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Rabbiner Samson Raphael HIRSCH
(1808-1888)

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Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH
(1833-1900)
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Rabbiner Dr. Salomon BREUER
(1850 - 1926)
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Rabbiner Dr. Raphael BREUER
(1881-1932)
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Reb Julius HIRSCH
(1842-1909)
Jubelsinget, Gerechte, in Gottesanschauung, den Geraden geziemt Thatenoffenbarungslied (Psalm 33)

ברוך הבא!    السلام عليكم!

 

Welkom op de blog van de studievereniging JESJOEROEN, Thora tegen nationaal-jodendom (sionisme)


Thoratrouwe antizionistische inzet en anti-imperialistische solidariteit. U vindt hier Rabbijnse teksten (vooral Samson Raphael HIRSCH strekking), nieuws en achtergrondinfo.

 

Bienvenue sur le blog de l'association d’études rabbiniques YECHOUROUN, Thora contre national-judaïsme (sionisme).

 

Nous proposons des textes rabbiniques, (surtout de l’école de Samson Raphael HIRSCH) ainsi que des infos et documentations, le tout avec engagement antisioniste et solidarité anti-impérialiste, inspirés par la fidélité à la Thora. Visitez notre blog similaire en langue française: www.bloggen.be/yechouroun .  

 

Willkommen im Blog des Studienverbandes JESCHURUN, Tauro gegen Nationaljudentum (Zionismus).

Wir bieten Rabbinische Texten (hauptsächlich von der Samson Raphael HIRSCH Tendenz – meistens in deutsche Originalfassung), sowie Nachrichten und Hintergrundinformationen, im ganzen mit Thoratreues antizionistisches Engagement und anti-imperialistische Solidarität.

 

Welcome to the blog of the Study Association YESHURUN, Thora against Nationaljudaism (Zionism).

We propose Rabbinical texts (mostly from the S R HIRSCH tendency), news and information, the whole inspired by Thora-true anti-Zionist Commitment and anti-imperialist Solidarity.

Inhoud blog
  • Rabbiner Dr. Rafael BREUER: Erläuterung von das Buch Prediger
  • To say that anti-Zionism is a new form of anti-Semitism is a great foolishness.
  • Rabbiner Dr. Mendel Hirsch 'Koheleth und die pessimistische Weltanschauung'
  • Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro des 2.Tages Suckauss
  • Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro des 1.Tages des Laubhüttenfestes
  • Zeggen dat antizionisme een nieuwe vorm van antisemitisme is, is een grote dwaasheid.
  • Rabbiner Samson Raphael HIRSCH : LAUBHÜTTENFEST
  • Sprüche Salomons 10,7 und Sprüchlein zu Ve-saus haBrocho
  • Ludwig STERN: Das Hüttenfest
  • Rabbiner Dr. Mendel Hirsch zur Haftoroh des Wochenabschnittes Haasinu
  • Rabbiner Samson Raphael HIRSCH Komm. Wochenabschnitt HAASINU
  • Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro des Nachmittaggebetes am Jaum Kippur
  • Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro des Morgengebetes Jaum Kippurs
  • Rabbiner Dr. Salomon BREUER : JAUM HAKIPPURIM
  • Samson Raphael HIRSCH : Kommentar Owinu Malkenu
  • Psalm 50,4 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Ha'asinu
  • Samson Raphael HIRSCH: Zaum G'daljoh
  • Rabbiner Dr. Salomon BREUER : RAUSCH HASCHAUNOH
  • Ludwig Stern: Der Tag der Erinnerung, das Neujahrsfest
  • Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER: „Ein jüdisch-geschichtlicher Wegweiser“ (Ende)
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  • ANTIQUARIAAT BOEKHANDEL SPINOZA
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  • Mehrsprachige Seite „Yakov RABKIN, Historian and Author“
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    JESCHURUN
    Tauro gegen Nationaljudentum (Zionismus)
    18-07-2021
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    ואתחנן

     

    הן צדיק בארץ ישלם, אף כי רשע וחוטא:

     

     

    „Siehe dem Gerechten wird schon auf Erden vergolten, geschweige denn dem freventlichen Sünder.“

    (Mischle-Sprüche Salomos 11,31 Übersetzung Rabbiner Dr. WOLF, Köln a. Rh.)

     


    1.

    Dring‘ nicht in Mich, laß ab vom Beten,

    Rief Gott, der Herr, dem Moses zu,

    Du darfst nicht jenes Land betreten,

    Dir winket hier die ew’ge Ruh‘.

