Welkom op de blog van de studievereniging JESJOEROEN, Thora tegen nationaal-jodendom (sionisme)
Thoratrouwe antizionistische inzet en anti-imperialistische solidariteit. U vindt hier Rabbijnse teksten (vooral Samson Raphael HIRSCH strekking), nieuws en achtergrondinfo.
Bienvenue sur le blog de l'association d’études rabbiniquesYECHOUROUN, Thora contre national-judaïsme (sionisme).
Nous proposons des textes rabbiniques, (surtout de l’école de Samson Raphael HIRSCH) ainsi que des infos et documentations, le tout avec engagement antisioniste et solidarité anti-impérialiste, inspirés par la fidélité à la Thora. Visitez notre blog similaire en langue française: www.bloggen.be/yechouroun .
Willkommen im Blog des Studienverbandes JESCHURUN, Tauro gegen Nationaljudentum (Zionismus).
Wir bieten Rabbinische Texten (hauptsächlich von der Samson Raphael HIRSCH Tendenz – meistens in deutsche Originalfassung), sowie Nachrichten und Hintergrundinformationen, im ganzen mit Thoratreues antizionistisches Engagement und anti-imperialistische Solidarität.
Welcome to the blog of the Study Association YESHURUN, Thora against Nationaljudaism(Zionism).
We propose Rabbinical texts (mostly from the S R HIRSCH tendency), news and information, the whole inspired by Thora-true anti-Zionist Commitment and anti-imperialist Solidarity.
IVJ exposes the vicious Zionist oppression of religious Jews who object to serve in the IDF, or protest its regime.
JESCHURUN
Tauro gegen Nationaljudentum (Zionismus)
03-05-2021
Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER: Ein judisch-geschichtlicher Wegweiser
Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER
(1894-1983)
ובקשו
Einjüdisch-geschichtlicher Wegweiser vonLeo BRESLAUER. Frankfurt am Main5695/1935
EINLEITUNG
Seiten 5-8
Die gottesstaatliche Betrachtungsweise der Geschichte ist unbezweifelbar die klassische jüdische. Aber sie versteht sich heute nicht mehr von selbst. Das rechtfertigt den vorliegenden Versuch. Einst war sie die natürliche geistige Atmosphäre jüdischen Gemeinschaftslebens, selbst noch in Zerstreuung und Machtlosigkeit. Sie war es solange als dem Juden die gottesvolkliche Lehre Lehre des Lebens war und damit gottesstaatliches Denken das selbstverständliche Orientierungsmittel in allen Lagen war. Wer das eingebüßt hat, dem wird das Judesein ein dorniges Problem, ein qualvolles Rätsel. Die Schar dieser problematischen Juden reicht von der äußersten Peripherie bis tief hinein in die Reihen der Orthodoxie und erstreckt sich über fast alle Länder. Fürwahr ein unermeßliches Notstandsgebiet! Die Zeit schreit nach Hilfe, sie sei groß oder klein. Da dürfte diese weltanschauliche Orientierungsskizze aus einunddreißig knappen Strichen vielleicht manchem willkommen sein, ihm die ersten Fingerzeige zu geben zum historischen Sichwiederfinden und zur politischen Gesundung. Ihr Verständnis setzt noch einiges Grundsätzliches voraus.
Die Lehrsätze jüdischer Geschichtsweisheit, welche jede Epoche nach ihre Eigentümlichkeit deuten und charakterisieren, liegen nicht im Zusammenhang geordnet vor. Sie sind zudem knapp, fast karg. Wer sie nicht für Wert hält, sich meditierend in sie zu versenken, dem muß gottesstaatliche Geschichte verschlossen bleiben. Jüdische Studierregel fordert völlig unabgelenkte Hingabe an autoritative Geschichtslehre. Der Jude, der jüdische Geschichte treibt, setzt sich zu Füßen seiner Ahnen. Respekt!!
Gebrochene Strahlen täuschen graden Verlauf vor. Nur plastisches, bewegliches Sehen kann die Täuschung durchschauen und die Beugungsstelle entdecken. Reformieren bedeutet ablegen. Das religiöse Reformjudentum brachte den religiösen Individualismus, die nationalistische Reform des Zionismus erweiterte den Abfall bis zur Gleichgültigkeit, Gottlosentum vervollständigt ihn bis zum Nihilismus, 180°. Die vollständige Zurückverfolgung der Winkelspanne, Ergänzung der Defekte, führt ohne weiteres auf die alte Richtung. Nihilismus Gleichgültigkeit Individualismus. Also war zuvor Wirklichkeit Autorität Allgemeinverbindlichkeit. Aber eine wirkliche allgemeinverbindliche Autorität konstituiert sofort einen Staat, und wenn sie religiös, also göttlich gesetzt ist, einen Gottesstaat. Hier liegt majestätisch die historische Linie: wir sind ein Staatsvolk, das Gottesstaatsvolk, nichts anderes. Unsere Geschichte ist gottesstaatlich oder gar nicht. Wie jammerschade, wenn Suchende halben Weges stecken bleiben.
Die fundamentale Bedeutung der Trieblichkeit für die gottesstaatliche Geschichtsauffassung ist unbestreitbar. Sie begreift sich auch ohne weiteres aus der Erwägung, daß sinnvolle Geschichtskunde erziehen will, aber Erziehungsobjekt allemal der Mensch mit seiner Trieblichkeit ist. Drum überragt ja gottesstaatliche Geschichtsschreibung alle anderen auch durch getreue Zeichnung und Aufbewahrung der Schattenseiten des eigenen Volkes und seiner Großen. Denn sie enthüllt dort, wo die zünftige (zwischen den vermeintlichen Spannungsbogen Mensch Mensch oder Mensch Natur pendelnde) Geschichtsschreibung nur Sünde oder Frömmigkeit sieht, die furchtbarsten Kämpfe, die gewaltigen Heldentaten der Weltgeschichte.Nur Blinden können leugnen, daß auf diesen Schlachtfeldern das Schicksal der Menschheit entschieden wird. Trieblichkeit ist kein theologisch-erbauliches, sondern ein hochpolitisches Thema.
Die prominente Stellung der drei Triebe, Sinnlichkeit, Habsucht und Rechthaberei in der historischen Energetik ist psychologisch einleuchtend. Ihre periodische Aufeinanderfolge hinsichtlich pragmatischer Vorherrschaft wird durch die entscheidenden Stellen deutlich genug ausgesprochen und zudem mit zunehmender Einsicht in den Ablauf jeder Epoche mehr und mehr erhärtet.
Die Behandlung der Trieblichkeit richtet den Seelenacker her. Erziehung will aber auch das Saatgut streuen. Sie findet kein besseres als die Normen, welche sich aus gottesstaatlicher Geschichtskunde, die rücksichtslos nur Gottkönig zuliebe und seinen Feinden zuleide ist, ergeben. So wie die Edelfrüchte des alten Gottesstaatsboden als allgemein gültige Maße zu gelten haben, so auch die Tugenden der Edlen des Gottesstaatsvolkes als sittlichen Denkens und Handelns.
Ehrliche totale gottesstaatliche Geschichtsschau offenbart eines unvergleichlichen Volkes einzigartigen Weg durch die Zeiten zum beglückendsten aller Ziele den Nichtjuden zu beharrlichem Aufmerken reizend, den fernstehenden Juden zu grundsätzlicher Stellungnahme zwingend, aber den zu seinem Volk sich bekennenden Juden erschütternd und begeisternd, ihm seines Daseins Sinn und Ziel so unsagbar groß vor Augen stellend, so trostreich, so herrlich, so lebenswert, so sterbenswert!
Solche Schau muß erarbeitet werden. Dazu möchte dieses Buch anregen und behilflich sein. (Ursprünglich als historisch-politisches Vademecum für meine Kinder und den kleinen Kreis der Schüler niedergeschrieben, verdankt es manches Wertvolle dem freundlichen Rat kundigerBeurteiler Die Nachweise in den Anmerkungen erheben keinerleiAnspruch aufVollständigkeit). Unwesentlich ist, ob man die Darstellung in allen Einzelheiten billigt, wesentlich aber ist das vorbehaltlose Bekenntnis zum Gottesstaat.
