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Rabbiner Samson Raphael HIRSCH
(1808-1888)

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Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH
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Rabbiner Dr. Salomon BREUER
(1850 - 1926)
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Rabbiner Dr. Raphael BREUER
(1881-1932)
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Reb Julius HIRSCH
(1842-1909)
Jubelsinget, Gerechte, in Gottesanschauung, den Geraden geziemt Thatenoffenbarungslied (Psalm 33)

ברוך הבא!    السلام عليكم!

 

Welkom op de blog van de studievereniging JESJOEROEN, Thora tegen nationaal-jodendom (sionisme)


Thoratrouwe antizionistische inzet en anti-imperialistische solidariteit. U vindt hier Rabbijnse teksten (vooral Samson Raphael HIRSCH strekking), nieuws en achtergrondinfo.

 

Bienvenue sur le blog de l'association d’études rabbiniques YECHOUROUN, Thora contre national-judaïsme (sionisme).

 

Nous proposons des textes rabbiniques, (surtout de l’école de Samson Raphael HIRSCH) ainsi que des infos et documentations, le tout avec engagement antisioniste et solidarité anti-impérialiste, inspirés par la fidélité à la Thora. Visitez notre blog similaire en langue française: www.bloggen.be/yechouroun .  

 

Willkommen im Blog des Studienverbandes JESCHURUN, Tauro gegen Nationaljudentum (Zionismus).

Wir bieten Rabbinische Texten (hauptsächlich von der Samson Raphael HIRSCH Tendenz – meistens in deutsche Originalfassung), sowie Nachrichten und Hintergrundinformationen, im ganzen mit Thoratreues antizionistisches Engagement und anti-imperialistische Solidarität.

 

Welcome to the blog of the Study Association YESHURUN, Thora against Nationaljudaism (Zionism).

We propose Rabbinical texts (mostly from the S R HIRSCH tendency), news and information, the whole inspired by Thora-true anti-Zionist Commitment and anti-imperialist Solidarity.

Inhoud blog
  • Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro Bolok
  • Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Bolok
  • Rabbiner Dr. Raphael BREUER: Die Autorität der Rabbinen
  • Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER: „Ein judisch-geschichtlicher Wegweiser”(8)
  • Psalm 109,28 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Bolok
  • Rabbiner Samson Raphael HIRSCH Komm. Wochenabschnitt CHUKASS
  • Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro Chukass
  • Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Chukass
  • „Misrachistische Begriffsverwirrung“ Jüdische Monatshefte 1918 Heft 3 u. 4
  • Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER: „Ein judisch-geschichtlicher Wegweiser”(7)
  • Psalm 106,32 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Chukass
  • Rabbiner Dr. Raphael BREUER 'S.R. HIRSCH und der Chassam Sofer'
  • Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Wochenabschnitt Kaurach
  • Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Kaurach
  • Rabbiner Samson Raphael HIRSCH: Kommentar Segenspruch „…der dem Hahne Verstand gegeben zu unterscheiden....“
  • Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER: „Ein judisch-geschichtlicher Wegweiser”(6)
  • Sprüche 24,21 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Kaurach
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  • Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Schelach Lecho
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    Tauro gegen Nationaljudentum (Zionismus)
    04-01-2021
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    Schriften zur Aufklärung über den Zionismus 

    N° 2 „Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen“

    Herausgegeben vom Antizionistischen Komitee Berlin 1913

    ….

               III. DIE AUSSICHTEN DES ZIONISMUS

     

    … Ein religiöses, autonomes Staatswesen ist nach den heutigen staatsrechtliche Anschauungen undenkbar. Einer Zeit, die aus der  zwingenden Richtigkeit dieses Satzes heraus dem Kirchenstaate den Untergang bereiten mußte, dem autonomen Staat des starken Katholizismus, der dann doch über ganz andere  äußere Machtmittel verfügt als das Judentum, wird auch bei diesem ein solches Gebiet nicht entstehen lassen! Und es wäre für jene Zionisten, die lernen wollen, unendlich heilsam, wenn sie sich in die Geschichte des Kirchenstaates versenkten und aus ihr ersähen, zu welchen Zuständen ein solcher prähistorisch anmutender Religionsstaat führt.

    Innere theoretische Gründe machen den Judenstaat unmöglich. Daneben aber türmen sich Bergen von praktische Schwierigkeiten, die der Verwirklichung zionistischer Ideen gerade in Palästina für ewige Zeiten, soweit es Menschengeist voraussagen kann, unbedingt ausschließen.

    Die oft besprochene Raumfrage braucht man nicht tragisch zu nehmen; sie kann man mit Humor behandeln. Der Zionismus will allen, die sich nicht assimilieren wollen und können, eine rechtlich gesicherte Heimat vorbereiten.  Da aber diese – nach zionistische Maßstäbe – mindestens an die Zahl von neun Millionen heranreichen und das heilige Land – an Größe der Provinz Polen vergleichbar – höchstens zwei Millionen fassen kann, so  hat man dem Zionismus eingewendet, daß auch er bestenfalls eine Teillösung bedeute. Er hat geantwortet, daß man eben auch die Nachbarländer dazu besiedeln wolle, und  mit dieser Antwort kann man sich zufrieden geben. Es kommt wirklich nicht darauf an, wenn man schon einmal beim annektieren ist, ob man noch etwas hinzunimmt, und das ganze Judenproblem wäre ja selbst für die Nörgler gelöst, wenn man sein Augenmerk auf  Persien und Ägypten richtete. Besonders Ägypten wäre ja sehr geeignet, und man darf eben nur nicht zimperlich sein!

    Im Ernste ist es aber ein sehr gefährliches und gewagtes Beginnen, bei den schwankenden politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen in der Türkei so erhebliche Werte ohne irgendeine Sicherheit dort zu investieren. Heute wissen wir es mehr denn je, wie wenig man im Osmanenreiche vor Überraschungen sicher ist. Die zionistische Politik, die ja die geringsten Schwankungen dort ängstlich beobachtet und oft genug zum Frontwechsel gezwungen ist, hat durch diese Vertiefung in Krähwinkeleien völlig den Blick für die großen bestimmenden Züge türkischer Staatsverhältnisse verloren. Sie übersieht, daß ein Tag des Sturmes imstande ist, Millionen an Kapital und die Arbeit von Jahrzehnten gänzlich zu vernichten. Im Verlauf der gesamten jüdischen Geschichte ist nie eine Konzentration aller Energien an einem Punkte eingetreten oder begünstigt worden, sondern stets sind die Kräfte verteilt gewesen, und nur so hat das Judentum Schläge wie den Untergang Jerusalems und die Vertreibung aus Spanien überstehen können. Alles Interesse, alle Arbeit auf Palästina vereinigen zu wollen, ist ein va banque-Spiel und wer nur etwas politische Einsicht mit einem bescheidenem Maß von Verantwortungsgefühl verbindet, wird wissen, wie besonders gefährlich das blinde Vertrauen auf die Zukunft der Türkei wirken muß.

    Selbst wenn man aber mit dem Eintreten stabiler Verhältnisse in der Türkei rechnet – was freilich einstweilen ausgeschlossen scheint – so ist es ein Zeichen ganz besonderer Kurzsichtigkeit, zu glauben, daß dieser Staat das Anwachsen  eines neuen jüdischen Gemeinwesen in seiner Mitte irgendwie zu unterstützen oder auch nur zu zulassen, Veranlassung hätte. Daß die Türkei das jüdische Kapital und die jüdische Arbeitskraft in Palästina freudig begrüßt, ist selbstverständlich; denn es kommt einen verödeten und stark vernachlässigten Gebiete zu Gute. Aber schon heute weiß der Eingeweihte, daß man am Goldenen Horn sehr sorgfältig den Sättigungsgrad  für Judenaufnahme zu ermitteln sucht, der den Interessen des heiligen Landes und denen der Türkei gerade entspricht; daß es mit ihren Wünschen wirklich nicht übereinstimmt, sich noch einen nationalen Herd, der jeden Augenblick mit Autonomiegelüste hervortreten kann, mitten im Staatsgebiete künstlich zu schaffen, kann zwar der zionistischer Agitator leugnen, nicht aber der auch nur oberflächlich volkswirtschaftlich und geschichtlich Geschulte. Das Bestreben der Türkei, daß sie gewiß nicht ungeschickt hinter nichtssagenden halben Versprechungen  und Zusagen zu verbergen versteht, geht einfach dahin, die Juden wirtschaftlich nach Möglichkeit auszunutzen und sie politisch nie erstarken zu lassen, daß sie an Autonomie denken.  In allen Wogen und Schwanken der gesamten türkischen Judenpolitik ist das der einzige erkennbare feste Grundsatz; der einzige jedenfalls, nach dem praktisch gehandelt wird.

    Und außer der Türkei haben noch andere Mächte ein gewichtiges Wort mitzureden! Dabei sollen die politischen Momente, die ja ständig wechseln, nicht einmal als die schwerwiegendsten betrachtet werden. Die ließen sich vielleicht leichter überwinden als die religiösen! Palästina ist auch das Ursprungsland des Christentums. Für jeden gläubigen Christen knüpfen sich an zahllose seiner Stätten die heiligsten Erinnerungen  Glaubt man nun wirklich, die christlichen Mächten würden dulden, daß das Grab Christi in einem jüdischen Gemeindewesen liege?  Schon die Vorstellung davon ist absurd; dieser eine Punkt, so unwesentlich und gleichgiltig er zu sein scheint, wäre im Ernstfalle ganz allein imstande, das Nationalprojekt selbst dann noch zu Falle zu bringen, wenn alle anderen Hindernisse aus dem Wege geräumt werden. Wenn der Zionismus, der diese Schwierigkeit nicht unterschätzt, als Lösung empfiehlt, diesen heiligen christlichen Stätten für exterritorial zu erklären und sie unter Schutz der Großmächte zu stellen, so erschiene diesem Vorschlag gegenüber der Weg noch verhältnismäßig einfach, sie alle abzubrechen und in Rom wiederaufzubauen.

    Trotz der Kürze unserer Ausführungen  wird man erkannt haben,  daß das Palästinaideal eine phantastische Utopie ist,  daß ein jüdisches autonomes Gemeinwesen innerlich eine logische und staatsrechtliche Unmöglichkeit, äußerlich eine Gründung darstellt, die weder die Türkei noch die Großmächte je gestatten würden.  Und darin daß das zionistische Endziel unerreichbar ist, besteht  eine ganz besondere Gefährlichkeit der Bewegung.

    Denn wenn das Endziel fortfällt, was bleibt vom ganzen Zionismus?

    Nichts und wieder nichts als die gefährliche nationale Verhetzung!  Es wird noch weiterhin Gelegenheit sein, auf die ungeheuren schädlichen Folgen dieser Tatsache einzugehen. Hier sei nur hervorgehoben, daß  durch Vortäuschung der Erreichbarkeit des Zieles in die jüdische Massen, die dem Zionismus verfallen sollten,  Hoffnungen erweckt werden,  die sich nachher nicht realisieren lassen, und denen naturgemäß eine Zeit der tiefsten Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit folgen muß, sobald sich die Unmöglichkeit der Verwirklichung klar herausgestellt hat. In Verbindung damit, daß der Zionismus nicht zur Religion erzieht, ja sie sogar gefährdet und untergräbt, ist dies das schlimmste! Der Zionismus raubt das Judentum seine große Vergangenheit; er kann ihm keine Zukunft geben.  Ohne daß man darin seine Anhänger guten Glauben und ehrlichen Willen den Judentum, wie sie es verstehen, zu dienen, anzuzweifeln darf, ist des Zionismus praktischer Endergebnis die Zerstörung des Judentums.

     

    (wird fortgesetzt)

     

    Erschien bereits in Jeschurun Judentum gegen Zionismus in Folgen, als Teil unseres Studienprogramms  Jahrgang 5770/5771

     

    Mit Dank an Frau Manja BURGERS, Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    http://www.spinozabooks.com

    04-01-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    03-01-2021
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    שמות

    ישלח ממרום יקחני ימשני ממים רבים:

     

     

    „Er sendet aus der Höhe, nimmt mich auf, läßt aus mächtigen Fluten mich herausziehen,“

    (Psalm 18,17 Übersetzung Rabbiner Samson Raphael HIRSCH)

     

    1.

    In aller Zeit hat Gottes Macht,

    An seinen Frommen sich bewährt,

    Wie Er nur jenen schützt, bewacht

    Der innig Ihn und wahrhaft ehrt.

    2.

    Bedroht auch Pharao, der Tyrann,

    Die Unschuld mit Gefahr und Tod,

    Der Ewige winkt, und sie entrann

    Der Qual und aller bittern Not.

     

    Aus: Erbauungsbuch „Bibel- und Talmudschatz“ J.H. Kohn S.156  13.Auflage Hamburg 5691 – 1931

     

    Die beste Anschrift für antiquarische Judaica:

    Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    Inhaberin: Frau Manja BURGERS

    http://www.spinozabooks.com

    03-01-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    01-01-2021
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    Rabbiner Samson Raphael HIRSCH

     (1808-1888)

     

    ויחי פרשת

     

    Aus seinem Kommentar zur Wochenabschnitt Wajechi

     

    Kap.47 V.29 Jissroéls Tage näherten sich zum Sterben, da ließ er seinen Sohn Josef rufen und sprach zu ihm: Wenn ich denn doch Gunst in deinen Augen gefunden habe, so lege doch deine Hand unter meine Hüfte, und übe an mir Liebe und Wahrheit: begrabe mich doch nicht in Mizrajim!

     

    V. 29…Jakob hatte noch siebzehn Jahre mit seinem Hause in Mizraim gelebt, mochte gewahrt haben, welchen mächtigen Einfluß das האחז auf seine Nachkommen zu üben begonnen, wie sie schon anfingen im Nil den Jordan zu begrüßen, und in dem Aufenthalt in Mizrajim gar kein Galuth zu erblicken. Motiv genug, um mit so feierlichem Ernst darauf zu dringen, daß sie ihn nicht in Mizrajim begraben daß sie ihn in das Land ihrer alten, wirklichen Heimat tragen sollten; Motiv genug, ihnen zu sagen: ihr hoffet und wünscht in Mizrajim zu leben, ich möchte nicht einmal in Mizrajim begraben sein. Darum sprach er diesen Wunsch aus nicht als Jakob, von individuell persönlichem Standpunkte, sondern als Jissroél“ aus, als Träger der nationalen Bestimmung, als Mahnung an die nationale Zukunft seiner Kinder.  

     

     

    Kap.48 V. 11 Da sprach Jissroél zu Josef: Dein Angesicht zu sehen, habe ich nicht mehr für möglich geachtet, und nun hat mich Gott selbst deinen Samen sehen lassen!

     

    Kap. 48 V.11…התפלל: sich mit göttlichen Gedanken durchdringen. Jüdisches Beten ist nicht von innen heraus, sondern von außen herein. Gebe es nur ein Beten von innen heraus, d.h. ein Hinauslegen bereits im Innern vorhandener Gedanken, so wären „vorgeschriebene“ Gebete, noch dazu zu einer bestimmten Zeit, von einer unbegrenzten Mehrheit zu betende Gebete purer Wahnsinn. Denn sie setzen voraus, daß auf Kommando in einen bestimmten Augenblick bei einer beliebigen Vielheit von Menschen gewisse Gedanken und Empfindungen vorhanden und des Ausdruckes bedürftig seien. So nicht. התפלל heißt: ewig geltend bleibende Wahrheiten immer wieder aufs neue mit ihnen durchdringen, eben weil sie sonst sich abschwächen, entschwinden, ja schon entschwunden sein können. Hier: ראה פניך לא פללתי: der Gedanke, dich noch einmal wieder zu sehen, lag mir so fern von jeder Möglichkeit der Realisierung, aß ich ihm in mein Inneres keinen Eingang verschaffen konnte.

     

    V.16 der Engel, der mich erlöst aus allem Übel, segne die Knaben, daß in ihnen mein Namen und meiner Väter Name, Abraham und Jizchak, genannt werde und sie den Fischen ähnlich zur Menge gedeihen mitten auf Erden.

     

    V. 16 Es ist sehr schwer, in diesem Zusammenhange von einem Engel auszusprechen, daß er segnen wolle, zumal da unmittelbar zuvor Gott genannt ist, in dessen Händen ja allein der Segen liegt. In ב"ר Kap.97 spricht sichר' אליעזר  nach der Leseart des Jalkut also aus:  הקיש גאולה לפרנסה ופרנסה לגאולה מה גאולה פלאים אף פרנסה פלאים מה פרנסה בכל יום אף גאולה בכל יום„ , Es sind hier die Ernährung und die Erlösung einander wechselseitig gleichgestellt: wie die Erlösung, so geschieht auch die Ernährung durch Wunder, und wie die Ernährung so ist auch die Erlösung täglich“. Somit haben wir hier nicht an die Erlösung aus einer besonderen Gefahr, sondern an jene Erlösung zu denken deren wir Tag für Tag wie der Ernährung bedürfen. Beide, Parnaßa und Geula, sind keine Ergebnisse der einmal von Gott allgemein gesetzten Weltordnung, sondern Wirkungen der besonderen göttlichen Fürsorge. Daß der Rechtschaffene, Gewissenhafte nur auf redlichem, sittlichem Wege sein Brot Suchende auf diesem Wege auch sein Brot finde ist פלאים, ist ein jedesmalige Geschenk, der göttlichen Waltungswunder, wie es heißt:  טרף נתן ליראיו יזכור לעולם בריתו „was andere der Gewalt verdanken, gibt Er seine Verehrern. Er ist unaufhörlich seinen Bunde eingedenk“. Und daß der also nur sittlich dahin wandelnde Mensch in einer mit physischen und sozialen Übeln drohende Welt unangefochten aufrecht bleibt, dazu bedarf er der steten göttlichen Erlösung, der stetenגאולה .