    2.

    Und Josua, dem treuen Knechte

    Ihm lege segnend auf – die Hand,

    Daß er dem harrenden Geschlechte

    Ein Führer sei ins heilige Land

     

    Aus: Erbauungsbuch „Bibel- und Talmudschatz“ J.H. Kohn S. 386  13.Auflage Hamburg 5691 – 1931

     

    Die beste Anschrift für antiquarische Judaica:

    Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    Inhaberin: Frau Manja BURGERS

    http://www.spinozabooks.com

    18-07-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Rabbiner Samson Raphael HIRSCH : der Fasttag des 9ten Aw (aus Chauréw)
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    Samson Raphael HIRSCH


    Aus CHAUREW KAP.33


     

    FASTTAG DES 9ten AW

     

    …

    § 242.

    Diese fünf Tha-anijauß zu begehen ist also für alle Pflicht. ((א"ח)549.550.686.) Strengere Pflicht 9ter Aw, also daß selbst Kranke u.s.w., denen das Fasten beschwerlich fällt, wenn nur nicht Gefahr bringt, fasten. („550). Am gelindesten Tha-aniß Esther, weil nur durch stillschweigende Sitte angenommen, und daher an ihm selbst nichtgefährliche Kranke u.s.w. nötigenfalls vom Fasten frei („686). Fällt einer dieser Tha-anijauß auf Schabboß, so wir der auf den nächsten Tag verschoben, Tha-aniß Esther aber auf den vorhergehenden Donnerstag („550.686.) Schon vom 1sten bis 9te Aw vor allem in der Tha-anißwoche, ist jede Äußerung der Freude untersagt. Durch Vernachlässigung des Äusseren in Waschen, Kleiden, Unterlassen des Scheerens des Bart- und Haupthaars – letztere schon vom 17ten Thammus an – schon Trauer eingeleitet. In der ganzen Zeit vom 17ten Thammus an keine Hochzeit gefeiert. Vom 1ten Aw bis 10ten Aw Mittages kein Fleisch und kein Wein genossen. Siehe ausführlich („551.552.) Am 8ten Aw wird gehörige Mahlzeit nur vor dem Letztmahl eingenommen, das nur aus einem Gericht bestehen darf; es wird, dem Leidtragenden gleich, auf der Erde sitzend eingenommen, und besteht gewöhnlich, (wie das erste Mahl des Leidtragenden) aus Eiern (552). Schon mit Tag- und Nacht-Zweifel beginnt das Fasten, die Trauer erst jedoch wenn völlig Nacht, es sei denn der Fasttag ausdrücklich bereits schon am Tage als Gelübde übernommen. Schon am Nachmittag ist jede Geistesbeschäftigung mit andern als auch am 9ten Aw erlaubten Gegenständen untersagt. Wenn 8ter Aw am Schabboß ist, ja selbst wenn der 9ter Aw am Schabboß und auf den Sonntag verlegt ist, tritt dies alles nicht ein; nur Geistesbeschäftigung ist schon nachmittags, und wenn Schabboß  der 9ten Aw  ist den ganzen Tag, wie am 9ten Aw, beschränkt  („553)

     

    §243.

     

    Am neunten Aw selbst sind alle Trauergesetze, wie beim Owél (אבל), bis auf das Werktätigkeitsverbot, und allen Fastgesetze, wie am Jaum Kippur, in Kraft (siehe § 320 unf § 158). Doch ist auch bis Mittag jede zeitfordernde und somit zerstreuende Arbeit untersagt („554). Über die Tischoh-b’Aw-Trauer ist darum nachzulesen, was über die Trauer beim Todesfall ausgesprochen ist. Denn am neunten Aw sind wir alle Leidtragende um J’ruscholajim-Zijaun, die hehre Mutter, die uns nährte und pflegte und aufzog und tränkte mit dem Gottesgeiste, der dort quoll – sie sit nicht mehr die sorgliche Mutter, – – und mutterlos zerstreut sind ihre Kinder – nur nicht des Vaters verwaist, des Ewiglebenden, der auch in Goluß nicht sie verläßt,  unsichtbar sie umschwebt, und des Lichtes seines Geistes wartet, daß es in Jissroél nicht Nacht werde. – Aber nicht nur  am Gedächtnistage soll unser Trauer sein, überall und immer soll uns das Trauergefühl begleiten, nimmer und nimmer sollten wir vergessen, daß dem Jissroélgeschicke wir angehören und die große Jissroélaufgabe im Goluß zu lösen haben. Und wärest du auch reich und begütert, ja wäre ganz Jissroél es, und lösten sich alle Fesseln, die hie und da noch Jissroél im äußern Leben beschränken – sieh! nicht um Untergang nur äußern Glückes trauerst du – das könnte dir die Fremde ersetzen – mit dem Äußern ist dir nur sichtbarer Boden geschwunden, auf dem Jissroéls von Gottes Geist durchdrungenes Leben wie eine Gottespflanze allseitig blühen sollte; – wenn du um J’ruscholaim trauerst – deine höchste Trauer ist um Zijauns Fall! –

