eine seines Bündels, der andere seiner Hecke verlustig gehen[9].

    Manches, was an sich nicht unter den Begriff des Diebstahls und Raubes fiele, untersagen rabbinische Anordnungen, um, nach ihrem Grundsatze, alles zu meiden, was dem Unrecht ähnlich ist oder zu ihm führen könnte, ein Grundsatz, den sie über das ganze Gebiet des religiösen Gesetzes durchgeführt und durch den Satz veranschaulicht: dem Nasiräer, der sich den Genuß des Weines und der Trauben abgelobt hat, ruft man zu, mache einen Umweg und meide selbst die Nähe von Weinbergen[10] Solche vom Unrecht fernhaltende Anordnungen hießen daher Gesetzumzäunungen. Aus diesem Grunde habe sie mehrere Arten von Spielen und Wetten untersagt, (den professionsfähigen Spieler erklärten sie unfähig zum Zeugen), lehrten, Tauben nicht in solcher Nähe zu anderen auffliegen zu lassen, daß dadurch fremde Tauben in seinem Schlag gebracht werden könnten u.s.w.[11]

    Der Talmud kennt auch nicht nur einen Güterdiebstahl, sondern auch einen Meinungs- und Gesinnungsdiebstahl[12], daß nämlich einer den anderen veranlaßt, ihm eine bessere Meinung und Gesinnung zuzuwenden, als er in Wahrheit durch sein Verfahren verdient, selbst wenn dem anderen dadurch gar kein Nachteil erwächst.  Ausdrücklich heißt es da auch: man darf keines Menschen Meinung und Gesinnung stehlen, sei es auch eines Nichtjuden, und wird dabei als Beispiel darauf hingewiesen, wie einer der Lehrer des Talmuds seinem Diener einen ernsten Verweis erteilte, weil dieser dem Fährmann, einem Nichtjuden, eine terefa, d. für den Juden religionsgesetzlich durch ein Fehler unbrauchbar gewordenes Huhn, als ein koscheres, d. auch für den Juden brauchbar, gegeben hatte, obgleich der Fehler für den nichtjüdischen Fährmann ganz gleichgiltig und das Huhn für ihm völlig brauchbar war. Dahin gehört denn auch jede unverdiente captatio benevolentiae, z.B. zudringliche Einladungen, oder Überhäufung mit Geschenken, wo man weiß, daß sie doch nicht angenommen werden, u.s.w.

    Ganz besonderer Nachdruck wird auf die gewissenhafte Erfüllung der 3. B.M. K.19, V.35, 36 und 5. B.M. K.25 V. 14-16 gebotene Gerechtigkeit in Gewicht und Maß gelegt, und werden[13] die eingehendsten und ausführlichten Vorschriften erteilt, die man die jederzeitige Richtigkeit der Gewichte und Masse zu erhalten und wie man jedem Irrtum im Wägen und Messen und Rechnen vorzubeugen habe. Schwerer, warnt das talmudische Wort[14], ist die Straffälligkeit bei Maß- und Gewichtsversündigungen als die Straffälligkeit bei geschlechtlichen Sünden; diese sind Versündigungen gegen Gott allein, jene aber auch gegen den Nebenmenschen; diese können durch aufrichtige Busse gesühnt werden,  bei jenen aber ist vollkommene Busse in der Regel unmöglich, da diese eine Zurückgabe des mit Unrecht Gewonnenen erfordern würde, man aber in der Regel gar nicht weiß, wen und wie viel man durch unrichtiges Wägen und Messen verkürzt hat. Ausdrücklich heißt es auch hier wiederholt[15]:  es ist gleichgültig, ob man es mit einem Juden oder einem götzendienenden Nichtjuden zu tun hat, wer den anderen in Messen und Wägen verkürzt, übertritt ein Verbot und hat es zu ersetzen, und ebenso darf er auch im Rechnen einen Nichtjuden nicht täuschen, wer dergleichen tut, von dem heißt es (5. B.M. K.25,V.16): von Gott deinem Gotte ist verabscheut, wer dergleichen verübt, wer nur irgend ein Unrecht begeht.