    גאל, verwandt mit גחל Kohle: ein brennbarer Stoff, der bereits im Feuer gelegen, ihm aber entzogen wurde, ehe das Feuer ihn vollständig bewältigte. …גאולה ist aber die vollkommene Rettung, die nicht wie גחל noch die Spuren des Brandes an sich tragen, sondern gänzlich frei und unversehrt lässt, wie Abraham aus dem Feuer Chaldäas, wie Daniels Genossen aus der Glut des Ofens. Hätten wir Augen zu sehen, bemerkt ein Wort der Weisen, wir würden es gewahren, wie wir überall und immer von מזיקים, von schädlich auf uns einwirkende Elementen in der physischen Welt umgeben sind, und wie im physischen, so wahrlich auch im sozialen Leben. Wehe uns, wenn wir dafür nicht blind wären. Wohl uns, daß wir die Gefahren des Todes nicht sehen, denen wir jeden Augenblick in der physischen Welt entgehen, noch das von Neid und Bosheit zugedachte Verderben und Unheil gewahren, daß im sozialen Leben täglich und stündlich uns unbewusst an uns vorüberziehen mag. Das ist das רע, aus welchem הב"ה uns jeden Augenblick rettet, und zwar also rettet, daß wir uns der Gefahr nicht einmal bewusst werden. Nun bemerkt ר' שמואל בר נחמן daselbst:פרנסה גדולה מן הגאולה שהגאולה ע"י מלאך פרנסה ע"י הב"ה „ größer ist noch die Ernährung als die Erlösung, diese geschieht durch einen Engel (מלאך הגואל), jene durch הב"ה selbst. Verstehen wir diesen Satz recht, so liegt ihm die Wahrheit zugrunde, daß die stete Geula von Untergang drohenden Übeln, ja der Parnaßa vorangehen muss, die bloße Existenz des Menschen überhaupt bedingt, somit ein Moment ist, das von vornherein mit dem Dasein eines Menschen – oder Volkes –Individuums gegeben sein muss, gleichsam der Raum ist, der ihm innerhalb des Weltgetriebes durch die göttliche Führung geschaffen ist. Es ist dies das „Geschick“ des Menschen, bei welchem der Jude aber stets an den „Schickenden“ denkt, das ihm stets „מלאך“, „Bote“ der göttliche Führsehung bleibt. Es ist die göttliche Bestimmung, die bei dem Eintritt eines Menschenkindes, oder ein Volk ins physische, soziale oder historische Dasein „es soll leben!“ spricht, und seinen מלאכים, seinen „Geschickten“, für es befiehlt, „es zu hüten auf allen seinen Wegen, es auf Händen zu tragen, daß es an keinen Stein den Fuß verletze, daß es über Schakal und Otter dahinwandle Leu und Schlangen zertrete“ (Psalm 91). (Vielleicht ist das Wort מלאך ja von מלך gebildet, eine bewältigend wirkende Macht, die aber nicht aus eigener Machtvollkommenheit wirkt, sondern ,א' das Zeichen einer andren sie leitenden und sendenden Persönlichkeit unsichtbar in sich trägt buchstäblich שמי בקרבו wie es von מלאך heißt.) Jakob wünscht also, daß Gott seine Enkel durch denselben מלאך durch welchen Er ihn von allem Übel erlöst, gesegnet werden lassen möge, d.h. daß seine Enkel dasselbe „Geschick“ weiter tragen mögen, innerhalb dessen und durch welches Gott ihm Existenz und Gedeihen hat finden lassen, daß sie ebenso wenig wie Jakob, etwa Esau gleich, auf eigener Faust und eigenem Schwerte leben, sondern Jakob gleich, nur in Gott ihren Schutz und Beistand suchen und finden mögen; nur so ויקרא וגו' werden er und seine Väter in ihnen fortleben.וידגו לרב בקרב הארץ

    ויגדו: Nie wieder kommt das Wort דגה vor, nur als Wurzel von דג, Fisch, ist es bekannt und bezeichnet eben als solches in ganzer Tiefe die Innigkeit des Jakobsegens und die Bedeutung dessen, was das Teilen des Jakobsgeschickes und das Forttragen des Jakobnamens enthält, was es heißt: vor demselben Gott wie die Väter wandeln, sich von demselben Gott führen und durch dieselbe Gottessendung retten lassen!– In gesondertem Elemente, still in vom Menschenauge unerreichter Tiefe lebst die Fischwelt ihr Leben. Gedankenlos geht der Mensch am Ufer hin und ahnt nicht, welche fröhliches, frisches, glückliches, ungetrübtes Leben sich da unten in reicher Fülle von Geschlecht zu Geschlecht entfaltet. So בקרב הארץ, so in mitten der Erde soll das Jakobsgeschlecht in seinem gesonderte Elemente, wohin die umgebende Welt ihm nicht zu folgen, kein dessen Bedeutung sie nicht zu ahnen vermag, ihr stilles, glückliches eigenes Leben vollbringen, „fischgleich“, „gleichsam im Wasser im Mitten der Menschheit auf Erden“.בגו בני אנשא על ארעא כנוני ימא יסגון (ת"א).

    01-01-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    31-12-2020
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    Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH

                  (1833 – 1900)

    הפטרה פרשת ויחי

     

     

    Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes Wajechi

     

    Könige I Kap.2, Vers 1

     

    Wie bei der Sidra חיי שרה dürfte auch hier die Ähnlichkeit und Kontrast bei der Wahl der Haftora maßgebend gewesen sein. Dem sein Haus bestellenden Jakob wird der seine letztwilligen Verfügungen treffende David gegenüber gestellt, dem heimgehenden Patriarchen der sich am Ziele fühlenden König. Dort umsteht eine Vielheit von Söhnen das Lager des scheidenden Vaters, hier ruht auf einem Sohne das brechende Auge des Sterbenden. Dort empfängt die Gesamtheit der Söhne das heilige Vermächtnis, das letzte Mahnwort und den heiligen Vatersegen. Hier ist’s der Eine, der bereits zum Nachfolger des Vaters auf dem Throne Gesalbte, der des Vaters letzte Aufträge und des Vaters Mahnwort empfängt. Der Gedanke an die Zukunft beschäftigt den Patriarchen wie den König, die Erinnerung an die einzige Bedingung, von deren Erfüllung des Jakob-Hauses wie des Jissroél-Volkes abhängt, bildet die letzte Sorge hier wie dort.  „Sammelt euch alle in Einem! Haltet zusammen! Bleibet geistig wach und höret stets hin auf euren Väter!“ so strömt’s von den Lippen des sterbenden Patriarchen – „Sei stark und werde zum Manne und bewähre deine Stärke, indem du dich als den starken und treuen Wächter des dir von Gott anvertrauten heiligen Gutes erweisest, zunächst dadurch , daß du selbst hervorleuchtest in treuer Erfüllung des Gottesgesetzes wie es in der Thora enthalten ist, nur dann wirst du weise handeln in allem, die Bewährung der Gottesfurcht, ist für dich die höchste, nein die einzige Weisheit, und von ihr ist die Erfüllung der mir für mein Haus gewordenen göttlichen Verheißungen aufs entschiedenste bedingt“ – so der scheidende König. Am Sterbelager Jakobs empfängt die Gesamtheit des Jakobshauses das Vermächtnis, unter der kraftvollen Führung des mächtigen Juda-Stammes treue Fortträger des Abrahambundes zu sein. In dem scheidenden David ging bereit der erste König heim, den Gott aus dem Stamme Juda über seine Brüder emporgehoben hatte, ihr Hirte und Führer ging zu ihrer ewigen Bestimmung zu sein. Der Sohn an seinem Lager war bereits gesalbter König, und in dem Scheideworte faßt der Vater die Summe aller Regentenweisheit zusammen, durch deren Betätigung allein der Sohn seinen Königsberuf erfüllen und seinem Throne Festigkeit und Dauer geben werde. Was König David zu König Salomo sprach, faßt mit denselben Worte hatte es der scheidende Führer Moses zu seinem Nachfolger Josua gesprochen. Da berührt es und denn seltsam und weht uns entgegen als ein reiner Hauch aus dem Gottesfrieden des alle seine Kinder zu gleich hoher Bestimmung berufenden Abrahamshauses. Was David hier Salomo, was Moses Josua als Ziel und Weg ihrer Bestimmung aussprach, das ist wortwörtlich dasselbe, was Gott jedem, ausnahmslos jeden Sprossen des Abrahamshauses als Lebensweg vorgezeichnet. Für den König wie für den letzten Bettler gibt es auf dem Boden des Gottesgesetze nur einen Weg und nur ein Gesetz, durch dessen treuen Befolgung allein sie ihrem Leben vollen Inhalt und dem im stolzen Königspalaste wie  in der ärmste Hüte sonst flüchtiger Vergänglichkeit verfallen Sein Dauer und Halt für die Ewigkeit zu gewinnen vermögest.

     

     

     

    (Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 87-93  Kommentar zu Könige Kap 2, V.1) 

    31-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    30-12-2020
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    Rabbiner Dr. Salomon BREUER                 
                 
    (1850-1926)

     

    ויחי

     

    Belehrung und Mahnung  zur Wochenabschnitt Wajechi (Auszug)

     

    … Meine Brüder und Schwestern!  Die Frage, die einst unser Stammvater an seine Kinder richtete: שמא יש בלבכם מחלוקת על הקב"ה Vater Jakob richtet sie in unserer schweren, trüben Gegenwart auch an uns. Und auch wir wollen, gleich den Vätern, wie immer die Zeiten sich gestalten mögen, mit unerschütterlicher Festigkeit, das שמע ישראל-Bekenntnis beherzigen und in ה' אלקינו stets ה' אחד schauend begreifen.

    Aber dieses שמע ישראל-Bekenntnis, wenn auch noch so tief empfunden, genügt noch lange nicht. Wozu wir uns bekennen, das müssen wir auch durch die Tat verwirklichen. Zu שמע ישראל gehört das ואהבת: die Hingabe an den Gotteswillen בכל לבבך ובכל נפשך ובכל מאדך mit jeder Regung unseres Herzens, mit jedem Atemzug unseres Lebens, mit jedem Splitter unserer Habe! Der jüdischen Wahrheit genügt nicht, daß Gott mit Gesinnung und Gemüt verehrt werde. Es gilt unsere Hingabe an den Gotteswillen mit dem ganzen Einsatz, unserer Persönlichkeit, mit allen Mitteln, über die unsere Kraft verfügt, zu betätigen.

    Mit unserem ganzen Vermögen. – Eine Liebe, die nicht gewillt ist, wenn es sein muß, die schwersten Opfer zu bringen, ist eitel Traum und Schaum. Dieses בכל מאדך ist, nach der Lehre der Weisen, oft größeres Opfer als das בכל נפשך! – יש לך שממונו חביב עליו יותר מגופו Gibt es doch Menschen, denen das Vermögen wertvoller ist als das Leben. In unserer Zeit gilt es, vor allem dieses בכל מאדך zu betätigen.

    Wenn selbst Staatslenker, der Not der Zeit gehorchend, ihren Bürgern die schwersten Steuerlasten auferlegen, so müßte dies in jüdischen Gemeinden erst recht der Fall sein, wo es gilt, das ואהבת gegen Gott und seine Thora zu betätigen!

    Mit freudiger Genugtuung erfahren wir, daß unsere Gemeinde ברוב מנין וברוב בנין einmütig beschlossen hat, dieses ואהבת בכל מאדך zum integrierenden religiösen Prinzip ihrer Verfassung zu erheben.

    Wir haben bereits schriftlich und mündlich erklärt, daß man nach dem klar und unzweideutig ausgesprochenen דין  des Schulchon Oruch die Gemeindeverwaltung nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet ist, zur Erhaltung der Gemeinde ihre Mitglieder nach Maßgabe ihres Einkommens zu besteuern. –

    Meine Brüder und Schwestern! Es sind nun 70 Jahre, daß unsere Gemeinde, als Fortträgerin der alten Frankfurter קהלה, als Erbin ihrer religiösen Prinzipien gegründet wurde. Sie hat bisher ihren Stolz darin erblickt, für die Erhaltung und Förderung ihrer Institutionen, getragen von dem lebendigen, freudigen, opferbereiten Pflichtsbewußtsein ihrer Mitglieder, ohne Zuhilfenahme des staatlichen Armes aufzukommen. Diesen berechtigten Stolz wollen wir uns bewahren. Traurig, höchst betrübend wäre es, wenn unsere Verwaltung gezwungen wäre, wenn es ihr zur heiligen Pflicht würde, von dem staatlichen Steuerzwang Gebrauch zu machen. –   

    Wie bisher wollen auch wir weiterhin allen Gemeinden der Diaspora mit dem leuchtenden Beispiel vorangehen, zeigen, daß wir die stolzen Erben sind der alten Frankfurter קהלה und daß für uns jeder דין des Schulchon Oruch heilige Verpflichtungskraft besitzt. – Dann wird unsere קהלה wie bisher auch weiterhin fortschreitender Blüte entgegengehen.

    Mit zuversichtlichem Vertrauen blicken wir in die Zukunft: ה' אלקינו ist uns ה' אחד, und ואהבת Gott gehören wir an, mit jeder Faser unseres Wesen, mit jedem Pulsschlag unseres Herzens, mit jedem Splitter unserer Habe! Gott wird uns Seinen Beistand nicht versagen אל יעזבנו ואל יטשנו לנצח.

     

     

    Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER  Belehrung und Mahnung erster Teil Genesis  J. Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1936 S. 97 - 108

    30-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    29-12-2020
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen 12.Folge
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    Schriften zur Aufklärung über den Zionismus 

    N° 2 „Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen“

    Herausgegeben vom Antizionistischen Komitee Berlin 1913

    ….

    III.               DIE AUSSICHTEN DES ZIONISMUS

     

    … Freilich arbeitet der Zionismus auch unter den Juden des Ostens, indem er ihnen Nationalgefühl predigt und sie auf die Aufgaben der Zukunft vorbereitet. In praxi kommt das darauf  hinaus, daß die Verhetzung gegen alle Autoritäten, vor allem die Religion, gezüchtet wird, und die in den Zukunftstaumel hineingerissene junge Juden die Fähigkeit verlieren, an den realen Aufgaben der Gegenwart nützlich mitzuarbeiten.

    Darin besteht der erste Nachteil der Verlegung der gesamten jüdische Arbeit nach Palästina – wobei natürlich nochmals hervorgehoben sei daß kein Nichtzionist daran denkt die Arbeit in Palästina innerhalb des Gesamtrahmens gering zu schätzen –, daß über den Wert der wirklich ernsten Tätigkeit, falsche, hämische Anschauungen verbreitet und ihr wackere Mitstreiter entzogen werden.  Der Zionismus sucht sein herostatisches Vorgehen damit zu entschuldigen, daß er auf die Erfolglosigkeit unserer Bestrebungen hinweist. Aber auch das ist wieder nur ein Beweis dafür, daß er das Judenproblem aus dem engen Gesichtswinkels des Kindes betrachtet, das gleich sehen will, wofür es seine Leistung aufgewendet hat. Auch unter dieser Voraussetzung ist die Behauptung noch falsch; die Erfolge sind schon vorhanden, jedenfalls in dem Maße,  daß sie die Richtigkeit unseres Weges beweisen. Hätte sich die Welt nur an solche Dinge wagen dürfen, die auf bequemen Wege sofortigen sichtbaren Erfolg versprechen, so könnte man das Wort „Idealismus“ aus ihren Sprachenschatze streichen!

    Ist also der zionistischen Lösungsversuch schon deshalb aussichtslos, weil er in seinen großen Zügen außerhalb jeder logischen Möglichkeit und jeder historischen Erfahrungstatsache stellt, so wird das Utopistische, das gefährlich Utopistische uns zur Gewißheit, wenn wir die speziellen Schwierigkeiten aufmarschieren lassen.

    Die Unmöglichkeiten liegen zuerst in inneren Verhältnissen. Der edle Herzl  hatte einst ein Judenstaat gefordert. Das war ein berauschendes Wort, dessen Hohlheit man bald darlegen konnte; es war aber wenigstens aus ehrlichem Herzen gesprochen. Die Führer von heute haben die Wegen Herzl’s verlassen, es gilt als unmodern, in so offener und ehrlicher Weise die logischen Folgen des nationalen Gedankens zu ziehen, und die kluge Diplomaten haben sich auf die Formel einer autonomen Heimstätte unter dem Schutze der Türkei oder der Garantie der Großmächte geeinigt.

