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Rabbiner Samson Raphael HIRSCH
(1808-1888)

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(1850 - 1926)
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Rabbiner Dr. Raphael BREUER
(1881-1932)
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Reb Julius HIRSCH
(1842-1909)
Jubelsinget, Gerechte, in Gottesanschauung, den Geraden geziemt Thatenoffenbarungslied (Psalm 33)

ברוך הבא!    السلام عليكم!

 

Welkom op de blog van de studievereniging JESJOEROEN, Thora tegen nationaal-jodendom (sionisme)


Thoratrouwe antizionistische inzet en anti-imperialistische solidariteit. U vindt hier Rabbijnse teksten (vooral Samson Raphael HIRSCH strekking), nieuws en achtergrondinfo.

 

Bienvenue sur le blog de l'association d’études rabbiniques YECHOUROUN, Thora contre national-judaïsme (sionisme).

 

Nous proposons des textes rabbiniques, (surtout de l’école de Samson Raphael HIRSCH) ainsi que des infos et documentations, le tout avec engagement antisioniste et solidarité anti-impérialiste, inspirés par la fidélité à la Thora. Visitez notre blog similaire en langue française: www.bloggen.be/yechouroun .  

 

Willkommen im Blog des Studienverbandes JESCHURUN, Tauro gegen Nationaljudentum (Zionismus).

Wir bieten Rabbinische Texten (hauptsächlich von der Samson Raphael HIRSCH Tendenz – meistens in deutsche Originalfassung), sowie Nachrichten und Hintergrundinformationen, im ganzen mit Thoratreues antizionistisches Engagement und anti-imperialistische Solidarität.

 

Welcome to the blog of the Study Association YESHURUN, Thora against Nationaljudaism (Zionism).

We propose Rabbinical texts (mostly from the S R HIRSCH tendency), news and information, the whole inspired by Thora-true anti-Zionist Commitment and anti-imperialist Solidarity.

Inhoud blog
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  • Rabbiner Dr. Raphael BREUER: Die Autorität der Rabbinen
  • Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER: „Ein judisch-geschichtlicher Wegweiser”(8)
  • Psalm 109,28 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Bolok
  • Rabbiner Samson Raphael HIRSCH Komm. Wochenabschnitt CHUKASS
  • Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro Chukass
  • Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Chukass
  • „Misrachistische Begriffsverwirrung“ Jüdische Monatshefte 1918 Heft 3 u. 4
  • Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER: „Ein judisch-geschichtlicher Wegweiser”(7)
  • Psalm 106,32 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Chukass
  • Rabbiner Dr. Raphael BREUER 'S.R. HIRSCH und der Chassam Sofer'
  • Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Wochenabschnitt Kaurach
  • Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Kaurach
  • Rabbiner Samson Raphael HIRSCH: Kommentar Segenspruch „…der dem Hahne Verstand gegeben zu unterscheiden....“
  • Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER: „Ein judisch-geschichtlicher Wegweiser”(6)
  • Sprüche 24,21 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Kaurach
  • Rabbiner Samson Raphael HIRSCH Komm. Wochenabschnitt SCHELACH LECHO
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  • Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Schelach Lecho
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    Tauro gegen Nationaljudentum (Zionismus)
    21-12-2020
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    Schriften zur Aufklärung über den Zionismus 

    N° 2 „Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen“

    Herausgegeben vom Antizionistischen Komitee Berlin 1913

    ….

    III.    DIE AUSSICHTEN DES ZIONISMUS

     

    In der Weltgeschichte wie in der des Judentums haben häufig Bewegungen in ihren ersten Anfängen ganz andere Wirkungen hervorgerufen als später, da ihr wahres Wesen erkannt worden war. So manche messianische Erhebung, die schließlich logisch zum Christentum führte oder das religiöse Empfinden durch Mystik und Aberglauben vergiftete, begann damit, daß sie anscheinend einen frischen Zug in das religiöse Leben ihrer Anhänger brachte. Und wenn das beim Zionismus sicherlich und zuweilen der Fall war und ist, so soll es weder abgeleugnet  noch überschätzt werden, denn auch diese Tatsache kann über seinem wahren Charakter und sein Endziel nicht hinwegtäuschen.

    Theoretisch können wir keine Interesse an eine Partei haben, die im Widerspruche zu unserer jüdischen Religion steht und damit unser kostbarstes Gut zerstört. Und trotz mancher entschieden vorhanden Anregungen, die der Zionismus die jüdische Religion gebracht hat, ist er auch von diesen praktischen Gesichtspunkten aus bekämpfenswert, weil er auf den jüdischen Körper dem aufreizenden Gift gleich wirkt, das zwar die Nerven aufpeitscht und den Schein frisches Leben erweckt, dem aber die völlige Erschlaffung, ja der Tot mit absoluter Sicherheit folgt. Wen aber selbst diese Erwägung nicht davon bringen kann der Bewegung durch wohlwollende Neutralität und finanzielle Unterstützung die Wege zu ebnen, den möge ein Blick zunächst auf die Aussichten und dann auf  die sichtbare Wirkungen des Zionismus nachdenklich werden.

    Man hat sich daran gewöhnt, seine praktischen Aussichten mit dem Wort Utopie abzutun. Freilich bedarf  ein so wegwerfendes Urteil , selbst wenn es von dem größten Teil der deutschen Judenheit ausgesprochen wird, einer ernsten Begründung. Es läßt sich aber sehr leicht nachweisen, daß  die Endaussichten der Bewegung deshalb sehr trübe sein müssen, weil die ganze Wirkung der Arbeit verfehlt ist. Das gilt negativ und positiv. Negativ, indem den eigentlichen Tätigkeitsgebiete viel zu wenig Aufmerksamkeit zugewendet und viel zu viel Kraft entzogen wird , positiv, indem die Bemühungen sich auf ein aussichtsloses Beginnen konzentrieren und Kraft und Gut  nutzlos vergeuden, ohne daß auch nur die Aussicht auf die Gegenwert ergibt.

    Das nichtzionistisches Hilfswerk in Westeuropa hatte das Problem der wirtschaftlichen Judennot richtig erfaßt. In den Hauptländern Rußland, Galizien und Rumänien sitzt eine Masse von fast sieben Millionen Juden, und die Judenfrage wurde schon frühzeitig dahin präzisiert, daß durch die politische, wirtschaftliche und Bildungsarbeit daß Problem im Niederlassungslande seiner Lösung näher geführt werden müsse, daß aber Auswanderung nur ein Notbehelf der Zeit sein könnte. 

    Allein in der Auswanderung  desjenigen Teiles des Judentums, der sich nicht assimilieren will und kann– und das ist nach seiner Auffassung der allergrößte – nach eine rechtlich gesicherten Heimatstätte sieht der Zionismus die Erlösung aus der Judennot. Logisch ist es unmöglich, einem so großen Volke durch dieses Mittel eine nur teilweise Befreiung aus der Schwierigkeit zu schaffen, denn Volksmassen sind keine Schachfiguren. Historisch ist auch kein Beispiel vorhanden, daß auf diesem Wege größere Massen als die französischen und österreichische Protestanten es waren, sich Rat geschafft hätten, denn die Zeit der Völkerwanderung ist aus mannigfachen Gründe kein Vergleichsobjekt. Man mag zwar einwenden, daß das zionistische Projekt den Vorzug der Großzügigkeit genießt. Aber diese Eigenschaft besitzt eine jede Wahnidee, ja, die zur Unvernunft gesteigerte Großzügigkeit ist ein charakteristisches Kennzeichen für Pläne die sich vom Boden der Wirklichkeit und des Verständigen entfernen.

    An dem Hilfswerk, an der Arbeit, die wir Nichtzionisten zur Besserung der wirtschaftlichen Lage unserer Glaubensgenossen im „Niederlassungslande“ leisten, beteiligt sich der Zionismus kaum, weil er weiß daß jeder erfolgreiche Schritt auf dem Wege zur Lösung der Judenfrage  ihm etwas von seiner Bedeutung  und Agitationsfähigkeit raubt. Nur aus der schrillen Dissonanz des Elends schöpft er seine Kraft, und es ist Selbsterhaltungstrieb wenn er offen dokumentiert, daß er an einer Besserung der jüdischen Lage in den „Niederlassungsländern“  keine Interesse zeigt.

    Vier Aufgaben ergeben sich für die Arbeit im Osten, es muß versucht werden, die Juden geistig zu heben, um ihre Kräfte für wirtschaftlich lohnendere Gebiet zu machen. Den so vorbereiteten Massen müssen Erwerbsmöglichkeiten neuer Art erschlossen werden, was teilweise eng mit der dritten Aufgabe, der Erringung politischer Freiheit, zusammenhängt. Hand in Hand mit dieser positiven Arbeit geht natürlich die Hilfe für den Augenblick, die Wohltätigkeitsaktionen, die auch dem Jude von heute, der die Freiheit der Zukunft nicht erleben wird, ein etwas menschwürdiges Los bereiten wollen. Der Zionismus beteiligt sich nur zögernd und schwach an diesen ernsten wichtigen Arbeit! Er lebt nur in die Zukunft, sieht mit einer gewissen mitleidigen Verachtung auf alles herab, was die Westjuden an emsiger Arbeit für die Judenheit geleistet haben, und es ist natürlich viel, viel leichter  über „Rachmonusjudentum“ seicht zu witzeln als durch Arbeit und Geld zu helfen. Die geistige, wirtschaftliche und politische Hebung im Niederlassungslande ist für den Zionismus überflüssig und bloße Kraftvergeudung, und er, der bombastisch vorgibt, die Erlösung für die ganze Judenheit, für das ganze jüdische „Volk“ zu bringen, kümmert sich um die realen Existenzmöglichkeiten dieses Volkes nicht, sondern wendet seine konzentrierte Fürsorge den wenigen, ach so wenige zu, die sich von dem Schicksal ihrer Brüder trennen und sich in Palästina eine neue Heimat schaffen können. Wer aber dasselbe zu Hause oder sonstwo auf dem weiten Erdenrunde zu erreichen versucht, ist in den Augen der Zionisten ein materiell denkender „Verräter“ an die Sache des „jüdischen Volkes“. Der Zionismus hat große Geldmittel aufgehäuft. Mehr als sieben Millionen Mark nennt er sein eigen, sieben Millionen, die zum Teile aus den Pfennige der Armen und der Ärmsten im Osten gesammelt sind. Aber selbst in den Zeiten der entsetzlichsten Verfolgungen hat sich der Zionismus nicht veranlaßt gesehen, seinen Nationalfonds denen und dem zuzuwenden, wofür es notwendig war, und das Motiv: „Laß sie betteln geh‘n wenn sie hungrig sind“ , erscheint nicht mehr als eine Verirrung, weltfremder, idealistischer Zukunftsschwärmer, sondern als eine raffinierte, ausgeklügelte Grausamkeit.

     

    (wird fortgesetzt)

     

    Erscheint in Jeschurun Judentum gegen Zionismus in Folgen, als Teil unseres Studienprogramms  Jahrgang 5770/5771

     

    Mit Dank an Frau Manja BURGERS, Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    http://www.spinozabooks.com

    21-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    20-12-2020
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    ויגש

     

    אם רעב שנאך האכילהו לחם, ואם צמא השקהו מים:

     

    Hungert dein Hasser gib ihm zu essen, durstet er, gibt ihn zu trinken.

    (Sprüche Salomos 25,21 – Übersetzung Rabbiner Dr. Willy WOLF Kôln am Rhein)

     

    1.

    Reich’ dem Feinde mild die Speise,

    Wenn er hungert in der Not;

    Reiche ihm in milder Weise

    Seine Nahrung, Trank und Brot.

     

    2.

     

    Sieh! Der Fromme fühlet Freuden,

    Wenn er schnell die Hilfe reicht;

    Ob’s auch waren Feindes Leiden,

    Hat doch Elend er verscheucht;

    Aus: Erbauungsbuch „Bibel- und Talmudschatz“ J.H. Kohn S. 136  13.Auflage Hamburg 5691 – 1931

     

    Die beste Anschrift für antiquarische Judaica:

    Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    Inhaberin: Frau Manja BURGERS

    http://www.spinozabooks.com

    20-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    18-12-2020
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    Rabbiner Samson Raphael HIRSCH

                              (1808-1888)

     

    מקץ

     

    Aus seinem Kommentar zur Wochenabschnitt Mikétz

     

    Kap. 41 V.33 Und nun ersehe sich Pharao einen einsichtigen und weisen Mann und setze ihn über das Land Mizrajim.

     

    Kap. 41 V. 33 Während sonst in der Regel  der חכמה der  בינה vorangeht, steht hier bedeutsam   נבון וחכם. חכם  verwandt mit אגם: Aufnahme des Vorhandenen. Wer die Dinge nach ihrem Wesen und ihre Bestimmung kennt, ist ein חכם. Beides ist etwas Gegebenes, es hat der Mensch es nicht erst zu schaffen. Der ist aber der wahrste חכם, der die Erkenntnis des Wesens und der Bestimmung der Dinge von dem entnimmt, der den Dingen ihr Wesen und ihr Bestimmung gegeben hat. Deshalb ist חכמת התורה die höchste. – ,בין, בינה Einsicht, richtiger: Zwischensicht. – Einsicht, die Fähigkeit in das Wesen der Dinge an sich einzudringen, hat kein Sterblicher; – aber Zwischensicht, d.h. das aus dem Verhalten mindestens zweier gegebener Momente Resultierende zu erkennen, das folgende Urteil, das ist die zu der Erkenntnis des Gegebenen hinzukommende eigentliche Operation des menschlichen Geistes. Eigentümlich ist es nun, da gerade diejenige geistige Tätigkeit, die uns mehr passiv erscheint,חכמה , die Rezeptivität, aktiv ausgedrückt wird, ,חכם , חכמתי im Kal; und umgekehrt, diejenige Geistesoperation, in welcher wir am meisten selbsttätig erscheinen, die folgernde, produktive Tätigkeit, immer passiv ausgedrückt wird:נבונתי , נבון . Es dürften hier zwei wichtige Erinnerungen gegeben sein: Zur Aufnahme dessen, was in Natur und göttlicher Offenbarung über Wesen und Bestimmung der Dinge gegeben ist, gehört die volle Energie des Geistes, eine völlige Konzentrierung der Geisteskräfte, damit die ganze und die wahre Wirklichkeit erfasst werde. Energielos meint man gesehen, gehört, verstanden zu haben, und hat nur falsch gesehen, halb gehört, oberflächlich verstanden, und das Erfasste entfällt bald wieder. Umgekehrt hat der gewöhnliche Mensch mehr Freude an תבונה, an der folgernden, schließenden Tätigkeit, er sieht sich darin mehr produktiv, mehr sein Werk, und ist daher sehr zu warnen, nicht zu rasch, zu aktiv zu dieser Tätigkeit zu schreiten, sich beim Schließen mehr passiv zu erhalten, die beide Prämissen in sich so lange und so intensiv abzuspiegeln zu lassen, bis sich das Produkt, der Schluß, von selbst ergibt,  ehe man מבין wird, lange נבון zu bleiben; sonst ist der Schluss scharfsinnig, aber die Prämissen sind unwahr. Keiner mehr als der Scharfsinnige läuft Gefahr, falsche Urteile zu bilden. Daher auch die tiefen Sätze der Weisen: אם אין בינה אין דעת, אם אין דעת אין בינה.. Ohne theoretisches Wissen (בינה) bleibt das empirische (דעת) mangelhaft, denn eben die theoretische Wissenschaft muss vielfach das Empirische kontrollieren und berechtigen und Schein von Wirklichkeit unterscheiden lehren. Noch mehr aber bedarf das theoretische Wissen der Empirie. Denn ohne vollständige empirische Unterlage baut alle Theorie in die Luft. Es ist daher klar, warum gewöhnlich חכמה der תבונה vorangeht. Hier aber waren die gegebenen Verhältnisse völlig klar. Allein galt es zu ermitteln, was unter den gegebenen Umständen nun vorsorglich zu tun. Dazu war zuerst der נבון notwendig. Das aber durch בינה Ermittelte musste dann mit חכמה, d.h. mit gerechter Würdigung aller wirklichen Verhältnisse ausgeführt werden. Für die praktische Ausführung ist der חכם wichtiger als der נבון. Der Scharfsinnige nimmt leicht die Dinge anders als sie sind, und geht irre. Also: einen einsichtigen und weisen Mann suche sich Pharao und setze ihn über das Land, וישיתהו. שות ist mehr als הפקיד. In הפקיד erscheint der Eingesetzte mehr abhängig und untergeordnet, in שות mehr als Selbständiger. Die Zeiten werden so schwer, sich selbst überlassen wird das Land in den Jahren der Fülle gegebenen Mittel der Abhülfe unbenutzt lassen. Deshalb ist es notwendig, dem Lande einen „Vormund“, einen agrarischen Diktator zu geben, damit der Verbrauch in diesen Jahren nicht unbeschränkt bleibe.

     

    V.43 ließ ihn in den Wagen des Zweiten nach ihm ausfahren und sie riefen vor ihm her: Ich befehle, daß man kniee! Und damit setzte er ihn über das ganze Land Mizrajim.

     

    V.43 … Durch den Ring hatte er ich zu seinem „משנה“, seiner „Wiederholung“ seinem „alter ego“ gemacht, ließ ihn in dem diesen alter ego bestimmten Wagen ausfahren, und man rief vor ihm: אברך! Wörtlich: ich befehle daß man kniee! Vor der egyptischen Majestät rief man nicht ברכו! Knieet sondern: אברך: Ich – d.h. unter dem Volke erscheinende Majestät – befehle, daß ihr knieet. Dem wahren Fürsten ist nur die freiwillige Ehrerbietigung eine solche. Dem sultanischen ist die freiwillige Ehrerbietigung zu plebejisch gleichstellend und erniedrigend. Da wird zu huldigenden Ehrenbezeugungen, zum Gruß befohlen. Diese in Josefs Namen ausgerufene אברך, daß er befehlt, daß man vor ihm auf die Knie falle, das stellte ihn vollends als den zweiten Pharao dar.

     

    V.51 Josef nannte seinen Erstgeborenen Menascheh: denn es hat Gott mir mein ganzes Unglück und mein ganzes väterliches Haus zu Gläubigern gemacht.

     

    V.51 נשני übersetzt man gewöhnlich: Gott hat mich vergessen lassen all mein Unglück und mein ganzes väterliches Haus! Wem kehrt sich dabei das Herz nicht um? Josef nennt seinen Erstgeborenen danach, daß ihn Gott seinen alten Vater und seine ganze väterliche Familie habe vergessen lassen! Dadurch würde allerdings der Umstand, daß Josef sich so lange um seinen Vater nicht gekümmert auf die fasslichste Weise gelöst. Josef wäre einfach ein herzloser Mensch gewesen. Glücklicherweise ist „vergessen“ nicht die einzige Bedeutung von נשה,נשה  heißt auch „Gläubiger sein“ (siehe Kap. 32,33), und נשני kann ebenso heißen: Gott hat mir mein Unglück und meine Familie zu Gläubigern gemacht. Was mir bis jetzt als Unglück und Misshandlung erschienen, das hat Gott Werkzeug meines höchsten Glückes werden lassen, so daß ich meinem Glück und meiner Familie aufs tiefste verschuldet bin. Die Form נשני statt נשני ist nach beiden Auffassungen gleich schwierig und würde sich nur durch eine Wurzel נשש erklären lassen, die sonst nicht weiter vorkommt. – Beiläufig wird der Ausdruck עמל zu der Äußerung missbraucht: der Jude ist faul, Arbeit bedeutet ihm Unglück. Dem gegenüber denkt sich der Jude selbst sein Paradies nicht als ein dolce far niente, der jüdische Mensch ist selbst im Paradiese „zur Arbeit“ da, לעבדה ולשמרה! עמל ist aber nicht eine jede Arbeit, sondern nur eine mühevolle Arbeit ohne entsprechendes Resultat. Wenn uns „arbeitsamen“ Deutschen eine solche Arbeit eine Seligkeit wäre, was für eine Seligkeit müsste dann nicht „Mühseligkeit“ sein! Das עמל des einen erzeugt im mitfühlenden Nebenmenschen חמל. Es kommt auch als Unglück vor, das man andern bereiten will, und heißt dann in solcher Beziehung auch: Unrecht, allein in seiner ersten Bedeutung liegt das nicht.