Die vollständige Wiedergabe des Originals erfolgt wie gehabt in Beilagen.
Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER Ein jüdisch-geschichtlicher Wegweiser
Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER
(1894-1983)
ובקשו
Einjüdisch-geschichtlicher Wegweiser vonLeo BRESLAUER. Frankfurt am Main5695/1935
Das Buch wird vorangegangen mit eine poetische Darstellung von der Beziehung zwischen Gott und Klal Jissroèl in Exil. Siehe Beilage. Voran stehen Wörter aus der Possuk (Vers) aus dem Propheten Hoschea 3,5 Nachdem werden Jisraels Söhne zurückkehren und werden Gott, ihren Gott, suchen, und ihren König David, und werden hineilen zu Gott und zu seinem Gute am Ziele der Tage. ( deutsche Übersetzung Dr. Mendel HIRSCH).
Wir beabsichtigen das Buch in Abschnitte vollständig zu reproduzieren (in Beilagen) und hoffen daß die Nachkommen oder befähigte Anhänger von Rabbiner Leo Breslauer dadurch angeregt sein werden für eine neue Auflage und, wer weiß, gar eine Übersetzung auf Englisch, zu sorgen.
Ein jüdisch-geschichtlicher Wegweiser von Leo BRESLAUER (1935)
Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER
(1894-1983)
ובקשו
Einjüdisch-geschichtlicher Wegweiser vonLeo BRESLAUER. Frankfurt am Main5695/1935
Diese rabbinische Studie, die wir aus der Vergessenheit herausholen, hat viele Vorzüge: Sie verurteilt die Häresien der Reform und des Zionismus. Rabbiner BRESLAUER legt glänzend die welthistorische Rolle von Klal Jisroel dar, als "Gauj Kodausch" (Heiliges Volk) und "Mamleches Kauhanim" (Königreich der Priester), im göttlichen Plan, das Reich Gottes auf Erden zu errichten, für die Erlösung der Menschheit.
Die erste Bedingung war die Verwirklichung derInnuj", schmerzvolle totale Machtlosigkeit, der absolute Mangel an Autonomie während des Exils. Die erste Lernerfahrung dessen in Mizraim (dem alten Ägypten) folgten die Erfahrungen der Prüfung im Heiligen Land, von denen wir wieder durch göttlichen Erlaß verbannt wurden. Der Innuj ist in den biblischen Versen angedeutet: 1. Mose 15,13; 2. Mose 1,12; Deuteronomium 8.2.
Ausführlich gestützt auf Schriftverse und talmudische Quellen, beschreibt Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER Sinnlichkeit, Habsucht und Rechthaberei als sowohl individuelle als kollektive, sowohl im Exil als auch in der Zeit des Staatswesens im Heiligen Land. Hindernisse für die Erfüllung des göttlichen Plans der Errichtung seines Reiches auf Erden.
Rabbiner Leo BRESLAUER, eine unbestechliche gradlinige Persönlichkeit, war ein integraler Antizionist. In den Jahren der erzwungenen Einwanderung aus Deutschland zog er nach Washington Hights, New York. Als sich der agudistischer Zionismus, leider auch in der Gemeinschaft Adath Jeschurun, durch Rabbiner Dr. Joseph Breuer (1882-1980) von Frankfurt am Main nach New York übergepflanzt, breitmachte, verließ er diese Gemeinschaft und organisierte eine eigene Synagoge. ErstandRaw Joel TEITELBAUM, Rebbe von Satmar nahe und unterstützte Neturei Karta. Seine letzten Tage verbrachte er in Monsey (Upstate vonNY), wo er Aw-Beth-Din von der Gemeinde "Beis Tefilloh" war. Wir haben noch kein Porträt dieses bedeutenden Rabbiners.
Es hat seine eigene Geschichte, dieses Land Transjordanien. Nicht nur, daß es heute von Palästina losgelöst ist und in der nächsten Zeit wohl kaum Aussicht bietet, Siedlungsland für jüdische Siedler zu werden. Vielmehr ist es vom Anfang an ein Problem gewesen.Was wäre wohl aus diesem Land geworden, wenn Ruben und Gad nicht den Antrag gestellt hätten, daß in diesem Land für ihre Stämme eine Heimstätte bereitet worden wäre? Jüdischer Besitz war Transjordanien doch durch die Besiegung von Sichon und Og geworden.Vielleicht wäre es bei der großen Landverteilung durch Josua an andere Stämme gefallen.So aber ruhte auf diesem Transjordanien das Gepräge von etwas Besonderem, es war sozusagen der erste Riß in der Einheit des Zwölfstammenreiches.
Wenn man die geschichtliche Entwicklungen genau verfolgt, so kann man und das erklärt die heutige eigenartige Stellung Transjordaniens als Glied dieser Entwicklungen feststellen, daß die in Sichon und Ogs Erbe wohnenden Teile zum Teil ein selbständiges, politisches Leben führten. Die Angst vor dieser Möglichkeit trat schon in Erscheinung, als die eigentliche Inbesitznahme Transjordaniens erfolgte. Als es damals den Anschein erweckte, als ob die 2 ½ Stämme durch die Errichtung eines eigenen Altars ein Sonderdasein sich zu schaffen entschlossen wären, da machten ihnen erschreckt die andere 9 ½ Stämme des in seiner Selbstlosigkeit, Brudertreue und tiefster Religiosität auch von den Historikern niemals ganz gewürdigte Angebot, ihnen im eigenen Besitz Lebensraum zu geben. Lieber Landnot als Gottesferne, lieber in engem Zusammenleben mit den Brüdern bei Landnot dem Glauben treu bleiben, als der Unreinheit des Landes (Josua XXII, 29) zu erliegen.(Es ist übrigens diese Stelle ein erneuter Hinweis auf die Lehre der Bibel vom geheimnisvollsten Zusammenhang zwischen Boden und Menschen, von Beeinflussung der Menschen durch Erdstrahlungen: vgl. den Artikel: Reinheit und Unreinheit in Heft 7/8).
Gewiß hatten die Erbauer dieses Altars die beste Absicht: Einheitszeuge sollte er sein.Bald aber setzte die befürchtete Entwicklung ein.Transjordanien war interesselos gegenüber dem jüdischen Schicksale geworden, vergebens sandte Debora ihren Ruf um Hilfe, er verhallte unerhört in Transjordanien.Und wenn auch ein Jaïr aus Transjordanien kurze Zeit Führer des ganzen Volkes sein konnte, so gibt es doch sehr zu denken, daß schon sein Nachfolger Jiphtach das Wort ami gebrauchen, also davon sprechen konnte, daß Transjordanien seine eigene Wege, teils mit Glück sogar, wie in der Eroberung des Landes der Hagarener, schließlich aber verschwanden seine Bewohnerklanglos aus der jüdische Geschichte. Es waren die ersten, die dem Ansturme Assyriens erlagen, und es ist bezeichnend, daß in Cisjordanien keine Hand für sie sich regte.
Mehr als 2 ½ Jahrtausende sind seitdem vergangen, und aufs neue erhebt sich eine transjordanische Frage. Die weisen Grenzpfahlbestimmer vom Völkerbund haben dieses Ländchen von Palästina gelöst, teils gehört es Rabbath Amon, teils zu Syrien.Und wenn Transjordaniens König und Volk etwa, vielleicht aus rein wirtschaftlichen Interessen, sich einer jüdischen Einwanderung nicht verschließen würden, es wäre wieder ein Teil der jüdischen Gesamtheit, der nicht eines Pfeilsschusses Breite von Palästina entfernt, unter ganz anderen Verhältnissen wohnen und leben würde.