    Diese Spiegelfechterei kann aber die inneren Schwierigkeiten nicht beheben. Die Frage der Eignung und Fähigkeit, sich selber zu regieren, die gewiß eine Rolle spielt, mag zurücktreten, obwohl der Verlauf der jüdischen Geschichte  deutlich erweist, daß gerade in Zeiten nationaler Selbständigkeit die Zwietracht und der Haß geradezu entsetzliche Orgien gefeiert haben und daß die innere Unfähigkeit, sich selber zu regieren, eine der gewichtigsten Untergangsursachen gewesen ist. Ein so stolzes Kapitel des Kampfes um Jerusalem ist, wenn man auf die heldenmütige Hingabe des gemeinen Mannes schaut, ein so schmachtvolles ist es, wenn man daran denkt, daß Kraft, Gut und Blut des Volkes in so schimpflicher Weise von ehrgeizigen, uneinigen und kurzsichtigen Führern gemißbraucht wurden.

    Die wirkliche große Schwierigkeit für jedes jüdische autonome Staatswesen liegt in der Stellung zur Religion. Unsere Zionisten, die eine ferne Vergangenheit neu erstehen lassen wollen, bedenken nicht, daß in der Neuzeit alle staatsrechtliche Anschauungen sich von Grund auf geändert haben. Im Altertum war die Nationalreligion oder die Religionsnation etwas selbstverständliches! Ein Volk, ein König, ein Gott!  Aber es dürfte nicht das geringste Verdienst des Judentums sein, hier ein Wandel hervorgerufen haben, und unter den ethischen Schöpfungen des Judentums ist die erhebendste mit der Begriff der Gewissenfreiheit. Früher hieß es wörtlich: cujus regio, eius religio!  Das ist  durch das Judentum anders geworden.  Der Staat ist zwar eine Zwangsorganisation, der man angehören muß, deren Pflichten man zu erfüllen hat, ob man will oder nicht. Der religiösen Gemeinschaft aber leistet man freiwillig Gefolgschaft, solange man auf ihrem Standpunkt steht, nie und nimmer jedoch darf sie einen Zwang ausüben, um sich ein Mitglied zu erhalten.

    So ist auch das Judentum die Zusammenfassung derer, sich gern und freundlich zur jüdischen Religion bekennen. Was könnte nun in einem autonomen Staatswesen geschehen? Zweierlei ist denkbar. Entweder wird das Judentum Staatsreligion, oder Gewissensfreiheit wird proklamiert. Das erstere ist einfach undenkbar! Davon, daß man alle Bürgern das Bekenntnis zum Judentum abnötigte, kann natürlich überhaupt keine Rede sein; aber selbst wenn es nur Staatsreligion in dem Sinne wäre, daß  das Judentum die Rechte einer bevorzugten Religion hätte, so würde das angesichts der Tatsache, daß wir im Namen der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung gegen eines christlichen Staates erbittert und nachhaltig Widerspruch erheben, einer Verleumdung unserer gesamten sittlichen Grundsätzen bedeuten. Jeder Versuch nach dieser Richtung hin würde die selbe sittliche Fäulnis verursachen, wie wir heute im Begriffe des Taufjudentums, der widerlichsten Ausdrucksform des Strebertums und der Heuchelei haben. Ein solches autonomes Staatswesen würde mit all den sittlichen Mängeln behaftet sein, die wir den anderen Staaten mit Entrüstung vorwerfen, und ein „Verein jüdischer Staatsbürger nichtjüdischen Glaubens“  müßte mit größter Berechtigung in seiner Entstehungsstunde gegründet werden.   

    Was aber wenn  die autonome Gemeinschaft Gewissensfreiheit proklamiert? Dann brauchte man nicht jüdischer Religion zu sein. Wir wollen die Eventualität christlicher oder buddhistischer Juden weniger in den Kreis der Erörterungen ziehen, aber Atheisten gäbe es sicherlich! Denen müßte doch unbedingt der Zugang  zu leitenden Stellen gewährleistet werden! Und was hätte die große Masse der Juden, die jahrtausendelang wegen ihres Glaubens gelitten haben, für ein Interesse daran, als Kristallisationspunkt ihrer gesamten Freiheitsbewegung ein Gemeinwesen zu haben, in denen sich die Religionsfeindschaft breitmachen darf, in dem man sich ohne jede Scheu zu jenen Religionen bekennen darf, die das Judentum so entsetzlich gequält, verfolgt und gehaßt haben, und trotzdem von Rechts wegen die Geschicke einer jüdischen Religionsgemeinschaft mitbestimmt. Ein jüdischer Staat also, in welchen vielleicht Atheisten das große Wort führen, ein jüdischer Staat als Grab der jüdischen Religion. Diesem Ideal auch nur einen Pfennig an Geld, eine Atembewegung an Kraft zu opfern, würde für die Judenheit fast Selbstmord bedeuten.

     

    (wird fortgesetzt)

     

    Erscheint bereits in Jeschurun Judentum gegen Zionismus in Folgen, als Teil unseres Studienprogramms  Jahrgang 5770/5771

     

    Mit Dank an Frau Manja BURGERS, Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    http://www.spinozabooks.com

    29-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    28-12-2020
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Notiz über Antizionismus der historische Agudaß Jißroel in 1914
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    Notiz

    „Nichts liegt mir ferner, als in meinen folgenden Ausführungen den Zionismus zu bekämpfen, was ja auch nicht in den Aufgabenkreis der Agudaß Jißroel gehört“ (H. Eiseman im Israelit Nr. 4 ; 22. Januar 1914)

     

    Es ist selbstverständlich daß die Agudaß Jißroel ihre Kräfte in bloßer Polemik gegen den Zionismus nicht aufreiben kann. Durch eine ständige Betonung ihrer Friedensliebe kann aber die Agudaß Jißroel bei der großen Masse, die nicht in allen ihren Schichten urteilsfähig ist, in den Ruf kommen, daß  sie den Zionismus gar nicht für ein so bedenkliches Ding halte, daß mit aller Energie bekämpft werden müßte. So ganz ohne Kampf, ohne Polemik und klare  Frontstellung gegen den Zionismus wird sich die Agudaß Jißroel niemals betätigen können,  will sie die Gefahr vermeiden, was sie auf der einen Seite durch praktische Arbeit gewinnt, auf der anderen Seite durch Duldung von Begriffsverwirrungen im eigenen Kreise zu verlieren, soll doch die Agudaß Jißroel nichts anderes sein als die Organisation der jüdischen Bekenntnisgemeinschaft. Diese jüdische Bekenntnisgemeinschaft kann und darf aber eine so wichtige Sache, wie es der Zionismus ist, nur eine Meinung haben. Einer Idee gegenüber, die gleich den Zionismus die Grundlagen der jüdischen Religion, des jüdischen Bekenntnisses, der jüdischen Bekenntnisgemeinschaft tangiert, Neutralität zu bewahren, das ist nicht einmal diplomatisch, denn der Zionismus wird schon die Agudah zwingen, ihre Stellung klar zu formulieren.

    (Jüdische Monatshefte 1914, Heft 3 S.124)

     

    Kommentar: Wahrlich, nichts Neues unter der Sonne! Und der "Antizionismus" vom "Israelit" ist wieder mal kundgetan.

    28-12-2020 om 07:31 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    27-12-2020
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Talmud Taanis 5b und Sprüchlein zum Wochenabschnitt Wajechi
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       ויחי
    יעקב אבינו לא מת:



    „Vater Jakob starb nicht .“
    ( - תענית דף ה' ע"בTalmud, Taaniss 5b)

     

    1.

    Dich ergreift Schmerz und Bangen

    Wenn das Aug‘ des Frommen bricht?

    Himmelwärts ist er gegangen –

    Doch gestorben ist er nicht!

    2.

    Störe ja nicht seinen Frieden,

    Nur die Hülle schläft verklärt,

    Körperlich ist er geschieden,

    Geistig lebt er hochgeehrt!

     

     

    Aus: Erbauungsbuch „Bibel- und Talmudschatz“ J.H. Kohn S. 147  13.Auflage Hamburg 5691 – 1931

     

    Die beste Anschrift für antiquarische Judaica:

    Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    Inhaberin: Frau Manja BURGERS

    http://www.spinozabooks.com

    27-12-2020 om 09:14 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    25-12-2020
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.DER FASTTAG DES MONATS TÉVESS
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     עשרה בטבת-
    DER FASTTAG DES MONATS TÉVESS

    Am zehnten dieses Monats ist ein allgemeiner Fasttag zur Erinnerung daran, daß an diesem Tage die Belagerung Jerusalems  durch Nebukadnezar angefangen hat. Das Fasten an diesem Tage soll uns lehren, daß unsere Vorfahren durch ihre Sünden die höchsten Güter des Lebens verscherzten, und uns ermahnen, in aufrichtiger Rückkehr zu Gott und Seiner Gnade wieder würdig zu zeigen. – Die wesentliche Bestimmung eines Fasttages besteht daher nicht blos in der Enthaltung von Speise und Trank, sondern vor allem auch in der Besserung des ganzen Lebenswandels; wer daher durch Fasten allein, ohne sein Herz gebessert zu haben glaubt, der hat den wahren Zweck des Fasttages nicht verstanden!

    Quelle: „Bibel- und Talmudschatz – Ein Buch für die jüdische Familie“ von J.H. Kohn, 13 Auflage Hamburg 5691-1931 Verlag von George Kramer

    25-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    24-12-2020
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Rabbiner Dr.Mendel HIRSCH Haftoro Wajigasch
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    Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH

                  (1833-1900)

     

    ויגש

     

     

    Haftoro zur Wochenabschnitt Wajigasch

    Vollständig zu lesen in Beilagen!

    Quelle: Die Haftoroth : übersetzt und erläutert  von Dr. Mendel Hirsch, Direktor der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main 1896 Verlag Hofmann  S.87-92

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    24-12-2020 om 20:05 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Rabbiner Samson Raphael HIRSCH Komm. Wochenabschnitt Wajigasch (2)
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    Rabbiner Samson Raphael HIRSCH

                              (1808-1888)

     

    ויגש

     

    Aus seinem Kommentar zur Wochenabschnitt Wajigasch (2)

     

    Kap. 46 V.1 Da brach Jissroél auf und alles Seine; er kam nach Beer Scheba und opferte Mahlopfer dem Gotte seines Vaters Jizchak. 

     

    Da brach Jissroél auf, in der freudigsten Stimmung, in dem Glanz- und Höhepunkt seines ganzen, in bitteren Kämpfen und Leiden so vielfach geprüften Lebens, er und all die Seinigen. Sie reisten südwärts und kamen an die letzte Grenzstadt, an das durch die Erinnerung der Väter verherrlichte Beer-Schewa. Da opferte er זבחים. Wir finden nicht wieder daß unsere Erzväter זבחים geopfert hätten. Sie wie alle Noachiden, brachten vielmehr nur עולות. עולה drückt die gänzliche Hingebung an Gott aus, זבח ist an sich ein von den בעלים zu verzehrendes Familienmahl, und weiht die Familienstätte, das „Familienhaus“ und den Familientisch zu Tempel und Altar. זבחים, ja in der Regel שלמים, drücken ja den höheren Gedanken aus, daß „Gott zu uns komme“, sie werden daher aus jenem heiteren Bewusstsein dargebracht, daß, wo ein Familienkreis pflichttreu und einig lebt und sich von Gott getragen fühlt, da,,אלקי' בדור צדיק  da sei Gott gegenwärtig. Darum sind שלמים „Friedensopfer“ des gottgesegneten Familienlebens, so spezifisch jüdisch. Der Gedanke des Aufgehens in Gott und des Hingebens an Gott dämmert auch in nichtjüdischen Gemütern. Allein daß das gewöhnliche Leben von Gott so durchdrungen sein kann, daß „man isst und trinkt und schaut dabei Gott“, daß alle unsere Familienräume Tempel, unsere Tische Altäre, unsere Jünglinge und Jungfrauen Priester und Priesterinnen, diese Durchgeistung des gewöhnlichen Privatlebens, das ist eine Spende des Judentums. Das Jakob-Israel nicht עולות sondern זבחם opferte, das liegt darin, das Jakob sich jetzt zum ersten male in seinem Familienkreise glücklich und heiter und „ganz“ fühlte. In diesem Bewusstsein und Gefühle brachte er sein Opfer, tief bedeutsam לאלקי אביו יצחק nicht allgemeinלאלקי'. In dem Liede am roten Meer spricht Israel זה אל ואנוהו אלקי אבי וארוממנהו: „In dieser meiner Rettung hat sich Gott als die mich tragende Allmacht mir gezeigt, auf daß ich ihn in meine Mitte aufnehme und ihm eine entsprechende Stätte werde; es ist dies aber derselbe Gott, den mich die Väter gelehrt, dem auch die Väter gedient, und der durch mich nur noch zu erhöhter Anerkennung gelangen will!“ „Der Belehrung und dem זכות der Väter verdanke ich diese Rettung“. So auch hier. Die Seligkeit, die Jakob eben jetzt empfand, schrieb er nicht seinem Verdienste, sondern dem זכות אבות zu. – Vielleicht auch ist es ein Hinblick auf die עקדה. Jakobs ganze bisheriges Leben war nichts als eine in konkreter Wirklichkeit sich vollziehende, עקדה deren Auferstehungsmomente er eben jetzt sich genaht fühlte.

     

     

    V. 2 u. 3 Da sprach Gott zu Jissroél in Gesichtern der Nacht, und sagte: Jaakob, Jaakob! Er sprach: Hier bin ich.

    3. Er sprach: Ich bin der Gott, der Gott deines Vaters, fürchte dich nicht, nach Mizrajim hinabzugehen; denn zu einem großen Volke werde ich dich dort machen. 

     

    Gott sprach: „Fürchte dich nicht, nach Mizrajim hinaufzugehen!“ Jakob war ja in der freudigsten Stimmung. Diese Anrede muss somit etwas vorangegangen sein, wodurch bei ihm die entgegengesetzte Stimmung, ja ängstliche Besorgnis hervorgerufen worden war, so daß er die Beruhigung bedürfte. Dies ist auch vollständig in V.2 enthalten. Zuerst die Bezeichnung der Erscheinung selbst: מראות הלילה „Erscheinung der Nacht“ spricht schon für den ernst stimmenden Eindruck des Ganzen. Dann der Zuruf: יעקב, יעקב! Nicht: ישראל, enttäuschte vollends Jakob über die folgenschwere Bedeutung dieses Hinabziehen nach Mizrajim. Deshalb denn auch Jakobs:הנני! Ich bin bereit für alles was du bestimmst. Darauf Gotte: Fürchte du dich nicht, ich bin der Gott, dem du soeben dem heiteres Familienleben geweiht, und in letztem Ziele winkt auch aus diesem Gange die heitere Größe. Dort sollst du zu dem verheißenen großen Volke werden. Ich selbst begleite dich (deinen ganzen Familienkreis) hinab und führe dich (wenn du zum Volke geworden bist) wieder herauf, und, was dich persönlich betrifft, du wirst Josef nicht wieder verlieren (Vergl. Kap. 15,1)

     

    V. 10 Schimeons Söhne: Jemuel, Jamin, Ohad, Jachin, Zochar und Schaul, Sohn der Kenaaniterin.

     

     ושאול בן הכנענית. Wenn unter כנענית hier Dina verstanden ist, die Simeon geheiratet, so dürfte שאול vielleicht nicht Simeons Sohn, sondern der von Schechem erzeugte, von Dina geborene Sohne sein; es wäre dann selbst dieser Sohn der Jakobsfamilie nicht entfremdet worden. Sie wird כנכנית genannt, weil ihr Sohn physisch ein בן כנעני gewesen. Es träte dann hier schon der Grundsatz hervor, Maß in der Verbindung einer Jakobstochter mit einem כנעני: הולד הולך אחר האם, das Kind zur Familie der Mutter, und nicht zu der des Vaters gezählt wird.

     

    V.12 Jehudas Söhne: Er, Onan, Schela, Perez und Serach. Er und Onan starben im Lande Kenaan. Perez Söhne waren Chezron und Chamul.

     ער ואונן: Es wird stets bei ihnen hervorgehoben: וימת וגו' Der göttliche Familienschutz ist kein unbedingter, an Reinheit und Sittlichkeit ist die Erhaltung geknüpft. Es genügt nicht, von jüdischen Eltern geboren zu sein. Darum fehlen auch Er und Onan hier nicht.

     

    V.26 Alle Seelen, die dem Jaakob nach Mizrajim kamen, die von ihm stammenden, ausser den Frauen der Söhne Jaakobs, alle Seelen: sechsundsechzig.