    Sehr ausführlich ist der Talmud über die gewissenhafte Erfüllung eingegangener Verpflichtungen als Schuldner, Hüter, Lohnarbeiter u.s.w. und heben wir auch aus diesem reichen Material ein paar charakteristische Sätze hervor. Das Bezahlen eingegangener Schulden ist nicht nur eine Rechtsschuld, sondern eine religiöse Pflicht[16], und wird Unpünktlichkeit bei vorhandener Zahlungsfähigkeit ernst getadelt[17]. Wer hundert Gulden geborgt und zahlt sie guldenweise, Zahlung ist es, aber ungehalten darf sein Gläubiger sein[18]. Angeliehenes Geld hat man vorsichtig und in einer Weise zu verwenden, daß damit die Schuld dem Gläubiger nicht verloren gehe. Das deinem Nächsten zu erhaltende Vermögen soll dir so teuer sein wie das deine[19].

    Anvertrautes Gut darf auch nicht vorübergehend in Gebrauch genommen werden, ist es geschehen, so hat es Konsequenzen wie Raub[20]. Unter Umständen hat er solche Folgen schon bei nur begonnener und nicht ausgeführter Benutzung[21].

    Ebenso wie der Dienstherr den bei ihm Arbeitenden in nichts verkürzen darf, so muß auch ein Lohnarbeiter seine volle Kraft und Zeit im Dienst des Arbeitgebers verwenden. Er darf nicht nachts arbeiten und sich Tags verdingen, auch nicht sich die nötige Nahrung entziehen und sie seinen Kindern zukommen lassen, weil er sich damit die dem Arbeitgeber vermietete Kraft schwächt und seine Leistung verringert. Er muß auch die von seinem Dienstherrn gemietete Zeit voll ausnutzen und sie nicht durch wiederholtes Müssigbleiben vergeuden[22], ja, er darf nicht einmal seine Arbeit unterbrechen, um vor einem Vorübergehenden aufzustehen, dem er sonst  Ehrerbietungsbezeugung schuldig ist[23].   

     

     ­(Fortsetzung folgt)

    Quelle: S.R. HIRSCH: Gesammelte Schriften Band VI Frankfurt am Main 1912

    (Erschien als Broschüre im Jahre 1884)



    [1] Sabbath 31a. 

    [2] Baba Mezia 49a.

    [3] Makkoth 24a.

    [4] Maimonides vom Verkauf Kap.18

    [5] Maimonides vom Diebstahl und Raub Kap.1 Baba Bathra 88a Mezia 43b

    [6] Baba Kama 118b.

    [7] Baba Bathra 46a.

    [8] Baba Kama 113a.  Maimonides vom Raub Kap. 5,11

    [9] Choschen Mischpot 359,1.

    [10] Chulin 94b. Sabbath 13a. Pessachim 40b und sonst.

    [11] Sanhedrin 24b.

    [12] Chulin 94a.b.

    [13] Baba Bathra 88a-90b. Maimonides, Diebstahl K.7 u.8.

    [14] Baba Bathra 88b. Maim. Diebstahl 7,12.

    [15] Dasselbst 8

    [16] Arachin 22a.

    [17] Baba Mezia 3a.

    [18] Baba Mezia 77b.

    [19] Maim. Darlehen 1,3. Aboth 2,17.

    [20] Baba Mezia 43a.

    [21] Dasselbst.

    [22] Maimonides Lohnarbeit. Ende. Ch.M.337,19.20.

    [23] Jore Deoh 244,5

    28-08-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    22-08-2017
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    Der Monat אלול. – Der Monat der Rückkehr

    ימי סליחות.

    Die Tage der Sühne

     

    Im Monate Elul finden wir keinen Tag, welcher durch ein Fest ausgezeichnet wäre, doch ist der ganzen Monat ernst und weihevoll, denn er ist in unserer Zeitrechnung der letzten Monat des Jahres, der Monat, der den Tagen des Gerichtes Roschaschono vorangeht und uns darum zu besonders inniger Beschäftigung mit uns selbst, zur Betrachtung unserer Lebensaufgabe anregt.

      In den letzten Tagen dieses Monates werden in ganz Jissroél besondere innige Gebete verrichtet. Schon vor Tagesanbruch, ehe das gewöhnliche Morgengebet verrichtet wird, versammelt sich das Volk in den Synagogen, um das scheidende Jahr durch aufrichtige Bußgebete zu beschließen. Viele andächtige Beter fasten auch freiwillig an diesen Tagen, die ganze Gemeinde fastet gewöhnlich am ersten Tage der Selichoth und am Tage vor Roschhaschono,  da gedenken sie bereuend so manchen Fehltrittes des verlorenen Jahres, fassen edle Entschlüsse für die Zukunft und streben, durch Ausübung guter Werke sich mit ihrem Gewissen auszusöhnen, um an den herannahenden heiligen Tagen des Gerichtes rein vor Gott erscheinen zu können.