Aber der Versuch wäre der Mühe wert.Es wäre einerseits eine Probe aufs Exempel, wie sich das Verhältnis zwischen Arabern und Juden stellt, wenn sie nicht unter dem Zeichen der Balfour-Deklaration gemeinsam leben.Aber freilich, eines müßte Voraussetzung sein, was wir und andere schon so oft betont haben. In der Alternative Europa oder Orient müßte man dort klipp und klar für den Orient votieren, insbesondere in Bezug auf die Bedürfnislosigkeit der Lebenshaltung. Die Annäherung an die Zivilisation Europas dürfte nur schrittweise von Arabern und Juden gemeinsam unternommen werden.Ein zweites Tel-Aviv bei Rabbath Amon wäre undenkbar.Die heutige Entwicklung Transjordaniens ist, wie man es nennt, primitiver, sie hat einen starken religiösen Grundzug.Jüdische Menschen, welche Landnot in dieses Gebiet führen würde,müßten Gottesferne meiden.Hier wäre ein Punkt, an dem Aguda und Misrachi gemeinsam arbeiten könnten.Es will ja in diesem Land, das nicht den Normen der Balfour-Deklaration unterworfen ist, weniger besagen, was die zionistische Organisation will, es wäre ein Siedlungsland wie Amerika oder Brasilien.Aber diese beiden Organisationen müßten in der Auswahl der Menschen vorsichtig sein. Ist Palästinas jüdische Siedlung leider mehr oder weniger unter das Fach der linksgerichteten Histadruth hoawodah gezwungen, so müßte dort eine vollkommen religiös orientierte Siedlung in die Wege geleitet werden. Wenn man ferner in Transjordanien die Stelle sieht, von welcher aus die Befriedigung zwischen Arabern und Juden ausgehen könnte, so erhebt sich der Zweifel, was besser ist, geschlossene Siedlung, wie in Palästina, oder das Anstreben gemischter Bevölkerung.Man könnte darauf hinweisen, daß im Irakgebiete das letztere System sich von jeher bewährt hat.
Wer weiß, ob nicht der Zeitpunkt gekommen ist, an dem dieses in der jüdischen Geschichte so problematische Land Transjordanien vor der Erfüllung der Prophezeiung steht, welche alte Kunde, im Targum Jeruschalmi zu N. XXXII, 3 wiedergegeben, an dieses Land knüpft. Dort heißt es Königskrone und Königsgewand. Jenseits des Jordan wurde einst unmittelbar nach Eroberung des Landes durch Moses der Thorabund erneuert.Es könnte sein, daß wieder einmal die jüdische Geschichte vor der Tatsache steht, daß jenseits des Jordan Thorageist jüdische Kinder die Lebensbahn weisen wird, und daß von dort aus Ruhe und Frieden über den Jordan getragen wird, ins heilige Land.
Jesajas 58,5 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Acharei Mauss
אחרי מות
הכזה יהיה צום אבחרהו, יום ענות אדם נפשו:
Darf
so das Fasten sein, wenn ich es erwählen soll der Tag, an dem der Mensch
seine Seele darben zu lassen hat? Etwa daß er wie ein Schilfrohr sein Haupt
beuge und in Sack und Asche sich hülle? Solches willst du Fasten nennen und ein
Tag des Wohlgefallens, einen gottgeweihten?!
Rabbiner Dr. Salomon BREUER: Belehrung und Mahnung Wochenabschnitt Tazria
Rabbiner Dr. Salomon BREUER
(1850 1926)
תזריע
Belehrung und Mahnungzur Wochenabschnitt
TAZRIA (Auszug)
Mit
der Mila wurde Abraham Jude. Er vollzog sie im Zeichen des denkbar größten
Kidusch Haschem. Denn Jude sein heißt, den Mut zum Kidusch Haschem zu besitzen,
die Forderungen des jüdischen Pflichtlebens ונקדשתי בתוך בני ישראל in
lautester Öffentlichkeit zu verwirklichen, auf den Beifall und die Zustimmung
der Menge verzichten, auch den Hohn und die Verlästerung nicht zu scheuen,die dem Juden in öffentlichen Leben gar oft
begegnen. Solche מקדש שם שמים- Juden haben wir leider nicht
viele, dafür gottlob noch recht viele, die freilich בשתיקה,
wenn sie vor fremden Augen sich sicher wissen, ihren jüdischen Pflichten
nachkommen. Und doch hat es unser Stammvater uns anders gelehrt, als er den
Orden der Mila aus Gottes Hand für sich und seine späteste Kinder empfing. Wohl
wußte er, daß dieser Akt, der ihn und sein Haus fortan in den entschiedensten
Gegensatz zu den Anschauungen einer großen Welt setzte, bei ihr nur Spott und
Gelächter auslösen mußte. Er aber vollzog die Mila nicht im Schutz der Nacht בעצם היום הזה und
wenn die Mila nach Gottes Willen auch am Tage vollzogen werden mußte, was hätte
Abraham gehindert, wenn er die Vornahme dieses Aufsehen erregenden Aktes bei
seinen Hausgenossen auf eine Reihe von Tage verteilt hätte, um so weit wie
möglich peinliches Aufsehen zu vermeiden er aber vollzog die Mila seines
ganzes Hauses; zu dem 318 Genossen zählten, an einem Tag, scheut den mächtigen
Orloh-Hügel nicht, der vor den Augen einer großen Welt sich türmt und auf den
die Sonne scheint Gott aber bleibt dieser große, stolze Akt unvergessen,
mit dem unser Stammvater unter den Augen einer lautesten Öffentlichkeit Jude
wurde und von dem noch späte Enkel sich die Mahnung holen mögen, wozu die Mila
d.h. die Zugehörigkeit zum Gottesbund sie verpflichtet.
Aus dem Geiste des בעצם היום הזה ist
es zu verstehen, daß für die Weisen Abraham bei der Ausführung der Mila nicht
nur die Öffentlichkeit nicht scheute, sie nicht mit dieser Tat überraschte,
sondern ihr vorher Mitteilung machte und, wie sie es so sinnig darstellen,
seine Freunde zu einer Mila-Konferenz einlud.Die Ansichten aber, die er da äußern hörte, sind ungemein bezeichnend;
sie begegnen uns bis auf den heutigen Tag und erklären vielfach unser Verfahren
gegenüber den Forderungen der jüdischen Pflicht.
Oner verweist auf Abrahams Alter zu hundert
Jahren eine solch tief eischneidende
Maßnahme! Das ist die Sprache der Gewohnheit. Und in der Tat wohnt in der
Gewohnheit eine ungeheure Macht inne, sie beherrscht den Verstand, und die
beste Überzeugung muß sich gar oft ihr beugen. Wen die Schritte, statt ins Bethamidrasch,
täglich ins Kaffeehaus lenken, wird von dieser Gewohnheit auch am Schabbos
nicht lassen, wiewohl den Verstand ihn vor der עברות warnt, die dort auf ihn
lauern; wer jahraus, jahrein gewohnt ist, während אנעים זמירות sein טלית
abzulegen und aus dem בית הכנסת zu laufen, wird nur Schwer davon
lassen, auch wenn Verstand und Nachdenklichkeit ihm das Unstatthafte seines
Verhaltens nahelegen; und wem es einmal zur Gewohnheit geworden ist, die laute שמנה עשרה oder
קריאת
התורה für den geeigneten Augenblick zu halten, um den Nachbar zu
begrüßen und mit ihm in שיחת חולין, in Geschwätz sich zu ergehen,
der wird von dieser traurigen Unsitte nur schwer lassen, auch wenn sein
Verstand das entschiedene Verbot längst begriffen und natürliches
Anstandsgefühl sich gegen dieses die Heiligkeit unserer Andachtsstätte
schändende Verhaltenvon selber kehrt!