     

     כל נפש Esaus Haus zählte nur sechs Seelen, und es heißt von ihm כל נפשות ביתו (1 B.M. 36,6), bemerkt ein Wort in מ"ר, Jakobs Haus zählt siebenzig Seelen und sie heißen zusammen nur ein נפש: כל הנפש לבית יעקב! Außerhalb des jüdischen Berufes schlägt oft jeder Sohn seinen eigenen Weg ein. Wo aber in Wahrheit und Treue jüdischer Sinn erhalten ist, da mögen es siebenzig sein, und es waltet doch in allen ein Geist und einen Sinn.

     

    V.33 Wird euch dann Pharao rufen lassen und spricht: Was ist euer Thun?

     

    In einem Staate wie Mizrajim, wo der Mensch völlig in den sogenannten Beruf aufging, und eigentlich kein Mensch, sondern ein Handwerker, ein Landbauer, ein Krieger u.s.w. geboren wurde, war die Frage nach dem Berufe natürlich die erste Frage. Auch sie sollten auf Pharaos Frage ungescheut diese unangenehme Wahrheit hervorkehren; denn der nicht zu umgehende Abscheu der Egypter vor ihrem Berufe war, wie überhaupt die Abneigung der Völker gegen die Juden, das erste Erhaltungsmittel dieses zum Gange durch die Zeiten bestimmten Menschenstammes. Bis zum geistig sittlichen Morgen der Völker schützten die Pallisaden, die der Wahn der Völker gegen die Juden errichtete, diese vor jeder Ansteckung durch die Barbarei und Entsittlichung der Menschen, in deren Mitte sie Jahrhunderte hinab zu wandeln haben sollten. Deshalb kehrte auch hier Josef sofort die den Egyptern unangenehme Seite hervor, in der ausgesprochenen Absicht, damit sie dadurch eine gesonderte Provinz zum Wohnplatz eingeräumt erhielten. 

     

    Kap. 47 V.27 So siedelte Jissroél im Lande Mizrajim, im Lande Goschen an. Sie liessen sich dort nieder, wurden fruchtbar und vermehrten sich sehr.

     

     ויאחזו: sie ließen sich von dem Boden fesseln. Hier liegt eine Andeutung des Anfangs jener Versündigung, deren Tatsache uns Jecheskeel (Kap.20) aufbewahrt. In dem süßen Bewusstsein, hier sesshaft zu sein, lag im Laufe der Zeit die Gefahr sehr nahe, den Stammesüberlieferungen untreu zu werden und sich ihrer großen Bestimmung zu entfremden.

    24-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    AUSZÜGE aus dem KOMMENTAR zur WOCHTENABSCHNITT WAJIGASCH

     

    Wajigasch

     

    Kap.45 V 11 Ich will dich dort ganz versorgen, denn noch kommen fünf Jahre Hungersnot, du könntest und dein Haus und alles Deinige verarmen.

     

    V.11 ...Wiederholt wiest Josef die Brüder darauf hin, wie diese ganze Kette von Ereignissen offenbar als Gottesfügung darstellt und in der Tat führt uns wohl kaum eine andere Geschichte in gleichem Maße die Weise der göttlichen Providenz vor Augen. Sie ist der lebendigste Kommentar jenes großartigen Spruches salomonischer Weisheit: רב מחולל כל ושוכר כסיל ושוכר עוברים (Prov. 26,9). „Der große Weltenmeister erzeugt aus dem kleinsten Anfang alles; wie physisch, so auch sozial, lässt er alles aus den kleinsten Keimen werden. Es ist es, der alles zu kreißender Geburt führt und hat als solcher Thoren, und hat als solcher Verbrecher in seinem Dienste“. Ohne es zu wissen und zu wollen, dient Ihm auch die Torheit und die Sünde. In dieser Geschichte liegen die Fäden offen, in anderen nicht; aber an dieser lernen wir die Gänge Gottes. An den „zwei Loth Seide“, wie die Weisen es ausdrücken, die Jakob an Josefs Rockverbrämung spendete, ging der ברית בין הבתרים in Erfüllung. In Kanaan wäre die Jakobsfamilie schwerlich ein Volk geworden. Wie sie heranwuchs, hätte sie sich unter die Bevölkerung zerstreut. Um zum Volke zu werden, ohne sich zu vermischen dazu musste sie in die Mitte einer Nation kommen, der das ganze jüdische Wesen national widerstand, und dies war Mizraïm. So war später der Fanatismus, der die Ghetti baute, das wirksamste Mittel in Gottes Hand, um uns von aller Unkultur des Mittelalters fern zu halten und im engen Umkreis Familiensinn und Familienglück und Gemeindesinn bei uns zu pflegen. Um uns in Mizraïm eine gesonderte Provinz zum Boden der Entwicklung zu sichern, musste ein Sprössling voran und „Vater“ des Pharao und Gebieter des Landes werden; und damit kein Egypter dem Iwri vorwerfen könnte, ihr gehört nicht hierher, ihr seid nicht hier geboren, mussten alle Egypter die Scholle, wo ihre Wiege gestanden, verlassen und selber Fremdlinge auf den Boden werde, den sie fortan bebauten. –

    So hatte auch bereits die wunderbare, ohnehin so folgenreiche Strömung der Völkerwanderung Europa fast überall mit Fremdlingen bevölkert, als der Jakobsstamm seine große Wanderung in die Zerstreuung unter die europäische Menschheit antrat, und del Verweisungsdekrete germanischer Unduldsamkeit: „Ihr gehört nach Palästina hin!“ stellt die Geschichte unerbittlich die Gegenfrage entgegen: „Hat denn deines Urahns Wiege hier gestanden?“

    Und endlich war das erste wie das letzte Galuth aus קנאה und  שנאת חנם entsprungen, und durch sie der harte Schicksalstiegel motiviert, in dem sie alle geschmolzen und in der Schule des herbsten Unglückes zum Gefühle der Gleichheit und Brüderlichkeit die geläutert wurden. –

     

    V.17 Pharao sprach zu Josef: Sage deinen Brüdern, thuet dies: Beladet eure Tiere und gehet, kommet zum Lande Kenaan.

     

    V. 17 …בעיר .בעירכם , Tier, von בער das zugleich brennen, Tier und den Thoren bedeutet. Wir haben für Weisheit kaum so viele Namen als für Torheit, vielleicht, weil die Narrheit mannigfaltiger und buntscheckiger ist: סכל, פתי, כסיל, בער. Unter den verschiedenen Bedeutungen des בער ist wohl jedenfalls „Brennen“ die ursprüngliche. Denn lautverwandt damit heißt באר: aus der Dunkelheit ans Licht treten, daher באר: der lebendige Brunnen, Wasser aus der Tiefe, und באר: klar machen, בהר: leuchten, gesteigert בער brennen. Jemanden, zum Glanz, zur Auszeichnung hervorheben: בחר erwählen.

    In welcher Beziehung heißt das Tier= בעיר? חיה heißt es, insofern es das Leben repräsentiert im Gegensatz zur Pflanzenwelt. בהמה bezeichnet die dem Menschen sich als במה (rad.בום:בהם ) als „Piedestal“ seiner Menschengröße unterordnende Tierart (vergl. auch die Verwandtschaft von בהם  mit פעם, auf etwas anschlagen, auftreten, stoßen; Schritt und Amboß ). בעיר heißt das Tier nach seinem instinktiven Charakter. Wir haben die Betrachtung des Begriffes חטא, dessen Verwandtschaft mit חתה, und demgemäß חטא als ein absichtloses Hinausfallen aus dem „göttlichen Feuer“, sowie כפרה als ein Wiederhingeben an das אשדת als לחם אשה ד' zu erkennen geglaubt. (Siehe zu Kap. 39,9). Ist dies kein Traum, so würde die im Menschen waltende göttliche Kraft, der der Mensch sich frei hingeben soll und sich ihr daher auch muss entziehen können, sich als „Feuer“ darstellen. Es gibt aber auch lebendige Wesen, die sich dem göttlichen Willen nicht entziehen können, in welche jede Regung und jede Tätigkeit ein willenloses Produkt des in sie gehauchten göttlichen Feuers ist, deren Lebenstätigkeit somit ein „Brennen“ ist. Solange diese Feuerkraft in ihnen lebt, können sie sich ihr nicht entziehen, und בעיר wäre somit die prägnanteste Bezeichnung des Tieres nach seiner unfreien, instinktiven Natur. So wird 2 B.M.22,4 jede naturgemäße, das fremde Eigentum gefährdende Tätigkeit des Tieres, שן ורגל hinsichtlich deren es מועד מתחלתי ist, für deren Leitung und Wahrung daher die Intelligenz des Eigentümers volle Verantwortung trägt, charakteristisch durch בער und das Tier als בעיר bezeichnet.

    Unter der bunten Charakteren der Torheit bezeichnet פתי (von פתה offen stehen) den Arglosen, Unerfahrenen, den äußeren Einflüssen und Vorspiegelungen Preisgegebenen; אויל(אול wovonאולי, verwandt mit אבל,אפל , Verdunkelung des physischen oder geistigen Lichtes) denjenigen, der gar keine feste Ansicht hat, alles unklar anschaut und immer zwischen Zweifeln hin- und herschwankt; כסיל, verwandt mit גזל, der eine unberechtigte  Ansicht sich gewaltsam bildet und mit Gewalt behauptet. Es ist der Lendennarr (כסלים) der sich wie ein Athlet auf seine Lenden steift und stämmt, der eine Ansicht, in der er sich einmal festgerannt hat, festhält und keiner Belehrung zugänglich ist.

    Eigentümlich ist סכל, offenbar ja verwandt mit שכל, seinem scheinbaren Gegensatz. Beiden liegt der Begriff סגל, die innigste Anregung, zu Grunde. שכל ist jene geistige Kraft, durch welche der Mensch sich die Welt geistig aneignet, die Anschauungen in Begriffe und Urteile umwandelt und festhält; sie ist das Subjektive, das die objektive Welt in sich aufnimmt, eine Tätigkeit, die דעת bezeichnet. Der סכל hat diese subjektive Kraft: allein er bleibt bei ihr stehen, er bildet subjektive Vorstellungen, Begriffe und Urteile, ohne ihnen die objektive Wirklichkeit zu Grunde zu legen, und ohne sie an der Wirklichkeit zu berichtigen. סכל ist somit die missbräuchliche Anwendung des שכל. (Ähnlich wie סבא das missbräuchliche שבע). – בער endlich ist derjenige; dem es wirklich an der Anlage fehlt, der ein instinktives Leben lebt und kaum sich über das Tier erhebt.

     

    Kap. 46 V.1 Da brach Jisrael auf und alles Seine; er kam nach Beer Scheba und opferte Mahlopfer dem Gotte seines Vaters Jizchak.

     

    Kap. 46 V.1 Da brach Israel auf, in der freudigsten Stimmung, in dem Glanz- und Höhepunkt seines ganzen, in bitteren Kämpfen und Leiden so vielfach geprüften Lebens, er und all die Seinigen. Sie reisten südwärts und kamen an die letzte Grenzstadt, an das durch die Erinnerung der Väter verherrlichte Beer-Schewa. Da opferte er זבחים. Wir finden nicht wieder daß unsere Erzväter זבחים geopfert hätten. Sie wie alle Noachiden, brachten vielmehr nur עולות. עולה drückt die gänzliche Hingebung an Gott aus, זבח ist an sich ein von den בעלים zu verzehrendes Familienmahl, und weiht die Familienstätte, das „Familienhaus“ und den Familientisch zu Tempel und Altar. זבחים, ja in der Regel שלמים, drücken ja den höheren Gedanken aus, daß „Gott zu uns komme“, sie werden daher aus jenem heiteren Bewusstsein dargebracht, daß, wo ein Familienkreis pflichttreu und einig lebt und sich von Gott getragen fühlt, da,,אלקי' בדור צדיק  da sei Gott gegenwärtig. Darum sind שלמים „Friedensopfer“ des gottgesegneten Familienlebens, so spezifisch jüdisch. Der Gedanke des Aufgehens in Gott und des Hingebens an Gott dämmert auch in nichtjüdischen Gemütern. Allein daß das gewöhnliche Leben von Gott so durchdrungen sein kann, daß „man isst und trinkt und schaut dabei Gott“, daß alle unsere Familienräume Tempel, unsere Tische Altäre, unsere Jünglinge und Jungfrauen Priester und Priesterinnen, diese Durchgeistung des gewöhnlichen Privatlebens, das ist eine Spende des Judentums. Das Jakob-Israel nicht עולות sondern זבחם opferte, das liegt darin, das Jakob sich jetzt zum ersten male in seinem Familienkreise glücklich und heiter und „ganz“ fühlte. In diesem Bewusstsein und Gefühle brachte er sein Opfer, tief bedeutsam לאלקי אביו יצחק nicht allgemeinלאלקי'. In dem Liede am roten Meer spricht Israel זה אל ואנוהו אלקי אבי וארוממנהו: „In dieser meiner Rettung hat sich Gott als die mich tragende Allmacht mir gezeigt, auf daß ich ihn in meine Mitte aufnehme und ihm eine entsprechende Stätte werde; es ist dies aber derselbe Gott, den mich die Väter gelehrt, dem auch die Väter gedient, und der durch mich nur noch zu erhöhter Anerkennung gelangen will!“ „Der Belehrung und dem זכות der Väter verdanke ich diese Rettung“. So auch hier. Die Seligkeit, die Jakob eben jetzt empfand, schrieb er nicht seinem Verdienste, sondern dem זכות אבות zu. – Vielleicht auch ist es ein Hinblick auf die עקדה. Jakobs ganze bisheriges Leben war nichts als eine in konkreter Wirklichkeit sich vollziehende, עקדה deren Auferstehungsmomente er eben jetzt sich genaht fühlte.

     

    V. 2 Da sprach Gott zu Jisrael in Gesichtern der Nacht und sagte: Jaakob, Jaakob! Er sprach: Hier bin ich!

    V. 3 Er sprach: Ich bin der Gott, der Gott deines Vaters, fürchte dich nicht, nach Mizrajim hinabzugehen; denn zu einem großen Volke werde ich dich dort machen.

     

    V. 2 u. 3 Gott sprach: „Fürchte dich nicht, nach Mizraim hinaufzugehen!“ Jakob war ja in der freudigsten Stimmung. Diese Anrede muss somit etwas vorangegangen sein, wodurch bei ihm die entgegengesetzte Stimmung, ja ängstliche Besorgnis hervorgerufen worden war, so daß er die Beruhigung bedürfte. Dies ist auch vollständig in V.2 enthalten. Zuerst die Bezeichnung der Erscheinung selbst: מראות הלילה „Erscheinung der Nacht“ spricht schon für den ernst stimmenden Eindruck des Ganzen. Dann der Zuruf: יעקב, יעקב! Nicht: ישראל, enttäuschte vollends Jakob über die folgenschwere Bedeutung dieses Hinabziehen nach Mizraim. Deshalb denn auch Jakobs:הנני! Ich bin bereit für alles was du bestimmst. Darauf Gotte: Fürchte du dich nicht, ich bin der Gott, dem du soeben dem heiteres Familienleben geweiht, und in letztem Ziele winkt auch aus diesem Gange die heitere Größe. Dort sollst du zu dem verheißenen großen Volke werden. Ich selbst begleite dich (deinen ganzen Familienkreis) hinab und führe dich (wenn du zum Volke geworden bist) wieder herauf, und, was dich persönlich betrifft, du wirst Josef nicht wieder verlieren (Vergl. Kap. 15,1)

     

    V. 10  Schimeons Söhne: Jemuel, Jamin, Ohad, Jachin, Zochar und Schaul, Sohn der Kenaaniterin.

     

    V. 10 ושאול בן הכנענית. Wenn unter כנענית hier Dina verstanden ist, die Simeon geheiratet, so dürfte שאול vielleicht nicht Simeons Sohn, sondern der von Schechem erzeugte, von Dina geborene Sohne sein; es wäre dann selbst dieser Sohn der Jacobsfamilie nicht entfremdet worden. Sie wird כנכנית genannt, weil ihr Sohn physisch ein בן כנעני gewesen. Es träte dann hier schon der Grundsatz hervor, Maß in der Verbindung einer Jakobstochter mit einem כנעני: הולד הולך אחר האם, das Kind zur Familie der Mutter, und nicht zu der des Vaters gezählt wird.

     

    V.12 Jehudas Söhne: Er, Onan, Schela, Perez und Serach. Er und Onan starben im Lande Kenaan. Perez Söhne waren Chezron und Schimron.

     

    V.12 ער ואונן: Es wird stets bei ihnen hervorgehoben: וימת וגו' Der göttliche Familienschutz ist kein unbedingter, an Reinheit und Sittlichkeit ist die Erhaltung geknüpft. Es genügt nicht, von jüdischen Eltern geboren zu sein. Darum fehlen auch Er und Onan hier nicht.

     

    V. 26 Allen Seelen, die dem Jakob nach Mizrajim kamen, die von ihm stammenden, ausser den Frauen der Söhne Jaakobs, alle Seelen: sechsundsechzig.