     

    Kap.43 V.11 Da sprach Jissroél, ihr Vater, zu ihnen: Wenn dem so ist, was bleibt übrig! Thuet dies, nehmet von dem, dessen das Land sich rühmt, in euren Geräten und bringet dem Manne ein Geschenk: ein wenig Balsam, ein wenig Honig, Gewürze und Lotus, Pistacien und Mandeln.

     

    Kap.43 V.11 … Mit ungemeiner Feinheit hebt Jakob wiederholt das מעט hervor. Bei einem so großen Herrn wäre es eine Beleidigung, viel zu schenken, es soll ja nur Ausdruck einer Huldigung sein.

     

    V.14 Und Gott, der Allgenügende, gebe euch Erbarmen vor dem Manne, daß er euren anderen Bruder und Binjamin wieder fortlasse! Und ich – wenn ich denn der Kinder beraubt bin, so bin ich der Kinder beraubt.

     

    V.14 לפני האיש. Gehet nur hin, im Vertrauen auf den Allgenügenden, allem, und auch meinen Leiden zur rechten Zeit das Ziel setzenden Gott; in dem Momente der Gefahr, in dem Augenblicke, wo ihr euch לפני האיש befinden werdet, wird Gott euch Erbarmen zuwenden. – רחמים bezeichnet jene Zuneigung Gottes zu seinen Geschöpfen, die die allgemeinste und verlierbarste, und die ebenso den Grundzug im Verhältnisse der Geschöpfe zu einander bilden soll. Es ist die Verwandtenliebe, die Liebe zu einander um des gemeinsamen רחם willen, aus dem sie stammen. Man ist geneigt רחמים mit dem populären רחמנות zu verwechseln und doch ist Mitleid noch tief unter dem, was das wahre רחמים bedeutet. Was ist seltener, was adelt den Menschen mehr, Mitleid oder Mitfreude? Sehr wenige Menschen gibt es, die nicht mit dem Schmerzen des andern Mitleid empfinden. Allein bei weitem nicht alle, die heute einen Armen bemitleiden, werden sich in gleichem Maße mit ihm freuen, wenn er über Nacht das große Los gewinnt und morgen in einer Karosse mit den Seinen an ihn vorüberfährt. רחמים, das Gefühl, das wir ererbt haben sollen, bedeutet mehr als Mitleid. Es stammt von רחם, mit welchem die tiefste, aufopferungsreichste Energie eines Wesens für die Entstehung eines anderen Wesens, die Hingebung alles Blutes und aller Kraft, um ein anderes Wesen entstehen und sich vollenden zu sehen, bezeichnet wird; רחם ist der Herd der tiefsten Hingebung. Und auch nachher, wenn das Wesen da ist, entstammt dem רחם nicht bloß Mitleid mit dem Weinenden, sondern noch innigere Mitfreude mit dem Lächelnden. Ein Lächeln des Kindes auf dem Schosse entschädigt für jahrelangen Kummer und schlaflose Nächte. Von diesem רחם ist רחמים gebildet und leidet somit nicht nur mit dem andern, sondern ruht nicht, bis es ihn glücklich sieht. – …

     

    V.30 Es eilte aber Josef, – denn seine Gefühle waren zu seinem Bruder hin rege geworden, und er wollte weinen, – und er ging hinein in das Gemach und weinte dort.

     

    V.30 …Wahrscheinlich heißen davon die heidnische Pfaffen כמרים, im Gegensatz zu כהנים. Der jüdische כהן spekuliert nicht auf Andacht, Gefühle. Der jüdische Gottesdienst ist nicht darauf berechnet, dunkle Gefühle rege zu machen. Das jüdische Heiligtum wendet sich zuerst an den Verstand: התפלל, sein Urteil berichtigen, sich klar machen über alle seine Beziehungen und Obliegenheiten.

    Gefühle sind ungemein billig. „Hat andächtig vor Gott geweint“ und steht auf – und ist um kein Haar besser als er gewesen! Darauf spekuliert der כמר, der heidnische Pfaffe. Der כהן aber soll selbst כן und andere מכין sein, feste Grundlage und Richtung geben. Im Heidentum wirkt man auf Empfindungen, um durch sie den Verstand zu fesseln. Empfindungen aber sind ein Uhrwerk ohne Weiser, eine „Unruhe“ die an sich nicht weiß woher, wohin, die man dann beliebig benutzen kann. Man macht die Hölle heiß oder fanatisiert das Gemüt; feiert seinen Triumph, wenn נכמרו מעין, die inneren Eingeweide der Gläubigen recht in Gährung kommen. – …

     

    V. 34 Er ließ von nun sich aus Teile ihnen zutragen, da war Binjamins Teil fünfmal größer als ihrer aller Teile; sie tranken und berauschten sich bei ihm.

     

    V. 34 חמש ידות. In dieser egyptischen Geschichte finden wir auffallend die Fünfzahl, wo wir immer im jüdischen Kreise die Siebenzahl erwarten; hier, bei der Vorstellung der Brüder, bei den Angaben. Es kann das tief in der verschiedenen Weltanschauung liegen. Fünf ist wohl aus zehn entstanden; zehn ist nach menschlicher Anschauung ein Ganzes. Nach heidnischer Anschauung ist die Welt uranfänglich ein Ganzes, Fertiges: Zehn. Nach jüdischer Anschauung ist sie noch nicht fertig, ist erst sieben, auf dem Wege zu zehn. Gott schafft sie noch immer fort wenn nicht physisch, so doch sozial. Die die Weltanschauung besingende Harfe, lehren die Weisen, hatte zuerst nur sieben Saiten, durch David war die Harmonie achtsaitig, und erst zuמשיח ’s Zeit wird sie mit zehn Saiten vollbesaitet werden. – …

     

     

    Kap. 44 V.5 Ist‘s nicht gerade der, aus welchem mein Herr zu trinken pflegt, und er, er hat einen Ahnungsglauben an ihn! Ihr habt schlecht gehandelt in dem, was ihr getan!

     

    Kap. 44, V.5 והוא נחש ינחש בו er hat einem Ahnungsglauben…

    …Josef spricht als egyptischer Herr, als egyptischer Magnat, nicht als Sohn des Abrahamhauses. Je höher, je größer ein Mensch, ja wundergleicher sein Glück, um so mehr hängt er an ניחוש, um so abergläubischer wird er – man denke nur an Napoleon – er ist selbst von seinem Glücke überrascht. Der gewöhnliche Mensch hat noch manches beim Schicksal zu gute; allein wenn wir einmal soweit gekommen sind, daß wir uns sagen müssen, unserm ,צדקות unserm sittlichen Verdienste verdanken wir unser Glück nicht, dann schreiben wir es leicht übernatürlichen Umstände zu, und eben wegen der entsittlichenden Wirkung des ניחוש ist es verboten. Sobald wir aber glaube, wir könnten zu unserem Glücke noch etwas anderes tun, als brav sein, hätten uns noch vor etwas anderem als vor Schlechtigkeit zu fürchten, sofort sind wir in Gefahr, schlecht zu werden, unterlassen aus ניחוש entweder das Gute, oder tun etwas Schlechtes im Vertrauen auf ניחוש. Wir wägen dann unsere Handlungsweise gar nicht mehr auf der Wage des Gottesgesetzes, tun nicht mehr, was unsere Pflicht ist, weil wir glauben, etwas getan zu haben, wodurch wir ohnehin zum Ziel gelangen.

    18-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    Ist's eine alte Geschichte ?


    Mit dem Abend des 25. Kislew zündest du das Chanuckohlicht in deinem Hause an, und mit immer steigendem Lichtgruß tritt 8 Tage lang die Erinnerung einer alten Geschichte aus einer alten Zeit in deinen Kreis.

    „Immer wieder die alte Geschichte?“ Sterben denn die jüdischen Toten nie? Vergehet denn die jüdische Vergangenheit nimmer?“

    Nein, die jüdischen Toten sterben nicht. Wer fürs Judentum gestorben, noch mehr, wer fürs Judentum gelebt, der stirbt nimmer; ewig dankbar bewahrt sein Andenken das seinen vergangen Edlen dankbarste Geschlecht. Und die Vergangenheit, die Geschichte, die jüdische Vergangenheit, die jüdische Geschichte,– ewig frisch und ewig neu, tritt sie in ihren großen Zügen an jedes jüngere Geschlecht heran mahnend, tröstend und erhebend.

    Und nun gar diese Geschichte! O, daß sie alle alt wäre, mit ihrem Trüben und ihrem Herrlichen nun nach 2000 Jahre alt, so alt, daß uns das Trübe unbegreiflich und das Herrliche alltäglich erschiene!

    „Es hat sich aber Jeschua lieber Jason nennen lassen, wie sein jüngster Bruder – (beide waren sie nacheinander Hohepriester!) – für den Namen Chonjah lieber wollte Menelaos genannt werden. - - - Als nun Menelaos, samt des Tobias Söhnen solcher Gewalt (im Streit mit dem Bruder ums Hohepriesteramt) weichen mussten, sind sie zum König Antiochus getreten und haben sich erboten, ihre jüdischen Gesetze und Gewohnheiten allzumal abzuwerfen, und sich nach des Königs und der Griechen Satzungen und Gebräuchen zu halten und baten deswegen um Erlaubnis, in der Stadt Jerusalem ein griechisches Gymnasium aufzurichten. Und nachdem sie solches erlangt, haben sie sich Vorhäute gemacht, damit sie auch nackt den Griechen gleich und ähnlich schienen, und haben so alle Sitten ihrer Ahnen fahren lassen und sich fremder Völker Gewohnheiten beflissen. - - (Josephus. Altertum 12,3)

    Ist’s eine alte Geschichte?

    „In jenen Tagen traten aus Jissroél gesetzeswidrige Männer hervor und redeten dem Volke zu und sprachen: Lasset uns gehen und mit den Völkern um uns her einen Bund machen: denn seitdem wir uns von ihnen gesondert, haben uns viele Leiden getroffen. Diese Rede gefiel den Augen der Menge und einige aus dem Volke waren bereit und machten sich auf dem Weg zu dem Könige. Der König gab ihnen die Erlaubnis die Sitten der Heiden einzuführen. Da erbauten sie in Jerusalem ein Gymnasium nach griechischer Weise, und machten sich Vorhäute, und standen ab von dem heiligen Bunde und verbanden sich mit den Völkern und gaben sich ganz preis, das Böse zu üben.“ (1 Makkabäer Kap.1)

    Ist’s eine alte Geschichte?

    „- - - stand Jason, Onias Bruder nach dem Hohenpriesteramt, und ging zum Könige und versprach ihm 360 Talente Silbers und aus anderen Einkünften noch achtzig Talente. Überdies aber verhieß er ihm noch 150 Talente, wenn es seiner Machtvollkommenheit eingeräumt werden sollte, ein Gymnasium und eine Anstalt für die gymnastischen Übungen zu errichten, und Einwohnern von Jerusalem das Bürgerrecht von Antiochia zu verleihen. Da der König solches bewilligt und Jason die Macht erhalten hatte, fing er sogleich an, seine Landsleute zur Annahme der hellenischen Sitten zu verleiten, entfernte die von den alten Königen den Juden gestatteten löblichen Sitten, abrogierte die gesetzentsprechenden Weisen und  führte gesetzwidrige Bräuche ein. Ja, er wagte es gerade unter die Burg eines Hauses gymnastischer Spiele hinzubauen und die besten der Jünglinge zu den dortigen Übungen anzuhalten. Durch die alles überschreitende Frevelhaftigkeit des gottlosen und keineswegs hohenpriesterlichen Jason ward aber der Sporn zum Hellenismus und der Zugang fremder Sitten so stark, ass selbst die Priester nicht mehr um die Dienste des Altars sich kümmerten, sondern den Tempel verachteten, Opfer vernachlässigten, und hinliefen, um sich an den unerlaubten Aufführungen in der Palästra nach dem Aufruf der Wurfscheibe zu beteiligen. Die väterliche Ehre achteten sie geringe, hellenistischer Beifall dünkte ihnen das Höchste. Diejenigen aber, um derentwillen sie sich mit den schwierigsten Verhältnissen umgaben, deren Lebensart sie eifrig nachstrebten, und überhaupt, denen sie gleich werden wollten, die gerade waren ihre Feinde und die Rächer ihres Abfalls; denn gegen göttliche Gesetze zu freveln, ist nichts Geringes. Das aber offenbart erst die folgende Zeit.“ (2 Makkabäer Kap. 4)

    Ist’s eine alte Geschichte?

    Wenn dich der religiöse Verfall im jüdischen Kreise mit Schmerz und Trauer erfüllt, wenn du an unserer Zukunft verzweifeln möchtest, wenn du zagend ausrufst: War’s schon so arg in Jissroél?  dann schau auf diese Geschichte hin, siehe schon einmal vor zweitausend Jahren Hohepriester, Männer des jüdischen Heiligtums, Männer mit höchsten religiösen Amte betraut, selber die ersten Verräter an Gott und seinem heiligen Gesetze, die Gunst der Könige durch religiösen Verrat erbuhlen, Verführer des jüdischen Volkes und seiner Jugend, wetteifern mit den „Wohlhabenden und Gebildeten“ ihres Volkes in Verachtung göttlichen Gesetzes und jüdischer Sitte, in Verehrung und Pflege unjüdischer Weise und unjüdischer Bildung, – siehe schon einmal vor Jahrtausenden Bildungsschimmer und politischer Vorteil, „Bürgerrecht“ von Israels Verführern als Köder zum Abfall von Gott und seinem heiligen Worte missbraucht – und siehe wie dennoch die Zeit des Verrats und des Abfalls, überwunden worden, welche Jahrhunderte, Jahrtausende der Treue, der Hingebung, Aufopferung für Gott und Judentum ihr doch gefolgt – und  lerne: vertrauensvoll in die Zukunft blicken.

    Denn siehe, dieser Abfall, von welchem dir soeben jene Stimmen aus alter Zeit berichteten, war kein von außen provocierter Abfall, war keine Folge der antiochischen Wütens gegen das Judentum; dieser  Abfall der jüdischen Gotteslehrer und der höheren gesellschaftlichen Schichten in Judäa war ein freiwilliger, ging jenem Königswüten voran, ja, war ganz eigentlich Veranlassung, ja Urheber des spätren judentumfeindlichen Fanatismus. Selbst nicht im Wahnsinn wäre es dem Antiochus eingefallen, Judentum und Juden griechisch reformieren zu wollen, hätten ihm nicht Juden und Judentumspriester zuvor gezeigt, daß bereits das Judentum in ihren Herzen den Boden verloren, daß sie nur auf Königsbefehl harrten, um den Zeus auf des Ewigeinzigen Altar zu stellen – und daß somit gewiss das Volk, die niedere Schicht, leicht hinübergeködert – und hinübergemartert werden könne! So ist’s in den dunkelsten Jahrhunderten der Verfolgung keinem Machthaber eingefallen, Juden und Judentum reformieren zu wollen. Juden verfolgte man, aber an die Ewigkeit des Judentums glaubte man fest. Priester und Jünger des 19. Jahrhunderts mussten erst selbst den Fürsten und Völkern das Schauspiel abtrünniger Juden vor die Augen führen, ehe ein Staatsmann an Reformierung des Judentums durch Dekrete und Maßregeln denken konnte. Natürlich! Achte dich selbst, achte deine Vergangenheit, achte dein Heiligtum selber, und wie man auch über dich denke, ob man dir geneigt oder abgeneigt sei, Achtung wird man dir nicht versagen. Achtest du aber selber dich nicht, blickst du selbst mit Verachtung auf die Gräber deiner Väter, hältst du dein eigenes Heiligtum nicht in Achtung, kaum der Kenntnis mehr wert, wie willst du, daß der Fremde dich achte und deine Väter achte? – Vieles magst du in der Welt finden, um Achtung bettelst du dann vergebens.  

    Aber wie hatten „die Männer des Fortschritts“, die „Männer der Bildung“, „die Priester der Reform“, die politischen Religionshändler der antiochischen Zeit in Judäa sich verrechneti

    Hörst du nicht, was dein Makkabäerlicht dir erzählt?

    „Soweit hatten es die abgefallenen Söhne Judäas gebracht, ass zuletzt die Griechen selbst das Gottesheiligtum zum Zeustempel entehrten. Alle Öle der heiligen Gotteslampe hatten sie entweiht. Nur ein Krügchen fanden die siegenden Hasmonäer noch unentweihet; doch es reichte nur für einen Tag. Aber an diesem einen Krügchen zeigte sich die rettende Wundermacht Gottes. Acht Tage lang versorgte man damit die heilige Lampe, bis man neues reines bereiten könnte!“

    Laß sie immerhin fanatisch gegen Judentum wüten, mögen links Tausend und Myriaden rechts vom Judentum abfallen, so lange sie nicht den letzten Funken Judentum in der Brust des letzten Juden im letzten jüdischen Dorfe zertreten haben, so lange mögen wir, kurzsichtige Sterbliche zittern – [] – ein Reiner Funke, in einer jüdischen Brust treu bewahrt, genügt Gott, um daran den ganzen Geist des Judentums wieder zu entflammen. Und wenn alles Öl, alle Kräfte, die das Gotteslicht in Israel nähren sollten, dem Lichte des Heidentums verfallen wären, ein Krügchen Öl, eine unter hohepriesterlichem Siegel still und unentweihet in einem vergessenen Winkel treu gebliebene Brust genügt, um, wann Zeit und Stunde gekommen, das Heiligtum zu retten.

                „Und wenn schon alle Länder Antiochus gehorsam wären, und jedermann abfiele von seiner Väter Gesetz, und willigte in des Königs Gebot: so wollen doch ich und meine Söhne nicht vom Gesetz unserer Väter abfallen!“

    sprach die treue Hasmonäerbrust eines Heldengreises - - und Jissroéls Heiligtum war gerettet.

    Darum gehe hin und zünde dein Licht am Makkabäerfeste. Daß man es in deiner Synagoge, in deinem Tempel anzündet, das genügt nicht; נר איש וביתו ist die Chanuckopflicht, „zu Hause du und dein Haus ein Licht!“ Was kann es nützen, wenn wir in den Tempeln Hallelujah singen, wenn wir in den Tempeln in vorüberrauschender Andacht uns Juden nennen, wenn unsere Häuser unjüdische sind, und wir zu Hause nicht des Lichts des jüdischen Geistes warten. Nicht aus den Tempeln kam unser Heil und nicht aus den Tempeln kommt unser Heil; aus den Häusern kommt die Rettung. Wie deine Prediger predigen, wie deine Sänger singen, das macht’s nicht aus, – מפי עוללים ויונקים wie deine Kinder und Säuglinge lallen, ob jüdischer Geist ihnen leuchtet, ob jüdisches Mark sie kräftiget, ob jüdisches Leben sie erziehet, siehe, darin liegt der Sieg und das Heil.

    Das Tempellicht? Die eigenen jüdischen Hohenpriester hatten es verraten. Das Licht in Mathathias Dorfsstube ward die Rettung.  

    Zu Hause zünde darum dein Licht an.

    Und da achte dein Haus nicht geringe. Und wärest du selbst der einzige, der noch den alten Makkabäergeist in seinem Hause bewahrte, ein einzelner Jude, ein jüdisches Haus ist zuletzt selbst genug, um darauf das ganze jüdische Heiligtum wieder zu erbauen. Ja, je weniger Genossen du hättest, je mehr rings um dich der Hasmonäergeist wiche, um so treuer warte du sein, um so ernster bereite du ihm eine Zufluchtstätte in deinem Hause.

    Aber vergiss es nicht: איש וביתו, „du und dein Haus“, lautete die Forderung. Willst Du fürs Judentum gelebt haben, darf es dir nicht genügen, dich mit jüdischem Geist zu durchdringen; nur wenn du den jüdischen Geist in deinem Hause vererbt, hast du fürs Judentum gelebt, – und wenn du wie die מהדרין  deine Aufgabe recht verstehest, wird es dir nicht genügen, nur im allgemeinen das Licht des Judentums in deinem Hause leuchten zu lassen, נר לכל אחד ואחד wirst du anzünden, wirst auf jedes Kind, jedes einzelne Glied deines Hauses deine volle Aufmerksamkeit richten, es fürs Judentum zu gewinnen und das jüdische Licht in ihm fortleuchten zu lassen. Mathathiahu konnte ruhig sterben, er wusste, wer von seinen Kindern ihn auch überleben werde, Jochanan oder Simeon, Jehuda, Eleasar oder Jonathan, in jedem war die Flamme des jüdischen Gotteslichtes lebendig.