Und doch hegen wir die zuversichtliche Erwartung, daß es der eindringlichen
Mahnung des דין doch schließlich gelingen wird, seine Forderung Anerkennung zu
verschaffen. Hat unser sabbatlicher מי שברך an diese unfaßbare
Unsitte gedacht, wenn er den Segen herabfleht auf die מי שמיחדים בתי כנסיות
לתפלה ומי שבאים בתוכם להתפלל? Sollte man doch meinen, daß,
wenn Synagogen erbaut werden, sie selbstverständlich für die תפלה
bestimmt sind, und wenn man hineingeht, man sie aufsucht, um dort zu beten. Und
doch erfleht unser מי שברך den Segen bedeutsam und mit
unverkennbaren Nachdruck auf das Haupt derer, die das בית הכנסתfür die תפלה bestimmen und nicht für
müßige Unterhaltung, und die hineingehen להתפלל, um ihre תפלהzu verrichten und nicht die geweihte Stätte
durch שיחת חולין zu entweihen! Wer aber unter uns möchte nicht des Segens
teilhaftig werden, daß Gottes Segen komme über unsere Frauen, über unsere Söhne
und unsere Töchter הוא יברך את כל הקהל הקדוש הזה הם ונשיהם ובניהם ובנותיהם!
In Oner hat die Macht der Gewohnheit ihren
trefflichen Anwalt gefunden: zu hundert Jahren geht man nicht neue Wege. Von
besonderer Bedeutung schien den Weisen Eschkols Verhalten. Sahen sie sich doch
zu folgendemAusspruch veranlaßt: מגיד מראשית אחרים
שהכל צפוי היה לפני הקב"ה, אשכל אוהבו של אברהם היה ונקרא אשכל על אודות
האשכול שעתידין ישראל לכרות ממקומו Gott kündet Künftiges von Anfang
an: Eschkol hieß der Freund Abrahams, er hieß so nach der Traube (אשכול),
die einst die Kundschafter im Tale schneiden sollen.
Irren wir nicht, so wollen sie uns damit sagen:
Das Verhalten der Kundschafter gegenüber dem Gotteswillen hat schon in Abrahams
Tage Vertreter gefunden, nur daß Abraham solchen Einflüssen gegenüber stark
geblieben, keinen Augenblickim Zweifel
war, was die Pflicht von ihm forderte. Denn Eshkol erinnert an die Feindschaft,
die sich Abraham durch Vornahme der Mila zuziehen müsse, die ihn von seiner
Umwelt fortan scheide und wenn Abraham die Mila vorzunehmen durchaus gewillt
war, so wird Eschkol wohl für eine Vornahme in aller Stille plädiert haben, um
nach Möglichkeit jedes Aufsehen zu vermeiden. Das ist dieselbe feige,
erbärmliche Gesinnung, die die Kundschafter erfüllte, die sich trotz des
Gottesschutzes einer feindlich gesinnten Welt gegenüber ohnmächtig fühlt und
die Kraft nicht kennt, mit der das Bewußtsein, dem Gotteswillen zu entsprechen,
die jüdische Seele zu erfüllen hat mit dieser Gesinnung haben sie die Traube
in Eschkols Tal gepflückt.
Von allen Freunde stimmte nur Mamre dem
Vorhaben Abrahams zu. Doch nicht das Für und Wider der öffentliche Meinung hat
auf Abrahams Entschluß Einfluß ausgeübt; er war viel mehr von Anfang an
entschlossen, in vollem Bewußtsein der herrschenden Meinungen, mit denen die
große Welt seinen Schritt begleitete, und in lautester Öffentlichkeit sich und
sein Hausdem göttlichen Lebensbund zu
weihen.
Wie aber die Mila von ihren Trägern Kidusch
haschem fordert, weil sie von ihnen in keinem Augenblick des Lebens verleugnet
werden darf, so begleitet sie den Juden bei jedem Schritt seines Lebens, will
jede Gedankenregung und jeden Willensvorsatz unter dieHerrschaft des Gotteswillens stellen und
seinem Leben durch innige Vermählung mit Gottes Nähe zur höchsten Vollendung
verhelfen. Das sollte Abraham erfahren, als er, mit dem frischen Bundeszeichen
am Leibe nach Wanderern ausspähend, an dessen er Gastfreundschaft ausüben
könne, der Schechinanähe Gottes teilhaftig wurde. Er will sich vor der
Schechina erheben und wird veranlaßt, sich in seiner Liebesbetätigung an
Menschen nicht zu stören denn Gott weilt dort, wo Menschen Seinen Willen
betätigen. Und wenn Jissroél in seinen Bet- und Lehrhäusern sitzend weilt,
weilt Gottes Schechina über ihnen, denn keine größere Huldigung kennt Gott, als
wenn das Leben des Menschen zu einer Offenbarung des Gotteswillens sichgestaltet. Das aber ist der Fall, wenn
göttliches Milazeichen uns mahnend dazu bringt, vor Gott zu wandeln und nach
Vollendung zu ringen. Vollendung aber winkt dem Leben, wenn es in keinem
Augenblick die Mila verleugnet.
וביום השמיני ימול
בשר ערלתו Die Mila weiht ihre Träger dem Schabbos, denn Gottes
Herrschaftswille soll in ihm einen rüstigen, treuen Vollstrecker finden. Dieser
Gotteswille umfaßt aber nicht nur das Einzelleben, er will auch das
Gemeinschaftsleben im Zeichen des Rechts und der Liebe aufbauen. Vor seiner
Nähr sollen Haß, Bösrede und Verleumdung, sollen die unheimlichen Mächte
weichen, die das soziale Leben vergiften und ihm die Segnungen des Friedens
rauben.
Wer die Mila in Wahrheit trägt, den braucht der
Gottesfinger nicht strafend mit Negaim zu berühren, mit denen Gott den zu
treffen weiß, der die sozialen Forderungen des jüdischen Lebens verleugnet.
Er muß die Mila als stolzer Enkel unseres
Stammvaters tragen, der die Mila in lautester Öffentlichkeit vollzogen und im
Anblick einer großen Welt bei jedem Schritt seines von Gottesrecht und
Gottesliebe erfüllten Lebens verwirklicht hat.
Mit Recht ruft daher der Weise aus: Wie groß
ist doch die Mila, sie vermag Negaimzu
verdrängen!
Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUERBelehrung und Mahnung dritter Teil Leviticus J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1935 S.