     

    Aus: Erbauungsbuch „Bibel- und Talmudschatz“ J.H. Kohn S. 419  13.Auflage Hamburg 5691 – 1931

     

    Die beste Anschrift für antiquarische Judaica:

    Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    Inhaberin: Frau Manja BURGERS

    http://www.spinozabooks.com

    22-08-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    21-08-2017
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    Samson Raphael Hirsch

     

    ÜBER DIE BEZIEHUNG DES TALMUDS ZUM JUDENTUM

    UND ZU DER SOZIALEN STELLUNG SEINER BEKENNER (2)

     

    Es gibt wohl kaum ein anderes Schriftwerk, das die geistige, sittliche und soziale Entwicklung einer ganzen Nation von den frühesten Zeit ihres geschichtlichen Daseins bis hinein in die lebendige Gegenwart Jahrhunderte lang also gestalte und getragen, wie der Talmud. Lange vor dem gegen den Anfang des dritten Jahrhunderts der üblichen Zeitrechnung fallenden Beginn seiner schriftlichen Abfassung war sein Inhalt als mündlicher Überlieferung und Lehre in den Geistern und Gemütern der Nation wirksam, wie dies noch die Schriften eines Josephus und Philo, ja auch die christlichen Bekenntnisschriften bekunden. Es ist nämlich der Talmud nichts als die protokollarische Aufnahme der in der Nation durch Überlieferung vorhandenen  Erklärungen, Erläuterungen, Präzisierungen und Ausführungen des in den schriftlichen Wort der Bibel in prägnanter Kürze gegebenen Gesetzes. Der Kern dieser Überlieferungen reicht bis auf Moses hinauf, der sie mit dem schriftlich fixierten Gottesworte zugleich, als gleich göttlichen Ursprungs für die Ausführung der Gotteslehre seinem Volke übergab und sie in den vierzig Jahren der Wanderschaft durch die Wüste seiner Erkenntnis einprägte. Diese mündlichen Erläuterungen waren von vornherein bei der schriftlichen Abfassung des Gotteswortes vorausgesetzt, das zu seiner Ausführung  unumgänglich der näheren Erläuterung bedarf, ja, einem aufmerksamen Leser der Bibel zeigt  die Tatsache, daß alle Gesetze zuerst mündlich gelehrt und das ganze Gesetz somit bereits dem Volke ausführlich bekannt war, als ihm Moses dasselbe vor seinem Scheiden in schriftlicher Abfassung übergab. Bedarf doch schon das einfache Lesen der Bibel in ihre Urschrift der mündlichen Überlieferung. Noch heute sind unsere Thorarollen ohne Vokale, Akzente und Versabteilungen, die alle die erweislich aus viel späteren Zeit stammen, und ebenfalls nur die mündliche überlieferte Leseweise durch Schriftzeichen festzuhalten bestimmt wurden. Das einfache Lesen der Bibelschrift beruht daher auf die Überlieferung, Überlieferung derselben Geschlechter und Männer, die auch die im Talmud enthaltene Erläuterungen überlieferten, und wenn die christliche Kirche in all ihren Konfessionen auch die jüdische Bibel des alten Testamentes als Glaubensurkunde verehrt, so steht sie schon mit ihrem einfachen Bibelwort auf Grund talmudischer Überlieferung. Eine Tatsache, auf welche schon Hillel einen Heiden, der von ihm die Aufnahme in die jüdische Gemeinschaft durch Anerkennung des schriftlichen, aber mit Ausschluß des mündlichen Überlieferung  vertrauen müßte. Bedarf doch auch das schriftliche Bibelwort für die praktische Ausführung des darin niedergelegten göttlichen Gesetzes so sehr einer mündlichen Erläuterung und setzt dieselbe so sehr voraus, daß selbst im Laufe der Zeiten entstandene jüdische Sekten, die die Überlieferung des Talmuds verwarfen, sich genötigt sahen, sich eine eigene Überlieferung zu schaffen. Alle diese Sekten, wie sie im Laufe der Zeiten entstanden, sind, bis auf den kleinen Bruchteil der noch vorhandenen Karaiten, wieder von der Bildfläche verschwunden. Das einzige welthistorischen Judentum, das seinen gottgewiesenen Gang in der Mitte der Völker, alle Jahrhunderte der Geschichte hindurch bis in die lebendige Gegenwart vollbracht und vollbringt, ist das talmudische, das von den Überlieferungen  des Talmuds getragene, gepflegte und erhaltene Judentum. Außer diesen noch bis zu Moses hinaufreichenden Überlieferungen enthält der Talmud noch urteilende und belehrende Aussprüche, Entscheidungen und Darstellungen späterer Gesetzlehrer und Weisen, die als Folgerungen, Anwendungen oder Erläuterungen aus jenen Überlieferungen fließen und ihnen sich anschließen und gleich ihnen mit Verpflichtungskraft bekleidet sind, den sogenannten halachischen Teil, oder es sind individuelle Ansichten, Sprüche, Parabeln etc., die eine solche bindende Autorität nicht beanspruchen, der sogenannte agadische Teil. Es besteht aber der Talmud aus zwei Werken. Das ältere, die Mischna, enthält die mündlich vorhandenen Überlieferungen in Sätzen von prägnant gefaßter Kürze, deren Erläuterungen ebenfalls nur mündlich verblieben. Etwa 250 Jahre später wurden auch diese schriftlich in einem Werke niedergelegt das die Gemoroh heißt. Diese Gemoroh, ein bändenreiches Werk, ist in seiner Form wohl ein Unikum in der Literatur. Es sind die fast stenographisch aufgenommenen Diskussionen, wie sie in den Lehrhäusern verhandelt wurden. Sie enthalten daher auch entgegengesetzte Meinungen, aus welchen für die Praxis nur die sich schließlich ergebenden Resultate Geltung haben, wie sie in den Codices systematisch zusammengestellt sind.