    Und still wirst du nimmer stehen in diesem heiligen Streben, wirst dich nie begnügen mit dem, was du bereits gestern getan, immer vorwärts wirst du streben, immer heller soll’s in deinem Hause werden, und wenn du gestern ein Licht angezündet, zündest du heute zwei dir an ; denn  du weißt es ja: מעלין בקדש ולא מורידין, dem Fortschritt, nicht den Rückschritt gilt’s im heiligen Streben, und wenn irgendwo, so heißt es hier: wer nicht fortschreitet, geht zurück!

    Und was du still im eigenen Hause wirkest und schaffest, das wird hinausleuchten über die Grenze deines Hauses, und das freundlich heitere Gotteslicht deines Hauses wird auch den Nachbar wecken zu gleicher lichterfüllten, jüdischen Häuslichkeit. Wirst dich nicht schämen Jude zu sein, wirst stolz darauf sein, daß man in dir, und deinem Hause den Juden erkenne, נר חנוכה מצוה להניחו על פתח ביתו מבחוץ, wirst dich nicht scheuen, dein jüdisches Licht über die Gasse leuchten zu lassen, und nur בשעת סכנה, in der Ungunst der Zeiten מניחו על שולחנו ודיו, dich damit begnügen, wenigstens dein Haus fürs Judentum zu erhalten, und den Tisch deines häuslichen Lebens zu einem Altare des Gottesheiligtums zu weihen.

    So zünde denn Licht an in deinem Hause, und es sei dein und der Deinigen Weg der Weg der Gerechten, wie strahlendes Licht, immer heller, immer lichter כאור נגה הולך ואור עד נכון היום bis zum vollen ewigen Tage.

    Aus Gesammelte Schriften Erster Band S. 19-24 Frankfurt am Main Verlag von J. KAUFFMANN 1908 

    18-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    16-12-2020
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    Rabbiner Dr. Salomon BREUER

                      (1850-1926)

     

    מקץ

     

    Belehrung und Mahnung  zur Wochenabschnitt Mikéz (Auszüge)

     

    …Der 25.Kislew brachte uns wieder das Chanuckofest, dem wir mit jeder anbrechenden Nacht die Lichter in unseren Häusern entzünden. Mit diesen Lichter wecken wir die Erinnerung an Siege מסרת גבורים ביד חלשים ורבים ביד מעטים, die die Wenigen und Schwachen über die Vielen und Starken davongetragen. Wie damals, so soll für alle Zukunft das Prophetenwort uns eine Wahrheit bleiben: לא בחיל ולא בכח כי אם ברוחי „Nicht durch Massen, nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist!“. Der Wahrheit dieses Prophetenwortes und seiner ewigen Geltung sollen wir uns im Scheine unserer Chanuckolichter stets aufs neue bewusst werden. Von ihr hat sich unser jüdisches Bewusstsein seine nimmer schwindende Stärke zu holen...

    …Mehr denn je möge ein jeder, der sich zu den Mitgliedern unserer קהלה zählt, sich bewußt werden, was er seine קהלה und der Wahrheit unserer תורה schuldig ist. Judentum hat zu allen Zeiten den Abfall einzelner Glieder, ja selbst ihre völlige Entfremdung erleben müssen. Dieser Abfall stand zumeist im Zeichen des ויתערבו בגוים וילמדו מעשיהם: an den Verlockungen fremder Kulturen zerbrach ihre jüdische Kraft. Daß aber innerhalb des Judentums sich Kreise zu einer systematischen Leugnung alles Heiligen und Göttlichen zusammengefunden und den Mut aufgebracht hätten, auf eigene Faust eine neue jüdische Religion sich zurechtzukonstruieren – eine solche frivole Verlästerung alles Göttlichen und Jüdischen hatte das Judentum bis zum heutigen Tage nicht zu verzeichnen. Dieses erschütternde Erlebnis blieb unserer Gegenwart vorbehalten[i] Muß uns nicht dieser beispiellose Abfall erst recht zu erhöhten Treue, zur gesteigerten Hingabe an unseren אמת entflammen?

    Wollen wir, meine Brüder und Schwester, nicht endlich einsehen, daß  es denn doch nicht möglich ist, mit vollendeten רשעים in religiöser Beziehung ein wie immer geartetes Bündnis zu schließen? Denken wir an die Prophetenmahnung (Jes. 57,21): אין שלום אמר אלקי לרשעים Mit den Gesetzlosen gibt es keinen Frieden, der Friede kann nur auf dem Boden des אמת erblühen! מכאן שהקב"ה אוהב את הרשעים, fügen die Weisen bedeutungsvoll hinzu: Gott kündigt den Gesetzlosen den Frieden; daraus folgt, daß Gottes Allgüte selbst den Gesetzlosen Liebe bewahrt, sie nicht für immer zu verlieren, sie vielmehr zurückgewinnen will. Weder durch einen jeder jüdischen Wahrheit Hohn sprechenden Friedensschluß, noch durch wie immer geartete Kompromisse werden wir unsere רשעים der göttlichen Wahrheit zurückgewinnen. Im Gegenteil! Sie werden, indem wir freiwillig zu Mitgliedern ihrer religiösen Gemeinschaft, zu freiwilligen Mitgliedern der „Richtliniengemeinde“ uns bekennen und damit, ob wir wollen oder nicht, ihre religiöse Gemeinschaft anerkennen, hierdurch nur zum Verharren in ihrer Untreue, in ihrem Abfall von Gott und seiner תורה bestärkt! Wenn etwas sie zur Selbstbesinnung, zur Rückkehr zum heiligen Vätererbe einmal bestimmen kann, so kann dies nur durch völlige Lossagung und Trennung in religiöser Beziehung geschehen!

    אין שלום אמר אלקי לרשעים Wahrlich, wahrlich, und jeder Wahrheitsliebende wird es uns zugestehen müssen, nie und nimmer wäre es zu einem solch beispiellosen חלול השם gekommen, wenn die Stifter dieser neuen Religion sich nicht durch das traurige Bündnis mit Gesetzestreuen die Berechtigung hätten holen dürfen, von einer sog. Einheit des Judentums zu reden, und, durch Gesetzestreue bestärkt und gedeckt, sich nach wie vor mit dem Judentum verbunden gefühlt hätten.

    Geben wir darum, meine Brüdern und Schwestern dem אמת und nur dem אמת die Ehre, gehen wir, da diese unerhörte כפירה von unserer Stadt ausgegangen, beispielgehend voran und bekennen wir uns ausschließlich, ja ausschließlich, in unerschütterlicher Treue unserer קהלה, der Trägerin des unverfälschten אמת! Wenn nicht unsere Kinder, so gewiß unsere Kindeskinder, sie werden es einst nicht begreifen können, daß wir angesichts einer solchen כפירה בה' ובתורתו auch nur einen Augenblick gezögert haben, mit unserem Propheten zu sprechen אין שלום אמר אלקי לרשעים und danach zu handeln!

    Das Chanuckofest wird wohl auch von den Verfassern der „Richtlinien“ gefeiert werden; sind es doch jüdische Siege, die da errungen wurden, auf die stolz zu sein, auch sie ein Anrecht zu haben wähnen. Wir aber wollen beim Scheine der Chanuckolichter uns bewusst werden, wofür unsere Väter geblutet, wofür sie den letzten Atemzug ihres Lebens heldenhaft eingesetzt haben: der Verwirklichung der göttlichen Wahrheit, dem אמת gelte auch unser Leben. Gehen wir unseren Kindern mit unserem Leben beispielgebend voran, daß auch sie sich für ein solches Leben im Dienste des אמת begeistern.

    Lasst uns kämpfen für Gott und seine תורה. In demselben Maße wie wir für Gott kämpfen, kämpft Gott auch für uns: wie Er unseren Vätern beigestanden, wird Gott auch uns in unserer schweren Zeit seinen mächtigen Beistand nicht versagen: כאשר עשה לאבותינו כן יעשה לנו נסים ונפלאות

     

     

    Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER  Belehrung und Mahnung erster Teil Genesis  J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1936 S. 86 - 92



    [i]  Gemeint sind die „Richtlinien”.

    16-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    15-12-2020
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.A Wort on Chanukah by Rav Shimon SCHWAB And Zionist-religious Hate-Reaction
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    A Wort on Chanukah by Rav Shimon SCHWAB

    And Zionist-religious Hate-Reaction from Inside his Kehilla  

     

     

     

    We will see below how Rav SCHWAB was unable to even say a simple d’var Torah, without mentioning Zionism or applying it to any real-life situation, that the Jews in the days of the Chashmona’im would never go to war to reclaim the Bais Hamikdash that was conquered and defiled by the Greeks, without being harassed and called a terrorist-lover.

     

    R. Shimon SCHWAB once said a vort on Chanukah for his kehillah: We describe in the Al Hanissim prayer the sequence of events that transpired on Chanukah. We start by saying the Greeks tried to force us to give up Torah and mitzvos, then the Jews rebelled, the many and the strong were defeated by the few and de weak, and there was great salvation. Then we say, “And afterwards” (v’achar kein), the Jewish people went to the Bais Hamikdash and purified it, etc.? Question: Why do we interrupt the narrative with the phrase “and afterwards”? Why can we not simply continue the sequence of events by saying there was a military victory and then they went to the Bais Hamikdash, etc. ? Why do we add in that extra phrase of “v’achar kein”?

     

    R. SCHWAB answered that we do this to ensure that nobody should think the reason the Jews went to war in the days of the Chashmona’im was in order to reclaim the Bais Hamikdash. It would not be worth going to war to reclaim territory, even our Bais Hamikdash. One Jewish life is worth more than all the land in the world, including the Bais Hamikdash. There is only one reason the Jews would go to war against the Greeks – because the Greeks wanted “to make them forget Your Torah and violate You mitzvos”. We went to war because of the shmad. Not for political or territorial reasons. Only when the war was over – after “You handed over the strong into the hands of the weak, the many into the hands of the few, wicked ones into the hands of those who are busy with Your Torah” – only after the war was over, and it was safe, did we approach the Bais Hamikdash and purify it. That is why we insert the phrase “v’achar kein” between the war narrative and the purification of the Bais Hamikdash. Part one: There was a war, and we won. Achar kein – after that part of the narrative was over – ba’u banecha, we came to purify the Bais Hamikdash.

     

    R. SCHWAB said this during Chanukah, which occurs around the same time of year as a Christian holiday. And so, shortly after his said this vort, R. SCHWAB received a Christmas card in the mail. On the cover, right under the “Merry Christmas” banner, the sender(s) wrote “To our Dear Friend, Rabbi SCHWAB.” Inside, it said “From your goof friends, Gamal Nasser, Idi Amin, Ayatollah Khomeini.”[1]

     

    Source: Rabbi Yaakov Shapiro “  THE EMPTY WAGON – Zionism’s Journey from identity crisis to identity theft ” NY 2018 – available in the better Judaica Store.



    [1] Heard from Rav SCHWAB. (the identity of the particular Arab leaders whose names were affixed to the letter are described here to the best of my memory.)

    This was not the only time Rav SCHWAB was called an anti-Semite by religious Zionists because of his opposition to Zionism.

    15-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    14-12-2020
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.„Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen“ 10.Folge
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    Schriften zur Aufklärung über den Zionismus 

    N° 2 „Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen“

    Herausgegeben vom Antizionistischen Komitee Berlin 1913

     

     

    ….

     

                              II.      DAS WESEN DES ZIONISMUS

    ... ... 

    Ist es nicht geradezu ein verbrecherischer Wahnsinn, sich über den Universalismus und den Weltengott, über die Mission des Judentums mit dem billigen Spott der Beschränkung lustig zu machen, diese erhabene Lehre zu verwerfen, weil unsere Zeit ihnen nicht günstig ist, weil wir sichtbare Erfolge unserer Weltanschauung zahlenmäßig nicht feststellen können? Ist der Erfolg überhaupt ein Maßstab für die Richtigkeit einer Idee? Bleiben unsere Propheten nicht doch, was sie sind, behalten ihre Lehren nicht ihren Wert, wenn auch ihre Zeit sie mit Schmutz und Hohn bewarf, wie es heute der Zionismus mit jedem andersdenkenden tut? War darum die gewaltige Kraft  ihrer Begeisterung geringer an Wert, waren darum ihre Grundsätze schlecht, weil sie kein Gehör fanden, und viele von ihnen, vom Volke verachtet und verfolgt, verdarben und starben? Nein, der äußere Erfolg ist noch niemals der Maßstab für den inneren Wert einer Sache gewesen, und damit kommen wir zum wichtigsten religiösen Gute, das der Zionismus zerstört. Der Glaube an den gerechten und liebenden Weltengott und das Streben, diesen Glauben zu verbreiten, gipfeln in den Gedanken an das messianische Reich, an jene Zeit, da auf Erden wirkliche Harmonie, wirklichen Frieden, echte Kultur herrschen werden,  und alle Welt da die enge Schranken der Konfessionen und Nationen,  die an allen Krieg und Streit die Schuld tragen, gefallen sein werden den einen einzigen Gott anbetet. Dieser Glaube war es allein, der dem Judentum zu allen Zeiten, Kraft und Ausdauer gab;  ihn zerstören und leugnen heißt das Judentum selber zerstören. In ihm stimmen auch alle Richtungen des Judentums sachlich überein, wenn sie auch in Einzelheiten eine verschiedene Auffassung haben. Und was macht der Zionismus aus diesen Grundglaubensatze der Religion? Sein Messianismus ist ein rein nationaler, er träumt von einem jüdischen Reiche,  das nicht etwa,  – wie die Verheißungen der Propheten und die innigen Wünsche unserer Gebeten es zum Ausdruck bringen – dann sich erheben wird, wenn alle Völker sich dem einzigen Weltengotte zugewandt haben werden, sondern sein Ideal ist ein Staat, der sich mitten unter der Unruhe und dem Hasse der Welt aufbaut,  dessen Zukunftsehen die eigene Wohlfahrt, die eigene Sicherheit ist, der aber im übrigen sein Schicksal getrennt  hat von dem der Welt. Dieses kleinliche und beschränkte Messiasideal ist dem Judentum wesensfremd, dessen wahren Zukunftshoffnungen Vereinigung und Liebe, nicht Haß  und Absonderung verkünden. Nur das Wort hat der Zionismus behalten, aber der Inhalt ist verfälscht, und die messianische Vorstellung des Nationalismus ist verderbliche, verwirrende Phrase!

       Zionismus und jüdische Religion, ein beschränkter Nationalismus und der Glaube an einen Weltengott sind unvereinbare Gegensätze.  Wer das Judentum kennt und liebt, wer seine wertvollen Güter behalten will, muß den Nationalismus ablehnen. In diesem Punkte sind Orthodoxe und Liberalen sich einig, einig in dem Wunsche, die religiöse Kraft des Judentums zu stärken, einig in dem Bewußtsein daß  der Zionismus theoretisch mit der jüdischen Religion unvereinbar ist!

    Wie sieht es nun in der Praxis aus? Praktisch erklärt ja der Zionismus Religion als Privatsache. Man darf sich nicht etwa durch den Einwand , den man häufig hört, täuschen lassen, daß  dies nur auf die speziellen Probleme der Religion  beziehe, und daß der Zionismus dieselbe Stellung wie andere jüdische Organisationen einnehme. Wenn diese erklären, religiöse Fragen nicht  in den Kreis ihrer Betrachtungen ziehen zu wollen, handelt es sich um Einzelheiten strittiger Natur. Selbstverständlich können der Zentralverein, die Großloge, der Hilfsverein und alle anderen sich nicht darüber äußern, ob in der Synagoge eine Orgel zufällig ist, ob jede Gemeinde ein rituelles Tauchbad haben müßte. Solche Betrachtungen würden Streit hervorrufen und die äußeren zusammenfassenden  Abwehraufgaben hindern. Aber alle jüdischen Organisationen stehen ohne weiteres auf dem Boden der grundsätzliche Anerkennung der jüdischen Religion als obersten und einzigen einheitlichen Faktors des jüdischen Lebens und ungeschriebenes Staut ist bei allen, daß nur diejenigen Mitglieder werden können, die sich zur jüdischen Religion bekennen, wobei man sich natürlich – das Prinzip der Gewissensfreiheit entsprechend – mit dem Bekenntnis begnügt das freiwillig abgelegt wird, und nicht näher zu forschen vermag, zu welchen praktischen Folgen es im Leben führt.

     

    Der Zionismus erklärt daß die Religion Privatsache sei, daß jeder sich sein Verhältnis zur Religion gestalten könne, wie es ihm paße, und daß eine positive Stellung der Religion für den Begriff „Jude“ nicht erforderlich sei.

    Statistische Feststellungen über die Anzahl der religionslosen Zionisten lassen sich nun nicht machen, weil der Staat nur als „Juden“ betrachtet, der sich zur jüdischen Religion bezeichnet, aber jeder Kenner der Verhältnisse weiß, wie gleichgiltig man in führenden zionistischen Kreisen innerlich der Religion gegenübersteht. Wie könnte es auch anders in eine Bewegung sein, nach deren Grundsätzen man zu gleicher Zeit ein Atheist und ein guter Jude sein kann, in deren Kreisen man den Centralverein es als ein Makel anheftet und ihn meidet, weil er sich eine Vereinigung deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nennt.

    Die offizielle Stellung der Juden, die offiziell als Glaubensvereinigung gelten und nur in dieser Gestalt dem Staate gegenüber eine Gemeinschaft darstellen, bringt es mit sich, daß im allgemeinen der deutsche Zionist als zur jüdischen Religion gehörig gilt. Aber die logischen und folgerichtigen Theoretiker gehen weiter und verlangen nicht einmal dieses äußerlichen Bekenntnis zum jüdischen Glauben. Daß man theoretisch ebenso wie Atheist auch Christ oder Mohammedaner und trotzdem ein guter Nationaljude sein könne, ist noch niemals bestritten worden, aber die ehrlichen Theoretiker, denen taktische Fragen gleichgiltig sind, finden auch nichts dabei, wenn diese Anschauung in die Praxis umgesetzt wird.  Dr. Jeremias erklärt in der „jüdischen Rundschau“ vom 31. März 1911, daß man es als Geschmacks- und nicht als Prinzipiensache ansehen müsse, ob man den Schekel nur von Angehörigen des jüdischen Glaubens nehmen wolle und solle. Dr. Joseph erklärt mit aller Seelenruhe, wie er selbst sagt, daß man ein guter Nationaljude und dabei ein guter Christ oder überzeugungstreuer Atheist sein könne (Liberales Judentum, Jahrgang 1911, Seite 47). Die deutsche zionistische Parteileitung hat zwar Joseph energisch von ihren Rockschößen abgeschüttelt, aber das ist sehr undankbar gewesen, undankbar gegen einen ehrlichen, folgerichtig denkenden Menschen, der schlicht die Wahrheit sagte und auf die Finessen zionistischer Diplomatie noch nicht geaicht war. Er hat nur das ausgesprochen, was anderen aus taktischen Gründe verschweigen. Im Zentralorgan der  deutschen Zionisten stand – um noch ein Beispiel aus vielen herauszugreifen – am 19. April 1912 zu lesen, daß er zionistische Atheist im Interesse der Bewegung sich nicht scheuen solle; seinen Atheismus offen zu bekennen, und wenn auch in diesem Wunsche eine anerkennenswerte  Gegnerschaft gegen religiöse Heuchelei zu Tage tritt, die Sache wird dadurch nur unterstrichen,  daß man als nationaler Jude kein religiöses Interesse zu haben braucht. Vom Ausland soll hier garnicht die Rede sein, denn daß z.B. in Rußland der Nationaljude christlicher Konfession nicht nur in Ausnahmen vorkommt, wie der  oft genannten Herzenstein es noch war, sondern etwas Alltägliches zu werden beginnt, das geben sogar zionistische Blätter ganz offen zu (Frankfurter Israelitisches Familienblatt vom 2.Februar 1912 (Seite 1 und 2). Es kann hier unsere Aufgabe nicht sein, uns in Einzelheiten zu ergehen, es mag genügen auf die allgemein bekannte Tatsache daß einem großen Teil der russischen Jugend der Nationalismus nur ein Vorwand ist, der die Taufe deckt und ihn vor dem Vorwurfe bewahrt, feigen Verrat begangen zu haben.