    … …

     

    Aus: Samson Raphael HIRSCH : Chauréw, Versuche über Jissroéls Pflichten in der Zerstreuung, zunächst  für Jissroéls denkende Jünglinge und Jungfrauen. Vierte Auflage Frankfurt  a.M. Verlag J. Kaufmann 1909

     

    Siehe auch via „archief“ 08 07 20:  Samson Raphael HIRSCH: Fasttag 17. Tammus

    18-07-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    16-07-2021
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    Rabbiner Samson Raphael HIRSCH

     

    דברים

     

     

     Aus seinem Kommentar zur Wochenabschnitt Dewaurim

     

    6. „Gott, unser Gott, hat zu uns in Choreb gesprochen: Ihr habt genug an diesem Berge geweilt“

     

    „… der Zweck , zu welchen ihr auf eurem Zuge aus Egypten in das verheißene Land zuerst an diesen Berg geführt worden und dort weilen sollst um  (2 B.M. 3,12) ist bereits genügend erreicht. Es ist euch hier das Gesetz geworden, mit dessen Hinnahme, Aufnahme und Annahme ihr in den "Dienst Gottes" getreten seid, und ihr heute auch hinlänglich mit dem Gesetze vertraut gemacht und ihm das Gesetzheiligtum in eurer Mitte errichtet, so daß euch nichts mehr fehlt, um nunmehr in das Land zu ziehen, das keine andere Bestimmung hat, als den Boden der Verwirklichung dieses Gesetzes zu werden.“

    16-07-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    14-07-2021
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    Rabbiner Dr. Salomon BREUER

                    (1850 – 1926)

     

    דברים

     

    Belehrung und Mahnung zur Wochenabschnitt

    DEWAURIM

    (Auszüge)

    …

    Jährlich steht der Sabbat, an dem אלה הדברים uns verlesen wird, als שבת חזון im Zeichen des heraufziehenden Tischo-beaw. Seit nahezu zwei Jahrtausenden beklagt unser Volk den zweimaligen Untergang seines Heiligtums, ist seine Seele erfüllt von dem schweren Leid, das ihm diese lange Goluszeit gebracht hat, und harrt voll Sehnsucht des Augenblicks, der das Ende seines Golus bringt, ein Ende, das aber nicht enthüllt und nur Gott, dem Lenker unseres Geschickes, bekannt ist. Denn darin unterscheidet sich ja so auffallend unser jetziges Golus von dem ersten babylonischen Golus. Denn während jenes Golus von kurzer Dauer und seine Ende im voraus bestimmt war, ist unser jetziges Golus von langer Dauer und seine Ende uns nicht enthüllt. Als Grund hierfür lehren die Weisen (Joma 9b): ראשונים שנתגלה עונם נתגלה קצם אחרונים שלא נתגלה עונם לא נתגלה קצם „Die Sünde der Ersteren, zur Zeit des ersten Heiligtums, sind enthüllt worden, darum ward auch ihr Golusende enthüllt, die Sünden der Letzteren, zur Zeit des zweiten Heiligtums, sind nicht enthüllt worden, darum blieb auch ihr Golusende verhüllt’. –

    Wir glauben diesen vielbesprochenen Ausspruch der Weisen in folgendem Sinne zu verstehen. הוכח תוכיח את עמיתך lautet die große, ernste Forderung des Gotteswortes, di es jedem einzelnen Glied der jüdischen Gesamtheit zur Pflicht macht, den Irrungen seiner Genossen nicht schweigend gegenüberzustehen, sondern Mahnung und wiederholte Vorstellungen das Seinige zu tun, um zur Besinnung aufzurufen und Besserung zu bewirken. Nie und nimmer hätte der Abfall von Gottes Gesetz auch in unserer Zeit solchen traurigen Umfang angenommen, wenn stets und überall sich Männer gefunden hätten, die, erfüllt von heiligen Mut und unbeugsamer Überzeugungstreue, das offene, rückhaltlose Wort der תוכחה zu sprechen gewillt gewesen wären. Man glaubte aber und glaubt immer noch, durch sogenannte politische Klugheit der Gottessache dienen zu können, die, wie man sich selber beredet, um Schlimmeres zu verhüten, schweigen zu dürfen glaubt, wo im Geiste der Thora lautester Protest als gebieterische Pflicht sich erweist.