20-26
Rabbiner Dr. Mendel Hirsch Aus seinem Komm. zur Haftoro Schemini
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH
(1833 1900)
הפטרת פרשת שמיני
Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes Schemini
Samuel II, Kap. 6, Vers 1 und folgende
Die Geschichte der Einweihung des Zusammenkunftsbestimmungszeltes unter der sichtbaren Bekundung der Gottesnähe in Jissroél fügt das Prophetenwort der Haftora die Erzählung des ersten Einzuges der Bundeslade Gottes in Jerusalem an. Ein Moment der einen tiefen Einblick und einen weiten Ausblick in die jüdische Geschichte eröffnet. Das Zelt, das an jenem achten Tage zum achten Male von Moses errichtet worden war, befand sich noch in Gibeon. Ein von David in der Davidstadt provisorisch errichtetes Zelt harrte vor der Bundeslade. Siegreich war aus dem Philistäerlande die nunmehr in Jerusalem einziehende Bundeslade heimgekehrt, nachdem sie von Schiloh aus, da Jissroél sich des Gottesschutzes unwürdig gezeigt hatte, in Feindes Hand gefallen war. In den Trümmern des Götzen und in den Heimsuchungen der Feinde hatte sich die Hoheit des von ihr umschlossenen Wortes und die Allmacht der Gotteshand den zitternden Philistäern offenbart. Der Freiheit wiedergegeben, hatte sie ohne Menschen-Zutun ihren Weg zurückgenommen in das jüdische Land. Nach vorübergehendem Weilen in Beth-Schemesch hatte sie Stätte gefunden in dem mit dem hier genannten Baale Jehuda identischen Kirjath Jearim (Sam.I. 6,20 f. 7,1). Die Wirkenszeit des hehren Samuel, die Regierung Sauls lagen zurück, die auf seinen Tod folgenden Erschütterungen hatten ihre Ende erreicht, und nach außen herrschte tiefste Ruhe: Gott hatte die Furcht vor ihm auf alle Völker gegeben (Chron. I. 14,17), als David den Entschluß fasste, die Bundeslade in der Davidstadt zu überführen, wo er für sie ein Zelt aufgeschlagen hatte. Doch nicht ohne ernste Mahnung an die Hoheit des Gesetzes sollte die Überführung nach Jerusalem erfolgen. So wie der Tod der beiden Priesterjünglinge am ersten Einweihungstage die ewige Mahnung sein sollte, daß nur Gehorsam und kein Priesterwillkür, auch nicht in bester, Gott dienender Absicht, so vergegenwärtigte die selbige Hoheit die Leiche Usas, der in einem Augenblick der Selbstvergessenheit gewähnt hatte, die Lade halten zu müssen, und, wenn auch in guter Absicht, die Ehrfurcht vor Dem verletzt hatte, dessen Wort die Lade barg. Sein Tod hatte das בקרובי אקדש(3 B.M. 9,3) David in furchtbarer Eindringlichkeit in die Seele gerufen. Niemand war weiter als er von jeglicher Selbstüberschätzung entfernt. Erzagte, er zweifelte an seiner Würdigkeit. Er hatte um so mehr Grund zu zagen, als ja der Entschluß, die Bundeslade in die Davidstadt zu bringen, seiner eigenen Initiative entsprungen und nicht etwa die Ausführung eines ihm gewordenen göttlichen Auftrages. Erst der in dem Gedeihen Obed Edoms sich zeigenden Gottessegen beruhigte ihn. Hatte er ja doch auch schon durch sein vorhergehendes Zagen es an den Tag gelegt, wie sehr er von dem Gefühle der Verantwortung durchdrungen sei, die die Nähe der Bundeslade ihrer Umgebung bringe. Dieses Bewußstein, daß er nur erster und verantwortlicher Diener dieses Gesetzes sein daß er seine Königsmacht nur für dessen Verwirklichung einzusetzen und seine Würde nur in der Erfüllung dieser Aufgabe zu finden habe, tritt in seiner ganzen Haltung bei der Überführung hervor.Gerade was Michal, der stolzen Königstochter, mißfiel, gerade das gab ihm das Gepräge des jüdischen Königs nach dem Idealbilde des Königsgesetzes (5 B.M. 17,14 ff.) In diesem Sinne hatte er das kleine Ephod angelegt, als Wehr und Waffen des jüdischen Königs, es war die Rüstung für die Verwirklichung des Gottesgesetzes, es war das Gelöbnis, alle seine Kräfte in den Dienst dieser Aufgabe zu stellen. Dasselbe Gelöbnis sprach die ganze Reihe der nach jeder Zurücklegung von sechs Schritten auf dem ganzen Wege sich wiederholenden Opfer aus, die Weihe der Tatkraft (שור) und die vertrauensvolle Geschickeshingebung an die Gottesführung (מריא). Auch daß diese Gelübde gerade nachjeder Sechszahl von Schritten im Thatsymbol ausgesprochen wurde, ist nicht bedeutungslos. (Vergl. Über die Bedeutung der Sechs- und Siebenzahl in der Symbolsprache des Gottesgesetzes: Grundlinien einer jüdischen Symbolik, Jeschurun: V. S.18ff.)
Derselbe tiefe Ernst spricht auch in dem Unterschiede aus, der den Zug von dem Hause Obed Edoms nach Jerusalem von demjenigen aus Kirjiath Jearim bis nach Perez Usa charakteristisch scheidet. An die Stelle des משחקים (V.5) war תרועה, an die Stelle der Pauken und Schellen (V.5) war der Schofar, der den ernsten Gottesruf an Jissroél zur ewigen Sinaihöhe seiner Jissroélbestimmung vergegenwärtigende Schofarruf getreten. Nur auf den Boden dieses Ernstes und dieser tiefen gottesfürchtigen Erregung quoll jenes beglückenden Hochgefühl und jene Freude, die in dem von David ausgesagten מפזז ומכרכר ihren Ausdruck fand. Aus dem ausführlicheren Bericht in Chron. I, 15 11-16 tritt der Unterschied noch mehr hervor. Die Stammeshäupter der Priester und Leviten werden von David berufen, ויתקדשו, heiß es daselbst, sie hatten sich auf dem großen Moment vorzubereiten. Dann erst trugen die Söhne der Leviten die Lade Gottes, so wie es Moses nach dem Worte Gottes geboten hatte, auf ihrer Schulter an den Stangen, die auf ihnen ruhten. Nachdem sodann die ganze Ordnung des Zuges beschrieben, die in ihre Ordnungen als Sänger, Musiker und Wächter eingeteilten Levitenfamilien und unter diesen auch der Levite Obed-Edom an der ihm gebührende Stelle, und die Priester mit den Posaunen voranschreitend, heißt es am Schlusse V.28, da die innige Beteiligung des ganzen Volkes hervorgehoben und die Klänge des Festjubels nach den Instrumenten zusammenfassend geschildert werden, zuerst und vor allem: Ganz Jissroél führte die Lade des Gottesbundes בתרועה ובקול שופר in tiefer Erregung und Schofartöne hinauf, und dann wird der Posaunen und der anderen Instrumenten gedacht.
Den weiteren Ausblick in die ferne Zukunft eröffnet sodann die David in Veranlassung des von ihm beabsichtigten Tempelbaus gegebene Zusicherung der bis in die Ewigkeit reichenden Erhaltung und Bedeutung seines Hauses.
(Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 196 -197Kommentar zu Samuel II Kap. 6 V.1 )
Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Schemini (Auszüge)
Rabbiner Dr. Salomon BREUER
(1850 1926)
שמיני
Belehrung und Mahnungzur Wochenabschnitt Schemini (Auszüge)*
*Ansprache, gehalten am Abend des 12. Nisan 5650 bei der Amtseinführung als Frankfurter Raw.
Mehr als Aharon weigerte Mosche sich, Führer in Jissroél zu werden. Sieben Tage kämpfte er mit sich, ehe er endlich auf Gottes Geheiß sich dazu verstand. Umso befremdender muss es erscheinen, daß später Jehoschua die Nachfolge ohne weitere Bedenken antrat. Es genügte die göttliche Aufforderung קח לך את יהושע, und Jehoschua trat sein Amt an. Und doch war der Abstand zwischen Mosche und Jehoschua trat sein Amt an. Und doch war der Abstand zwischen Mosche und Jehoschua ein solch gewaltiger, daß זקנים שבאותו הדור אמרו פני משה כפני חמה פני יהושע כפני לבנה die Ältesten jener Zeit keinen Abstand nahmen, Mosche mit der Sonne und Jehoschua mit dem Mond zu vergleichen! Mosche aber, so meinen die Weisen, העמידו מן הארץ והושיבו בין ברכיו hob Johoschua auf sein Knie, und Johoschua trat sein Amt mit den Worten: ברוך ה' אשר נתן תורה לישראל ע"י משה רבינו, Gesegnet sei Gott, der Jissroél durch unseren Lehrer Mosche die Thora gegeben!
Offenbar liegt der Grund für Jehoschuas Verhalten in der Verschiedenheit der Aufgaben, vor die sich diese Führer gestellt sahen. Mosche fiel die denkbar schwierigste Aufgabe zu: die Thora seinem Volke zu überbringen, d.h. in Mizraim unter den Fesseln der geistigen und sittlichen Knechtschaft zermürbte jüdische Volksgemeinschaft zum Gottesvolke zu erheben und unter den Fesseln der gewaltigsten Schwierigkeiten den Boden für das Gottesgesetz zu erkämpfen. Jehoschua fiel die ungleich leichtere Aufgabe zu: die Errungenschaften seines großen Lehrers und Meisters unter wesentlich günstigeren Verhältnissen weiter zu pflegen, das teure Erbe zu erhalten und einer gedeihlichen Fortentwicklung entgegenzuführen. Mit gehobenen Empfindungen konnte er daher seine Antrittsworte in den Segenspruch kleiden: ברוך ה' אשר נתן וגו' Das Schwierigste ist vollbracht, die Thora hat bereits durch Mosche im Herzen des Volkes ihre Stätte gefunden!