    Jedenfalls ist es ganz unbestreitbar, daß das Judentum, welches der Zionismus stützt und aufbaut, mit wahrem Judentum auch praktisch nichts zu tun hat, und daß er auch praktisch auf die jüdische Religion zerstörend wirkt.  Die Anschauungsweise der Zionisten, ähnelt der der Antisemiten. Zwar gibt es zwischen beiden, dem verschiedenen Milieu entsprechend, indem sie wirken, manche Unterschiede äußerlicher Natur. Doch ebenso wie der Antisemitismus äußert  sich der Zionismus in Unfrieden, in scharfer Intoleranz, in Ungerechtigkeit und Verständnislosigkeit gegen Gegner. Was diese täglich zu beobachtenden Erscheinungen praktisch bedeuten, wird Gegenstand späterer Betrachtung sein, uns interessiert hier vornehmlich ihre theoretische Grundlage. Es ist falsch zu glauben, daß die bloße Auswüchse der politischen Kämpfe seien oder der Stellung, die andere Richtungen im Judentum zum Zionismus einnehmen. Die Übereinstimmung mit dem Wesen des Antisemitismus, daß sich uns Juden gegenüber in den schändlichen Anschläge gegen Gut, Freiheit und Ehre der Juden offenbart, würde noch weit schärfer hervortreten, wenn der Zionismus eine so herrschende Machtstellung einnähme wie jener. Jeder Vorwurf aber, den man dem einen Teile macht, gilt gleicherweise für den anderen, und viele schwache Charaktere, die in den Zionismus hineingezogen worden sind, haben sich ganz und gar die Denkweise des Antisemitismus angewöhnt, haben zu ihrem Teile zu dem Beweise beigetragen, daß der Zionismus ebenso wie sein Zwillingsbruder, der Antisemitismus, nicht nur zur jüdischen, sondern zu jeder Religion, die ethische Grundsätze hat, in schärfstem Gegensatze steht.

     

    (wird fortgesetzt)

     

     

     

    Mit Dank an Frau Manja BURGERS, Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    http://www.spinozabooks.com

    14-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    13-12-2020
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Psalm 113 V 7 u 8 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Mikéz
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    מקץ

     

    מקימי מעפר דל מאשפת ירים אביון להושיבי עם נדיבים:

     

    „Aufrichtet vom Staube den Gesunkenen, vom Düngerhaufen den Wehrlosen, ihn zu setzen neben Fürsten“

    (Psalm 113, V 7und 8a – Übersetzung Samson Raphael HIRSCH“

     

    1.

    Zage nicht in schweren Tagen,

    Wenn die Glückessonne sinkt;

    Murre nicht, laß ab vom Klagen,

    Wenn das Schicksal Leiden bringt.

     

    2.

    Denn die Hand, die dich geschlagen,

    Ist’s, die tötet und belebt,

    Sie bereitet wohl die Plagen,

    Beuget nieder und erhebt.

     

    Aus: Erbauungsbuch „Bibel- und Talmudschatz“ J.H. Kohn S. 122  13.Auflage Hamburg 5691 – 1931

     

    Die beste Anschrift für antiquarische Judaica:

    Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    Inhaberin: Frau Manja BURGERS

    http://www.spinozabooks.com

    13-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    11-12-2020
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    Rabbiner Samson Raphael HIRSCH

                                  (1808-1888)

     

    וישב פרשת

     

    Aus seinem Kommentar zur Wochenabschnitt Wajéschèw

     

                                                                                                                                                                                

    Kap. 37, V.36 Die Medaniten aber hatten ihn nach Mizraim verkauft, an Potiphar, Pharaos Hofbedienten, den Fürsten der Köche.

     

    Kap. 37, V. 36 …שר הטבחים : Oberhofkochmeister der egyptischen Majestät. Indem wir hier in den bedeutendsten alten Staat eingeführt werden, der für die Bildung der alten Völker so bedeutsam geworden, ist es charakteristisch, sogleich am Eingange einen „Fürsten“ der Köche, Bäcker, Schenke zu finden. Sagen dürfen wir uns, daß selbst in den entartetesten Zeiten der jüdische Geschichte wir solche Chargen nicht finden. Wer den Fürsten den Becher, den Teller, u. kredenzte, war und blieb ein ganz gewöhnlicher Mensch. Nur in Staaten in welchen, wie im alten Egypten, den Fürsten ein göttlicher Nimbus umfließt – sehen wir doch noch auf egyptischen Bilder den König vor dem Göttlichen seiner eigenen Majestas knien – werden auch eines Abglanzes dieses Nimbus teilhaftig, die in nächsten Berührung mit der geweihten Person kommen. Ist der König ein Gott, so wird sein „Truchsess“ (Trogsetzer) ein Ministrant des Göttlichen, und der Koch: ein „Fürst der Köche“. Ist dies eine heitere Seite des Amtes, so hat es zugleich eine entsetzliche Zusammenstellung: der Viehschlächter, war zugleich der Menschenschlächter. So der Oberhofmenschenschlächter  Nebusaradon (Kön. II, 25,9)

     

    Kap. 39 V. 2. Da war Gott mit Josef, er ward ein alles glücklich ausführender Mann, und ward dies in dem Hause seines mizrischen Herrn!

    3. Als sein Herr gewahrte, daß Gott mit ihm war, und alles, was er that, Gott durch seine Hand gelingen ließ:

    4. Da fand Josef Gunst in seinen Augen, so daß er ihn selbst bedienen musste, und endlich setzte er ihn über sein Haus, und gab alles, was er hatte, in seine Hand.

     

    Kap. 39  V. 2-4… Wenn Gott mit Josef war, so kann dies nur sein, weil Josef mit Gott war. Wenn die Ziele, die der Mensch anstrebt, mit Gottes Zielen zusammen fallen, so gestaltet Gott die Verhältnisse der Erreichung dieser Ziele günstig und förderlich. … Josef ward ein Mann, der alles, was er unternimmt, glücklich zum Ziele führt. Da überwand der Mizri den Widerwillen gegen den Iwri und nahm ihm sogar in sein Haus, wies ihm seine Nähe Beschäftigung an. Und als nun, V.3, auch dort „Gott mit ihm war“ und alles, was er unternahm, Gott gelingen ließ – es war dies die erste Gottesoffenbarung in einem mizrischen Kreise; in einem Kreise, in welchem das Gute und Sittliche nichts galt, zeigt sich plötzlich ein Jüngling, der arm und in tiefster Erniedrigung war, und dem doch alles gelang, weil er es tat, zeigt sich mit einem Male die segnende Kraft eines reinen und sittlichen Wollens – da fand Josef endlich חן in seinen Augen, so daß er ihn zuerst zu seinem persönlichen Diener erhob und ihm dann zum Verwalter seines ganzen Hauses machte. (מצא חן siehe zu Kap. 6,8).

     

    Da war es nun, seitdem er ihn sein Haus, und über alles, was er hatte, als Verwalter eingesetzt, segnete Gott das Haus des Mizri in Josefs Veranlassung; Segen Gottes war in allem, was er hatte, im Hause und auf dem Felde. 

     

    V.5 … Der Begriff des Schönen wird also in Hebräischen nicht objektiv, als Beschaffenheit des schönen Wesens, sondern als der Eindruck bezeichnet, den es auf den Beschauer macht, Schönheit wird als Hauch und Strahl begriffen, mit welchem das Schöne auf das Gemüt wirkt. Höchst bezeichnend erscheint nun die Bemerkung von Josefs Schönheit, die wir gleich am Beginn der Erzählung als das ersten hätten erwarten sollen, womit sich der Unbekannte der Herrschaft empfahl, und die ja in der Tat der erste Empfehlungsbrief eines Unbekannten ist, ganz zuletzt. Es dürfte nämlich für einen Josef eine weit größere Versuchung sein, wenn ein nicht gewöhnliches Weib ihn zu verführen versucht. Es wird uns daher erzählt, daß nicht zunächst Josefs Schönheit, sondern die glänzenden Erfolge seines Geistes, die ihn vom niedrigen Sklaven fast zum Herrn erhoben, den gewinnenden Eindruck auf seine Herrin gemacht. Seine Schönheit gab diesem Eindruck nur die überwältigende Steigerung אחר הדברים האלה heißt es daher im folgenden Verse. Alles Bisherige hatte dazu beitragen.

     

    9. in diesem Hause ist niemand größer als ich; nicht das Geringste hat er mir vorenthalten außer dich, insofern du seine Frau bist: Wie soll ich nun eine so große Schlechtigkeit begehen, und mich gegen Gott versündigen!

     

    V. 9 …חטא. Es ist von Wichtigkeit, den Begriff der Sünde nach den hebräischen Sprachgedanken zu ergründen, da sich daraus zugleich den Begriff des Gegensatzes, der des sittlichen Lebens ergibt. Im Deutschen heißt Sünde das zu Sühnende, ein Begriff, der in חטא nicht ursprünglich liegt. Wir wagen die Verwandtschaft von חטא mit חתה hervorzuheben. חתה: etwas aus seinem gehörigen kreis herausnehmen, insbesondere aber: brennende Kohlen aus dem Feuer nehmen. Es ist nun nicht unmöglich, das חטא ebenso heiße: irgend eine unserer Beziehungen jenem Feuer, dem Feuerstrahles jenes Elementes entziehen, das eigentlich unser ganzes Wesen fassen, wecken, durchläutern und beleben soll. Die Kohle, die ich aus dem Feuer nehme, erlischt. So lange irgend eine meiner Kräfte von jenem göttlichen Feuer beherrscht ist, wird sie leben und das erreichen, wozu sie bestimmt ist. Überlasse ich aber irgend eine Beziehung meines Wesens diesem Feuer nicht, so wird sie: Sünde. Wir sind berechtigt, das zur Beherrschung unseres ganzen Wesens bestimmte Element als „Feuer“ zu denken. Nennt sich ja das Göttliche selber אש אוכלת,אשדת . Ihm sollen stets ganz hingegeben sein, und so lange wir ohne Schlacken, das göttliche Feuer leuchtet stets und stets in uns und durch und durch uns, wir sind לחם אשה ד': Nahrung des Göttlichen auf Erden. Sobald etwas diesem Feuer entfällt wird es dunkel, schlecht. Ist das Sinnliche nicht Träger des Göttlichen, nicht קדוש, wird es viehisch: קדש. Was sich der Glut des Göttlichen entzieht, verfällt der Glut der Leidenschaft. Heißt aber חטא: etwas dem Herde des göttlichen Herdes entziehen, das dadurch dunkel, unerleuchtet, undurchglüht von dem Feuer wird, das es durchglühen sollte: so begreifen wir, wie sich das ganze  מעשה קרבנותals symbolische Wiederherstellung des durch חטא gestörten Verhältnisses in buchstäblichsten Sinne darstellt. Wenn unser חטא nichts anders war, als das unser חלב וכליות sich nicht als Nahrung dem göttlichen Feuer überlassen, resp. hingegeben haben: So ist die Wiederherstellung eben nichts anderes, als das wir sie dem göttlichen Feuer wieder übergeben. Unser ganzes Wesen נפש, gehört Gott an, und als Konsequenz davon, alle unsere Glieder, איברים, Seinem Feuer,נתינת אברים כל גבי האש ist reine Konsequenz von נתינת דם על המזבח  (Siehe auch Kap. 13,13).

     

    Kap.40, V.15 Denn gestohlen ward ich aus dem Lande der Ibrim, und auch hier habe ich nicht das geringste gethan, daß man mich in den Kerker gebracht.

     

    Kap. 40 V. 15 Eigentümlich wird das Land schon hier ארץ העברים genannt; es muß also die Familie in den Augen der Völker schon so bedeutsam dagestanden haben, daß das Land als ihr Land bezeichnet werden konnte.

    11-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    10-12-2020
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    Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH

                  (1833 – 1900)

     

    הפטרה שבת חנוכה

    Aus dem Kommentar zur Haftoro des Schabbes Chanuckoh

     

    Am Feste des vierten Chanuckoh, der Chanuckoh der Makkabäer,  bringt uns am Sabbath das Prophetenwort die dritte Chanuckoh, diejenige Serubabels, die Errichtung des zweiten Tempels in Erinnerung.

     

    Kap.2 V.14 u. 15 Weit über die Zeit des zweiten Tempels hinaus schauen diese Verse auf jenes Ziel der Geschichte hin, da Jissroél und die Völker durch Lehre und Geschick geläutert sind, und nunmehr durch die huldigende Unterordnung unter den Willen Gottes dem heilbringenden Einzuge der Gottesherrlichkeit in den Kreis der Menschheit die Bahn geebnet ist. Da wird nun der „Tochter Zijauns“, dem in Wahrheit vom Zijaunsgeiste beseelten menschheitspriesterlichen Jissroél verheißen, daß es auch in jener Zeit seine besondere Bedeutung bewahren, ja gerade dann in erhöhtem Maße sichtbare Stätte der segnenden Gottesnähe sein wird. – בא, in diesem Sinne von dem Einzuge Gottes in die Verhältnisse der Menschen, vergl. 5 B.M. 33,2: ה' מסיני בא ferner: Habakuk 3,3: אלה מתימז יבא וגו', Ps. 24,7: שאו וגו' ויבוא מלך הכבוד Jeruscholoim-Zijaun ist der Herzpunkt des Menschheitspriestervolkes, von dem die Erleuchtung und Heiligung der um ihn sich sammelnden Menschheit ausgehen wird.  

     

    V.16 ונחל ה' את יהודה חלקו: Juda, der führende Stamm, hier für ganz Jissroél. Was einst Moses erfleht: ונחלתנו; 2 B.M. 34,9, das wird dann erfüllt sein, Jissroél wird Gottes נחלה geworden sein, auch Jeruscholoims Leidensgeschichte ist vollendet: ובחר עוד בירושלים.

    …

    Kap. 3, V.1.  ויראני וגו'Zwei Männer sehen wir an der Spitze des Volkes, unter ihnen Beiden sollte ausgeführt werden: Josua, den Hohenpriester, den Vertreter des Geistes, der Lehre und des Gesetzes, und Serubabel, den Mann der Ausführung.  Der Augenblick, in welchem Sacharja sie schaute, lag noch vor dem Beginne des Werkes. Josua „stand“ noch, und auch vor Serubabel „türmte sich noch ein Berg“ (Kap. 4,7), er hatte wohl die Aufgabe, trug die Bestimmung, aber er war noch nicht thätig. Auch der Engel Gottes, der bestimmt war, Josuas Werk zu fördern, „stand gleichfalls noch“, war noch nicht tätig. Was war die Ursache ihrer Untätigkeit? Weil an Josuas „Rechten“, dem Organe seiner Wirksamkeit, noch ein „Hindernis“ war. Während das sich der Wirksamkeit Serubabels, des Fürsten, entgegenstellende Hindernis als „Berg“, das Bild für materielle Schwierigkeiten, bezeichnet wird, wird das Hemmnis der hohenpriesterlichen Wirksamkeit שטן genannt. שטן, verwandt mit שטה, abweichen, zur Seite weichen, bezeichnet das Hindernde, Widerstrebende als dasjenige das dem Menschen vom geraden Wege ab und auf einen andern hinlenkt. Die Weisen bezeichnen es als יצר הרע, die mit dem Geiste vermählte sinnliche Natur des Menschen. Diese erreicht die ihr vom Schöpfer gegebene Bestimmung nur, in dem sie vom Geiste beherrscht wird. Nach dem tiefen Worte des Weisen klagt sie dem Menschen an, der sich von ihr verführen läßt. Denn nicht ihn zu beherrschen, sondern von ihm beherrscht zu werden, ist ihr „Verlangen“ (תשוקתו, vergl. 1 B.M. 3,16 und 4,7). So bildet dieser שטן, diese Verkörperung der Sinnlichkeit, den geraden Gegensatz zu dem, was in anderen Vorstellungskreisen unter dem Worte „Satan“ verstanden wird. Also: die Sinnlichkeit, die, unbeherrscht, der Erreichung der hohen Menschenbestimmung hinderlich, und deren Vorhandensein gleichwohl für diese Lösung unumgänglich notwendig ist. Denn hätte das Böse nicht auch Reiz, so wäre die Übung des Guten keine Tugend – Demgemäß hier: Josua „stand“ noch, denn die Sinnlichkeit, die noch im Volke, ja in seinem eigenen Kreise herrschte, stand der Entfaltung seiner Tätigkeit hindernd im Wege.

    …

     

    (Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 416- 422  Kommentar zu Secharjo Kap 2, V 14) 

     

    10-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    CHANUCKOH. (חנוכה)

    §246

     

    Begebenheit: Des Macedonischen Alexanders zusammenerobertes Reich ward mit seinem raschen Tode Beute seiner Feldherrn,– und Länder und Völker seufzten unter der Geisel des Krieges, den die, um die Teilung entzweiten, Herren entzündeten. – Jissroél, dessen scheinbare Wiederherstellung durch Kauresch ja überall nie wahre Wiederherstellung war, das immer, wenn gleich in seinem Innern selbständig, nach außen hin nur begünstigte Provinz persischer Herrscher blieb, a – Jissroél ward endlich, vielfach von jenen Kämpfen verwundet, syrische Provinz der Seleuciden. –  

    Unter Antiochus Epiphanes, einem Fürsten Syriens, sollte nun Jissroél zum ersten Male die Waffen der Gewalt, nicht auf ihre Habe, nicht auf ihr Leben, nicht auf ihre Freiheit gerichtet sehen, sondern auf das, was ihnen mehr noch ist als ihre Habe und Gut, als Land und Leben und Freiheit, – gerichtet sehen auf Vernichtung ihrer Lebenslehre, auf Erlöschung ihres Wissensgeistes, auf Ertötung ihrer Lebensreinheit, auf Vertilgung ihres Jissroélswandels. –  Mizrajim knechtete Jissroéls Leib, Bowél, und später Rom, waren Landeseroberer, Persien war selbst mild gegen überkommen Provinz, alle waren Macht gegen Schwächere, und meinten wiederum nur Macht und Gut. Dem Antiochus war das, eines Rasenden, wie die Folgezeit ihn nannte, würdige Beginn vorbehalten, Despotengewalt gegen den Geist zu kehren, und Jissroél vertraut zu machen mit den Prüfungen, die ihrer so viele Jahrhunderte hindurch warteten, zwischen geistigem oder körperlichem Tod zu wählen.– Wie rasend ward gewütet; – Beachtung  der Jissroéls Leben tragenden Stützen: Thauroh, Schabboss, B’riß, mit dem Tode gebüßt; gebüßt mit dem Tode jede Erfüllung der Pflicht; durch Wollust der Satrapen Keuschheit der Häuser gezwungen ertötet; den Tempel entheiligt, Götzen in ihm errichtet;– – und dem alleinigen Gott zu entsagen und Göttern zu opfern sollte mit Schrecken des Todes erzwungen werden; – –  da fielen die ersten Leichen für der Thauroh Bestand.      