    …

    Wer ahnt nicht die Größe eines Jesaja, wenn uns aus unserer heutigen Haftora die wuchtigen Worte entgegendröhnen, mit denen er dem „Volk von Amora“, den „Reichen Sedoms’ Tempelbesuch und Opfer, Sabbat und Gebet als wertlos, als Lüge vor die Füße wirft, weil er die Lüge nicht zu ertragen vermag, mit der ein Gott fremdes, entheiligtes Leben sich das Recht verwirkt habe, vor Gottes Angesicht zu treten – „Huren“, „Mörder“ sind sie ihm, die die Ehe mit Gott gebrochen, an deren Händen das Blut sozialer Härte und Selbstsucht klebt! Und mit welch heroischer Selbstverleugnung hat ein Jirmeja das Wort der Zurechtweisung unablässig, unermüdlich gesprochen! Gottesmänner, die die Schmähung der Verblendeten nicht fürchteten, im Kerker ihr mutiges Tun büßten, dafür aber ihrem Volke den Weg der Erlösung bahnten. –

    Zur Zeit des ersten Heiligtums, meinen die Weisen mit Recht, wurden die Sünden enthüllt, darum konnte auch das Golusende enthüllt werden.

    Die diesem Weisheitswort zu Grunde liegende Wahrheit hat sich aber schon in der Frühzeit der jüdischen Geschichte bewährt. „Wer die Menschen zurechtweiset, um sie Gott zurückzuführen, findet schließlich mehr Gunst als der mit glatter Zunge seinem Volke Schmeichelnde.“ Die Weisen mussten dabei an Mosche und Bileam denken, die sich in ihrem Verhalten zum jüdischen Volke so kraß unterschieden.

    Unser Mausche hat seinem Volke keine einzige Lobrede, dafür aber recht, recht viele דברי תוכחה, Worte der Zurechtweisung gewidmet, und אלה הדברים Worte der Zurechtweisungen waren es, mit denen er von seinem Volke Abschied nahm. Dieses Vermächtnis des unsterblichen Führers gereichte aber seinem Volke zu einer Quelle unendlichen Segens: aus seiner Wahrheit haben noch zu allen Zeiten die Schwankenden ihre Festigkeit gewonnen und die Verirrten zu ihrer von Gott gewollten Bestimmung sich zurückgefunden.

    Bileam dagegen hat dem jüdischen Volke eine Lobrede gehalten wie keiner vor und keiner nach ihm. Doch diese Lobrede hat, nach dem erwähnten Ausspruch der Weisen, verhängnisvolle Folgen gehabt: שהחליק בנבואותיו וגבה לבם ונפלו בשטים sie hat das jüdische Volk hochmutig gemacht und hat es in Schittim zu Falle gebracht. Dem Gottesvolke zu fluchen, war Bileam von Moabs König berufen worden, doch er durfte seinen Mund nur zum Segen öffnen. Und sein Mund strömte über vom Preis der Stellung Jissroéls in Völkermitte und der durch Gottesnähe ihm verliehenen Größe: er sieht es in seiner gesonderten, einzigartigen Erscheinung, löwenmächtig, er preist die Reinheit und Schönheit seiner Häuser, den Segensreichtum seiner Lehrstätten, er sieht es gehoben durch Gottes Liebe, da Sünde und Schuld an ihm nicht geschaut wird, und den Stern von ihm ausgehend, der einst sieghaft der Menschheit den Weg zum Heile weist. Bolok schlägt verzweifelt die Hände zusammen, – so hat er denn Bileam vergebens berufen. Doch zum Abschied איעצך erteilt Bileam ihm den Rat, den verhängnisvollen, wie allein diesem Volke beizukommen sei: suche es zu verführen, und du hast es besiegt. Und so geschah es…

    24000 jüdische Seelen sind Bileams Lobrede zum Opfer gefallen, und wer weiß, welchen Umfang diese Katastrophe noch angenommen hätte, wenn nicht Pinea’s mannhaftes Auftreten dem Verderben Einhalt geboten hätte. …