     

    V.26 כל נפש Esaus Haus zählte nur sechs Seelen, und es heißt von ihm כל נפשות ביתו (1 B.M. 36,6), bemerkt ein Wort in מ"ר, Jakobs Haus zählt siebenzig Seelen und sie heißen zusammen nur ein נפש: כל הנפש לבית יעקב! Außerhalb des jüdischen Berufes schlägt oft jeder Sohn seinen eigenen Weg ein. Wo aber in Wahrheit und Treue jüdischer Sinn erhalten ist, da mögen es siebenzig sein, und es waltet doch in allen ein Geist und einen Sinn.

     

    V. 33 Wird euch dann Pharao rufen lassen und spricht: Was ist euer Thun?

     

    V.33 In einem Staate wie Mizraim, wo der Mensch völlig in den sogenannten Beruf aufging, und eigentlich kein Mensch, sondern ein Handwerker, ein Landbauer, ein Krieger u.s.w. geboren wurde, war die Frage nach dem Berufe natürlich die erste Frage. Auch sie sollten auf Pharaos Frage ungescheut diese unangenehme Wahrheit hervorkehren; denn der nicht zu umgehende Abscheu der Egypter vor ihrem Berufe war, wie überhaupt die Abneigung der Völker gegen die Juden, das erste Erhaltungsmittel dieses zum Gange durch die Zeiten bestimmten Menschenstammes. Bis zum geistig sittlichen Morgen der Völker schützten die Pallissaden, die der Wahn der Völker gegen die Juden errichtete, diese vor jeder Ansteckung durch die Barbarei und Entsittlichung der Menschen, in deren Mitte sie Jahrhunderte hinab zu wandeln haben sollten. Deshalb kehrte auch hier Josef sofort die den Egyptern unangenehme Seite hervor, in der ausgesprochenen Absicht, damit sie dadurch eine gesonderte Provinz zum Wohnplatz eingeräumt erhielten. 

     

     

    Kap. 47 V. 27 So siedelte sich Jisrael im Lande Mizraijm, im Lande Goschen an. Sie liessen sich dort nieder, wurden fruchtbar und vermehrten sich sehr.

     

    Kap. 47 V.27 ויאחזו: sie ließen sich von dem Boden fesseln. Hier liegt eine Andeutung des Anfangs jener Versündigung, deren Tatsache uns Jecheskeel (Kap.20) aufbewahrt. In dem süßen Bewusstsein, hier sesshaft zu sein, lag im Laufe der Zeit die Gefahr sehr nahe, den Stammesüberlieferungen untreu zu werden und sich ihrer großen Bestimmung zu entfremden.

    24-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    23-12-2020
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    Rabbiner Dr. Salomon BREUER

                      (1850-1926)

     

    ויגש

     

    Belehrung und Mahnung  zur Wochenabschnitt Wajigasch (Auszug)

     

    … Meine Brüder und Schwestern! Die Gedanken, die wir aus unsrer Sidra entwickelten, galten zunächst und vor allem unseren von den Schlachtfeldern heimgekehrten Brüder und Söhnen.

    Im Namen unserer Gemeinde begrüßen wir sie aufs herzlichste, mit dankerfülltem Herzen gegen Gott, den גומל חסדים טובים, freuen wir uns mit ihnen, daß es ihnen wieder vergönnt ist, ihrem friedlichen Berufe nachzugehen.

    In unsere Freude mischt sich freilich schmerzliches Weh bei dem Gedanken an die ach so vielen unserer Besten, die auf dem Schlachtfelde ihr Leben verhauchen mußten, nicht Helden weil sie in Selbstverleugnung die Waffe des Todes handhabten, Helden, die mit von Thorageist erfülltem Herzen, mit von Thorageist gestähltem Willen die gräßlichsten Entbehrungen auf sich nahmen und den unendlichen Prüfungen, die sich ihnen auf Schritt und Tritt entgegenstellten, mit jüdischer Standhaftigkeit und jüdischer Pflichttreue zu begegnen wußten – מנשרים קלו ומאריות בגרו Leichter waren sie als Adler und stärker als Löwen, לעשות רצון קונם וחפץ צורם den Willen ihres Eigners und das Verlangen ihres Hortes zu vollbringen. יזכרם אלקינו לטובה עם שאר צדיקי עולם Gedenke, Gott, ihrer zum Guten mit den anderen Gerechten aller Zeiten! –  

    Möge Gott den Hinterbliebenen die wunden Herzen heilen, die Tiefgebeugten aufrichten, und mögen sie und mit ihnen wir, die wir mit ihnen fühlen, in den Worten Hiobs den einzig möglichen, aber auch wahrhaften Trost finden: ה' נתן וה' לקח Gott, in seiner Liebe, hat gegeben, Gott, in seiner Liebe, hat genommen, Sein Name sei für immer gesegnet. –

    Glücklich ihr, meine Brüder, glücklich ihr, meine Söhne, denen Gott die Gnade beschieden, lebend heimzukehren. Lebet weiter, lebet in dem Geiste, in dem Thora allein Leben geschaut. Heil euch, meine Brüder, so ihr vor eure Frauen und Kinder hintreten könnet mit dem stolzen Bewußtsein, auch inmitten unsagbarer צרות gelebt zu haben. Heil euch, meine Söhne, so ihr euren Eltern mit leuchtenden Augen bekennen könnet, die פרשה von עגלה ערופה sei euch keinen Augenblick dem Gedächtnis entschwunden.

    Allein bei dem besten, starken Willen, Gottes Gebote gewissenhaft zu erfüllen, konnten doch viele unter euch dem furchtbaren Druck der Verhältnisse dem Genuß einer verbotenen Speise sich nicht entziehen, mußtet ihr, waret ihr genötigt שבתות und ימים טובים zu entweihen. Die Gefahr drohte על חטא שחטאנו לפניך באונס וברצון, daß so manches, was באונס unter Zwang von euch geschehen mußte, durch die Macht der Gewohnheit nun auch, Gott behüte, ברצון weiterhin von euch geübt werden könnte. Darum gelobet, meine und Schwester,  Gott und seiner Thora, die treueste Treue, gelobet, die שבתות und ימים טובים mit peinlichster Gewissenhaftigkeit zu heiligen, gelobet, keinen Tag verstreichen zu lassen, an dem ihr nicht קובע עתים לתורה aus der Thora euch Lebensnahrung holt! וה' הטוב יכפר בעד –

    Dieses Gelöbnis aber wollen wir, meine Brüder und Schwestern, alle leisten. Düster und trübe umgibt uns die Gegenwart, düster und trübe winkt uns die nächste Zukunft. Doch wir wollen nicht verzagen, dürfen den Mut nicht sinken lassen.

    Und schwanken auch die Werte, greifen wir zu den Gütern, die aus allem Zusammenbruch für alle Zukunft uns erhalten bleiben müssen! Und droht unser Hab und Gut uns zu zerfließen, אם רואה אדם שמזונותיו מצומצמין יעשה מהן צדקה (גיטין ז') so jemand sieht, daß seine Lebenshaltung immer kärglicher wird, übe er erst recht צדקה, lautet jüdische Wahrheit!

    Eine solche jüdische צדקה in umfassendstem Sinne wollen wir leisten zur Erhaltung unserer קהלה, daß ihr immer mit größerer Blüte beschieden sei, zur Förderung von למוד התורה, zur tatkräftigen Unterstützung unserer von Not und Elend heimgesuchten Brüder. Dann laßt uns vertrauensvoll und zuversichtlich zu Gott emporschauen: כי לא יטוש ה' את עמו ואת נחלתו לא יעזוב

     

     

    Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER  Belehrung und Mahnung erster Teil Genesis  J. Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1936 S. 93 - 98

    23-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    22-12-2020
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    Rabbiner Dr. Raphael BREUER

                (1881-1932)

     

    Der erste Jude an der Spitze eines nichtjüdischen Staatswesens

     

    Der erste Jude, der an die Spitze eines nichtjüdischen Staatswens berufen wurde, war Josef. Und wie groß waren die Ehrungen, die nach außen hin seine ragende Stellung dem Bewußtsein des Volkes einprägen sollten! Der Ring von Pharaos Hand, die Byssus-Gewänder, die goldene Kette, der Staatswagen, die Bürgerpflicht des Hinknieens, wenn sich Josef zeigte – wie ein allmächtiger Despot schaltete und waltete der Jude im nichtjüdischen Ägypterstaat.

    Wie kam’s, daß Josef niemals antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt war? Was war der Grund, daß das Ägyptervolk niemals aufbegehrte: Wir lassen uns von diesem Juden nicht regieren?  Aber vielleicht blieb er gar nicht so unangefochten, wie wir voraussetzen. Doch nein, die heilige Schrift hat es nicht unterlassen von antisemitischen Regungen in den Tagen Josefs so offenherzig zu berichtten, wie sie von der antisemitischen Zeit nach Josefs Tod und nach dem Aufkommen einer Generation, die von Josef nichts wußte, die ägyptische Judenfeindschaft entstanden wäre. Es steht darum wohl fest, daß Josef selbst unter Judenfeindschaft nicht zu leiden hatte. Das muß doch seine Gründe haben.

    Oberflächliche Bibelleser könnten aus der Tatsache, daß Josef als Staatsmann einen anderen Namen (Zofas Paneach) trug und eine Ägypterin (Osnas) heimführte; allerhand üble Vermutungen schöpfen und in Josefs unangefochtenem Glück das Ergebnis wohlgelungenen Assimilantentums erkennen. Nun aber hat Josef in Wirklichkeit nichts unternommen, was irgendwie als Verstecken seiner Abstammung, seines Gottesglaubens, seines Judentums gedeutet werden könnte. Den Namen Zofnas Paneach hat nicht er sich selbst, sondern hat ihm Pharao gegeben. Auch darf man auf Grund des Midrasch annehmen daß Zofnas kein Eigenname, sondern, wie Pharao, ein ägyptischer Titel ist, den der König Josef im Augenblick seines Amtsantritts verlieh. Die Ehe mit Osnas ist nicht das, was man heute unter einer Mischehe versteht. Osnas ist als Josefs Gattin zugleich in eine Bekenntnis- und Geistesgemeinschaft mit ihm eingegangen. Darauf deutet wohl auch die scharfe Betonung der Bibel hin, daß Menasche und Efraim, die wir noch heute unseren Kindern als Vorbilder hinstellen, von eben dieser Osnas, die einer ägyptischen Priesterfamilie entstammte, geboren wurden und in ihr eine ihnen und ihrem Vater ebenbürtige Mutter besaßen. Auch die Midraschüberlieferung, die in Osnas die Tochter Dinas sieht, zeigt unverkennbar die Tendenz, der Ehe Josefs jeden Schein eines als Entfremdung vom Judentum mißdeutbaren Charakterzuges zu nehmen.

    Nein, Josef  hat  auch als ägyptischer Staatsmann den Geist seines Vaterhauses nicht verleugnet. Fast in jedem Satze, den er zu Pharao spricht, spricht er von Gott. „Das steht nicht bei mir, Gott wird es eröffnet, was den Pharao frommt.“ „Was Gott tun will hat er den Pharao sehen lassen.“ „Festbeschlossen ist die Sache von Gott, und Gott wird eilen, sie zu vollführen“. Dieses mutige Bekennen Gottes vor dem Königsthrone hat ihn gegen jeden feindlichen Angriff gefeit, weil es ihn auf eine Höhe hob, zu der Pharao und sein Volk staunend emporschauten. Und Pharao sprach zu seinen Dienern: Wird wohl gefunden werden ein Mann wie dieser, in dem der Geist Gottes ist?

    Ein weiterer Grund, warum das ägyptische Volk, ohne zu murren, von einem jüdischen Staatsmann sich regieren ließ, dürfte in der Tatsache gefunden werden, daß Josef zu seinem Amte nicht drängte, sondern wartete, bis man ihn rief. Sehr belehrend sind die Ausführungen des Midrasch Tanchuma zur Stelle. Da wird zur Bekräftigung der Erfahrungsregel, daß „Gerechte aus bescheidener Niedrigkeit zur Höhe aufsteigen“, auf Chananja, Mischael, Asarja, Daniel, Mordechai und – Josef verwiesen. Sie alle haben bescheiden in der Dunkelheit gewartet, bis man sie zu leuchtender Hoheit berief. Sie alle kannten die Welt und wußten, daß sie – Juden waren.

    Das Recht sich vorzudrängen haben auch Juden, so gut wie Nichtjuden. Die Logik steht auf unserer Seite, doch nicht die Psychologie. Als Psychologen sollten wir alle wissen, daß die Welt noch nicht so weit ist, um den Anspruch des Juden auf eine wirklich durchgeführte Rechtsgleichheit anders dann als jüdische Anmaßung zu bewerten. Und auch das andere sollten wir stets bedenken. Josef stand vor Pharao und seinen Dienern da als der Mann, in dem der Geist Gottes ist. Nicht als Stammesfremder, als Gottesmann stach er ihnen in die Augen.  Was hilft es uns, wenn wir immerfort betonen, nur in ihrem Glauben unterscheiden sich jüdische Regierungsmänner von ihren nichtjüdischen Kollegen. Das glaubt uns kein Mensch, solange dieser Glaube wohl standesamtlich registriert ist, aber nicht als lebendige Wahrheit dem allgemeinen Bewußtsein sich aufdrängt. Unsere deutschen Staatsbürger jüdischen  Unglaubens haben mit ihrem Unglauben sehr viel dazu beigetragen, daß unsere nichtjüdische Mitbürger das Judentum mit allen möglichen Dingen, wie jüdische Rasse, jüdische Nation etc. identifizieren, nur nicht mit dem jüdischen Glauben, den sie nur selten wahrnehmen und am allerwenigsten dort, wo ihnen die Juden auf die Nerven fallen.

    R.B.

     

    Erschienen in דרש טוב לעמו „Jüdische Monatshefte“  Jahrgang 6 Heft 1 u.2 Januar- Februar 1919, Schewat-  Adar  5699 S. 10-12

     

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    22-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH

                  (1833 – 1900)

     

    הפטרה פרשת ויגש

     

    Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes Wajigasch

     

    Ezechiel Kap. 37, Vers 15

     

    Als der Prophet im Folgenden die Wiedervereinigung von Juda und Jissroél verkündete, war das Reich Jissroél bereits längst zerstört, seine Bewohner hinweggeführt, und auch über das Reich Juda war bereits das seit lange verkündete Verhängnis hereingebrochen. Die Spaltung, deren einstige Aufhebung hier ausgesprochen wird, muß daher die Zerstörung der gegensätzlichen Reiche überdauert haben. Der Gegensatz ist somit kein äußerlicher. Auch in den Galuthjahrhunderten sieht das Auge des Propheten das in die Mitte der Völker hinausgestreute Jissroél noch in zwei Hälfte geteilt, um die alten geschichtlichen Herrscherstämme Juda und Efraim in ausgesprochener Gegensätzlichkeit geschart. Hie Juda! Hie Efraim! ist auch im Exil noch die Losung. Doch nicht die politische, sondern die religiöse Zugehörigkeit ist ihre Bedeutung. Das Feldgeschrei ist zum religiösen Bekenntnis geworden. Es sind die alten Gegensätze, die Hosea 1,6 und 7 so scharf gezeichnet sind. Efraim, das unter grundsätzlicher Verleugnung des Gottesgesetzes in politischer Größe sein Heil sieht und den mangelnden Gottesschutz durch vergebens gestrebte Bundesgenossenschaft mit den Völkern vergebens zu ersetzen sucht, vielmehr bei den Völkern, unter denen es „brüderlich aufblühen“ (Hosea 13,15), in die es unterschiedslos aufgehen möchte (das. 7,8), für seine Abstreifung alles Jüdischen nur Geringschätzung und Abweisung erfährt – „und es hatte sich doch Freundschaft ausbedungen!“ – (das. 8,9). Und Juda, das allerdings grundsätzlich Gott als seinen Gott anerkennt und auch praktisch einen großen Teil der Gesetze erfüllt, die es in ihrer Gesamtheit theoretisch als ausnahmslos verbindlich anerkennt, aber weit noch entfernt von jene Ernste und jener gottesfürchtigen Gewissenhaftigkeit, die keinen Unterschied kennt unter den Worten des allmächtigen Gottes, vielmehr die Gesetze der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe, die Gesetze, die die Heilighaltung des Lebens, des Vermögens, der Ehre des Nächsten und die Reinhaltung des eigenen Herzens von Neid, Haß und bösen Gelüste gebieten, ebenso hoch, ebenso unverbrüchlich hält wie die grundlegenden Speise- und Reinheits-Gesetze, welche die Ertüchtigung unseres leiblich-sinnlichen Wesens zum gefügigen Werkzeuge des Geistes zum Ziel haben. Und die Erfassung des heiligenden Geistes des Gesetzes? Da antwortet trauernd die Prophetenklage: „Sie Betätigung ihrer Gottesfurcht ist nichts als angelerntes Menschengebot!“ Und was die Erfassung der weltgeschichtlichen Bedeutung des Judentums betrifft, so tönt die Klage: „Die Anschauung des Ganzen ward euch wie die Worte eines mit Siegeln verschlossenen Buches!“ (Jes. 29,11 u. 13). Religiöser Nihilismus, fanatisch feindlich gegen jede jüdische, tolerant gegen jedwede nicht jüdische „religiöse“ Anschauung, ist das Gepräge des vor- und des nachexilischen Efraim-Jissroél. Willkürliche Auswahl, mehr oder minder mechanische Ausübung der erfüllten Gesetze, das ist der Juda-Jissroél und das Efraim-Jissroél, werden, so kündet nun das Prophetenwort, wieder vereinigt werden. Aber diese Vereinigung wird nicht ein trauriges, Wahrheit mordendes Kompromiß  sein, daß etwa das Efraim-Jissroél einige Konzessionen nach rechts mache und sich einen jüdischen Anhauch gefallen lasse, während das, wie es Efraim erscheint, „starre“ Juda-Jissroél in coulanter Anpassung „um des Friedens willen“ von seiner „Starrheit“ etwas nachlasse und einige „Konzessionen“ nach links mache. Nicht das ist der Friede, wie Gott in schaut, und nicht das ist die innige Vereinigung, die am Ziele der Geschichte winkt. Efraim und Juda, Israeliten und Juden, beide bedürfen sie der Läuterung, beiden wird die Gotteshilfe zur Erlangung der Reinheit verheißen. Wie die beiden vorbildlichen Scheite des gespaltenen Stammes nur in der Hand des Propheten zu „einheitlichen“ werden, so werden nach den Worten des als „Sohnes der Menschheit“ gekennzeichneten Propheten Efraim-Jissroél  und Juda erst geläutert und von ihren Verirrungen gereinigt, in „Gottes Hand“, also beide in gleicher Treue zum Gottesvolke geworden, zur ewigen Einheit geeinigt werden. Die beiderseitige ewige Treue gegen Gott wird ihnen zum ewigen Friedensbunde (V.26) לי לעם „mir zum Volke“, nicht eine Kirche, eine religiöse Gemeinschaft, sondern ein Volk, das in allen Gestaltungen seines individuellen Lebens, wie seiner sozialen und politischen Verhältnisse das Gepräge der Gotteshörigkeit trägt, das war 2 B.M. 6,7 bei der ersten Ankündigung der Erstehung aus dem ägyptischen Sklaventode zum völkergeschichtlichen Leben dem Jakobshause als Ziel bestimmt worden. „Ich werde ihnen zum Gotte und sie werden mir zum Volke“ (V.27) – das ist das einigende Friedensband, das am Ziele ihrer Geschichte die so lange bis zu gegenseitiger Verständnislosigkeit einander entfremdeten Brüder aus dem einen Jakobshause in ewiger Treue gegen Gott auf ewig brüderlich eint.