    Aus diesen flüchtigen Skizzen läßt sich wohl schon erkennen, wie der Talmud nicht etwa eine dem Judentum hinzugefügte Beigabe ist, die man entfernen könnte, ohne das Wesen des Judentums zu berühren, vielmehr der Talmud die einzige Quelle ist, aus welcher das Judentum geflossen, der Grund ist, auf welchem das Judentum besteht und die Lebensseele ist, welche das Judentum gestaltet und erhält. In der Tat, das Judentum, wie es in der welthistorischen Erscheinung des jüdischen Volkes verkörpert ist, und wie es in geistigen und sittlichen Fähigkeiten und Tugenden zutage tritt, die ihm selbst seine Feinde nicht abzustreiten wagen, ist durch und durch ein Produkt der talmudischen Lehre und er von ihr geleiteten Erziehung und Bildung. Das bewußtvoll Wandeln durch allen Wechsel der Zeiten und der Geschicke, das geduldige und vertrauensmutige Ausharren in den herbsten, prüfungsvollsten Leiden, die opferfreudige Kraft der Überzeugungstreue, die sich wohl niederwerfen, aber nicht brechen, beugen aber nicht knicken, hinschlachten, aber nicht zum Abfall verleiten läßt; das Pflichtgefühl, das Gehorsam und Treue für Fürst und Obrigkeit, Wohlwollen und Wohltun für Mitbevölkerungen bereit hält und betätigt, ohne Rücksicht auf das größere oder geringere Maß von Wohlwollen, Gerechtigkeit und Menschlichkeit oder deren Gegenteil, dessen er sichselber im Mitten der Bevölkerungen zu erfreuen hat, also, daß das jüdische Volk von Mißhandlungen und Ausschreitungen erduldet, ohne sich selber zur rächenden Ausschreitungen hinreißen zu lassen, und bei allen Staaten erschütternden Ereignissen immer mit Festigkeit und Treue auf Seite der Obrigkeit gestanden; das geistige Interesse und die geistige Begabung, die von je die Glieder des jüdischen Volkes kennzeichneten, und ohne Anteil an staatlicher Fürsorge, ja unter nichtachtender staatlicher Verkümmerung, im eigenen Kreise und aus eigener Mitte eine solche hingebende Pflegen und Nahrung gefunden, daß, als ihm  aus der aufgezwungenen Zurückgezogenheit, unter der Gunst der Neuzeit in das Licht der Öffentlichkeit hinzutreten vergönnt war, es unerwartet  in vollendeter geistiger Ebenbürtigkeit den anderen Staatsgenossen zur Seite stand; die persönlichen Tugenden der Mäßigkeit, des Fleißes, der Wohltätigkeit, der Sparsamkeit und gleichzeitig der Freigebigkeit, wo es zu Zwecken der Humanität, der öffentlichen Wohlfahrt und Bildung gilt; die Tugenden der Sittlichkeit, die denn doch noch heute in der Liste der groben Verbrechen gegen Leben, Keuschheit und Eigentum jüdische Namen zu den Seltenheiten zählen läßt; die Tugenden des Familienlebens, das glückliche Verhältnis der Ehe, der Eltern zu den Kindern; des Gemeindeleben, das immer auf bereitwillige Opferfreudigkeit seiner Glieder wie auf uneigennützige Hingebungstreue seiner Verwalten rechnen konnte; alle diese Durchschnitts-Eigentümlichkeiten des jüdischen Charakters, die demselben gewiß nicht zu Unehre gereichen, und die so sehr zutage treten, daß selbst Feinde der jüdischen Nation nicht umhin können, sie ihr zuzugestehen, hat lediglich der Talmud geschaffen, so sehr, daß seit die Neuzeit sich mehr und minder dem Talmud entfremdet hat, dies auch bereits in der Abnahme einiger dieser Eigentümlichkeiten zu bemerken ist. Ist es ja auch der Talmud, der durch seine liturgische Schöpfungen und Gewöhnungen das ganze gewöhnliche Leben des Juden zu einer fortgesetzten Mahnung und Erziehung zur Gottesfurcht zu machen verstanden hat, und bei jedem Genusse, bei jedem wahrgenommenen Naturvorgang, bei jedem heiteren oder trüben Erlebnis den Juden zu Gott aufblicken läßt, dessen Walten er in der Natur- und Geschickesleben zu sehen und zu verehren gewöhnt worden. Ja, die ganze Lehre von der Unkörperlichkeit und Unsterblichkeit der Seele, die Lehre von dem jenseitigen Leben und der einstigen gerechten Vergeltung des hienieden pflichttreu oder pflichtvergessen vollendeten Lebens, Lehren, die eine so wesentliche Stütze der religiösen Gewissenhaftigkeit und der ausharrenden Pflichttreue bilden, sind in dem schriftlichen Bibelwort nur angedeutet und waren der mündlichen Überlieferung des Talmuds vorbehalten.