    אלה הדברים אשר דבר משה אל כל ישראל Diese Worte der Zurechtweisung aber hat Mausche an ganz Jissroél gerichtet: alle, alle unterschiedlos hatte er um sich versammelt, und sie hatten doch nicht alle gesündigt, nicht alle an den Verirrungen teilgenommen, die da aufgezählt wurden במדבר בערבה מול סוף וגו'. Nur ein Teil des Volkes war es, der sich nach den Fleischtöpfen Egyptens zurücksehnte, nur ein Teil, der den moabitischen Töchtern nachgegangen, nur die lüsterne Jugend war mit dem Manna unzufrieden, gezählt die an Korachs Aufstand Beteiligten, nur die Hefe des Volkes, die das goldene Kalb sich machten – hätte Mausche sie nicht alle versammelt, wie leicht hätte nicht der eine dem andern die Verantwortung für alle diese Verirrungen zugeschoben, die Alten den Jungen, die Reichen den Armen, die Gebildeten den Ungebildeten und umgekehrt! – Mausche aber  richtete seine תוכחה an ganz Jissroél, machte sie alle, alle für alle Verirrungen in gleichen Maße verantwortlich: denn die jüdische תוכחה richtet nicht nur gegen die das Unrecht Übenden, sondern gegen alle, die zu seiner Verhinderung das Ihre hätten leisten können und es unterlassen haben. Es ist der Geist der gegenseitigen Verantwortung des כל ישראל ערבים זל"ז, der den einen für den andern, für sein Tun und Lassen, verantwortlich macht, der sich nicht begnügt, von dem Einzelnen zu fordern, daß er sein Leben in צדקות, in Pflichttreue vor Gott begreife, der ihn vielmehr anruft, zu den מצדיקי הרבים sich zu zählen, der den Leichtsinn neben sich nicht duldet und auch nicht die Unwissenheit, gegen die er vielmehr ankämpft, solange noch andere für das gleiche Leben der jüdischen Pflicht zu gewinnen sind, der er mit jedem Atemzug seines Lebens dient.

    Ist aber solcher Geist im jüdischen Volk lebendig, dann kann dieses jüdische Volk nimmer zahlenmäßig erfasst werden. Mutter Jochebed war begnadet, wie die Weisen sich sinnig ausdrücken, ששים רבוא בכרס אחד 600 000 Menschen das Leben geschenkt zu haben, denn sie hat Mausche geboren, der, indem er sein Volk der göttlichen Lebensbestimmung entgegenzuführen bestrebt war, dieses ganze Volk mit seinem bedeutungsschweren Leben aufwog שקול משה כנגד כל ישראל! Unter diesem Gesichtspunkt ist einem Einzelleben eine Bedeutung zuzuschreiben, das zahlenmäßig von Menschen nicht zu erfassen ist: היודע מספר כלכם בדין. Gott allein kennt die Zahl und Wert aller im Gericht, er weiß, wer von denen, die in die Ewigkeit eingegangen, auf Erden gleich hundert, tausend oder gar hunderttausend gezählt hat!

    אלה הדברים אשר דבר משה אל כל ישראל. An ganz Jissroél hatte Mausche seine תוכחה gerichtet, sie alle hatte er zur Verantwortung gezogen, und sie hatten sie, im Gefühle der gegenseitigen Verantwortung, widerspruchslos aufgenommen, der eine für den anderen, mit dem er sich verbunden fühlte vor Gott und für die Verwirklichung der von Gott gewollten Lebensbestimmung – הואיל וקבלו עליהן וכו' bemerken die Weisen so sinnig, nachdem sie diese תוכחה im Bewußtsein gegenseitiger Verantwortung hingenommen, dieser Geist also in ihnen lebendig war, צריך אתה לברכן verdienten sie den Segen, dessen sie in dieser Stunde gewürdigt wurden. Und Mausche segnete sie: ה' אלקיכם הרבה אתכם Gott hat euch vermehrt, והנכם היום ככוכבי השמים לרב heute aber seid ihr zahllos gleich den Sternen geworden! In den Tagen Mausches, meinen die Weisen, war der Abraham verheißene Segen Wahrheit geworden. –

    Mausche aber fleht zu Gott, daß dieser Geist sich auch in der Folge erhalten und seinem Volke zur unendlichen, zahlenmäßig nimmer zu erfassenden Größe verhelfen möge: ה' אלקי אבותיכם יסף עליכם ככם אלף פעמים ויברך אתכם כאשר דבר לכם

     

    Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER  Belehrung und Mahnung fünfter Teil Deuteronomium  J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1936 S. 3-10