Jehoschua durfte aber auch mit Zuversicht darauf rechnen, daß Jissroél gerade mit Hinblick auf die unerreichbare Größe seines Vorgängers ihm die herzlichste Zuneigung und wärmste Sympathie entgegenbringen werde. וישמעו אליו בני ישראל וגו' ולא קם נביא עוד כמשה heißt es in den Schlusssätzen unserer Thora: Und Jissroéls Söhne gehorchten ihm und taten, wie Gott Mosche geboten!
Mochten die Zeitgenossen an Mosche Rabenu denken, so musste sich ihnen der Vergleich zwischen Sonne und Mond aufdrängen; doch gerade dieser weite Abstand, der Jehoschua von Mosche schied, sicherte ihm die ungeteilte Hingabe seines Volkes. Wäre Mosche eine von seinem Nachfolger erreichbarer Größe gewesen, dann freilich wäre Jissroél berechtigt gewesen, auch an Jehoschua dieselben Erwartungen und Anforderungen zu stellen, die sie an Mosche zu stellen gewohnt waren Doch dem war nicht so. ולא קם נביא עוד בישראל כמשה Einen zweiten Mosche gab es nicht mehr. Mosche stand zu hoch, zu groß da, als daß ein Vergleich zwischen ihm und sein Nachfolger, wer immer es auch sein mochte, zulässig gewesen wäre. Großtaten, wie sie Mosche vollbracht hatten konnten von keinem andern erwartet werden. Andererseits aber schaute das Volk zu Jehoschua mit Vertrauen empor, der durch seine innige Beziehung zu Mosche die Bürgschaft bot, daß er die Errungenschaften seines großen Lehrers und Meisters in seinem Geiste und in seinem Sinne zu erhalten und zu pflegen als seine heiligste Aufgabe betrachten werde.
Meine Brüder und Schwestern! Gleich Jehoschua spreche ich auch mit dankerfülltem Herzen die ברכה:ברוך שנתן תורה לעמו ישראל ע"י רבינו . Das Schwierigste ist vollbracht! Mein unvergesslicher großer Vorgänger זצ"ל hat die denkbar schwerste Aufgabe gelöst: er hat seine Gemeinde, seinem Volke aufs neue die alte unverfälschte תורה überbracht. Mit unvergleichbarer Genialität und nie erlahmender Tatkraft hat er seine Gemeinde zu einer wahrhaften Gottesgemeinde herangebildet und unter Beseitigung unsäglicher Hindernisse den Boden für die Thora mit seinem Herzblut erkämpft. Meinen schwachen Kräfte fällt nunmehr die ungleich leichtere Aufgabe zu: die Errungenschaften unseres großen Lehrers und Meisters in ihrer ganzen Integrität in w.G. ungestörter, friedlicher Wirksamkeit weiter zu erhalten und wenn möglich einer gedeihlichen Fortentwicklung entgegenzuführen. In zuversichtlicher Erwartung rechne ich auf Ihre tatkräftige Unterstützung und Mitarbeit, rechne ich auf Ihre gütige Nachsicht, daß Sie von meinen geringen Fähigkeiten nicht solche Grosstaten erwarten werden, wie Sie sie unter der Führung meines großen Vorgängers זצ"ל zu erleben von der göttlichen Vorsehung gewürdigt waren. Einen zweiten Rabbiner HIRSCH gibt es in unserer Zeit nicht mehr! Das haben Sie sich, als dieser große Führer die Augen schloss, sagen müssen.
Feierlichts aber gelobe ich und wahrlich, meine innigen verwandtschaftlichen Beziehungen zu unserem großen Rabbiner זצ"ל und vielleicht auch meine Vergangenheit bürgen für die Treue dieses Gelöbnisses: die Heiligtümer seines Lebens in seinem Geiste und in seinem Sinne mit jeder Regung meines Herzens, mit jedem Splitter meiner Kraft in immer wachsender Hingebung zu wahren und zu pflegen. Und wenn wir in dieser Stunde das נר תמיד zu seinem Andenken entzünden, so mahne es und, nicht zu ruhen und nicht zu rasten, bis das Thoralicht, das er in unserer Mitte entzünden hat, zu einem wahrhaften נר תמיד erstarkt ist שתהא שלהבת עולה מאליה und durch die Pflege, die es im weitesten Kreisen findet, auch ohne unsere Hilfe von selbst fortleuchtet.
חזק ואמץ Sei fest und stark! rief Mosche seinem Nachfolger zu: חזק בתורה ואמץ במעשים טובים fügen unsere Weisen erklärend hinzu. Sei fest in der Erkenntnis deiner Aufgabe im Dienste der תורה und sei stark in der Überwindung aller Hindernisse bei deren Lösung.
Fest im Prinzip und stark in der Ausführung, das waren die ernsten Anforderungen, die Mosche an seinen Nachfolger stellte.
Fest im Prinzip und stark in derAusführung, das sei die Devise auch für meine Wirksamkeit, und so Sie, meine Brüder und Schwestern, חזקו ואמצו in gleichem Sinne mir Ihre Mitarbeit nicht versagen, wird Gottes Segen auf dem Mühen unserer Hände ruhen: ויהי נעם ה' אלקינו עלינו ומעשה ידינו כוננה עלינו ומעשה ידינו כוננהו.
Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUERBelehrung und Mahnung dritter Teil Leviticus J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1935 S. 13 - 19
Paper $27.00ISBN: 9780745335810 Published July 2016 For Sale in All Americas and the Caribbean except Canada
Cloth $90.00ISBN: 9780745335827 Published July 2016 For Sale in All Americas and the Caribbean except Canada
Usually, we think of the state of modern Israel, as well as the late nineteenth-century Zionist movement that led to its founding, as a response to anti-Semitism which grew out of cultural and religious Judaism. In What Is Modern Israel?, however, Yakov M. Rabkin turns this understanding on Read More
Usually, we think of the state of modern Israel, as well as the late nineteenth-century Zionist movement that led to its founding, as a response to anti-Semitism which grew out of cultural and religious Judaism. In What Is Modern Israel?, however, Yakov M. Rabkin turns this understanding on its head, arguing convincingly that Zionism, far from being a natural development of Judaism, in fact has its historical and theological roots in Protestant Christianity. While most Jewish people viewed Zionism as marginal or even heretical, Christian enthusiasm for the Restoration of the Jews to the Promised Land transformed the traditional Judaic yearning for Returna spiritual concept with a very different meaninginto a political project.
Drawing on many overlooked pages of history, and using on a uniquely broad range of sources in English, French, Hebrew, and Russian, Rabkin shows that Zionism was conceived as a sharp break with Judaism and Jewish continuity. Rabkin argues that Israels past and present must be understood in the context of European ethnic nationalism, colonial expansion, and geopolitical interests rather thanas is all too often the casean incarnation of Biblical prophecies or a culmination of Jewish history. Read more:
Raphael BREUER: Die Orthodoxie am Scheidewege (1918)
Rabbiner Dr. Raphael BREUER
(1881-1932)
Die Orthodoxie am Scheidewege
Jüdische Monatshefte Jahrgang5 Heft 5 S. 153-160
Unter obigem Titel erschien im Frankfurter Familienblatt ein Artikel von J.H. der nicht unwidersprochen bleiben darf. Seine Ausführungen lassen sich auf folgende Leitsätze reduzieren:
1.Es ist so gut wie sicher, dass in Palästina ein jüdisches Gemeinwesen größeren Umfangs geschaffen werden wird, wenn die Judenheit selbst, einheitlich den ernsten Willen dazu hat.