    Und wenn nun demgegenüber von Feinden der Judenheit und von Gegner des Judentums die Behauptung von der Gemeinschädlichkeit des Talmuds verbreitet wird und selbst bei Wohlwollenden Eingang findet, die nicht in der Lage sind, sich eine Überzeugung von der Wahrheit oder Unwahrheit solcher Behauptungen zu schaffen, wenn namentlich behauptet wird, es leiste der Talmud der List und Verschlagenheit Vorschub, gestatte Betrug, Beraubung und Unrechtfertigkeit jeder Art im Verkehr mit Nichtjuden, mache den Juden arbeitsscheu, sei ein Feind der Arbeit, des Handwerks, der Landwirtschaft, und sei schuld daran, daß der Jude so überwiegend vom Handel lebt: so ist doch von allem diesen – nachweisbar- nur das gerade Gegenteil die volle Wahrheit, und alle diese Behauptungen sind in ihrem Ursprunge nichts als Ausgeburten des Hasses, des Wahnes, der Unkenntnis, des unbewußten Mißverständnisses oder der absichtsvolle Entstellung.

    In einer Zeit, in welcher die sogenannte Judenfrage vielerorts wieder in den Vordergrund der Besprechungen getreten, kann, bei der unleugbar innigen Verbindung, in welcher das ganze geistige und sittliche Einzel- und Verkehrsleben des Juden zu dem Talmud steht, gewiß nicht gleichgiltig sein, welche Meinung vom Talmud in den Anschauungen aller derjenigen vorwaltet, die durch Intelligenz und Stellung berufen sind, auf die in den Bevölkerungen zu pflegenden Gesinnungen für Wahrheit und Recht und die dadurch so sehr bedingten Geschicke des Bekenner des Judentums Einfluß zu üben, dürfte es mindestens wünschenswert erscheinen, den vorangeschickten Hinweis auf die hohe Nützlichkeit des Talmuds als alleinige Quelle der wirklichen wahrhaftigen Judentums, sowie im Gegensatz zu der behaupteten Gemeinschädlichkeit des Talmuds, vielmehr dessen, die allgemeine Wohlfahrt und das Wohlverhalten der Juden um hohen Grade fördernden und sichernden Lehren durch getreue Auszüge aus dem Talmud und den auf denselben sich gründenden, die Praxis entscheidenden Codices zu belegen.

    Wir beginnen aber mit dem zuletzt Erwähnten, mit Widerlegung der falschen Beschuldigungen des Talmuds und dem Nachweis des faktischen Gegenteils derselben.

     

     ­(Fortsetzung folgt)

    Quelle: S.R. HIRSCH: Gesammelte Schriften Band VI Frankfurt am Main 1912

    (Erschien als Broschüre im Jahre 1884)

    21-08-2017 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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