    14-07-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    12-07-2021
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER „Ein jüdisch-geschichtlicher Wegweiser (11)
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    Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER

                 (1894-1983)

     

    ובקשו

     

    „Ein  jüdisch-geschichtlicher Wegweiser“ von  Leo BRESLAUER. Frankfurt am Main  5695/1935









    27.      Rechthaberei

    „Nur aus der sichtbaren irdischen Wirklichkeit ist der Gottesstaat geschwunden. Seine überirdische Wirklichkeit dauert fort. Dieser himmlische Gottesstaat darf und wird als beherrschende Idee des Golußjudentums nie völlig verloren gehen; denn unsere Mamlecheß-Kauhanim-w’gauj-kodausch-Bestimmung ist ewig. In dieser Geistigkeit hat er auch seine alte Totalität behalten, so lange noch Juden nicht nur nach seinen in Geltung verbliebenen Gesetzen handeln, sondern auch den ehemaligen gottköniglichen Residenzbezirk in seiner ganzen, Heiligtum und Land umspannenden Weite noch „lernen“ und – beten.

    Der neue Zustand hat aber in doppelter Hinsicht die Erziehung zum Bekenntnis und zum Gehorsam für Gottkönig vor neue Schwierigkeiten gestellt.“

    „Hinzu kam, daß mit dem Untergang des Staates die für die Erziehung so wichtigen autoritäre Macht des Gottesstaatvolkes verloren ging. Machtlosigkeit ist aber gewöhnlich der Bankrott der Erziehung; denn sie bedeutet normaler Weise Kapitulation vor dem obersten der Urtriebe, der Rechthaberei.“

    … …

    „Das ist die Klemme:

    Hier – Kitzel des Geltungstriebes durch ohnmächtigen Zusammenbruch der gottesstaatlichen Erziehungsautorität unseres Volkes.

    Dort – herzergreifend das allgegenwärtige Geheimnis flehentlichen Drängens zu freiwilligen, akeidostarken Geltungsverzicht, der die Blinden helläugig  macht, um in der Öde des Goluß die Manifestation des Gottesstaates zu sehen, um Zwangsgastschaft zu bejahen, zur Wahrheit sich zu bekennen, der Ehre Gotteskönigs aus banger Ferne zu huldigen.

    Was  tut Rechthaberei in dieser Klemme? Sie greift (ganz typisch und in diesem Punkte  allein traditionell) nach Beflüsterung mit scheinbarer Legalität dem berüchtigten Rauschmittel der Triebe zur Einschläferung des Gewissens. Unsere Weisen wußten warum sie empfahlen, bei unerträglicher Triebdruck sich im traurigen Schwarz zu hüllen, ins Dunkel der Unbekanntheit zu flüchten und dem Unwiderstehlichen, wenn es wirklich unwiderstehlich ist, so zu erliegen, also gerade in der Not der Tat sich das Bewußtsein der Illegalität, der Sünde, zu erhalten.

    Will Rechthaberei sich ins Herz eines gläubigen Geschlechts einschleichen, so bindet sie sich der Maske einer gewissen Interpretation vor’s Gesicht.  Die eigene Meinung wird skrupellos schlau in die Worte der heiligen Lehre hineingedeutet – Methode der unbegrenzten Möglichkeiten. In der zweiten Generation ist der Schwindel bereits „historisch“ und fordert – Respekt. Die Überrumpelung ist geglückt. Der Hochmut schwillt an, läßt die Maske fallen und wird – Frechheit.

    …

    Die Ewigkeit  Gottes bürgt für den Bestand seines Volkes und seines Wortes. Der Staat der Sinnlichkeit fiel – unsere  Gottheit blieb, der Staat der Habsucht fiel – Gottes Volk blieb. Auch Rechthaberei wird schwinden- Gottes Wort wird bleiben –  –  “   

      


    Es freut uns – in Beilagen –  ein erster Teil einer weiterer Skizze (S. 50 bis 56) aus dieses rabbinische Meisterwerk vollständig zu liefern:

    Bijlagen:
    Breslauer Leo Uwakschu 50b.jpg (101.5 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 51.jpg (123.6 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 52.jpg (119.2 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 53.jpg (129.5 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 54.jpg (126.2 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 55.jpg (124.1 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 56.jpg (126 KB)   

    12-07-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    11-07-2021
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Sprüche 28,23 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Dewaurim
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    דברים

    שבת חזון:

    Der Sabbat, an dem mit der Vorlesung des fünften Buches Moses begonnen wird, heißt , שבת חזון Sabbat der Prophezeiung. Er ist nämlich der Sabbat, der dem Trauer- und Fasttage ob der Zerstörung Jerusalems dem תשעה באב vorangeht, und es ist der einzige Sabbat im ganzen Jahre, an welchem traurige Erinnerungen die Herzen Jissroéls erfüllen. Denn an ihm wird im Gotteshause nach der Thoravorlesung das erste Kapitel in Jesaias, die ergreifende Prophezeiung, in welcher in herzerschütternder Weise die Sünden unserer Vorfahren geschildert und der Untergang des jüdischen Reiches vorausgesagt wird, vom Rabbiner der Gemeinde vorgelesen; daher hat dieser Sabbat die erwähnte Bezeichnung שבת חזון erhalten.

    מוכיח אדם אחרי חן ימצא ממחליק לשון:

     

    „Wer einen Menschen mir nachzufolgen zurechtweist, verdient mehr Wohlgefallen zu finden, als der Mann mit glatter Zunge“

    (Mischle-Sprüche Salomos 28,23 Übersetzung Rabbiner Dr. WOLF, Köln a. Rh.)

     

    1.

    Wohl dem Menschen, dessen Seele

    Nur nach Gottes Lehre strebt,

    Niemals, wenn er immer fehle,

    Gegen Warnung sich erhebt.

    2.

    Sicher wird sie ihn stets leiten

    Durch des Lebens Erdental

    Und im Sterben ihm bereiten

    Eine Trennung ohne Qual.

    .

    Aus: Erbauungsbuch „Bibel- und Talmudschatz“ J.H. Kohn S. 375  13.Auflage Hamburg 5691 – 1931

     

    Die beste Anschrift für antiquarische Judaica:

    Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    Inhaberin: Frau Manja BURGERS

    http://www.spinozabooks.com

    11-07-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    09-07-2021
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Samson Raphael HIRSCH: Aus dem kommentar zur Wochenabschnitt MASSEI
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    Rabbiner Samson Raphael HIRSCH

     

     

    Aus seinem Kommentar zur Wochenabschnitt Massei

     

    מסעי

     

    Kap.33, V.53 Ihr sollt das Land erst zur Besitznahme säubern und dann euch darin niederlassen; denn euch habe ich das Land gegeben, es in Besitz zu nehmen

     

    Kap. 33 V.53 והורשתם את הארץ (siehe zu V.52) Ihr müsst das Land erst durch Entfernung aller polytheistischen Spuren zu eurer ירושה fähig machen, dann erst könnt ihr euch darin niederlassen. So lange polytheistische Bewohner und polytheistische Denkmäler darin sind, ist eure ישיבה keine ישיבה (siehe zu 2 B.M. 32, 12 f.). כי לכם נתתי וגו': nicht Kraft eigner Machtvollkommenheit habt ihr das Land, es ist Gottes Wille und Gottes Macht, denen ihr das Land verdanket, und auch bei der Verteilung des Landes (V.54) habt ihr nicht willkürliche Normen, sondern Gottes Weisung und Gottes Entscheidung zu folgen. Daher könnt ihr euch nicht der ersten Vorbedingung entschlagen, unter welcher Gott euch das Land überweist.

     

    V.55 Wenn ihr aber die Bewohner des Landes nicht vor euch vertreiben werdet, so werden diejenigen, die ihr von ihnen übrig lasset, zu Gehegen in euren Augen und zu Stacheln in euren Seiten; sie werden euch auf dem Boden, den ihr bewohnet, feindlich bedrängen.

     

    V. 55 …Mit dieser den Polytheismus im Gotteslande Berechtigung einräumende Duldung büsst ihr aber selber die Integrität eurer Gotthörigkeit, die Berechtigung und den Schutz eures Daseins im Lande ein, und wie Gott seinen Schutz euch wegzieht, werden die Geduldeten eure Dränger und Feinde in eurem eigenen Lande. Das ganze Buch der Richter ist nichts als Geschichte der Verwirklichung dieser nicht beachteten Warnung.

     

    Kap.34, V.2 Verpflichte Jissroéls Söhne und sage ihnen: Wenn ihr zu dem Lande Kenaan kommet, ist dies das Land, das euch in Besitz zufallen soll, das Land Kenaan nach seinen Grenzen.