2.Es ist so gut wie sicher daß die orthodoxen Judenheit die Verwirklichung ihres Jahrhundertalten Traumes nicht wiederum hintertrieben sehen will, denn selbst die früheren Gegner der Besiedlung Palästinas willen es jetzt. Die Saulussen sind zu Paulussen geworden. Nur wenige orthodoxe Juden werden sich heute weigern, das Baseler Programm mit ganzem Herzen zu unterschreiben. Die orthodoxen Juden sind heute allesamt im weitesten Sinne des Wortes, Zionisten
3.Die Orthodoxie steht am Scheidewege, weil sie sich entscheiden muss, auf welchem Wege sie die Verwirklichung ihres Jahrhundertes alten Traumes erreichen will: durch die Gründung einer eigenen Organisation zur Besiedlung Erez Jisroels oder durch die Anschluss an die zionistische Organisation bzw. der Misrachi.
Herr J.H. ist der Meinung daß die Orthodoxie in ihrem eigenem Interesse sich dem Zionismus anschließen muss und zwar aus folgenden Gründen: [vier Gründen - in Beilage zu lesen]
Herr J.H. unterläßt auch nicht, genau anzugeben, was alles die Orthodoxie tun muss um den Zionismus zu kaschern. [vier Mittel in Beilage zu lesen]
Herr J.H. ist überzeugt daß es der Orthodoxie bei Anwendung dieser vier Arzneimittel auch gelingen wird, mit der für ihren Kampf um die Geltung der Thauro wichtigsten Gruppe den religiös Gestimmten und nach religiöse Vertiefung sich Sehnenden vgl; die Zeitschrift Der Jude zu einem Ausgleich und nützlicher Zusammenarbeit zu kommen.
Zum Schluß seines Artikels setzt Herr J.H. auseinander daß nur dann die Orthodoxie eine begeisterte, überzeugte, schwungvolle Jugend mit lebendigen Lebenskräfte ihr eigenen nennen wird,wenn sie sich dem Zionismus anschließt Nicht zuletzt werden diese Kräfte auch dem Thora Studium zu Gute kommen; mit freierem und frischerem Sinne werden sich unsere Jungen diesem Jüdischtem aller Jüdischen widmen.
Wir haben zu diesen Ausführungen folgendes zu bemerken: ZU LESEN IN DIE BEILAGEN!
Rabbiner Dr. Raphael BREUERs ausführliche Widerlegung der irrige Meinungen und irreführende Sophismen der religiösen Nachschleppern des Zionismus hat nichts an Gültigkeit verloren für uns, späte Generationen, im Gegenteil. Es ist heiliger Pflicht diese aus der Vergessenheit hervor zu holen und die praktische Lehren und Konsequenzen für unsere Gegenwart daraus zu ziehen.
Kap. 6, V5: Das Feuer aber soll für den Altar auf ihm angezündet werden, soll nicht ausgehen; es legt darauf der Priester am frühen Morgen Hölzer zum Brennen, ordnet darauf das Emporopfer und läβt auf diesem die Fetteile der Friedensopfer aufdampfen.
Kap. 6 V. 5 Es gibt nur ein Opfer, das dem Schlussopfer des Tages nachzufolgen hat, das Pessach (Pessachim 59a), jenes Opfer, mit welchem alljährlich die Nation wieder in die angstvoll des Ausgangs harrende Geburtsstunde ihres nationalen Daseins zurücktritt, und mit der von allen ihren Gliedern vereint zu vollziehenden Pessachhingebung der Nacht entgegen zu gehen hat, in welcher Tod und Knechtschaft oder Leben und Freiheit sich über ihren Häuptern entschied und der ewig neu zu weckenden Hingebung harrend entscheidet.
V.15: Der Priester, der an seine Stelle von seinen Söhnen gesalbt wird, soll es vollbringen. Als ein ewiger Tribut soll es Gott ganz dem Aufdampfen übergeben werden.
V. 15 חק עולם ...: Die Form חק kommt vorzugsweise nicht als Gesetz, sondern als das als Gebühr zu Leistende vor. So: 1 B.M. 47,22; 2 B.M. 10, 13 u. 14; Prov. 30,8 Wir glauben es daher auch hier in diesem Sinne auffassen zu müssen. Die שירי מנחות ישראל, sowie alle anderenמתנות כהונה sind dem Aharonstamme als חק überwiesen. Imמנחת כהן המשיח gelangen dieselben im huldigenden Ausdruck Gott wieder zurück.
חק עולם, auch לחם הפנים wird Kap 24,9 חק עולם genannt, und hält Menachoth 76a die Halacha an dieser Gleichstellung der Bestimmung fest, daß auch הביתי כה"ג wie das =לחם הפניםBrot auf dem nationalen Wohlstand unter Gottes Angesicht stellenden Tisch in zwölf Broten dargestellt worden. Mit dieser Zwölfzahl der חביתים-Brote ist diesen daher einer dm לחם הפנים ähnliche nationale Beziehung gegeben. Wohl dürfte dieses alles dem Priester fortwährend den Gedanken zur Beherzigung und Betätigung nahe legen solle, daß er seines Amtes nicht ein der damit verbunden materiellen Vorteile willen warten, sondern den Genuss dieser Vorteile selbst als eine nur für seine Existenz nicht zu umgehende Notwendigkeit, ganz in die göttlichen Zwecke seines Amtes aufgehen lassen solle. Wardoch dem jüdischen Priester sein Dienst der einzige Boden seiner Existenz; gleichwohl sollte er nicht seinen Dienst in seine Existenz, sondern seine Existenz in seinen Dienst aufgehen lassen. כל מנחת כהן כליל תהיה לא תאכל! Jeder im Volke hat sein ganzes materielles Gut Gott zu Füssen zu legen und dem Heiligtum seines Gesetzes den vollen Herausgriff nach göttlicher Bestimmung zur Nahrung des Göttlichen auf Erden zu gestatten, und eben diese Mitverwendung seiner Hebe auch für das Gottesheiligtum macht den Mann zum jüdischen Mann, stellt auch seine materielle Existenz unter göttliche Gedächtnisobhut und lässt auch seine Freude am Dasein in das göttliche Wohlgefallen an ihm aufgehen. Allein des Priesters ganze Existenz, auch mit der ganzen materiellen Seite seines Daseins und Wohlseins geht auf in den Dienst des Göttlichen auf Erden; er soll, durch die Mustergültigkeit seines ganzen Wandels auch außer dem Heiligtum wie dies noch ganz besonders in den besonderen Gesetzen für den Priesterwandel (Kap.21) hervorleuchtet dem Heiligen eine Stätte bereiten im Leben des Volkes, wie sein Name Kohen aussagt; es soll nichts an ihm unpriesterlich sein; und wenn er daher den Ausdruck seiner Nahrung, seines Wohlstandes und seines Wohlbehagens mit dem Mincha ins Heiligtum trägt, so kommt davon nicht nur ein Gedenkteil auf Gottes Altar, es geht ganz auf in das Feuer des Göttlichen auf Erden.
Es ist die Nation, die ihren Hohenpriester veranlasst, seine חביתין in so reicher Bereitung darzustellen, wie ja auch in Wirklichkeit der Nation anempfohlen ist: גדלהו משל אחיו (Kap. 21,10), ihren Hohepriester auch in den äußeren Erscheinung, seiner Existenz der Nation würdig hervortreten zu lassen. Wenn, wie die Blätter unserer Geschicke uns lehren, aller Verfall von jeher durch die Entartung der höheren Schichten der Gesellschaft hervorgerufen wurde, und wenn, wie die ganze Stellung desjüdischen Priesters und des jüdischen Hohenpriesters, der ja ein Weib haben und ein Haus milden musste, insbesondere beweist, Priester und Hohepriester durch die Mustergültigkeit ihrer Häuslichkeit einen sittigenden und veredelnden Einfluss auf die Nation üben und darum mitten im Verkehr des Volkes leben sollten; so begreifen wir, wie es die Absicht des Gesetzes sein konnte, daß sein Hohepriester durch eine ihm zu schaffende begüterte Existenz mit seiner Häuslichkeit, der Erziehung und Bildung seiner Kinder, mit dem ganzen Tenor seiner bürgerlichen Lebens sich den begüterten Kreisen der Volksgesellschaft anschließen und den stillen und doch so mächtigen Einfluss eines mustergültigen Beispiels da üben möge, wo der Schwerpunkt des nationalen Sittenlebens zu liegen pflegt. Eine Absicht, an deren Erfüllung ihn sehr wohl sein reiches חביתין-Mincho morgens und abends mahnen mochte. .