     

    Damit werden sie auch ihre menschheitspriesterliche Sendung erfüllt haben. (V. 26 bis 29.) מקדשי mein Heiligtum, wird in ihrer Mitte bleiben; und משכני wird über ihnen walten. Das מקדש bezeichnet die jüdische Aufgabe, das משכן die gottverheißenen Folgen ihrer treuen Erfüllung. Ein dem im מקדש bewahrten Gottesgesetze widersprechendes Leben macht den Fortbestand desselben unmöglich. Würde doch der Tempeldienst dadurch den Charakter eines Ersatzes für den in Wahrheit geforderten Gottesdienst im Leben erhalten, und der Fortbestand des Heiligtums inmitten eines entarteten Volkslebens ließe dies ja als von dem Gesetze gebilligt erscheinen. Die Worte der Propheten sprechen ja wiederholt die Wahrheit aus, daß eben um der Erhaltung des Gesetzes willen der Tempel dem Untergangen verfallen sei. Deshalb wird, wenn die Jahrhunderte oder Jahrtausende des Exiles ihr Werk an Jissroél vollzogen haben, der Tempel wieder erstehen und sein ewiger Bestand „in ihrer Mitte“ wird der sprechendste Beweis dafür sein, daß „Ich Gott, Jissroél heilige“, daß ihr Leben das gestaltende Gepräge des Gotteswortes trägt. Diese Erkenntnis wird aber mit um so tieferer und mächtigerer umgestaltenden Kraft die Erhebung und Heimkehr der erlösungsbedürftigen Menschheit bewirken, als die Folge des „ in Jissroéls Mitte dauernd bleibenden מקדש“, sich als „משכני עליהם“ darstellen wird. Das durch מקדש bewirkte Aufblühen alles im Menschen schlummernden Edlen, Herrlichen, Göttlichen, macht diesen Menschenkreis, das Jissroél der Zukunft, der segnenden, ewig schützenden Gottesnähe teilhaftig, und die Befreiung von der Schuld hat dann in Wahrheit die Erlösung vom übel bewirkt. Dieses auf dem Boden des Gottesgesetzes aufblühende Paradies ist aber der mächtige Weckruf, der Gesamtmenschheit zu ihrem und unserem Vater heimruft, um als reine Menschen in Verwirklichung reinen Menschentums derselben Gottesnähe und desselben Paradiessegens teilhaftig zu werden.

     

     

    (Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 87-93  Kommentar zu Ezechiel Kap 37, V15) 

    22-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    21-12-2020
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen. „Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen“ 11.Folge
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    Schriften zur Aufklärung über den Zionismus 

    N° 2 „Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen“

    Herausgegeben vom Antizionistischen Komitee Berlin 1913

    ….

    III.    DIE AUSSICHTEN DES ZIONISMUS

     

    In der Weltgeschichte wie in der des Judentums haben häufig Bewegungen in ihren ersten Anfängen ganz andere Wirkungen hervorgerufen als später, da ihr wahres Wesen erkannt worden war. So manche messianische Erhebung, die schließlich logisch zum Christentum führte oder das religiöse Empfinden durch Mystik und Aberglauben vergiftete, begann damit, daß sie anscheinend einen frischen Zug in das religiöse Leben ihrer Anhänger brachte. Und wenn das beim Zionismus sicherlich und zuweilen der Fall war und ist, so soll es weder abgeleugnet  noch überschätzt werden, denn auch diese Tatsache kann über seinem wahren Charakter und sein Endziel nicht hinwegtäuschen.

    Theoretisch können wir keine Interesse an eine Partei haben, die im Widerspruche zu unserer jüdischen Religion steht und damit unser kostbarstes Gut zerstört. Und trotz mancher entschieden vorhanden Anregungen, die der Zionismus die jüdische Religion gebracht hat, ist er auch von diesen praktischen Gesichtspunkten aus bekämpfenswert, weil er auf den jüdischen Körper dem aufreizenden Gift gleich wirkt, das zwar die Nerven aufpeitscht und den Schein frisches Leben erweckt, dem aber die völlige Erschlaffung, ja der Tot mit absoluter Sicherheit folgt. Wen aber selbst diese Erwägung nicht davon bringen kann der Bewegung durch wohlwollende Neutralität und finanzielle Unterstützung die Wege zu ebnen, den möge ein Blick zunächst auf die Aussichten und dann auf  die sichtbare Wirkungen des Zionismus nachdenklich werden.

    Man hat sich daran gewöhnt, seine praktischen Aussichten mit dem Wort Utopie abzutun. Freilich bedarf  ein so wegwerfendes Urteil , selbst wenn es von dem größten Teil der deutschen Judenheit ausgesprochen wird, einer ernsten Begründung. Es läßt sich aber sehr leicht nachweisen, daß  die Endaussichten der Bewegung deshalb sehr trübe sein müssen, weil die ganze Wirkung der Arbeit verfehlt ist. Das gilt negativ und positiv. Negativ, indem den eigentlichen Tätigkeitsgebiete viel zu wenig Aufmerksamkeit zugewendet und viel zu viel Kraft entzogen wird , positiv, indem die Bemühungen sich auf ein aussichtsloses Beginnen konzentrieren und Kraft und Gut  nutzlos vergeuden, ohne daß auch nur die Aussicht auf die Gegenwert ergibt.

    Das nichtzionistisches Hilfswerk in Westeuropa hatte das Problem der wirtschaftlichen Judennot richtig erfaßt. In den Hauptländern Rußland, Galizien und Rumänien sitzt eine Masse von fast sieben Millionen Juden, und die Judenfrage wurde schon frühzeitig dahin präzisiert, daß durch die politische, wirtschaftliche und Bildungsarbeit daß Problem im Niederlassungslande seiner Lösung näher geführt werden müsse, daß aber Auswanderung nur ein Notbehelf der Zeit sein könnte. 

    Allein in der Auswanderung  desjenigen Teiles des Judentums, der sich nicht assimilieren will und kann– und das ist nach seiner Auffassung der allergrößte – nach eine rechtlich gesicherten Heimatstätte sieht der Zionismus die Erlösung aus der Judennot. Logisch ist es unmöglich, einem so großen Volke durch dieses Mittel eine nur teilweise Befreiung aus der Schwierigkeit zu schaffen, denn Volksmassen sind keine Schachfiguren. Historisch ist auch kein Beispiel vorhanden, daß auf diesem Wege größere Massen als die französischen und österreichische Protestanten es waren, sich Rat geschafft hätten, denn die Zeit der Völkerwanderung ist aus mannigfachen Gründe kein Vergleichsobjekt. Man mag zwar einwenden, daß das zionistische Projekt den Vorzug der Großzügigkeit genießt. Aber diese Eigenschaft besitzt eine jede Wahnidee, ja, die zur Unvernunft gesteigerte Großzügigkeit ist ein charakteristisches Kennzeichen für Pläne die sich vom Boden der Wirklichkeit und des Verständigen entfernen.

    An dem Hilfswerk, an der Arbeit, die wir Nichtzionisten zur Besserung der wirtschaftlichen Lage unserer Glaubensgenossen im „Niederlassungslande“ leisten, beteiligt sich der Zionismus kaum, weil er weiß daß jeder erfolgreiche Schritt auf dem Wege zur Lösung der Judenfrage  ihm etwas von seiner Bedeutung  und Agitationsfähigkeit raubt. Nur aus der schrillen Dissonanz des Elends schöpft er seine Kraft, und es ist Selbsterhaltungstrieb wenn er offen dokumentiert, daß er an einer Besserung der jüdischen Lage in den „Niederlassungsländern“  keine Interesse zeigt.

    Vier Aufgaben ergeben sich für die Arbeit im Osten, es muß versucht werden, die Juden geistig zu heben, um ihre Kräfte für wirtschaftlich lohnendere Gebiet zu machen. Den so vorbereiteten Massen müssen Erwerbsmöglichkeiten neuer Art erschlossen werden, was teilweise eng mit der dritten Aufgabe, der Erringung politischer Freiheit, zusammenhängt. Hand in Hand mit dieser positiven Arbeit geht natürlich die Hilfe für den Augenblick, die Wohltätigkeitsaktionen, die auch dem Jude von heute, der die Freiheit der Zukunft nicht erleben wird, ein etwas menschwürdiges Los bereiten wollen. Der Zionismus beteiligt sich nur zögernd und schwach an diesen ernsten wichtigen Arbeit! Er lebt nur in die Zukunft, sieht mit einer gewissen mitleidigen Verachtung auf alles herab, was die Westjuden an emsiger Arbeit für die Judenheit geleistet haben, und es ist natürlich viel, viel leichter  über „Rachmonusjudentum“ seicht zu witzeln als durch Arbeit und Geld zu helfen. Die geistige, wirtschaftliche und politische Hebung im Niederlassungslande ist für den Zionismus überflüssig und bloße Kraftvergeudung, und er, der bombastisch vorgibt, die Erlösung für die ganze Judenheit, für das ganze jüdische „Volk“ zu bringen, kümmert sich um die realen Existenzmöglichkeiten dieses Volkes nicht, sondern wendet seine konzentrierte Fürsorge den wenigen, ach so wenige zu, die sich von dem Schicksal ihrer Brüder trennen und sich in Palästina eine neue Heimat schaffen können. Wer aber dasselbe zu Hause oder sonstwo auf dem weiten Erdenrunde zu erreichen versucht, ist in den Augen der Zionisten ein materiell denkender „Verräter“ an die Sache des „jüdischen Volkes“. Der Zionismus hat große Geldmittel aufgehäuft. Mehr als sieben Millionen Mark nennt er sein eigen, sieben Millionen, die zum Teile aus den Pfennige der Armen und der Ärmsten im Osten gesammelt sind. Aber selbst in den Zeiten der entsetzlichsten Verfolgungen hat sich der Zionismus nicht veranlaßt gesehen, seinen Nationalfonds denen und dem zuzuwenden, wofür es notwendig war, und das Motiv: „Laß sie betteln geh‘n wenn sie hungrig sind“ , erscheint nicht mehr als eine Verirrung, weltfremder, idealistischer Zukunftsschwärmer, sondern als eine raffinierte, ausgeklügelte Grausamkeit.

     

    (wird fortgesetzt)

     

    Erscheint in Jeschurun Judentum gegen Zionismus in Folgen, als Teil unseres Studienprogramms  Jahrgang 5770/5771

     

    Mit Dank an Frau Manja BURGERS, Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    http://www.spinozabooks.com

    21-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    20-12-2020
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    ויגש

     

    אם רעב שנאך האכילהו לחם, ואם צמא השקהו מים:

     

    Hungert dein Hasser gib ihm zu essen, durstet er, gibt ihn zu trinken.

    (Sprüche Salomos 25,21 – Übersetzung Rabbiner Dr. Willy WOLF Kôln am Rhein)

     

    1.

    Reich’ dem Feinde mild die Speise,

    Wenn er hungert in der Not;

    Reiche ihm in milder Weise

    Seine Nahrung, Trank und Brot.

     

    2.

     

    Sieh! Der Fromme fühlet Freuden,

    Wenn er schnell die Hilfe reicht;

    Ob’s auch waren Feindes Leiden,

    Hat doch Elend er verscheucht;

    Aus: Erbauungsbuch „Bibel- und Talmudschatz“ J.H. Kohn S. 136  13.Auflage Hamburg 5691 – 1931

     

    Die beste Anschrift für antiquarische Judaica:

    Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    Inhaberin: Frau Manja BURGERS

    http://www.spinozabooks.com

    20-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    18-12-2020
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    Rabbiner Samson Raphael HIRSCH

                              (1808-1888)

     

    מקץ

     

    Aus seinem Kommentar zur Wochenabschnitt Mikétz

     

    Kap. 41 V.33 Und nun ersehe sich Pharao einen einsichtigen und weisen Mann und setze ihn über das Land Mizrajim.

     

    Kap. 41 V. 33 Während sonst in der Regel  der חכמה der  בינה vorangeht, steht hier bedeutsam   נבון וחכם. חכם  verwandt mit אגם: Aufnahme des Vorhandenen. Wer die Dinge nach ihrem Wesen und ihre Bestimmung kennt, ist ein חכם. Beides ist etwas Gegebenes, es hat der Mensch es nicht erst zu schaffen. Der ist aber der wahrste חכם, der die Erkenntnis des Wesens und der Bestimmung der Dinge von dem entnimmt, der den Dingen ihr Wesen und ihr Bestimmung gegeben hat. Deshalb ist חכמת התורה die höchste. – ,בין, בינה Einsicht, richtiger: Zwischensicht. – Einsicht, die Fähigkeit in das Wesen der Dinge an sich einzudringen, hat kein Sterblicher; – aber Zwischensicht, d.h. das aus dem Verhalten mindestens zweier gegebener Momente Resultierende zu erkennen, das folgende Urteil, das ist die zu der Erkenntnis des Gegebenen hinzukommende eigentliche Operation des menschlichen Geistes. Eigentümlich ist es nun, da gerade diejenige geistige Tätigkeit, die uns mehr passiv erscheint,חכמה , die Rezeptivität, aktiv ausgedrückt wird, ,חכם , חכמתי im Kal; und umgekehrt, diejenige Geistesoperation, in welcher wir am meisten selbsttätig erscheinen, die folgernde, produktive Tätigkeit, immer passiv ausgedrückt wird:נבונתי , נבון . Es dürften hier zwei wichtige Erinnerungen gegeben sein: Zur Aufnahme dessen, was in Natur und göttlicher Offenbarung über Wesen und Bestimmung der Dinge gegeben ist, gehört die volle Energie des Geistes, eine völlige Konzentrierung der Geisteskräfte, damit die ganze und die wahre Wirklichkeit erfasst werde. Energielos meint man gesehen, gehört, verstanden zu haben, und hat nur falsch gesehen, halb gehört, oberflächlich verstanden, und das Erfasste entfällt bald wieder. Umgekehrt hat der gewöhnliche Mensch mehr Freude an תבונה, an der folgernden, schließenden Tätigkeit, er sieht sich darin mehr produktiv, mehr sein Werk, und ist daher sehr zu warnen, nicht zu rasch, zu aktiv zu dieser Tätigkeit zu schreiten, sich beim Schließen mehr passiv zu erhalten, die beide Prämissen in sich so lange und so intensiv abzuspiegeln zu lassen, bis sich das Produkt, der Schluß, von selbst ergibt,  ehe man מבין wird, lange נבון zu bleiben; sonst ist der Schluss scharfsinnig, aber die Prämissen sind unwahr. Keiner mehr als der Scharfsinnige läuft Gefahr, falsche Urteile zu bilden. Daher auch die tiefen Sätze der Weisen: אם אין בינה אין דעת, אם אין דעת אין בינה.. Ohne theoretisches Wissen (בינה) bleibt das empirische (דעת) mangelhaft, denn eben die theoretische Wissenschaft muss vielfach das Empirische kontrollieren und berechtigen und Schein von Wirklichkeit unterscheiden lehren. Noch mehr aber bedarf das theoretische Wissen der Empirie. Denn ohne vollständige empirische Unterlage baut alle Theorie in die Luft. Es ist daher klar, warum gewöhnlich חכמה der תבונה vorangeht. Hier aber waren die gegebenen Verhältnisse völlig klar. Allein galt es zu ermitteln, was unter den gegebenen Umständen nun vorsorglich zu tun. Dazu war zuerst der נבון notwendig. Das aber durch בינה Ermittelte musste dann mit חכמה, d.h. mit gerechter Würdigung aller wirklichen Verhältnisse ausgeführt werden. Für die praktische Ausführung ist der חכם wichtiger als der נבון. Der Scharfsinnige nimmt leicht die Dinge anders als sie sind, und geht irre. Also: einen einsichtigen und weisen Mann suche sich Pharao und setze ihn über das Land, וישיתהו. שות ist mehr als הפקיד. In הפקיד erscheint der Eingesetzte mehr abhängig und untergeordnet, in שות mehr als Selbständiger. Die Zeiten werden so schwer, sich selbst überlassen wird das Land in den Jahren der Fülle gegebenen Mittel der Abhülfe unbenutzt lassen. Deshalb ist es notwendig, dem Lande einen „Vormund“, einen agrarischen Diktator zu geben, damit der Verbrauch in diesen Jahren nicht unbeschränkt bleibe.