    Da – als gefallen waren die Treuen – als schon schwankten die Schwachen – und verlassen sich sah Jissroéls Sache – erhob sich Mattissjohu, Sohn Jauchonons, der Priester, mit seinen Söhnen, zählte nicht die Zahl der ihm Gleichgesinnten, vertraute auf den Geist und auf Gott, der dem Geist verleihet über rohe Gewalt, erhub sich zum Kampfe gegen solche Raserei, – und Gott ließ siegen, vollkommen siegen seiner Treuen Schwäche über der übermutigen Gewalt. –   

    Und wie so Gott über die Erhaltung des Jissroélgeistes gegen Wüten der Gewalt gewacht, und an dem Geisteslicht, das in eines Mannes Brust rein noch leuchtete, Jissroéls Licht neu sich entzünden ließ; also sprach Er es auch durch sichtliches Zeihen aus: daß Er auch in Zeitenwüste über Erhaltung des Jissroélgeistes wache. Denn, als nun verscheucht waren die Tyrannen, gesäubert das Land, gereinigt der Tempel von Götzengreuel war, und nun der Tempelleuchter, der Jissroéls Geisteslicht, als von Gott ausströmend darstellte, (siehe Abschn. VI.) wieder angezündet werden sollte, fand sich nur ein noch unentweihtes Krügchen Öl, für eines Tages Dauer hinreichend. Aber sieh! Der über Jissroéls Geisteslicht wacht, ließ es ausreichen für volle acht Tage bis neues bereitet wurde. – Das Zeichen ergriffen die Väter und erhuben es zur sinnvollen Feier der Gedächtnistage, die dieser Begebenheit gestiftet wurden. –

    Alljährlich, wenn wiederkehrt die Chanukozeit, werden in jedem Jissroélhause, ja, von jedem Jissroélsohn, Lichter angezündet, und jener Tage Begebenheit in Wort und in gottanschauenden Gesängen gefeiert; auf daß es Jissroél durchleuchte das Wort seine dunklen Gänge: „daß Jissroéls Geisteslicht nimmer erlösche. Und wenn auch rings um dich alles entweiht wäre im Drange der Zeiten, wenn auch nur in eines Hauses Kreise, ja nur in eines Mannes Brust rein bleibt das Licht – lebet nur heiter mitten in der Verirrung, sterbet selbst heiter unter eines Rasenden Wut – Jissroéls Geistesleben bleibt gerettet – Gott wacht darüber, und,– auch nur an eines Mannes Licht – entzündet er es neu“.

    „Nicht mit Heeresmacht, nicht mit Körperkraft, sondern

    „mit meinem Geiste, spricht Haschém Z’woauß!“

     

    Samson Raphael HIRSCH : Chauréw, Versuche über Jissroéls Pflichten in der Zerstreuung, zunächst  für Jissroéls denkende Jünglinge und Jungfrauen. Vierte Auflage Frankfurt  a.M. Verlag J. Kaufmann 1909

    10-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    09-12-2020
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    Rabbiner Ludwig STERN

              (1812-1890)

     

    73. Die Chanukkofeier.

     

    (aus: עמודי הגולה Die Vorschriften der Thora welche Jissroél in der Zerstreuung zu beachten hat)


     

    1.       Nach dem Untergang des Perserreiches entstanden viele lange Kriege, in deren Folge das heilige Land in die Gewalt verschiedener Herrscher geriet, bis es endlich, unter die Oberherrschaft der Könige von Syrien gelangte.

     

    2.       Im Verlauf dieser Kriege waren unsere Väter vielfach mit den heidnischen Griechen in Berührung gekommen und hatten sich auch viele Heiden in Palästina niedergelassen. Da waren viele unter dem jüdischen Volke, denen die heidnischen Unsitten gefielen, und die bestrebt waren, heidnische Gebräuche in Jissroél heimisch zu machen.

     

     

    3.       Als sich aber die Frommen dem widersetzten, da wurden die Heidnischgesinnten zu Verrätern an Jissroél und der Thora. Sie beredeten nämlich den König Antiochus Epiphanes von Syrien; er möge Jissroél durch Gewalt zwingen, das Heidentum anzunehmen. Diesen Rat befolgte der grausame König sehr gerne. Zuerst schickte er seine Feldherren, dann kam er selbst mit großen Heeren nach Palästina, ließ viele Tausende niedermetzeln, drang in den Tempel, verunreinigte ihn und ließ ein Götzenbild darin aufstellen.

     

    4.       Damit nicht zufrieden, erließ er Befehle, durch welche die Ausübung der Gebote Gottes bei Todesstrafe untersagt und die Verehrung seines Götzen geboten wurde. Dann schickte er Henker im Lande her, die alle Bewohner zur Befolgung dieses Befehls zwingen sollten. Wer ein Gebot der Thora befolgte, wurde getötet; wer sich weigerte, Götzen zu verehren, ebenfalls. Viele gehorchten und fielen von Gott ab; andere flohen in die Wüsten und die Gebirge, wo sie sich kümmerlich von Wurzeln und Kräutern nährten. Das heilige Land, die Stadt Jerusalem und der Tempel waren verödet, nur Fremde hausten darin.   

     

     

    5.       Da erhob sich die fromme Priesterfamilie Hasmonai (חשמנאי); Matitja (מתתיהו) mit seinen fünf Söhnen. Sie fielen nicht ab, sie flohen nicht, sie leisteten Widerstand. Juda, mit den Beinamen Makkabi (מכבי), der dritte Sohn Matitja’s, ein löwenkühner Held, sammelte eine kleine Schar ihm gleichgesinnter Streiter und nahm den Kampf gegen den tausendfach überlegenen Feind auf. Gott war mit den um die Thora, um ihr Vaterland kämpfenden und diese erfochten glänzende Siegen.

     

    6.       Nach mehrjährigen schweren Kämpfen gelang es ihnen, den Feind soweit zurückzudrängen, daß sie Jerusalem und den Tempel wieder in ihre Gewalt bekamen. Mitten im Kriege, von Feinden noch ringsum bedroht, räumten sie die von Schutt und Dorngestrüpp bedeckte Tempelstätte, reinigten das geschändete Heiligtum, stellten den Altar wieder her, richteten den Opferdienst wieder ein und weiheten den Tempel acht Tage lang ein. Zum Anzünden des heiligen Leuchters fand man ein mit dem Siegel des Hohenpriesters versehenes Krüglein Öl, welches, obwohl nur für einen Tag bemessen, acht Tage ausreichte, bis neues, reines Öl hergestellt war. Die Einweihung begann am 25. Kislew. Zur Erinnerung hieran und an alle diese wunderbaren Ereignisse ordneten die Weisen jener Zeit an, daß wir alljährlich, mit dem 25. Kislew beginnend, das Einweihungsfest (חנוכה) feiern acht Tage lang. Für diese Feier gelten folgende Vorschriften.

     

     

    7.       Jeder, auch der ärmste, ist verpflichtet, während der acht Abende (erstmals vom 24. auf den 25.) außer dem Lichte für den Haushalt noch besondere Lichter anzuzünden. In Familien wo Männer anzünden, zünden den Frauen gewöhnlich nicht an, jedoch sollen Knaben dazu angehalten werden (32,3). Alleinstehende Frauen aber, oder Frauen deren Männer verhindert sind, sollen anzünden. Die nichtanzündenden Frauen sollen jedoch beim Anzünden der Männer zugegen sein; auch sollen die Frauen nichts arbeiten, so lange die Lichter brennen. – Am ersten Abend zündet man ein Licht an, dann jeden Abend eines mehr, so daß es am achten Abend acht sind. – Die Lichter jedes einzelnen anzündenden Hausgenossen sollen von denen der andern so getrennt stehen, daß sich erkennen läßt, wie viele Personen angezündet haben. – Mann beginnt auf der rechten Seite, zündet dann jeden Abend nach links neu hinzugefügte Licht zuerst an. – Die Lichter sollen geradlinig, innerhalb des Raumes von 3 – 10 Fausthöhen über den Fußboden aufgestellt werden, die Lampe ist in diese gesetzliche Stellung zu bringen, bevor die Lichter angezündet werden. Wenn tunlich, sollen die Lichter  so angebracht sein, daß sie von der Straße aus gesehen werden. Man darf Öl oder Wachskerzen als Brennstoff benützen; ersteres soll jedoch vom besten und reinsten genommen werden und letztere müssen einfach, dürfen nicht geflochten sein. – Man zündet die Lichter beim Beginn der Nacht an; der Brennstoff muß mindestens auf die Dauer einer halben Stunde berechnet sein. Wer aus irgendeinem Grunde so spät anzündet, wenn alle seine Hausgenossen schon schlafen, spricht keine ברכה. – Man darf die Chanukkalichter nicht zu irgend einer Verrichtung benützen.  Reisende, für welche zu Hause Lichter angezündet werden, sind nicht verpflichtet, auf der Reise solche anzuzünden; doch sollen sie, wenn möglich, beim Anzünden eines andren zugegen sein und אמן auf dessen ברכה sprechen. – Am Freitag  soll man soviel Brennstoff nehmen, daß die Lichter noch etwa eine halbe Stunde in die Nacht hinein dauern. Am Ausgang des Sabbats zündet man die Lichter vor הבדלה an. – Vor dem Anzünden spricht man am ersten Abend die drei im Gebetbuche aufgenommenen ברכות; an den übrigen Abenden bleibt שהחינו weg.

    Man liest jeden Tag aus der Thora einen Teil von IV. Mos. 7, betet das ganze Hallel und schaltet beim Tischgebet und ש"ע das Gebet על הנסים ein. (ח"א קנד)

     

     עמודי הגולה Die Vorschriften der Thora welche Jissroél in der Zerstreuung zu beobachten hat. Ein Lehrbuch der Religion für Schule und Familie von Ludwig Stern, Direktor der israelitischen Schule in Würzburg. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage (S.155 - 157) Frankfurt a.M. Verlag von J. Kaufmann 1886

     

    Teil unseres Studienprogramms Herbst-Winter 5679

    09-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    Rabbiner Dr. Salomon BREUER

                    (1850 – 1926)

     

    וישב

     

    Belehrung und Mahnung  zur Wochenabschnitt WAJÉSCHEW (Auszug)

     

    ….

    Meine Brüder und Schwester! Wir feiern in diesen Tagen das heitere Chanukofest[1]. Das Chanukolicht erzählt von den מפעלות אלקים, von den wundervollen Gottestaten, die in jenen Makkabäerzeiten sich vollzogen, von dem Sieg des Lichts über die Finsternis und der Wiederweihe des geschändeten Gottesheiligtums – es erzählt aber auch נורא עלילה על בני אדם von den leidvollen, schweren Phasen, unter denen der Gottessieg heranreifte: denn in jenem furchtbaren Kampf, den griechischen Verfolgung gegen den Bestand der Thora entfesselt hatte, schwand die Kraft und die Standhaftigkeit aus vielen Herzen, die den Verlockungen griechischer Unsitte erlagen oder nicht den Mut aufbrachten, den Tod ins Auge zu schauen – bis jener kleine Kreis sich erhob, denen Mathisjahus Heldengeist die Kraft einhauchte, inmitten aller Trostlosigkeit und Leidensnot, in festem Vertrauen auf die Siegeskraft, die Gottes Menora verleiht, Gott die שירה ihres Lebens anzustimmen. – Und der שירה ihres Lebens danken wir die Chanuko unseres Heiligtums!

    Meine Brüder und Schwestern! Auch wir leben in einer Zeit[2]) in der נורא עלילה על בני אדם die Stadien der in der Entwicklung begriffenen Gotteshandlungen in furchtbarer Schwere auf der Menschheit lasten. המו גוים תמוג ארץ  מטו ממלכות -„Völker toben, Reiche wanken – die Erde ist in Auflösung“ (Ps. 46,7). Doch wir wollen nicht verzagen, nicht den Mut sinken lassen לכו וראו מפעלות אלקים. Hinweg von der Gegenwart wollen wir der Zukunft entgegenharren, in der מפעלות אלקים als הנה טוב מאד sich erweisen werden.

    Fragen aber wollen wir uns: Was haben wir Juden in dieser sturmbewegten Zeit zu tun, was zu unterlassen?

    Vor allem wollen wir auf die Prophetenmahnung (Jes.26,20) hören: - עד יעבור זעם  לך עמי בא בחדריך. In stiller, bescheidener Zurückgezogenheit wollen wir den Sturm vorbeibrausen lassen und nicht durch eine wie immer geartete Beteiligung unseren Feinden früher oder später den Vorwand zu gesteigerter Gehässigkeit liefern. In treuer Wahrung patriotischen Pflichten wollen wir in ruhiger Gefasstheit die Zeit abwarten, עד יעבור זעם da der Zornessturm sich gelegt haben wird.

    Doch eins wollen wir in unserer sturmbewegten Zeit lernen: lernen – umzulernen! Wenn ein großer Teil der Völker sich anschickt umzulernen, entschlossen ist, der Macht der Ideen sich rückhaltlos zu unterordnen, von einem Ausgleich und schwächlichen Kompromissen nichts mehr wissen will – so wollen wir in unserem Leben das gleiche tun. Die Macht unserer Ideen aber ist einzig und allein der אמת, unter dem wir die Forderungen unserer gottgeoffenbarten תורה verstehen: ה' עוז לעמו יתן eine Macht hat Gott seinem Volke verliehen אין עוד אלא תורה – das ist die Macht der Thora, ה' יברך את עמו בשלום sie allein bringt den Frieden und die von Menschen ersehnte Freiheit חרות על הלוחות ( א"ת חרות אלא חרות ) denn wahrhafte Freiheit blüht nur auf den Tafeln des Gottesgesetzes! Dieser Macht der Thora-Idee wollen wir uns rückhaltlos unterwerfen, jedes Kompromiss, jede künstliche Vereinigung und widernatürliche vermittelnde Brücke zwischen Ja und Nein, zwischen אמת und שקר ablehnen. Lernen wir um, verlassen wir solche Brücken, sie stürzen früher oder später kläglich zusammen. –

    Und nun noch eines. Das Ziel der mizrischen Erlösung war die Besitznahme des gelobten heiligen Landes, das Gott unseren Vätern und deren Nachkommen für alle Zeiten zugeschworen, solange sie der Macht der Thora-Idee sich rückhaltlos unterordnen. Was in unseren Tagen aus dem Heiligen Lande werden soll, wissen wir nicht, können wir nicht wissen. So viel steht fest: Solange nicht der persönliche Messias uns im Namen Gottes das Heilige Land zuerteilt, solange haben wir den Schwur, den unseren Väter beim Verlassen des heiligen Landes geleistet, gewissenhaft zu halten.

    In hingebungsvoller Treue wollen wir unsere bürgerlichen Pflichten nachkommen in dem Landen das uns mit Weib und Kind Aufenthalt gewährt und uns die Möglichkeit der Erfüllung unserer Thora-Pflichten zusichert. Sollte aber der eine oder der andere aus reinen, lauteren Absichten den Aufenthalt im Auslande sich erwählen, so müsste dieses Ausland nunmehr das Heilige Land sein. Mehr als je dürfte es in unserer Zeit auf Grund der bestehenden Verhältnisse heilige Pflicht sein, das Heilige Land mit recht vielen aufrichtigen treuen Jehudim zu besiedeln, damit es nicht ח"ו zum Tummelplatz Gott und Thora höhnender, zügelloser Willkür werden von der jenes Prophetenwort gilt ותבאו ותטמאו את ארצי ונחלתי שמתם לתועבה. –

    לכו וראו מפעלות אלקים ruft uns das Chanukofest, ruft uns unsere Gegenwart zu: Gleich den Vätern stehen wir am Meere. – Auf Gottes Beistand vertrauen wir, wie den Vätern so wird auch uns Gott den Weg durchs Meer bahnen, שם נשמחה בו und uns mit der Thora im Arme die Freude am Leben gewähren. –

    In diesem Geiste möget ihr, meine Söhne, als בהי מצוה heranwachsen. Beim Scheine der Chanukolichter gelobet, ב"מ zu sein, ב"מ zu bleiben. In allen Versuchungen und Prüfungen haltet unerschütterlich treu und fest zu Gott uns seinem Gesetz, und bekennet in allem, was Gott euch gewährt und versagt הנה טוב מאד.

    An der Macht der Thora-Idee möget ihr, wollen wir alle immer erstarken, damit uns Gott endlich die Segnungen eines dauernden Friedens gewähre ה' עוז לעמו יתן ה' יברך את עמו בשלום.

     

    Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER  Belehrung und Mahnung erster Teil Genesis  J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1936 S. 76 - 85



    [1] In jenem Jahr – die Schriftleitung

    [2] Diese Predigt wurde am שבת חנוכה תוע"ט לפ"ק gehalten.

    09-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    08-12-2020
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.„Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen“ 9.Folge
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    Schriften zur Aufklärung über den Zionismus 

    N° 2 „Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen“

    Herausgegeben vom Antizionistischen Komitee Berlin 1913

     

     

    II. DAS WESEN DES ZIONISMUS

     

    …Ist es nicht geradezu ein verbrecherischer Wahnsinn, sich über den Universalismus und den Weltengott, über die Mission des Judentums mit dem billigen Spott der Beschränkung lustig zu machen, diese erhabene Lehre zu verwerfen, weil unsere Zeit ihnen nicht günstig ist, weil wir sichtbare Erfolge unserer Weltanschauung zahlenmäßig nicht feststellen können? Ist der Erfolg überhaupt ein Maßstab für die Richtigkeit einer Idee? Bleiben unsere Propheten nicht doch, was sie sind, behalten ihre Lehren nicht ihren Wert, wenn auch ihre Zeit sie mit Schmutz und Hohn bewarf, wie es heute der Zionismus mit jedem andersdenkenden tut? War darum die gewaltige Kraft  ihrer Begeisterung geringer an Wert, waren darum ihre Grundsätze schlecht, weil sie kein Gehör fanden, und viele von ihnen, vom Volke verachtet und verfolgt, verdarben und starben? Nein, der äußere Erfolg ist noch niemals der Maßstab für den inneren Wert einer Sache gewesen, und damit kommen wir zum wichtigsten religiösen Gute, das der Zionismus zerstört. Der Glaube an den gerechten und liebenden Weltengott und das Streben, diesen Glauben zu verbreiten, gipfeln in den Gedanken an das messianische Reich, an jene Zeit, da auf Erden wirkliche Harmonie, wirklichen Frieden, echte Kultur herrschen werden,  und alle Welt da die enge Schranken der Konfessionen und Nationen,  die an allen Krieg und Streit die Schuld tragen, gefallen sein werden den einen einzigen Gott anbetet. Dieser Glaube war es allein, der dem Judentum zu allen Zeiten, Kraft und Ausdauer gab;  ihn zerstören und leugnen heißt das Judentum selber zerstören. In ihm stimmen auch alle Richtungen des Judentums sachlich überein, wenn sie auch in Einzelheiten eine verschiedene Auffassung haben. Und was macht der Zionismus aus diesen Grundglaubensatze der Religion? Sein Messianismus ist ein rein nationaler, er träumt von einem jüdischen Reiche,  das nicht etwa,  – wie die Verheißungen der Propheten und die innigen Wünsche unserer Gebeten es zum Ausdruck bringen – dann sich erheben wird, wenn alle Völker sich dem einzigen Weltengotte zugewandt haben werden, sondern sein Ideal ist ein Staat, der sich mitten unter der Unruhe und dem Hasse der Welt aufbaut,  dessen Zukunftsehen die eigene Wohlfahrt, die eigene Sicherheit ist, der aber im übrigen sein Schicksal getrennt  hat von dem der Welt. Dieses kleinliche und beschränkte Messiasideal ist dem Judentum wesensfremd, dessen wahren Zukunftshoffnungen Vereinigung und Liebe, nicht Haß  und Absonderung verkünden. Nur das Wort hat der Zionismus behalten, aber der Inhalt ist verfälscht, und die messianische Vorstellung des Nationalismus ist verderbliche, verwirrende Phrase!

     Zionismus und jüdische Religion, ein beschränkter Nationalismus und der Glaube an einen Weltengott sind unvereinbare Gegensätze.  Wer das Judentum kennt und liebt, wer seine wertvollen Güter behalten will, muß den Nationalismus ablehnen. In diesem Punkte sind Orthodoxe und Liberalen sich einig, einig in dem Wunsche, die religiöse Kraft des Judentums zu stärken, einig in dem Bewußtsein daß  der Zionismus theoretisch mit der jüdischen Religion unvereinbar ist!
    … …

     

    (wird fortgesetzt)

     

     

     

    Mit Dank an Frau Manja BURGERS, Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

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    08-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    07-12-2020
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    Rabbiner Dr. Raphael BREUER

                (1881-1932)

     

     

    Chanukko-Gedanken

     

    Quelle: Nachalass Zwi 5693:1933 III. Jahrgang S. 65-72




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    06-12-2020
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    וישב

     

    הנה מהˉטוב ומהˉנעים שבת אחים גםˉיחד

     

     

    „Lied der Emporgänge. Seht, wie gut, wie lieblich, wenn Brüder auch zusammen wohnen!“

     

    (Psalm 133,1 – Übersetzung Samson Raphael Hirsch)

     



    1.