Kap. 7V.18 Und wenn von dem Fleische seines Friedensopfermahls am dritten Tage gegessen werden soll, so wird darin nicht ein Entsprechen des göttlichen Willens für den, der es nahebringt, erklärt, es wird ihm nicht gedacht, ein Verworfenes soll es sein; die Person, welche davon iβt, wird ihre Sünde tragen.
Kap. 7 V. 18 So ist der Abfall vom Judentum, der dem Gesetzesheiligtum den Rücken kehrt, nicht das Verderblichste für das jüdische Heiligtum; da erst droht dem Heiligtum Verderben, wenn man den Abfall im Heiligtum trägt, die Willkür im Bereich des Heiligtums selber sanktioniert, trotz Umwandlung des Heiligtums in sein Gegenteil doch auf den Boden des Heiligtums zu verharren vorgibt, und das Heiligtum selber die Sanktionierung seines Gegenteils vollziehen lassen will. Das ist פגול, und darum ist es auch nur dann פגול wenn קרב המתיר כמצותו, wenn alles sonst normal geblieben, wenn keine sonstige Abnormalität schon das Opfer als verfehlt, als פסול erscheinen läβt, und so das Zerreißen des Opferheiligtums in seinem lebenbedingendsten Momenten in ganz normalen Vorgange sanktioniert erscheinen würde.
Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen 24. Folge
Schriften zur Aufklärung über den Zionismus
N° 2 Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen
Herausgegeben vom Antizionistischen Komitee Berlin 1913
IV. DIE WIRKUNGEN DES ZIONISMUS
g)Schluß
Was für eine Phase bedeutet nunder Zionismus in der Geschichte, wenn man ihn von der höheren Warte der Psychologie der jüdischen Lebenserscheinungen betrachtet? Von dort aus gesehen ist er nichts wie der Ausdruckeiner Regung, die Gott sei Dank in der jüdischen Seele sich sonst selten breit gemacht hat,nämlich der zagen Feigheit! Und mögen auch die jungen Herren sich noch so ungebärdig benehmen,mögen sie noch so viel Kraft und Tapferkeitzu entwickeln suchen,alles ist nur Maske, die die Wahrheit nicht bedecken kann. Tapfer ist der Zionismus nur , wenn er den eigenen jüdischen Bruder vernichten kann.Sonst aber im Verhältnis zur Welt ist der Zionismus im letzten Grunde Feigheit, schimpfliche, resignierte Feigheit, en zages und banges Zurückweichen aus dem Kampfefür die größten Menschheitsgüter, für Freiheit, Recht und Gerechtigkeit.. Gegen uns kämpften und kämpfen alle Mächte des Hasses und des Bösen,der Niedrigkeit und des Rückschrittes im innigem zähen Verein, gegen die Wahrheit des Lichtes erhebt sich die lügnerische Macht der Finsternis!
Und wenn der Zionismus dem Standpunkt unserer Gegner Rechnung trägt, ihm anerkennendesVerständnis entgegen bringt, so ist das stumpfe und feige Resignation, die der eignen Kraft der alten jüdischen Ideale nichts mehr zutraut. Zionismus ist schmählicher Verzicht auf den Sieg des Rechts,Zionismus ist feige Fahnenflucht aus dem Heere jener, die darum begeistert für den Sieg des Judentumsstreiten weil sein Sieg ein Sieg der Kultur ist!
Wir wollen den jüdischen Körper nicht aufpeitschen lassen, durch den Geist des Nationalismus , an dem er mit Sicherheit zu Grunde gehen wird. Wir wollen, und das sei die beste Bekämpfung des Zionismus , ihm die gesunde, nahrhafte Kost reichen, und nicht ermatten, wenn auch die Schwierigkeiten groß sind und der Aufstieg zur Höhe nurlangsam geht.
Positive religiöse Werte geben, das wird am sichersten den Zionismus vernichten, der eine Gefahr darstellt,eine unendliche Gefahr für das jüdische Leben, für die jüdische Gleichberechtigung,für die jüdische Einheit, für die jüdische Religion und damit für das Judentum selber und dem Fortschritt der Weltkultur!
Erschien bereits in Jeschurun Judentum gegen Zionismus in Folgen, als Teil unseres StudienprogrammsJahrgang 5770/5771
Mit Dank an Frau Manja BURGERS, Antiquarische Buchhandlung Spinoza in Amsterdam
Anzeige in der Wochenzeitung Jüdische Presse , Wien 1927, 4 für die Weltberühmte Palästina- Mazzoth hergestellt unter streng ritueller Aufsicht des ehrw. Orth. Rabbinates sehr ehrwürdigen Herrn Oberrabbiner Josef Chaim Sonnenfeld Präses der Agudas Jisroel in Erez Jisroel.
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH Kommentar zur Wochenabschnitt WAJIKRO
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH
(1833 1900)
הפטרת פרשת ויקרא
Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes Wajikro
Jesaja, Kap. 43, Vers 21 und folgende
Dieses Volk habe ich mir gestaltet, auf daβ sie mein Tatenlob verkünden sollen.
Der Wochenabschnitt des Gotteswortes enthält die Grundzüge der groβen symbolischen Weihehandlungen, die, im rechten Sinne volzogen und begriffen, den jüdische Menschenkreis bei der Lösung seiner Lebensaufgabe, durch stete Vergegenwärtung seiner idealen Ziele in dem Werke der Selbstheiligung unterstützen und ihn immer mehr der beseligenden Gottesnähe schon auf Erden teilhaftig machen sollen. Darum heiβen diese Handlungen: Korban, von קרוב, nahe sein.Das Prophetenwort zeigt, wie Jissroél das Korban verkannt und in echt heidnischem Sinne, als Gott zu dessen Abfindung dargebrachtes Opfer, in sein Gegenteil verkehrt hatte. Was sittigend wirken sollte, wurde so zu einem Momente der Entsittlichung, (Kap. 43,21-25). Der Tempel muβte deshalb zeitweilig fallen, Jissroéls harrte die Leidenserziehung im Exil. Es muβ erst wieder Jakob werden, das in Abhängigkeit duldende, um einst wieder Jissroél zu werden. Erhebung ist das Ziel seines Sturzes, Wiedergewinnung, nicht Verwerfung, die Bedeutung seines Exils. Beseelung mit dem Gottesgeiste hat die innere und dann auch die äuβere Erstarkung zur Folge. (Kap. 44, 1-5) Da es heidnische Vorstellungen waren, die die traurige Trübung der reinen Opferidee bewirkt hatten, und heidnische Umgebungen, in die Jissroél hinausgewiesen wurde, so folgt zu seiner Warnung die schärfste, eindringlichste, wahrhaft drastische Kennzeichnung der Absurdität des heidnischen Götzenwahnes, dem die Wahrheit und Erhabenheit des allmächtigen Gottes gegenüber gestellt wird. (V. 6 - 20). Das Prophetenwort schlieβt mit dem Ausblick auf die einstigen Läuterung und die daran sich unmittelbar anschlieβende Erlösung. Bei beiden aber wird wiederholt die menschheitspriesterliche Bestimmung Jissroéls als eigentliches Motiv dieser ihm zugewandten besonderen Gottesführung hervorgehoben. (Kap. 43,21 und Kap. 44,23)
(Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 179- 189Kommentar zu Jesja Kap 43 V.21 )