     

    V.43 ließ ihn in den Wagen des Zweiten nach ihm ausfahren und sie riefen vor ihm her: Ich befehle, daß man kniee! Und damit setzte er ihn über das ganze Land Mizrajim.

     

    V.43 … Durch den Ring hatte er ich zu seinem „משנה“, seiner „Wiederholung“ seinem „alter ego“ gemacht, ließ ihn in dem diesen alter ego bestimmten Wagen ausfahren, und man rief vor ihm: אברך! Wörtlich: ich befehle daß man kniee! Vor der egyptischen Majestät rief man nicht ברכו! Knieet sondern: אברך: Ich – d.h. unter dem Volke erscheinende Majestät – befehle, daß ihr knieet. Dem wahren Fürsten ist nur die freiwillige Ehrerbietigung eine solche. Dem sultanischen ist die freiwillige Ehrerbietigung zu plebejisch gleichstellend und erniedrigend. Da wird zu huldigenden Ehrenbezeugungen, zum Gruß befohlen. Diese in Josefs Namen ausgerufene אברך, daß er befehlt, daß man vor ihm auf die Knie falle, das stellte ihn vollends als den zweiten Pharao dar.

     

    V.51 Josef nannte seinen Erstgeborenen Menascheh: denn es hat Gott mir mein ganzes Unglück und mein ganzes väterliches Haus zu Gläubigern gemacht.

     

    V.51 נשני übersetzt man gewöhnlich: Gott hat mich vergessen lassen all mein Unglück und mein ganzes väterliches Haus! Wem kehrt sich dabei das Herz nicht um? Josef nennt seinen Erstgeborenen danach, daß ihn Gott seinen alten Vater und seine ganze väterliche Familie habe vergessen lassen! Dadurch würde allerdings der Umstand, daß Josef sich so lange um seinen Vater nicht gekümmert auf die fasslichste Weise gelöst. Josef wäre einfach ein herzloser Mensch gewesen. Glücklicherweise ist „vergessen“ nicht die einzige Bedeutung von נשה,נשה  heißt auch „Gläubiger sein“ (siehe Kap. 32,33), und נשני kann ebenso heißen: Gott hat mir mein Unglück und meine Familie zu Gläubigern gemacht. Was mir bis jetzt als Unglück und Misshandlung erschienen, das hat Gott Werkzeug meines höchsten Glückes werden lassen, so daß ich meinem Glück und meiner Familie aufs tiefste verschuldet bin. Die Form נשני statt נשני ist nach beiden Auffassungen gleich schwierig und würde sich nur durch eine Wurzel נשש erklären lassen, die sonst nicht weiter vorkommt. – Beiläufig wird der Ausdruck עמל zu der Äußerung missbraucht: der Jude ist faul, Arbeit bedeutet ihm Unglück. Dem gegenüber denkt sich der Jude selbst sein Paradies nicht als ein dolce far niente, der jüdische Mensch ist selbst im Paradiese „zur Arbeit“ da, לעבדה ולשמרה! עמל ist aber nicht eine jede Arbeit, sondern nur eine mühevolle Arbeit ohne entsprechendes Resultat. Wenn uns „arbeitsamen“ Deutschen eine solche Arbeit eine Seligkeit wäre, was für eine Seligkeit müsste dann nicht „Mühseligkeit“ sein! Das עמל des einen erzeugt im mitfühlenden Nebenmenschen חמל. Es kommt auch als Unglück vor, das man andern bereiten will, und heißt dann in solcher Beziehung auch: Unrecht, allein in seiner ersten Bedeutung liegt das nicht.

     

    Kap.43 V.11 Da sprach Jissroél, ihr Vater, zu ihnen: Wenn dem so ist, was bleibt übrig! Thuet dies, nehmet von dem, dessen das Land sich rühmt, in euren Geräten und bringet dem Manne ein Geschenk: ein wenig Balsam, ein wenig Honig, Gewürze und Lotus, Pistacien und Mandeln.

     

    Kap.43 V.11 … Mit ungemeiner Feinheit hebt Jakob wiederholt das מעט hervor. Bei einem so großen Herrn wäre es eine Beleidigung, viel zu schenken, es soll ja nur Ausdruck einer Huldigung sein.

     

    V.14 Und Gott, der Allgenügende, gebe euch Erbarmen vor dem Manne, daß er euren anderen Bruder und Binjamin wieder fortlasse! Und ich – wenn ich denn der Kinder beraubt bin, so bin ich der Kinder beraubt.

     

    V.14 לפני האיש. Gehet nur hin, im Vertrauen auf den Allgenügenden, allem, und auch meinen Leiden zur rechten Zeit das Ziel setzenden Gott; in dem Momente der Gefahr, in dem Augenblicke, wo ihr euch לפני האיש befinden werdet, wird Gott euch Erbarmen zuwenden. – רחמים bezeichnet jene Zuneigung Gottes zu seinen Geschöpfen, die die allgemeinste und verlierbarste, und die ebenso den Grundzug im Verhältnisse der Geschöpfe zu einander bilden soll. Es ist die Verwandtenliebe, die Liebe zu einander um des gemeinsamen רחם willen, aus dem sie stammen. Man ist geneigt רחמים mit dem populären רחמנות zu verwechseln und doch ist Mitleid noch tief unter dem, was das wahre רחמים bedeutet. Was ist seltener, was adelt den Menschen mehr, Mitleid oder Mitfreude? Sehr wenige Menschen gibt es, die nicht mit dem Schmerzen des andern Mitleid empfinden. Allein bei weitem nicht alle, die heute einen Armen bemitleiden, werden sich in gleichem Maße mit ihm freuen, wenn er über Nacht das große Los gewinnt und morgen in einer Karosse mit den Seinen an ihn vorüberfährt. רחמים, das Gefühl, das wir ererbt haben sollen, bedeutet mehr als Mitleid. Es stammt von רחם, mit welchem die tiefste, aufopferungsreichste Energie eines Wesens für die Entstehung eines anderen Wesens, die Hingebung alles Blutes und aller Kraft, um ein anderes Wesen entstehen und sich vollenden zu sehen, bezeichnet wird; רחם ist der Herd der tiefsten Hingebung. Und auch nachher, wenn das Wesen da ist, entstammt dem רחם nicht bloß Mitleid mit dem Weinenden, sondern noch innigere Mitfreude mit dem Lächelnden. Ein Lächeln des Kindes auf dem Schosse entschädigt für jahrelangen Kummer und schlaflose Nächte. Von diesem רחם ist רחמים gebildet und leidet somit nicht nur mit dem andern, sondern ruht nicht, bis es ihn glücklich sieht. – …

     

    V.30 Es eilte aber Josef, – denn seine Gefühle waren zu seinem Bruder hin rege geworden, und er wollte weinen, – und er ging hinein in das Gemach und weinte dort.

     

    V.30 …Wahrscheinlich heißen davon die heidnische Pfaffen כמרים, im Gegensatz zu כהנים. Der jüdische כהן spekuliert nicht auf Andacht, Gefühle. Der jüdische Gottesdienst ist nicht darauf berechnet, dunkle Gefühle rege zu machen. Das jüdische Heiligtum wendet sich zuerst an den Verstand: התפלל, sein Urteil berichtigen, sich klar machen über alle seine Beziehungen und Obliegenheiten.

    Gefühle sind ungemein billig. „Hat andächtig vor Gott geweint“ und steht auf – und ist um kein Haar besser als er gewesen! Darauf spekuliert der כמר, der heidnische Pfaffe. Der כהן aber soll selbst כן und andere מכין sein, feste Grundlage und Richtung geben. Im Heidentum wirkt man auf Empfindungen, um durch sie den Verstand zu fesseln. Empfindungen aber sind ein Uhrwerk ohne Weiser, eine „Unruhe“ die an sich nicht weiß woher, wohin, die man dann beliebig benutzen kann. Man macht die Hölle heiß oder fanatisiert das Gemüt; feiert seinen Triumph, wenn נכמרו מעין, die inneren Eingeweide der Gläubigen recht in Gährung kommen. – …

     

    V. 34 Er ließ von nun sich aus Teile ihnen zutragen, da war Binjamins Teil fünfmal größer als ihrer aller Teile; sie tranken und berauschten sich bei ihm.

     

    V. 34 חמש ידות. In dieser egyptischen Geschichte finden wir auffallend die Fünfzahl, wo wir immer im jüdischen Kreise die Siebenzahl erwarten; hier, bei der Vorstellung der Brüder, bei den Angaben. Es kann das tief in der verschiedenen Weltanschauung liegen. Fünf ist wohl aus zehn entstanden; zehn ist nach menschlicher Anschauung ein Ganzes. Nach heidnischer Anschauung ist die Welt uranfänglich ein Ganzes, Fertiges: Zehn. Nach jüdischer Anschauung ist sie noch nicht fertig, ist erst sieben, auf dem Wege zu zehn. Gott schafft sie noch immer fort wenn nicht physisch, so doch sozial. Die die Weltanschauung besingende Harfe, lehren die Weisen, hatte zuerst nur sieben Saiten, durch David war die Harmonie achtsaitig, und erst zuמשיח ’s Zeit wird sie mit zehn Saiten vollbesaitet werden. – …

     

     

    Kap. 44 V.5 Ist‘s nicht gerade der, aus welchem mein Herr zu trinken pflegt, und er, er hat einen Ahnungsglauben an ihn! Ihr habt schlecht gehandelt in dem, was ihr getan!

     

    Kap. 44, V.5 והוא נחש ינחש בו er hat einem Ahnungsglauben…

    …Josef spricht als egyptischer Herr, als egyptischer Magnat, nicht als Sohn des Abrahamhauses. Je höher, je größer ein Mensch, ja wundergleicher sein Glück, um so mehr hängt er an ניחוש, um so abergläubischer wird er – man denke nur an Napoleon – er ist selbst von seinem Glücke überrascht. Der gewöhnliche Mensch hat noch manches beim Schicksal zu gute; allein wenn wir einmal soweit gekommen sind, daß wir uns sagen müssen, unserm ,צדקות unserm sittlichen Verdienste verdanken wir unser Glück nicht, dann schreiben wir es leicht übernatürlichen Umstände zu, und eben wegen der entsittlichenden Wirkung des ניחוש ist es verboten. Sobald wir aber glaube, wir könnten zu unserem Glücke noch etwas anderes tun, als brav sein, hätten uns noch vor etwas anderem als vor Schlechtigkeit zu fürchten, sofort sind wir in Gefahr, schlecht zu werden, unterlassen aus ניחוש entweder das Gute, oder tun etwas Schlechtes im Vertrauen auf ניחוש. Wir wägen dann unsere Handlungsweise gar nicht mehr auf der Wage des Gottesgesetzes, tun nicht mehr, was unsere Pflicht ist, weil wir glauben, etwas getan zu haben, wodurch wir ohnehin zum Ziel gelangen.

    18-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    Ist's eine alte Geschichte ?


    Mit dem Abend des 25. Kislew zündest du das Chanuckohlicht in deinem Hause an, und mit immer steigendem Lichtgruß tritt 8 Tage lang die Erinnerung einer alten Geschichte aus einer alten Zeit in deinen Kreis.

    „Immer wieder die alte Geschichte?“ Sterben denn die jüdischen Toten nie? Vergehet denn die jüdische Vergangenheit nimmer?“

    Nein, die jüdischen Toten sterben nicht. Wer fürs Judentum gestorben, noch mehr, wer fürs Judentum gelebt, der stirbt nimmer; ewig dankbar bewahrt sein Andenken das seinen vergangen Edlen dankbarste Geschlecht. Und die Vergangenheit, die Geschichte, die jüdische Vergangenheit, die jüdische Geschichte,– ewig frisch und ewig neu, tritt sie in ihren großen Zügen an jedes jüngere Geschlecht heran mahnend, tröstend und erhebend.

    Und nun gar diese Geschichte! O, daß sie alle alt wäre, mit ihrem Trüben und ihrem Herrlichen nun nach 2000 Jahre alt, so alt, daß uns das Trübe unbegreiflich und das Herrliche alltäglich erschiene!

    „Es hat sich aber Jeschua lieber Jason nennen lassen, wie sein jüngster Bruder – (beide waren sie nacheinander Hohepriester!) – für den Namen Chonjah lieber wollte Menelaos genannt werden. - - - Als nun Menelaos, samt des Tobias Söhnen solcher Gewalt (im Streit mit dem Bruder ums Hohepriesteramt) weichen mussten, sind sie zum König Antiochus getreten und haben sich erboten, ihre jüdischen Gesetze und Gewohnheiten allzumal abzuwerfen, und sich nach des Königs und der Griechen Satzungen und Gebräuchen zu halten und baten deswegen um Erlaubnis, in der Stadt Jerusalem ein griechisches Gymnasium aufzurichten. Und nachdem sie solches erlangt, haben sie sich Vorhäute gemacht, damit sie auch nackt den Griechen gleich und ähnlich schienen, und haben so alle Sitten ihrer Ahnen fahren lassen und sich fremder Völker Gewohnheiten beflissen. - - (Josephus. Altertum 12,3)

    Ist’s eine alte Geschichte?

    „In jenen Tagen traten aus Jissroél gesetzeswidrige Männer hervor und redeten dem Volke zu und sprachen: Lasset uns gehen und mit den Völkern um uns her einen Bund machen: denn seitdem wir uns von ihnen gesondert, haben uns viele Leiden getroffen. Diese Rede gefiel den Augen der Menge und einige aus dem Volke waren bereit und machten sich auf dem Weg zu dem Könige. Der König gab ihnen die Erlaubnis die Sitten der Heiden einzuführen. Da erbauten sie in Jerusalem ein Gymnasium nach griechischer Weise, und machten sich Vorhäute, und standen ab von dem heiligen Bunde und verbanden sich mit den Völkern und gaben sich ganz preis, das Böse zu üben.“ (1 Makkabäer Kap.1)

    Ist’s eine alte Geschichte?

    „- - - stand Jason, Onias Bruder nach dem Hohenpriesteramt, und ging zum Könige und versprach ihm 360 Talente Silbers und aus anderen Einkünften noch achtzig Talente. Überdies aber verhieß er ihm noch 150 Talente, wenn es seiner Machtvollkommenheit eingeräumt werden sollte, ein Gymnasium und eine Anstalt für die gymnastischen Übungen zu errichten, und Einwohnern von Jerusalem das Bürgerrecht von Antiochia zu verleihen. Da der König solches bewilligt und Jason die Macht erhalten hatte, fing er sogleich an, seine Landsleute zur Annahme der hellenischen Sitten zu verleiten, entfernte die von den alten Königen den Juden gestatteten löblichen Sitten, abrogierte die gesetzentsprechenden Weisen und  führte gesetzwidrige Bräuche ein. Ja, er wagte es gerade unter die Burg eines Hauses gymnastischer Spiele hinzubauen und die besten der Jünglinge zu den dortigen Übungen anzuhalten. Durch die alles überschreitende Frevelhaftigkeit des gottlosen und keineswegs hohenpriesterlichen Jason ward aber der Sporn zum Hellenismus und der Zugang fremder Sitten so stark, ass selbst die Priester nicht mehr um die Dienste des Altars sich kümmerten, sondern den Tempel verachteten, Opfer vernachlässigten, und hinliefen, um sich an den unerlaubten Aufführungen in der Palästra nach dem Aufruf der Wurfscheibe zu beteiligen. Die väterliche Ehre achteten sie geringe, hellenistischer Beifall dünkte ihnen das Höchste. Diejenigen aber, um derentwillen sie sich mit den schwierigsten Verhältnissen umgaben, deren Lebensart sie eifrig nachstrebten, und überhaupt, denen sie gleich werden wollten, die gerade waren ihre Feinde und die Rächer ihres Abfalls; denn gegen göttliche Gesetze zu freveln, ist nichts Geringes. Das aber offenbart erst die folgende Zeit.“ (2 Makkabäer Kap. 4)

    Ist’s eine alte Geschichte?