    Heil, wenn in seligem Frieden

    Brüder die Liebe vereint,

    Was dann auch jedem beschieden,

    Sonne des Glücks ihn bescheint.

    2.

    Zwietracht verdoppelt Leiden,

    Lähmet des Edelmuts Kraft, –

    Fülle der heiligsten Freuden,

    Quillt, wo die Einigkeit schafft.


    Aus: Erbauungsbuch „Bibel- und Talmudschatz“ J.H. Kohn S.109  13.Auflage Hamburg 5691 – 1931

    Die beste Anschrift für antiquarische JudaiCa:

    Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    Inhaberin: Frau Manja BURGERS

    http://www.spinozabooks.com

     

     

    06-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    04-12-2020
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    Rabbiner Samson Raphael HIRSCH

                                  (1808-1888)

     

    וישלח פרשת

     

    Aus seinem Kommentar zur Wochenabschnitt Wajischlach

     

        

    Kap.32 V.8 Da fürchtete sich Jaakob sehr und es war ihm Angst. Er teilte die Leute, die er bei sich hatte, und so auch die Schafe, de Rinder und die Kamele zu zwei lagern,

     

    Kap. 32, V.8 …Wie Jakob und Esau hier einander gegenübertraten, so stehen sie bis auf den heutigen Tag Jakob und Esau gegenüber. Jakob: der dienende, arbeitende, sorgenerfüllte, mit Familiengliedern gesegnete Familienvater. Esau: der „fertige, gemachte“ Mensch. Was Jakob trotz des erhaltenen Segens und der erhaltenen Erstgeburt erst durch zwanzig mühevolle Jahre hatte erringen und erkämpfen müssen und nun als das größte Los, als die größte Errungenschaft mit heimbrachte: selbständiger Familienvater sein zu können, das ist andern die von der Wiege an mitgegebene natürlichste Voraussetzung, das hatte Esau „der fertige, gemachte“ Mensch, schon, als Jakob erst auszog, in vollen Maße besessen; und während Jakob mit seiner Arbeit das Glück errang, Familienvater zu sein, war Esau inzwischen eine politische Größe, war Volks – Heerführer, ein אלוף mit seinen Reisigen geworden. So der äußere  Gegensatz des „Fersenhalters“ und des „Gemachten“.

    Zwei Prinzipien sinds,  die sich in Jakob und Esau begegnen und deren Kampf und Sieg die Weltgeschichte bedeutet. Das menschlich beglückende und beglückte Familienleben in Jakob, der Glanz politischer Macht und Größe in Esau. Jahrtausende herab gilts dem Kampfe: ob es genüge, Mensch zu sein, und alle soziale und politische Macht und Gestaltung nur Wert habe als Mittel, dieses Höheziel aller Menschenbestrebungen zu erreichen, oder ob alles Menschliche im Menschen, Haus und Familienleben, nur da sein, um den Trophäen der Politik u.u. zum Unterwurf zu dienen;

    Und wie ganz anders ist Jakob dem Esau gegenüber, als eben dem Laban. Wir erkennen, welche Kraft das Bewusstsein der Unschuld gibt und welch ein drückendes Gefühl selbst auch nur aus dem Anschein einer Verschuldung erwächst. Zwanzig Jahre Kampf gegen unschuldig zu erleidenden Unrecht schlagen nicht so nieder, als  eine Minute einem Menschen gegenüber, von dem wir wissen, daß er sich durch uns gekränkt fühlen muss und die Motive, die uns, wenn auch nicht rechtfertigen; doch entschuldigen können, gar nicht einzusehen vermag!

    Jakob fürchtete, obgleich ihn die Schutz zusagende Gottesverheißung geleitete: מכאן, bemerkt das lehrende Wort der Weisen, שאין הבטחה לצדיקים בע"הז, es gibt keine unbedingte Zusicherung dem Frommen in diesem Leben. Eine jede ist durch fortdauernde Untadelhaftigkeit bedingt, ein jede kann in jedem Augenblick durch ein Fehltritt verscherzt werden; שמא יגרום החטא, das ist die Besorgnis, die aus der Brust der erwähltesten Frommen nie weicht.– …

    In solcher Lage fühlte sich Jakob damals Esau gegenüber, und das ist die Lage, in der wir uns Jahrhunderte herab den Esauvölkern gegenüber befanden. Es ist das jener Zustand, den die Galuthverkündung חמת קרי (3 B.M. 26,28), „Wüthen des Zufalls“, nennt, dass unser Heil, unser Leben, unser Fortkommen nirgends das Beabsichtigte, Maßgebende war, sondern sich den Zwecken aller Übrigen als das Unberechtigte hingeben und sich mit dem begnügen musste, was als Abhub von der Glückstafel des andern uns zufällig zufiel. ויצר לו sagte demnach: Jakob fühlte, dass er der Willkür des an der Spitze einer bewaffneten Macht gegen den heranziehenden Esau völlig preisgegeben sei, und um doch etwas zu retten – teilte er. So war auch unsere Zerstreuung im Galuth das Mittel unserer Erhaltung und Rettung. Nie und nirgends konnte uns Esaus Schwert auf einmal erreichen. Während wir am Rhein bluteten, waren unsere Brüder im Slawenreiche glücklich, und umgekehrt. צדקה עשה ה"בה לישראל שפזרן לבין האומות (Pesachim 87b).  Dasselbe tat Jakob im Drange der Not.                           

    V.25 Übrig blieb Jaakob allein, da rang jemand mit ihm, bis der Morgen heraufzog.

     

    V.25 …Es hatte Jakob die Winzigkeit des Beistandes, dem er von den Seinigen zu erwarten hatte, gegen diese diesem gegenüber riesige Macht Esaus gemessen, und das Resultat dieser Erwägung hatte ihm einen Angstruf zu Gott entlockt, auf welchem ihm noch erst die Antwort werden sollte. Diesen Angstruf „הצילני נא“ bezeichnen die Andeutungen der Propheten, als das dritte Merkzeichen der Geula, als der Geula, die sich in der vollendeten, preisgebenden Machtlosigkeit des Galuth bewährt. Das Erlebnis, das ihm die so bedeutungsvolle Antwort bringen sollte, traf ihm entsprechend in einem solchen Momente, wo er auch noch des winzigen Beistandes, dessen er gewärtig sein konnte, beraubt, völlig allein sich befand, und nur auf das seiner Persönlichkeit Inwohnende angewiesen war. …

     

     

    V.27 Da sprach er: Entlasse mich, denn der Morgen ist heraufgezogen. Er aber sprach: Ich entlasse dich nicht, du habest mich denn gesegnet.

     

    V.27 …Das Ziel der Geschichte            liegt nicht darin daß Jakob gezwungen werde in die Masse der Völker aufzugehen, sondern umgekehrt, daß die Völker zur Einsicht gelangen, gerade in dem, inmitten aller Kämpfe von Jakob vertretenen und emporgehaltenen Prinzipe liege auch das Heil der Völker, dem sie sich huldigend anzuschließen, und das vielmehr sie selbst mit allen ihren geistigen und materiellen Mitteln zu fördern, ja als das einzige Ziel anzustreben haben. –

     

    V.29 Da sprach er: Nicht Jaakob soll mehr dein Name gesprochen werden, sondern Jissroél; denn du bist bei Gott und bei Menschen der Überragende geworden, da du vermocht hast.

     

    V. 29  לא יקרא nicht   , לא יאמר: dein Name soll nicht mehr „der die Ferse zu halten Bestimmte“ „gedeutet“ werden; nicht, er soll nicht mehr Jakob heißen (erteilt wird ihm der Name Israel erst später durch Gott, Kap. 35,10) sondern der Name Jakob selbst soll als Jissroél begriffen werden. ישראל vonשרה , der einen Seite des Herrscherbegriffes, überragen, größer sein, heißt ja wörtlich: Gott ist der Überragende, der alles andere an Macht und Größe Überwältigende, und das soll in Wahrheit die Bedeutung des Zustandes sein, der durch יעקב ausgedrückt ist. Nur wenn ein ,יעקב eine seiner äußeren Erscheinung nach nur unter die Ferse alles übrigen Gewiesenes, die feindseligste Angriffe und Kämpfe des materiell gerüsteten Gegners siegreich besteht, weist dieser Erfolg auf das Vorhandensein einer alle materielle Größe und Macht überwiegenden geistigen Kraft, auf das Vorhandensein einer Gottesmacht hin, die sich eben in der siegreichen Ausdauer dieses äußerlich Schwachen offenbart, und ist somit gerade יעקב als ישראל zu begreifen. –

    ותוכל, da du vermocht hast. Du hast das vollständig erreicht, was du gewollt, nicht ich. Ich wollte dich niederwerfen, das habe ich nicht vermocht; Du wolltest nur nicht niedergeworfen werden, das ist dir gelungen. Das ist auch für alle Zeit die Stellung Jakobs und Esaus geblieben. Politisch und religiös spricht Esau: außer mir kein Heil, und erkennt seine Existenz für beeinträchtigt, so lange noch außer ihm ein Jakob, so lange es  außer ihm noch eine Potenz gibt, die es beansprucht, auch zur Gestaltung der Welt in voller Berechtigung zu gehören; Jakob lässt alles Reinmenschliche in unangetasteter Berechtigung, ja verkündet allem Reinmenschlichen gerade die höchste Bedeutung und Blüte, wenn es den von ihm zu bringenden Geist in sich aufnimmt und zur Verwirklichung hinauslebt. „Segnende Anerkennung“ ist das einziges um welches Jakob mit Esau ringt. …

     

    V.30 Jaakob fragte darauf und sprach: Sage mir doch deinen Namen. Er aber sprach: Wozu dies, daß du nach meinem Namen fragst? Und er segnete ihn dort.

     

    V. 30 … Er segnete ihn dort, ist doch jedenfalls eine räumliche Beschränkung. Es scheint daher: Eben dort ward Jakob die segnende Anerkennung, wo er, an der Grenze, mit der Wiederkehr in das jüdische Land der eigensten Entwicklung des jüdischen Geistes und der abrahamitischen Bestimmung zuwandert. So winkt nicht durch kosmopolitisches Aufgehen in die Völkerströmung seinen Sprösslingen die Anerkennung und der Segen, sondern שם, gerade bei der vollendesten Einkehr in die scheinbar isolierende Bestimmung, die der jüdische Boden für alle Zeiten trägt.    

     

    V.33 Darum sollen Jissroéls Söhne nicht die Sehne der Schwäche essen, welche am Hüftballen ist, bis auf diesen Tag; denn er hat an Jakobs Hüftballen an die Sehne der Schwäche gegriffen.

     

    V. 33 גיד הנשה wäre somit: die Sehne der Unterordnung, der Widerstandslosigkeit, Machtlosigkeit, somit nicht die anatomische, sonder die historische Beziehung der Spannader. Durch Losreißung derselben hat Jakobs Gegner dem durch sie an das Bein gehefteten Hüftsmuskel die Kraft genommen, das Bein zu regieren, diesen Verlust hat Jakob durch seinen Gegner erlitten, in dieser Beziehung hat er ihm nicht Widerstand leisten können. Die Sehne ist da, der Muskel ist da, aber der Gebrauch ist gehindert. Jedoch nicht auf ewig. נשה ist ein nur zeitweiliges Aufgeben, kein ewiger Verlust. Jakob ist ein נשה, hat einst eine große Rechnung mit שרו של עשו abzumachen. Wenn aber die Erinnerung an dieses Ereignis für alle Zeiten durch das Genussverbot der Spannader unter Jakobs festgehalten werden soll, so kann sicherlich nicht die Absicht sein, daß alle seine Nachkommen von der Tatsache Kunde erhalten, es habe ihr Stammvater in Folge eines Ringkampfes gehinkt, ebenso wenig wie das Chomezverbot uns nur darüber für alle Zeiten au fait halten sollen, welches Brot unsere Väter bei ihrem Auszuge aus Egypten gegessen. Beide Tatsachen sind an sich von so geringfügiger Bedeutung, daß deren Verewigung durch ein göttliches Gesetz nur dann erforderlich wird, wenn sich, wie es in der Tat ist, darin Wahrheiten von tiefeingreifenden Folgen für unsere Gesamtbestimmung knüpfen, die eben durch ein solches Genussverbot ihren Ausdruck und ihre ewige Neubelebung gewinnen sollen.

    In einer solchen Bedeutsamkeit haben auch die Weisen dieses Verbot aufgefasst, indem sie die Stelle: Jesajas 9,7 f.: „Ein Wort hat Gott einst an Jakob gesendet und es hat in Jissroél seine Stelle gefunden, das soll das Volk ganz kennen lernen, Ephraim und Samariens Bewohner, die so stolz und hochmütig sind zu sprechen: (eigentlich: in ihrem Stolz und Hochmut sprechen): Ziegel sind gefallen, Quadern bauen wir auf, Sykomoren sind gefällt, mit Zedern ersetzen wir. Und während Gott Rezins Feinde  u.s.w. kehrt das Volk doch nicht zurück zu dem, der es in Wahrheit schlägt, und Gott Zebaoth haben sie in allem dem nicht gesucht“, – also erklären: דבר שלך ד' ביעקב זה גיד הנשה ונפל בישראל שפשט איסורו בכל ישראל (Chulin 91A). Das Wort, das Gott an Jakob gesendet, auf welches der Prophet hier hinweist, ist das Spannaderverbot (es war dies ein tatsächlich an Jakob gesendetes Wort), es hat in Jissroél seine Stätte gefunden, d.h. das Verbot in Jissroél Platz gegriffen.

    Nach allem diesen dürfte die Bedeutung dieses Verbotes nicht zweifelhaft bleiben. Nicht zu besiegen und nicht niederzuwerfen vermag Esaus Genius Jakob während des ganzen nächtlichen Kampfes, wohl aber ihm die Sehnen zu durchschneiden, ihm an den Gebrauch seiner natürlich ihm zustehenden materiellen Kräfte zu hindern. Hinkend nur, nicht auf beiden Füssen stehend, ohne festen Stand und Gang auf Erden, schreitet Jakob durch die Geschichte. Und diese irdische Haltlosigkeit ist notwendig, um Esau endlich die Augen zu öffnen. Stünde Jakob gleich Esau an der Spitze seiner vierhundert Reisigen, seine Unbesiegbarkeit wäre nie der Gottesfinger in der Geschichte geworden. Darum sollen auch die Söhne Jakobs, (der ja eben dadurch diese materielle Schwäche und in ihr ‚Israel’, der Fingerzeig für die alle obsiegende Gottesmacht sein soll), „diese Sehne der Unterordnung und materiellen Schwäche nicht essen“, es soll ihnen, so oft sie sich an den Tisch setzen, aus dem Wanderbuch ihres Lebens die Mahnung entgegentreten, daß sie auf diese Sehne, auf die Unterordnung unter Esau verfallende Kraft, heiter Verzicht leisten, sich mit ihrem Dasein und dessen Erhaltung nicht auf sie hingewiesen, um etwa deshalb weniger geschützt und zum Gange durch die Zeiten weniger gesichert fühlen sollen, weil sie nicht wie Esau mit dem Schwerte gerüstet, ja nicht einmal festen Schrittes auf Erden auftreten. Für Jakob-Israel liegt im anderem, höherem, nicht von Esau zu schwächendem die Kraft. Wenn Jakob fällt, fällt es nicht, weil es an materieller Macht Esau nicht gleichkommt, sondern weil es nicht verstanden, sich den Schutz seines Gottes zu erhalten. Wenn Jissroél steht, steht es nicht, weil Gott eine feste materielle Stütze, sondern weil sein Gott es auf Adlerflügeln seiner Allmacht trägt. Das ist das Wort, dessen voller, ganzer Inhalt dem Volke zum Bewusstsein kommen soll, das, wenn, es sich geschlagen sieht, die Ursache seiner Kalamität nicht in Gott, sondern darin sucht, daß es sich bisher nicht hinreichend mit materieller Schutzwehr vorgesehen, und statt durch Rückkehr zu Gott seine Zukunft sichern, in nichtigem Selbstgefühl spricht: was von Ziegeln zusammengefallen, bauen wir mit Quadern auf, Weiden konnte man umhauen, Zedern wird man nicht! Vier göttliche Institutionen zählt das Buch בראשית: שבת und מלה, קשת und גיד הנשה was die ersten beiden für die Gesamtmenschheit bedeuten, das sind die beiden letzten für den engeren Kreis. שבת sichert die geistig sittliche Bestimmung der Menschheit, מילה Israels. קשת ist das Wahrzeichen für die Geschichte der Menschheit, גיד הנשה für die jüdische Geschichte. Die vom Menschen werdende Geschick, diese beiden Seiten bilden aber die Summe alles Einzeln- und Gesamtdaseins auf Erden.–                   

     

    Kap. 33. V. 1 Jaakob erhob seine Augen und sah, sie Esaw kommt – und mit ihm – vierhundert Mann. Da teilte er die Kinder auf Lea, auf Rachel und auf die beiden Mägde.

     

    Kap. 33 V 1: Er sah Esau nicht durch die Geschenke entwaffnet, er hatte seine Kriegsleute nicht entlassen, da teilte er u.s.w. Wie die Weisen diese ganze Geschichte als Programm für unser Verhalten Esau und den anderen Mächten gegenüber betrachten, so lernen wir auch hier, wenn uns auch die Zuversicht zu Gott und seinen Verheißungen erfüllt, doch immer das Unsrige zu tun אין סומכין על הנס.         

     

    V.4 Da lief ihm Esaw entgegen und umarmte ihn, warf sich an seinen Hals und küsste ihn; und sie weinten.

     

    V. 4 …Dieser Kuß und diese Tränen lassen uns auch in Esau den Nachkommen Abrahams erkennen. In Esau kann nicht bloß der wilde Jäger gelegen haben, wie wäre er sonst fähig geworden, ein Beherrscher der ganzen Entwicklung der Menschheit zu werden. Das bloße Schwert, die bloße rohe Gewalt befähigt nicht dazu. Aber auch Esau legt nach und nach, und immer mehr der Humanität Raum, und zwar ist es gerade Jakob, an dem Esau zumeist Gelegenheit hat zu zeigen, daß und wie das Prinzip der Humanität bei ihm zum Durchbruch zu kommen anfängt. Wenn der Starke das Recht des Starken achtet, so mag es Klugheit sein. Erst wenn der Starke, wie hier Esau, dem Schwachen um den Hals fällt und das Schwert der Gewalt weithin von sich werft, erst dann zeigt sich, das Recht und Menschlichkeit in ihm zum Siege kommen.

     

    V.20 : Dort errichtete er ein Altar zum Denkmal und verkündete sich: Gott ist Gott Jissroéls.

     

    V. 20… Die Väter קראו בשם ד' riefen nach außen im Namen Gottes, riefen die Menschen im Namen Gottes; riefen sie zu dem Bewusstsein, das Gott nicht nur der ist, der die Welt vor Jahrtausenden erschaffen, sondern der ist, der noch Himmel und Erde trägt und von dem noch unmittelbar jeder gegenwärtige und kommende Moment stammt. Was aber Jakob mit diesem als מצבה errichteten מזבח verrichten wollte, das hatte er nicht nach außen, das hatte er zunächst erst sich und den Seinen zu verkünden: das אל, daß die Allmacht, von der alles stammt im Himmel und auf Erden, daß sie אלקי ישראל sein und werden wolle, Jissroéls Gesetzgeber, Richter und Gott, sichtbar nicht nur in Jissroéls Geschick, sondern vor allem sichtbar in Jissroéls Tat. Ist ja dieser Gedanke bis auf den heutigen Tag noch zunächst Erbteil der Jakobsfamilie geblieben und hat noch erst seine Arbeit auch an uns zur vollen Verwirklichung zu bringen. „Glaube und Hoffnung“, „Tröstung und Stärkung“, diese מצבה-Gedanken sind außer dem jüdischen Kreise das, was vor allem von der Religion, von der Beziehung der Menschen zu Gott erwartet wird, und feiert diese daher vorzüglich ihre Siege als Retterin des Menschen im Schiffbruch des Geschickes. Aber die volle Unterwerfung des ganzen vollkräftigen Lebens unter den göttlichen Willen die Pflegung des Gesetzes als des alleinigen „Baume des Lebens“ für den einzelnen wie die Gesamtheit, die volle und ganze Beherrschung des Lebens in allen Beziehungen und Fugen durch die geoffenbarte Norm des göttlichen Willens, kurz, das Gesetz und der ihm entsprechende freie, freudige Gehorsam, die Gestaltung des ganzen Menschenlebens zu einem Denkmal der Gottesoffenbarung, das ist annoch der von Jakobs Haus allein gepflegte Schatz, und erst am Ende der Tage werden die Völker sprechen: יורנו מדרכיו ונלכה בארחתיו –

     

    Kap.35 V.11:  Gott sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allgenügende, werde fruchtbar und vervielfältige dich; ein Volk, und zwar eine Versammlung von Völkern, soll von dir werden; Könige sollen deinen Lenden, stammen,

     

    Kap. 35, V. 11 גוי וקהל גוים: das Volk, das von Volk, das von ihm stammen wird, soll nach außen eine Einheit und nach innen eine einheitlich gesammelte Vielheit werden. Jeder Stamm soll eine gesonderte Volksindividualität repräsentieren. Das Jakobsvolk, das als „Jissroél“ die alles irdisch Menschliche siegreich durchdringende und gestaltende Gotteskraft den Völkern offenbaren soll, soll darum nicht eine einseitige Erscheinung bieten, sondern als Mustervolk in nuce die verschiedensten Völkererscheinungen darstellen. Es soll in seinen Stämmen das Kriegervolk wie das Handelsvolk, das Volk des Ackerbaus, wie das der Wissenschaften u.s.w. zur Darstellung bringen, auf daß die Wahrheit durch die Welt hin leuchte, daß die Hingebung und Heiligung des Menschenlebens im Gottesbunde seines Gesetzes durch keine besondere Berufsstellung und Völkereigentümlichkeit bedingt, sondern die ganze Menschheit in aller ihrer Mannigfaltigkeit bedingt, sondern die ganze Menschheit in aller ihrer Mannigfaltigkeit berufen sei, en von Jissroél gelehrten einen einheitlichen Gottesgeist in sich aufzunehmen und die ganze Mannigfaltigkeit der Menschen- und Völkerindividualitäten zu einem einheitlichen Gottesreiche zu gestalten. Da dürfte denn auch das ולזרעך אחריך אתן את הארץ mit dem Siporno heißen:  und deinem dir nachfolgendem Samen werde ich einst die Erde geben – wie וצדיקים יירשו ארץ – es wird ihnen und dem von ihnen in treuer Nachfolge bewahrten geistigen und sittlichen Vermächtnis dereinst die ganze Erde  zufallen (Jes. 2,3)

    04-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    03-12-2020
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    Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH

                  (1833 – 1900)

     

    הפטרת פרשת וישלח

     

    Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes Wajischlach

     

     

    Hosea Kap. 12, V.13 bis 14,10

     

    Das Prophetenwort weist das gottvergessene, die eigene Kraft vergötternde Volk, auf die Bescheidenheit seines Ursprungs hin und zeigt, wie parallel mit der Geschichte Vater Jakobs auch in der des Volkes die Gotteswaltung allein der schützende, errettende und erhaltende Faktor ist,  wie des Volkes Geschick von Gott stets gestaltet wurde und werde je nach seiner Treue oder Untreue gegen das Gottesgesetz (K.13, 1-4). Es beklagt sodann die Verblendung, mit der es Gott, seinen Erlöser und Erhalter, als seinen ärgsten Feind betrachtet (K. 13,9), dagegen seinen Abfall als teure Errungenschaft sorgsam hegt (V.12), wodurch eine Abwendung der schweren Verhängnisse unmöglich werde (V.14). Denn unter diesen Umstände kann nur durch sie Jissroél zur Erkenntnis geführt werden, bei wem allein „Vatererbarmen finde das Verwaiste“ – (K. 14,4) so daß es,  befreit von Vergötterung der Menschenhülfe und der eigenen Macht, sich dem „ Tau der göttlichen Wahrheit“ öffnet und damit „Blüte und Schönheit wie die Rose“ und „Festigkeit und Bedeutung wie der Libanon“ gewinnt (V.6). Damit erfüllt es seine Sendung im Kreise der Menschheit (V. 7 und 8), und die Schule seiner Leidenserziehung ist vollendet (V.9).

     

    Kap.12 V.13 Jakob floh nach Arams Gefilden, und Jissroél diente um ein Weib und um ein Weib hütete er.

    14. Und durch einen Propheten hat Gott Jissroél aus Mizrajim geführt und durch einen Propheten wurde es beschützt.

     

    Kap.12 V.13 und 14. Als Flüchtling kam Jakob nach Aram und er, der „Jissroél“ d.i. durch Leben und Geschick „Verkünder der Gottesherrschaft“ werden sollte, musste, um ein Haus zu gründen, Knechtsdienste tun und um es zu erhalten, im Knechtesdienste verharren, „um sein Weib dienen und für sein Weib dienen“, und nur das unmittelbare Einschreiten Gottes schützt ihn auf seine Rückkehr aus Aram (1 B.M. 31,29). Flucht seine Auszug aus der Heimat, Flucht seine Rückkehr aus der Fremde. Und als für seine zum Volke herangereiften Kinder die Stunde der Befreiung gekommen, da traf sie diese Stunde als Sklaven. Und nicht durch einen König, nicht durch einen Feldherrn wurde Jissroél die Freiheit, sondern durch „einen Propheten hat Gott Jissroél erlöst und durch einen Propheten wurde es beschützt“. Nicht durch einen Mann der Macht, ja nicht einmal einen Mann der Rede, der etwa mit dem Feuerworte der Begeisterung sein Volk zum Kampfe zu entflammen gewusst und es dann, ein zweiter Abraham, zum Siege über die krieggeübten Unterdrücker geführt hätte. Vielmehr fehlte diesem Propheten mit der Macht der Rede auch gänzlich jenes Selbstvertrauen und jeder Glaube an die eigene Befähigung, die für jeden Volksführer unerlässliche Vorbedingung des Erfolgs sind. Dadurch gerade wurde er für seine Sendung der Geeignetste, denn nur so erschien er auch als das, was er war, nämlich als Werkzeuge und Bote Gottes. So bilden äußere Abhängigkeit, und Rettung und Erhaltung nur durch Gott die Signatur der Geschichte Jakobs und Jissroéls, das seine irdische Wohlfahrt nur von Gott erhält. Auf diese Stellung Jissroéls weist der Prophet das gottvergessene Volk fortwährend hin.

     

    Kap.13, 3 Deshalb werden sie sein wie das Morgengewölk und wie der Tau, der sich früh aufmacht und dahinschwindet, wie Spreu, die herausstürmt aus der Tenne, ja wie Rauch, der aus der Luke zieht.

     

    V.3 כענן בקר: wie das Morgengewölk das dahinzieht ohne Regen zu geben. –  וכעשן: ja noch weniger als Spreu, wie Rauch, von dem gar nichts zurückbleibt. – Jissroéls Erhaltung ist das Werk fortgesetzter besonderer Gotteswaltung. Entspricht es seine Bestimmung nicht, so braucht Gott, um es zu strafen, nichts gegen es zu tun, er braucht ihm nur seine besondere Fürsorge zu entziehen, wie dies in der großen Geschickesankündigung 3.B.M. 29,24 ausgesprochen ist, und, sich selbst überlassen, geht das von Gott abgefallene und deshalb von Gott preisgegebene Jissroél von selbst unter im Sturme der Zeiten. –

     

    V.10. Wäre ich nur irgendwie dein König, der würde dir helfen trotz aller deiner Städte, er wäre dein Rechtsvertreter, während du sprachest: Gieb mir einen König und Fürsten!

     

    V.10… ….

    אשר אמרת וגו'. Es wird hier auf den verhängnisvollen Moment hingeblickt, in welchem Jissroél von Samuel die Einsetzung eines Königs forderte. Gewiss war das Königtum auch in Jissroél von dem göttlichen Gesetze vorgesehen, und formell ist die Aufgabe des jüdischen Königs dieselbe, wie die der Könige in den nichtjüdischen Staaten: Sammlung der Nationalkraft zur Mehrung der Wohlfahrt im Innern und Stärkung der Wehrkraft nach außen. Allein materiell ist seine Stellung und Bestimmung eine grundverschiedene. Denn Jissroéls Nationalschatz und Jissroéls Wehrkraft ist seine Thora. Deren Verwirklichung zu mehren, über die Ausbreitung und Vertiefung ihrer Herrschaft im Leben der Nation zu wachen, das ist die Aufgabe des jüdischen Königs, dadurch arbeitet er an die Mehrung der inneren Wohlfahrt, dadurch sorgt er für die Sicherheit nach außen. Denn dadurch macht er sein Volk des göttlichen Schutzes teilhaftig. Deshalb soll er das Ideal der Bestimmung seines Volkes sich stets gegenwärtig sein. Deshalb wird seine Einsetzung auch erst nach erfolgter Besitznahme des Landes und Sicherung seiner Grenze vom Gottesgesetze ins Auge gefasst. In der Verkennung dieses Verhältnisses lag die Versündigung des Volkes, das (Sam. I.8,5) einen König forderte, sein Recht nach außen zu vertreten „wie bei allen Völkern“. (Vergl. HIRSCH Commentar zu 5.B.M.17,14). Nun heißt es hier: hättest du nur nicht deine ganze Zuversicht in deine Könige gesetzt, wäre ich nur noch „etwas“ dein König, der (ich= dieser König) würde dir helfen in allen deinen Städten, oder trotz aller deiner Städte, in die du deine Zuversicht gesetzt hast, dir, der du gesprochen hast: nicht Gott nach außen, noch שופטים, Vertreter seines Gesetzes nach innen, können mir helfen, sondern: „Gib mir einen König und Fürsten!“.

     

    V.11 In meinem Zorne gab ich dir den König; in meinem hinaustretenden Unwille nehme ich ihn hinweg.

     

    V.11. Schon damals gab ich euch den König im Unwillen über eure Verblendung. Die große Mehrzahl der Könige hat sich nicht als jüdische Könige bewährt; das israelitische Königtum zumal hat gerade an der Befestigung und Vertiefung des Abfalls aus politisch-dynastischen Rücksichten als einem Mittel der eigenen Erhaltung unablässig gearbeitet. עברה von עבר: der in Wort und Tat sich äußernde, in die Sichtbarkeit hinaustretende Zorn. Das Maß ist voll, der lang gehegte göttliche Unwille äußert sich in Tat, und mit dem Staate geht auch der Königsthron in Trümmer.

     

    V.15 Denn es will unter „Brüdern“ unbeschränkt sich entfalten– : es kommt aber der Oststurm, der Wind von Gott gesandt, von der Wüste steigt er auf, trocken ist sein Ursprung, glühend heiß sein Urquell, er zerstört die Schätze aller Mittel der Lust. 

     

    V.15 יפריא von פרא, frei, wild, zügellos sein. פרא, das ungebändigte, freie Waldtier. Als Verbum kommt sonst nur [] vor, und würde es dann heißen: es will Frucht tragen. אחים bedeutet auch Pflanzen, die immer in Gesellschaft vorkommen, daher אחו die Wiese. Hier sind beide Bedeutungen zutreffend und in unübertrefflicher Wahl des Ausdrucks auch wohl beide gemeint. Efraim ist der Isolierung müde und ist der Bande des Gottesgesetzes müde, die es vor Entartung schützen sollen. Es will, der „Fesseln“ ledig, unter „Brüdern“ zügellos frei sich entfalten und die Früchte dieser Freiheit genießen. Nun, so soll es dies auch. Gott braucht dazu bloß seine schützende Hand von ihm abzuziehen: siehe da kommt schon der alles ausdörrende Oststurm, der Bote Gottes – die heranstürmenden „Brüdervölker“ bereiten seiner Herrlichkeit ein jähes, klägliches Ende. קדים: der in Palästina gefürchtete, wegen seiner Trockenheit der Pflanzenwelt besonders schädliche Wind. Diese Eigenschaft wird hier besonders hervorgehoben zur Bezeichnung der Raubgier und des Beutedurstes der hereinbrechenden Feinde, der Assyrer, die das unglückliche Land bis auf den letzten Blutstropfen aussaugen. – (Die Suffixe von מקורו und מעינו können sich wie das nachfolgende הוא nur auf קדים beziehen.)

                    Dieses Verlangen, sich „unter Brüdern“ frei und fruchttragend zu entfalten, erhält übrigens in Efraims Munde noch einen besonderen Beigeschmack. Es tritt uns darin die ebenso alte wie unwahre, zur Beschönigung des Abfalls das Judentum verdächtigende Behauptung entgegen, man müsse den Boden des isolierenden Gesetzes verlassen, um sich zu weltbürgerlicher, menschenbrüderlicher Gesinnung zu erheben. Das gerade Gegenteil ist die Wahrheit. Gerade das auf dem Sinai offenbarten Gotteswort lehrt die Gotteskindschaft aller Menschen, lehrt die Ausübung der Pflichten der Gerechtigkeit und Menschlichkeit gegen ausnahmslos alle als heilige Pflicht. So hat denn auch in geschichtlicher Tatsächlichkeit gerade das Judentum seine Kinder zu hilfsbereiteten Menschen erzogen, die trotz aller erlittenen Unbill nie nach Abstammung und Glauben fragten, wo ihnen hilfeheischende Not entgegentrat. Mag sein Gesetz, das ihn zum Menschheitspriester weiht, dem Juden auch nicht gestatten, an dem Mahle seiner nichtjüdischen Brüder teilzunehmen: sein Brod hat er mit dem darbenden nichtjüdischen Bruder willig stets geteilt. Mag sein Gesetz ihm auch nicht gestatten, ein jüdisches Haus durch Ehelichung einer Nichtjüdin zu gründen: wo es galt und gilt, dem Elend und der Not in den Hütten und Häusern seiner nichtjüdischen Brüder nach Kräften zu steuern, da stand und steht der Spross des Abrahamshauses als der Erbe des jüdischen Herzens, dieser herrlichen Errungenschaft der Geschlechterreihen der Vergangenheit, allen Anderen stets voran. –  –

    …….. ……. ………

     

    Aus: Die Haftoroth übersetzt und erläutert von Dr. Mendel HIRSCH Direktor der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a.M.  FfM. 1896 aus S.55 bis 68

    03-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    02-12-2020
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    Rabbiner Dr. Salomon BREUER

                    (1850 – 1926)

     

    וישלח

     

    Belehrung und Mahnung  zur Wochenabschnitt

    WAJISCHLACH (2. Teil)

     

     

    Solange wir nicht den Mut haben, in unserem Leben die Forderungen der jüdische Wahrheit zur Verwirklichung zu bringen, solange sind wir noch weit von jenem Ziele entfernt, dessen Verwirklichung unserem Stammvater Jakob in jener Nacht zum denkwürdigen Erlebnis geworden war.

    Erst wenn ויותר יעקב לבדו wir einer nichtjüdischen Welt durch unsere jüdische Persönlichkeit allein zu imponieren vermögen, erst wenn ויברך אותו שם sie uns, auch wenn wir arm sind an Gütern, deren Glanz das Auge zu blenden pflegt, die segnende Anerkennung zollt, sie in uns den Juden achtet und ehrt, das Judentum in alle seine Forderungen in unserem Leben zu umfassender Verwirklichung und vor den Augen einer ganzen Welt in seiner Achtung gebietenden Hoheit dasteht, dann ist auch der Weg zu jenem hehren Endziel gebahnt, daß auch Gott ונשגב ה' לבדו in dem Bewusstsein einer geläuterten und geadelten Menschheit in unmittelbarer Anschauung zur huldigenden Anerkennung gelangt.

    הצילנו נא מיד אחי מיד עשו „Rette mich doch von der Hand meines Bruders, von Esaus Hand, כי ירא אנכי אתו denn ich fürchte ihn“: das ist der Golus-Angstschrei unseres Stammvaters: nicht מיד אחי עשו sondern מיד אחי מיד עשו! Er fürchtet die Bruderhand, er fürchtet Esaus Hand: er fürchtet die raue Esaushand, daß sie ihn körperlich vernichten, mehr aber, in erster Reihe zittert er vor der warmen Bruderhand, daß sie ihn geistig-sittlich verderben könnte. –

    Und wie hat dieser Angstschrei in der Folge im Leben der Nachkommen seine Berechtigung erhalten! Die raue Esaushand konnte uns trotz aller schwerer Drangsal, die sie uns bereitete, in unserem jüdischen Lebensberuf nicht schwankend machen: mutig und stark hielten wir auf dem Posten aus, auf den Gott uns gestellt hatte. Doch was die raue Esaushand nicht vermocht, hat der warme, brüderliche Händedruck Esaus leicht fertig gebracht. אל תראני שאני שחרחרת „Seht mich nicht so an, weil ich so dunkel bin, ששזפתני השמש denn die Sonne hat mich gebräunt“ (Hoh. 1,6). In der finsteren Golus-Nacht habe ich mich herrlich bewährt, doch die Glückssonne hat mich geschwärzt! –

    Mahnend und warnend für alle Folgezeit tritt daher auch dieses für die Geschichte des jüdischen Volkes so bedeutsame Moment aus dem nächtlichen Erlebnis unseres Stammesvaters geradezu sinnfällig uns entgegen. וירא כי לא יכל לו וגו' ותקע כף ירך יעקב בהאבקו עמו. Indem er mit ihm rang, während des Ringens wich Jakobs Hüftballen, ward er verletzt, doch die Verletzung hinderte ihn nicht, den Kampf fortzusetzen und siegreich zu beenden – בהאבקו עמו er ward nicht schwankend, hielt mutig aus – ויקרא יעקב שם המקום פניאל וגו' ותנצל נפשי . Sein Wesen blieb unverletzt! Doch ויזרח לו השמש als die Sonne aufging – והוא צלע על ירכו da hinkte er!

    Was sich hier an Jakob körperlich vollzog, das hat sich in der Geschichte seiner Nachkommen in ideeller Beziehung verwirklicht! מעשה אבות סימן לבנים –

    In heißen Kampf mir Esaus Macht konnten wir nicht schwankend gemacht werden, wir behaupteten trotz schwerer Verletzung standhaft und fest unseren Standpunkt; so oft uns jedoch die Sonne aufging, והוא צלע על ירכו hinkten wir, sind wir schwankend und haltlos geworden!

    Nach all den nächtlichen Golus-Kämpfen, die wir überstanden, konnten wir mit Jakob die Stätten an denen wir gekämpft פניאל nennen und mit Vater Jakob ausrufen:ותנצל נפשי „unversehrt ist unser Wesen geblieben!“ Doch ויזרח לו השמש da die Sonne des Glücks uns tagte, ist aus  פניאל=פני-אל  leider פנואל geworden, (in dem das Zeitwort פנה „sich abwenden“ mehr hervortritt),  והוא צלע על ירכוhaben wir unsere Festigkeit eingebüsst und sind schwankend geworden.

    Dieses klägliche Verhalten hat uns nach Zeiten, in denen die Sonne uns lächelte, stets neues Golus gebracht. – Hinkend בין המצרים „zwischen den Grenzen“ bald hier bald dort; oder besser weder hier noch dort, überall nur auf einem Fuße פסחים על שתי הסעיפים schwankend nach beiden entgegengesetzten Seiten, haben wir ein trauriges, verdientes Golus-Geschick erlebt!

    Und wohl mit Hinblick auf diese historische Tatsache verkündet der Prophet (Micha 4,6) ביום ההוא נאם ה' אספה הצלעה והנדחה אקבצה „an jenem Tage, spricht Gott, werde ich die Hinkende aufnehmen und die Verstoßene wieder versammeln“ – und so schaut er einstige Sammlung und Heimkehr all derer, die das Golus entweder צלעה zu „Hinkenden“ gemacht oder נדחה, dem Gesetzesheiligtum völlig entfremdet hat.

    „Da die Sonne ihm aufging – hinkte er auf seiner Hüfte“ על כן לא יאכלו בני ישראל את גיד הנשה heißt es unmittelbar danach. Aus diesem Genußverbot  spricht daher die göttliche Mahnung, nimmer wankend zu werden, stets standhaft zu bleiben in dem Bewusstsein, daß die Verkümmerung unseres Geisteslichtes noch immer auch unser äußeres Sonneglück zerstört hat.