    Wenn dich der religiöse Verfall im jüdischen Kreise mit Schmerz und Trauer erfüllt, wenn du an unserer Zukunft verzweifeln möchtest, wenn du zagend ausrufst: War’s schon so arg in Jissroél?  dann schau auf diese Geschichte hin, siehe schon einmal vor zweitausend Jahren Hohepriester, Männer des jüdischen Heiligtums, Männer mit höchsten religiösen Amte betraut, selber die ersten Verräter an Gott und seinem heiligen Gesetze, die Gunst der Könige durch religiösen Verrat erbuhlen, Verführer des jüdischen Volkes und seiner Jugend, wetteifern mit den „Wohlhabenden und Gebildeten“ ihres Volkes in Verachtung göttlichen Gesetzes und jüdischer Sitte, in Verehrung und Pflege unjüdischer Weise und unjüdischer Bildung, – siehe schon einmal vor Jahrtausenden Bildungsschimmer und politischer Vorteil, „Bürgerrecht“ von Israels Verführern als Köder zum Abfall von Gott und seinem heiligen Worte missbraucht – und siehe wie dennoch die Zeit des Verrats und des Abfalls, überwunden worden, welche Jahrhunderte, Jahrtausende der Treue, der Hingebung, Aufopferung für Gott und Judentum ihr doch gefolgt – und  lerne: vertrauensvoll in die Zukunft blicken.

    Denn siehe, dieser Abfall, von welchem dir soeben jene Stimmen aus alter Zeit berichteten, war kein von außen provocierter Abfall, war keine Folge der antiochischen Wütens gegen das Judentum; dieser  Abfall der jüdischen Gotteslehrer und der höheren gesellschaftlichen Schichten in Judäa war ein freiwilliger, ging jenem Königswüten voran, ja, war ganz eigentlich Veranlassung, ja Urheber des spätren judentumfeindlichen Fanatismus. Selbst nicht im Wahnsinn wäre es dem Antiochus eingefallen, Judentum und Juden griechisch reformieren zu wollen, hätten ihm nicht Juden und Judentumspriester zuvor gezeigt, daß bereits das Judentum in ihren Herzen den Boden verloren, daß sie nur auf Königsbefehl harrten, um den Zeus auf des Ewigeinzigen Altar zu stellen – und daß somit gewiss das Volk, die niedere Schicht, leicht hinübergeködert – und hinübergemartert werden könne! So ist’s in den dunkelsten Jahrhunderten der Verfolgung keinem Machthaber eingefallen, Juden und Judentum reformieren zu wollen. Juden verfolgte man, aber an die Ewigkeit des Judentums glaubte man fest. Priester und Jünger des 19. Jahrhunderts mussten erst selbst den Fürsten und Völkern das Schauspiel abtrünniger Juden vor die Augen führen, ehe ein Staatsmann an Reformierung des Judentums durch Dekrete und Maßregeln denken konnte. Natürlich! Achte dich selbst, achte deine Vergangenheit, achte dein Heiligtum selber, und wie man auch über dich denke, ob man dir geneigt oder abgeneigt sei, Achtung wird man dir nicht versagen. Achtest du aber selber dich nicht, blickst du selbst mit Verachtung auf die Gräber deiner Väter, hältst du dein eigenes Heiligtum nicht in Achtung, kaum der Kenntnis mehr wert, wie willst du, daß der Fremde dich achte und deine Väter achte? – Vieles magst du in der Welt finden, um Achtung bettelst du dann vergebens.  

    Aber wie hatten „die Männer des Fortschritts“, die „Männer der Bildung“, „die Priester der Reform“, die politischen Religionshändler der antiochischen Zeit in Judäa sich verrechneti

    Hörst du nicht, was dein Makkabäerlicht dir erzählt?

    „Soweit hatten es die abgefallenen Söhne Judäas gebracht, ass zuletzt die Griechen selbst das Gottesheiligtum zum Zeustempel entehrten. Alle Öle der heiligen Gotteslampe hatten sie entweiht. Nur ein Krügchen fanden die siegenden Hasmonäer noch unentweihet; doch es reichte nur für einen Tag. Aber an diesem einen Krügchen zeigte sich die rettende Wundermacht Gottes. Acht Tage lang versorgte man damit die heilige Lampe, bis man neues reines bereiten könnte!“

    Laß sie immerhin fanatisch gegen Judentum wüten, mögen links Tausend und Myriaden rechts vom Judentum abfallen, so lange sie nicht den letzten Funken Judentum in der Brust des letzten Juden im letzten jüdischen Dorfe zertreten haben, so lange mögen wir, kurzsichtige Sterbliche zittern – [] – ein Reiner Funke, in einer jüdischen Brust treu bewahrt, genügt Gott, um daran den ganzen Geist des Judentums wieder zu entflammen. Und wenn alles Öl, alle Kräfte, die das Gotteslicht in Israel nähren sollten, dem Lichte des Heidentums verfallen wären, ein Krügchen Öl, eine unter hohepriesterlichem Siegel still und unentweihet in einem vergessenen Winkel treu gebliebene Brust genügt, um, wann Zeit und Stunde gekommen, das Heiligtum zu retten.

                „Und wenn schon alle Länder Antiochus gehorsam wären, und jedermann abfiele von seiner Väter Gesetz, und willigte in des Königs Gebot: so wollen doch ich und meine Söhne nicht vom Gesetz unserer Väter abfallen!“

    sprach die treue Hasmonäerbrust eines Heldengreises - - und Jissroéls Heiligtum war gerettet.

    Darum gehe hin und zünde dein Licht am Makkabäerfeste. Daß man es in deiner Synagoge, in deinem Tempel anzündet, das genügt nicht; נר איש וביתו ist die Chanuckopflicht, „zu Hause du und dein Haus ein Licht!“ Was kann es nützen, wenn wir in den Tempeln Hallelujah singen, wenn wir in den Tempeln in vorüberrauschender Andacht uns Juden nennen, wenn unsere Häuser unjüdische sind, und wir zu Hause nicht des Lichts des jüdischen Geistes warten. Nicht aus den Tempeln kam unser Heil und nicht aus den Tempeln kommt unser Heil; aus den Häusern kommt die Rettung. Wie deine Prediger predigen, wie deine Sänger singen, das macht’s nicht aus, – מפי עוללים ויונקים wie deine Kinder und Säuglinge lallen, ob jüdischer Geist ihnen leuchtet, ob jüdisches Mark sie kräftiget, ob jüdisches Leben sie erziehet, siehe, darin liegt der Sieg und das Heil.

    Das Tempellicht? Die eigenen jüdischen Hohenpriester hatten es verraten. Das Licht in Mathathias Dorfsstube ward die Rettung.  

    Zu Hause zünde darum dein Licht an.

    Und da achte dein Haus nicht geringe. Und wärest du selbst der einzige, der noch den alten Makkabäergeist in seinem Hause bewahrte, ein einzelner Jude, ein jüdisches Haus ist zuletzt selbst genug, um darauf das ganze jüdische Heiligtum wieder zu erbauen. Ja, je weniger Genossen du hättest, je mehr rings um dich der Hasmonäergeist wiche, um so treuer warte du sein, um so ernster bereite du ihm eine Zufluchtstätte in deinem Hause.

    Aber vergiss es nicht: איש וביתו, „du und dein Haus“, lautete die Forderung. Willst Du fürs Judentum gelebt haben, darf es dir nicht genügen, dich mit jüdischem Geist zu durchdringen; nur wenn du den jüdischen Geist in deinem Hause vererbt, hast du fürs Judentum gelebt, – und wenn du wie die מהדרין  deine Aufgabe recht verstehest, wird es dir nicht genügen, nur im allgemeinen das Licht des Judentums in deinem Hause leuchten zu lassen, נר לכל אחד ואחד wirst du anzünden, wirst auf jedes Kind, jedes einzelne Glied deines Hauses deine volle Aufmerksamkeit richten, es fürs Judentum zu gewinnen und das jüdische Licht in ihm fortleuchten zu lassen. Mathathiahu konnte ruhig sterben, er wusste, wer von seinen Kindern ihn auch überleben werde, Jochanan oder Simeon, Jehuda, Eleasar oder Jonathan, in jedem war die Flamme des jüdischen Gotteslichtes lebendig.

    Und still wirst du nimmer stehen in diesem heiligen Streben, wirst dich nie begnügen mit dem, was du bereits gestern getan, immer vorwärts wirst du streben, immer heller soll’s in deinem Hause werden, und wenn du gestern ein Licht angezündet, zündest du heute zwei dir an ; denn  du weißt es ja: מעלין בקדש ולא מורידין, dem Fortschritt, nicht den Rückschritt gilt’s im heiligen Streben, und wenn irgendwo, so heißt es hier: wer nicht fortschreitet, geht zurück!

    Und was du still im eigenen Hause wirkest und schaffest, das wird hinausleuchten über die Grenze deines Hauses, und das freundlich heitere Gotteslicht deines Hauses wird auch den Nachbar wecken zu gleicher lichterfüllten, jüdischen Häuslichkeit. Wirst dich nicht schämen Jude zu sein, wirst stolz darauf sein, daß man in dir, und deinem Hause den Juden erkenne, נר חנוכה מצוה להניחו על פתח ביתו מבחוץ, wirst dich nicht scheuen, dein jüdisches Licht über die Gasse leuchten zu lassen, und nur בשעת סכנה, in der Ungunst der Zeiten מניחו על שולחנו ודיו, dich damit begnügen, wenigstens dein Haus fürs Judentum zu erhalten, und den Tisch deines häuslichen Lebens zu einem Altare des Gottesheiligtums zu weihen.

    So zünde denn Licht an in deinem Hause, und es sei dein und der Deinigen Weg der Weg der Gerechten, wie strahlendes Licht, immer heller, immer lichter כאור נגה הולך ואור עד נכון היום bis zum vollen ewigen Tage.

    Aus Gesammelte Schriften Erster Band S. 19-24 Frankfurt am Main Verlag von J. KAUFFMANN 1908 

    18-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    16-12-2020
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    Rabbiner Dr. Salomon BREUER

                      (1850-1926)

     

    מקץ

     

    Belehrung und Mahnung  zur Wochenabschnitt Mikéz (Auszüge)

     

    …Der 25.Kislew brachte uns wieder das Chanuckofest, dem wir mit jeder anbrechenden Nacht die Lichter in unseren Häusern entzünden. Mit diesen Lichter wecken wir die Erinnerung an Siege מסרת גבורים ביד חלשים ורבים ביד מעטים, die die Wenigen und Schwachen über die Vielen und Starken davongetragen. Wie damals, so soll für alle Zukunft das Prophetenwort uns eine Wahrheit bleiben: לא בחיל ולא בכח כי אם ברוחי „Nicht durch Massen, nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist!“. Der Wahrheit dieses Prophetenwortes und seiner ewigen Geltung sollen wir uns im Scheine unserer Chanuckolichter stets aufs neue bewusst werden. Von ihr hat sich unser jüdisches Bewusstsein seine nimmer schwindende Stärke zu holen...

    …Mehr denn je möge ein jeder, der sich zu den Mitgliedern unserer קהלה zählt, sich bewußt werden, was er seine קהלה und der Wahrheit unserer תורה schuldig ist. Judentum hat zu allen Zeiten den Abfall einzelner Glieder, ja selbst ihre völlige Entfremdung erleben müssen. Dieser Abfall stand zumeist im Zeichen des ויתערבו בגוים וילמדו מעשיהם: an den Verlockungen fremder Kulturen zerbrach ihre jüdische Kraft. Daß aber innerhalb des Judentums sich Kreise zu einer systematischen Leugnung alles Heiligen und Göttlichen zusammengefunden und den Mut aufgebracht hätten, auf eigene Faust eine neue jüdische Religion sich zurechtzukonstruieren – eine solche frivole Verlästerung alles Göttlichen und Jüdischen hatte das Judentum bis zum heutigen Tage nicht zu verzeichnen. Dieses erschütternde Erlebnis blieb unserer Gegenwart vorbehalten[i] Muß uns nicht dieser beispiellose Abfall erst recht zu erhöhten Treue, zur gesteigerten Hingabe an unseren אמת entflammen?

    Wollen wir, meine Brüder und Schwester, nicht endlich einsehen, daß  es denn doch nicht möglich ist, mit vollendeten רשעים in religiöser Beziehung ein wie immer geartetes Bündnis zu schließen? Denken wir an die Prophetenmahnung (Jes. 57,21): אין שלום אמר אלקי לרשעים Mit den Gesetzlosen gibt es keinen Frieden, der Friede kann nur auf dem Boden des אמת erblühen! מכאן שהקב"ה אוהב את הרשעים, fügen die Weisen bedeutungsvoll hinzu: Gott kündigt den Gesetzlosen den Frieden; daraus folgt, daß Gottes Allgüte selbst den Gesetzlosen Liebe bewahrt, sie nicht für immer zu verlieren, sie vielmehr zurückgewinnen will. Weder durch einen jeder jüdischen Wahrheit Hohn sprechenden Friedensschluß, noch durch wie immer geartete Kompromisse werden wir unsere רשעים der göttlichen Wahrheit zurückgewinnen. Im Gegenteil! Sie werden, indem wir freiwillig zu Mitgliedern ihrer religiösen Gemeinschaft, zu freiwilligen Mitgliedern der „Richtliniengemeinde“ uns bekennen und damit, ob wir wollen oder nicht, ihre religiöse Gemeinschaft anerkennen, hierdurch nur zum Verharren in ihrer Untreue, in ihrem Abfall von Gott und seiner תורה bestärkt! Wenn etwas sie zur Selbstbesinnung, zur Rückkehr zum heiligen Vätererbe einmal bestimmen kann, so kann dies nur durch völlige Lossagung und Trennung in religiöser Beziehung geschehen!

    אין שלום אמר אלקי לרשעים Wahrlich, wahrlich, und jeder Wahrheitsliebende wird es uns zugestehen müssen, nie und nimmer wäre es zu einem solch beispiellosen חלול השם gekommen, wenn die Stifter dieser neuen Religion sich nicht durch das traurige Bündnis mit Gesetzestreuen die Berechtigung hätten holen dürfen, von einer sog. Einheit des Judentums zu reden, und, durch Gesetzestreue bestärkt und gedeckt, sich nach wie vor mit dem Judentum verbunden gefühlt hätten.

    Geben wir darum, meine Brüdern und Schwestern dem אמת und nur dem אמת die Ehre, gehen wir, da diese unerhörte כפירה von unserer Stadt ausgegangen, beispielgehend voran und bekennen wir uns ausschließlich, ja ausschließlich, in unerschütterlicher Treue unserer קהלה, der Trägerin des unverfälschten אמת! Wenn nicht unsere Kinder, so gewiß unsere Kindeskinder, sie werden es einst nicht begreifen können, daß wir angesichts einer solchen כפירה בה' ובתורתו auch nur einen Augenblick gezögert haben, mit unserem Propheten zu sprechen אין שלום אמר אלקי לרשעים und danach zu handeln!

    Das Chanuckofest wird wohl auch von den Verfassern der „Richtlinien“ gefeiert werden; sind es doch jüdische Siege, die da errungen wurden, auf die stolz zu sein, auch sie ein Anrecht zu haben wähnen. Wir aber wollen beim Scheine der Chanuckolichter uns bewusst werden, wofür unsere Väter geblutet, wofür sie den letzten Atemzug ihres Lebens heldenhaft eingesetzt haben: der Verwirklichung der göttlichen Wahrheit, dem אמת gelte auch unser Leben. Gehen wir unseren Kindern mit unserem Leben beispielgebend voran, daß auch sie sich für ein solches Leben im Dienste des אמת begeistern.

    Lasst uns kämpfen für Gott und seine תורה. In demselben Maße wie wir für Gott kämpfen, kämpft Gott auch für uns: wie Er unseren Vätern beigestanden, wird Gott auch uns in unserer schweren Zeit seinen mächtigen Beistand nicht versagen: כאשר עשה לאבותינו כן יעשה לנו נסים ונפלאות

     

     

    Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER  Belehrung und Mahnung erster Teil Genesis  J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1936 S. 86 - 92



    [i]  Gemeint sind die „Richtlinien”.

    16-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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