    Wie sinnig spricht sich daher die Mahnung der Weisen aus: את גיד הנשה „in dem Wörtchen את“ sei der Fasttag des neunten Aw, des Gedächtnistages nationalen Unterganges, eingeschlossen – וכל מאן דאכיל בט"ב כאלו אכיל גיד הנשה Wer den Tischo b’Aw entweiht, der hat das גיד הנשה-Verbot mit Füssen getreten!

    Die שירות, die wir Gott für Erlösungen gesungen, die Gottes Beistand uns beschieden, waren בלשון הקבה, waren stets aus Leid geboren und haben noch immer nach kurzem Sonneglück erneute Erziehungsleiden zur Folge gehabt. Sie werden ihr Läuterungswerk an uns vollenden. Und strömt einst in der Zukunft das Gott schauende, Gott verherrlichende Lied aus unserer Brust, dann wird es uns auf einer Höhe finden, wo mit der dauernden Gottesnähe auch dauerndes Sonneglück uns beschieden sein wird. –

    Unser Lied wird dann שיר חדש ein männlich starkes Lied sein, das eine ganze Menschheit zu segnenden Anerkennung der Gottesherrschaft erheben wird: שירו לה' שיר חדש תהלתו מקצה הארץ

     

    Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER  Belehrung und Mahnung erster Teil Genesis  J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1936 S. 68 - 76

    02-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    Rabbiner Dr. Salomon BREUER

                    (1850 – 1926)

     

    וישלח

     

    Belehrung und Mahnung  zur Wochenabschnitt WAJISCHLACH (1.Teil)

     

     

    ויותר יעקב לבדו ויאבק איש עמו עד עלות השחר „Jakob blieb allein übrig, da rang jemand mit ihm, bis der morgen heraufzog.“

     

    Wohl nirgends dürfte die Wahrheit jenes Ausspruchs unserer Weisen מעשה אבות סימן לבנים, daß das Leben unserer Erzväter ein Vorbild für das Leben ihrer Nachkomme sei, sich so überzeugend offenbaren wie in diesem Abschnitt, der uns von dem nächtlichen Ringkampf Jakobs mit Esaus Genius berichtet.

    Es gibt vielleicht kein Ereignis im Leben unserer Stammväter, das mit solcher Klarheit und Eindringlichkeit die Grundzüge der späteren Ereignisse im Leben ihrer Nachkommen vorbildlich darstellt wie dieses denkwürdige Ereignis. Fast jedes einzelne Moment weist entweder in klar ausgesprochenen Worten oder in Tatsachen, deren symbolische Deutung jeden Zweifel ausschließt, auf Erscheinungen hin, die das Leben der späteren Nachkommen in seinen Licht- und Schattenseite charakterisiert?

    In diesem Sinne finden auch zwei Aussprüche, die die Weisen uns aufbewahrt haben, die auf den ersten Blick jedes Verständnisses entbehren, ihre Erklärung.

    Diesen Kampf oder vielmehr die Folge dieses Kampfes hat das Gotteswort durch das גיד הנשה-Genussverbot verewigt: על כן לא יאכלו בני ישראל את גיד הנשה „Darum sollen Jissroéls Söhne nicht die Sehne der Schwäche essen“ (32,33). Hierzu bemerkt der Midrasch: את לרבות ט' באב, das Wörtchen את schließt gleichzeitig den Fasttag des neunten Aw, des Gedächtnistages der Zerstörung Jeruscholaims ein. Dieser Fasttag steht nach der Ansicht der Weisen mit dem גיד הנשה-Verbot in solch innigem Zusammenhang, daß sie im Sohar (z.St.) lehren:וכל מאן דאכיל בט"ב כאלו אכיל גיד הנשה wer am ט"ב nicht fastet, das sei gleichbedeutend, als hätte er das גיד הנשה-Verbot übertreten. – 

    ויעבור את אשר לא „Er brachte das Seine hinüber“ (das. V.24). Mit diesen Worten wird die Geschichte dieses Kampfes eingeleitet. Jakob hatte alles, was er sein nannte, seine Familie und seine Angehörigen, sein Hab und Gut hinübergeschafft ויותר יעקב לבדו ויאבק איש עמו, so daß er ganz allein blieb, als sich entspann.

    ויותר יעקב לבדו An diesen Vers knüpfen die Weisen folgende Bemerkung: אין כאל ישרון, ומי כאל ישרון ישראל סבא, מה הקב"ה כתיב ביה ונשגב ה' לבדו אף הכא ויותר יעקב לבדו „Nichts gleicht Gott – Jeschurun! Wer gleicht Gott, Jeschurun unser Vater Jakob!“ Wie es von Gott heißt: „und erhaben steht Gott allein da“ (Jes. 2), so auch von Jakob: „und allein blieb Jakob“. –

    Dieser Prophetenvers schaut in eine Zeit, in der eine große Menschheit, von jedem Götzenwahn befreit, sich zur reinen Gotteshuldigung emporgeläutert haben und Gott allein machteinzig dastehen wird. In welchem denkbaren Zusammenhang steht hiermit unser Vers: ויותר יעקב לבדו? –

    Aus der Geschichte dieses Kampfes glauben wir zwei Stellen ganz besonders hervorheben zu müssen, die unseres Erachtens eine eingehende Erklärung verdienen. וירא כי לא יכול לו וגו' Er sah, daß er gegen ihn nichts vermochte, da griff er an den Ballen seiner Hüfte, und es wich Jakobs Hüftballen, בהאבקו עמו indem er mit ihm rang“ (V.26). Diese zwei Worte בהאבקו עמו sind vollkommen überflüssig; selbstredend war er während des Kampfes verletzt. – Ferner: der Kampf endete mit der segnende Anerkennung Jakobs durch Esaus Genius: ויברך אתו שם „Und er segnete ihn dort“ (V.30). Auch das Wort שם scheint ganz überflüssig zu sein. –

    Jakob nennt den Ort nach dem denkwürdigen Ereignis (31). Da geht ihm die Sonne auf ויזרח לו השמש als er an Penuel vorüber war; und nun heißt es: והוא צלע על ירכו er hinkte an seine Hüfte (32). Mit einer jeden Zweifel auszuschließenden Bestimmtheit wird uns also berichtet, daß Jakob mit dem Aufgang der Sonne hinkte. Seine Hüfte ward ihm während des Kampfes verletzt, inzwischen graute der Morgen, doch erst mit dem Aufgang der Sonne hinkte Jakob auf seiner Hüfte – was soll uns damit gesagt werden?

    כל השירות שעברו קרויות בלשון נקבה, lehren die Weisen (ילקוט ומ"ר בשלח), alle Gesänge, die Jissroél in der Vergangenheit anlässlich göttlicher Wundertaten, die ihm Erlösung gebracht, angestimmt hat, werden in der weiblichen Form (שירה) verzeichnet מה הנקבה מתעברת ויולדת וחוזרת ויולדת wie eine Frau stets nach vorangegangenen Schmerzen ein Menschenwesen zur Welt bringt, כך התשועות שעברו היה אחריהם שעבוד so folgten noch immer jeder Erlösung stets neue Golus-Leiden, die dann wieder zu erneuter Erlösung führten, sie gleichsam „gebaren“, – אבל תשועה העתידה לבוא אין אחריה שעבוד jedoch die einstige Erlösung wird eine dauernde sein, ihr folgt nicht auf neue das Leid; der Gesang, der ihr dann angestimmt wird, קרויה בלשון זכר ihn nennt der Psalm ein „männliches Lied“ (שיר): שירו לה' שיר חדש,  „singet Gott das neue Lied“ (Ps.98). –

    Verstehen, wir die Worte unserer Weise recht, so geben uns die zwei Worte שירה und שיר Jissroéls Geschichte in ihren Grundzügen wieder.

    Die erste שירה haben unsere Väter bekanntlich gelegentlich des wundervollen קריעת ים סוף-Ereignisses gesungen. Über diese שירה haben sich die Weisen (מ"ר בשלח) mit folgenden Worten ausgesprochen: מיום שברא הקב"ה את העולם ועד שעמדו ישראל על הים לא מצינו אדם שאמר שירה להקב"ה אלא ישראל „Seitdem Gott die Welt erschaffen, bis zu dem Augenblick, da Jisroél am Meere stand, hat kein Mensch außer Jisroél Gott die שירה gesungen: ברא אדה"ר ולא אמר שירה Gott erschuf den ersten Menschen – er sprach aber keine שירה; הציל אברהם וכו' Gott rettete Abraham – er sprach aber keine שירה, das gleiche gilt von Isaak, wie auch von Jakob – keiner, der eine שירה gesprochen hätte – erst als Jisroél das Meereswunder erlebte, מיד אמרו שירה להקב"ה stimmte es alsbald Gott die שירה an שנ' אז ישיר משה ובני ישראל, denn so heißt es: „Damals sangen Moses und Jisroél“ – הוי פיה פתחה בחכמה ותורת חסד על לשונה Hierauf bezieht sich auch der Vers: „sie öffneten ihren Mund in Weisheit, und Lehre der Liebe war auf ihrer Zunge“ (Mischle 31).

    Hätten die Weisen gesagt, daß vor dem jüdischen Volke kein anderes Volk auf Erden Gott die שירה angestimmt habe, so könnten wir ihre Worte begreifen. Daß sich aber Jisroéls Verhalten in einen Gegensatz zu Adam, ja zu unseren Vätern Abraham, Isaak und Jakob stellen, die anlässlich ihrer wunderbaren Erlebnisse sich zu keiner שירה bewogen gefühlt hätten, bedarf wohl der eingehenden Erklärung. –

    אותות ומופתים nennt das Gotteswort die in der Geschichte Jissroéls vollbrachten Wundertaten Gottes, der spätere Sprachgebrauch der Väter nennet sie im allgemeinen נסים. –

    נסים, wovon die Einzahl נס, bezeichnet in der Heiligen Schrift zunächst ein hochaufgestecktes Feldzeichen, eine Fahne, die der Soldatenschar den Ort bezeichnet, wo sich ihr Führer befindet, und dadurch zugleich die Richtung angibt, wohin sich die Schar und jeder einzelne in ihr zu bewegen hat. Solange die Fahne sichtbar ist, weiß ein jeder, wo der Führer ist dessen waches Auge sie alle fürsorgend leitet? Kaum treffender und gedankenvoller konnte der Sprachgebrauch der Väter die אותות ומופתים unserer Geschichte bezeichnen, als indem sie sie נסים, ihre Feldzeichen nannten. Diese Wunder, sie sind unsere נסים, unsere Feldzeichen für unsere Wanderung durch die Jahrhunderte der Geschichte, auf die wir hinblicken, wenn wir wissen wollen, wo unser göttlicher Führer sich befindet, wenn wir uns vergewissern wollen, daß ein göttlicher Auge in unserer Mitte wacht, au die wir hinblicken, wenn wir uns orientieren wollen, welchen Weg wir einzuschlagen haben, um zu unserem Führer zu gelangen, uns bei unserem Führer zu halten. –  

    Wohl sollten wir – und darüber wollen wir uns nicht täuschen – auch in den natürlichen, alltäglichen Lauf der Dinge das ewig wache göttliche Vaterauge erkennen und den Weg zu unserem Führer auch ohne diese hochgesteckten Feldzeichen finden. Doch dafür waren und sind wir noch nicht reif. Diese Reife hatten unsere Väter nicht, als sie aus Mizrajim zogen, diese Reife haben wir auch heute noch nicht, sie winkt uns als das anzustrebende Ziel.

    Das gleiche aber gilt von קרא בשם ה', das uns in den ersten Blättern unserer Thora bedeutsam entgegentritt. – אז הוחל לקרא בשם ה' (Gen 4,26). Mit diesen Worten wird der beginnende Verfall der Menschheit und ihre zunehmende Entfremdung von Gott eingeleitet. קרא בשם ה' wäre jedoch, so sollte man meinen, das Höchste, was Menschen zu Gottes Ehre tun könnten, und doch wird damit, nach einer von unserem großen Rabbiner זצ"ל angeführten herrlichen Erklärung, der zu Enochs Zeiten beginnende geistig-sittliche Verfall gekennzeichnet.

    קרא בשם ה' die Menschheit zu Gott rufen, sie in der Gotteserkenntnis belehren und sie dafür in Gesinnung und Tat gewinnen, ist allerdings ein nicht hoch genug anzuschlagendes Verdienst, das bekanntlich gerade das Leben unseres Stammvaters Abraham geadelt hat. Allein, es wir eine Zeit kommen, die uns der Prophet Jirmeja (31,33) enthüllt, in der die Menschen in allen ihren Gliedern von der Gotteserkenntnis also erfüllt sein wird, daß kein Bedürfnis mehr vorhanden sein wird, לקרא בשם ה' Gott erst aufrufen zu müssen אחרי הימים ההם נאם ה' נתתי את תורתי בקרבם וגו' ולא ילמדו עוד איש את רעהו ואיש את אחיו לאמר דעו את ה' כי כולם ידעו אותי למקטנם עד   גדולם „Nach jenen Tagen, spricht Gott werde ich meine Lehre in ihre Mitte geben – und nicht wir ferner einer seine Nächsten, einer seinen Bruder lehren: erkennet Gott, denn sie alle werden mich kennen von groß bis klein“. –  

    Was hier für eine Zukunft verheißen wird, war zu Beginn der Menschengeschichte der Fall: da warקרא בשם ה'  vollkommen überflüssig, da stand der Mensch in unmittelbarer Nähe vor Gott, und ein jeder erkannte Gott gleichsam durch Gott. Mit Enoch hatte die Menschheit ihre ursprüngliche Reinheit bereits eingebüsst, stellte sich zum ersten Male das Bedürfnis ein, לקרא בשם ה' Menschen zu Gott im Namen Gottes aufzurufen. Was in den späteren Zeiten und noch heute ein Verdienst war und noch immer ist, das war zu Enochs Zeiten ein Zeichen beginnenden traurigen Verfalls אז הוחל לקרוא וגו' „damals musste man anfangen, mit dem Namen Gottes aufzurufen“ – bis dahin war es überflüssig!

    Das gleiche gilt auch von den נסים. Der erste Mensch und auch Abraham, Isaak und Jakob bedurften nicht erst der נסים, außerordentlicher, wunderbarer Ereignisse, um sich zur Gottesanschauung zu erheben, sie fanden auch ohne Feldzeichen den Weg zu ihrem Führer, sie empfanden in jedem Augenblick das selig freudige Bewusstsein der Gottesnähe, so daß ihr ganzes Leben, ein jeder Atemzug ihres Lebens sich zu einer שירה gestaltete, und es hätte für sie einen bedauerlichen Rückschritt bedeutet, wenn sie erst durch außerordentliche Erlebnisse zu Gott schauender שירה hätten begeistert werden müssen.

    Anders lagen jedoch die Verhältnisse bei unseren Vätern in Mizrajim. In dem Pfuhl mizrischer Entartung war das reine Gottesbewusstsein in ihrer Brust beinahe erloschen, und es bedurfte erst besonderer göttlicher Veranstaltungen נסים, die als ragende, weithin sichtbare Feldzeichen ihnen aufs neue den Weg zu ihrem göttlichen Führer wiesen. Ohne diese נסים hätten sie Gott allein nimmer gefunden, und es muss ihnen als Verdienst angerechnet werden, als חכמה, als תורת חסד, wie es den Weisen bezeichnen, daß sie die moralische Kraft besaßen, von diesen נסים geleitet, den Weg zu Gott zu finden, wie es auch uns, so lange Gotteserkenntnis nicht Allgemeingut einer ganzen Menschheit geworden ist, als Verdienst angerechnet wird, wenn der Gedanke an נסים, die wir in unserer Geschichte erlebt haben, uns stets aufs neue Gott finden hilft. –

    Es wird aber die Zeit kommen, in der, was von Anbeginn der Fall war, wiederkehren, eine Menschheit Gott allein ohne נסים erkennen wird, eine Zeit, in der wie der Prophet verkündet (Jes.2,17) ושח גבהות האדם וגו' והאלילים כליל יחלף der Stolz  einer sich selbst vergötternden Menschheit gebrochen, alle Mächte geschwunden sein werden, die so lange einer verblendeten Menschheit den Weg zu Gott verschlossen haben, Gott als alleiniger Schöpfer und Lenker der Welt und des Menschengeschickes dastehen wird. – Dann aber ist auch das heiß ersehnte Ziel erreicht ונשגב ה' לבדו ביום ההוא (das.), daß Gott allein, ohne נסים, ohne Feldzeichen von einer schauenden Menschheit huldigend anerkannt wird.

    ונשגב ה' לבדו ביום ההוא Diese Zeit vorzubereiten, in der eine Menschheit Gott allein in allem schauend erkennen, in der mit anderen Worten כל הנשמה תהלל י' ein jeder Atemzug sich zu einer Gott huldigenden שירה gestalten wird, ist Jakobs Aufgabe, ist die hehre Mission des jüdischen Volkes. Bis dahin haben wir לקרא בשם ה' durch Wort und Tat, in Gesinnung und Leben Gottes Namen zu verkünden.

     Undמעשה אבות סימן לבנים ! Wie unser Stammvater Jakob in jener denkwürdigen Nacht mit Esaus Genius kämpfend ringt und trotz schwerer Verletzung ותקע כף ירך יעקב בהאבקו עמו schließlich doch den Sieg davonträgt und Esaus Genius ihm den Tribut verehrender, segnender Anerkennung zollt ויברך אתו שם – so hat auch das jüdische Volk leidend unter dem feindlichen Gegensatz einer großen Welt, kämpfend, und sei es auch unter den schwersten Opfern, sich zu behaupten und bei seiner großen Aufgabe treu auszuharren עד עלות השחר, bis zum Anbruch jenes Völkermorgens, der ihm die segnende und verehrende Anerkennung der Völker als Siegespalme reicht.

    ויותר יעקב לבדו Und Jakob blieb allein – ganz allein zurück.

    ויעבר את אשר לו Alles, was er besaß, was er sein eigen nannte, sein Hab und Gut, alles, woran das Menschenauge hängt, hatte er jenseits des Stromes hinübergeschafft und blieb allein zurück, entblößt von allem, was im Leben Glanz und imponierende Geltung zu verleihen pflegt. Welch belehrender Wink liegt nicht in dieser Tatsache allein, mit der dieses denkwürdige Ereignis eingeleitet wird, welche Mahnung vor allem für unsere Zeit! –

    In den jahrhunderten finsterer Golus-Nächte haben unsere Väter für ihr heiliges Erbe gekämpft und geblutet, sind trotz schwerster Verletzungen standhaft geblieben und haben in heldenhafter Selbstaufopferung sich die Hoheit ihres jüdischen Adels bewahrt. Nach langer, finsterer Nacht dämmerte endlich der erste, schwache Morgenstrahl, in den Herzen der Völker erwachte das Gefühl für Recht und Menschlichkeit, und das für sein göttliches Heiligtum kämpfende und blutende Jakobsvolk durfte nach langer Zeit wieder frei aufatmen. Doch geblendet von dem jungen Lichtstrahl, glaubte ein beträchtlicher Teil des Jakobsvolkes mit Preisgabe des Heiligtums seines Gesetzes, für das die Väter gekämpft und geblutet – die Anerkennung und Achtung der Völker sich erkaufen!

    Welch kläglicher, jämmerlicher Irrtum! Wir haben es erlebt und erleben es immer aufs neue: der pflichtvergessene Jude wird im günstigsten Falle geduldet, und achtet man ihn, so achtet man ihn nicht weil er Jude, sondern obgleich er Jude ist. Täuschen wir uns nicht: wegen der äußeren Vorteile, die er als mitschaffendes, produktives Glied der Gesellschaft bietet, sei es auf  wirtschaftlichem oder wissenschaftlichem Gebiete, verzeiht man es ihm, daß er Jude ist, tut man ihm den Gefallen, in ihm den Juden zu vergessen, aber den Juden im Juden, den jüdischen Geist und die jüdische Wahrheit bringt er nimmer zu ehrenden, segnenden Anerkennung.

     

    Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER  Belehrung und Mahnung erster Teil Genesis  J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1936 S. 68 - 76

     

    02-12-2020 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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