     

    Kap.34, V.2 ארץ כנען לגבלתיה Eine genaue Grenzbestimmung des Landes ist auch für die מצות התלויות בארץ folgereich, da deren ursprüngliche Verpflichtungskraft auf diese Grenzen beschränkt ist. Erst nachdem die Besitznahme von diesem hier präzisierten ארץ כנען vollständig vollzogen ist, können auch andere eroberte Länder der קדושת הארץ und der an diese sich knüpfende Pflichten teilhaftig werden. Weshalb auch den von David eroberten Provinzen ארם צובה und דמשק (Sam. II 8,5 u. 6) unter dem Gesamtnamen  סוריאdie קדושת הארץ nur מדרבנן zuerkannt war. Die Besitznahme des eigentlichen Gesetzbodens war noch nicht ganz vollzogen, war doch selbst Jerusalem noch nicht ganz in jüdischen Händen. Die Eroberung von Syrien ward daher gar nicht als nationales Unternehmen betrachtet und durch die Bezeichnung כבוש יחיד von dem gesetzlichen קדושה-Charakter ausgeschlossen. Ist es doch selbst nicht entschieden, in wie weit das transjordanische Land der dritthalb Stämme in die eigentliche קדושת הארץ mitbegriffen war. (Aboda Sara 21a תוספו' daselbst und Gittin 8 b. –  Siehe ferner zu 5 B.M. 30,5)

     

    Kap.35 V.10  Sprich zu Jissroéls Söhnen und sage ihnen: Wenn ihr den Jarden überschreitet zum Lande Kenaan hin,

     

    Kap.35 V.10 כי אתם עוברים וגו' Das Land des göttlichen Gesetzes ist um der Menschen willen da. Sein höchstes Produkt, Ziel und Zweck des ganzen ihm zugewandten Gottessegens, ist jede von ihm genährte, der Verwirklichung des Gottesgesetzes durch seine Mittel geweihte Menschenseele. Das Land wird allen nur unter der Bedingung der unantastbaren Heiligachtung einer jeden dem Gesetze heiligen Menschenseele gegeben. Ein Tropfen unschuldig vergossenes, unbeachtet gebliebenes Blut löst eine Masche an dem Band, das das Land mit der Nation und beide mit Gott verknüpft (siehe Verse 33 und 34). Diese Heiligachtung des Menschenlebens soll sofort bei der Besitznahme des Landes Ausdruck und in der Verteilung des Landes selbst die Gesetzinstitution geschaffen werden, auf welche bereits in den Grundzügen der sozialen Rechtsordnungen (2 B.M. 21,13) hingewiesen ist.

     

    V.29 Es seien euch diese Bestimmungen zum Rechtsgesetz für eure Nachkommen in allen euren Niederlassungen.

     

    V.29 בכל מושבותיכם, סנהדרין נוהגת בארץ ובחוצה לארץ (Mackoth 7a). So lange die Kriminaljustiz im jüdischen Lande zu Verwirklichung kommt, –  es ist dies an die Existenz des obersten Gerichtshofs in der Steinhalle, לשגת הגזית im Tempelheiligtum gebunden (siehe 5 B.M. 17,10), ועשית על פי הדבר אשר יגידו לך מן המקום ההוא אשר יבחר ד' מלמד שהמקום גורם (Aboda Sara 8b תוספו' daselbst) – so lange ist sie auch in den jüdischen Niederlassungen außerhalb des Landes durch Gerichtshöfe zu handhaben, deren Mitglieder, vermöge der von der Gesetzautorität im Lande erlangten Autorisation, סמיכה, als deren Delegierte handeln. 

     

    V.33  Machet das Land, in welchem ihr seid, nicht zum Heuchler, denn das Blut macht das Land zum Heuchler, und dem Lande wird für das Blut, das ich ihm vergossen worden, keine Sühne, wenn nicht mit dem Blute dessen, der es vergossen.

     

    V.33 ולא תחניפו וגו'.חנף, wie dessen Bedeutung in Job und Proverbien entschieden klar ist, heißt: heucheln, also eine andere und zwar bessere Erscheinung äußerlich darstellen, welcher die Wirklichkeit des inneren Wesens nicht entspricht. Wer also einen Menschen zum Heuchler macht, der nimmt ihm bei unveränderter äußerer Erscheinung den innern Kern. …

    Wenn nun das Land zum „Heuchler“ wird, so ist dies, wie man sieht, die buchstäblichste „חנופה“. Es ist noch derselbe Boden, der unter Gottes Tau und Sonnenstrahl die reichste Fülle des Fruchtsegens zu tragen bestimmt ist; allein Boden, Tau und Sonnenstrahl täuschen, kein Segenskeim treibt ais dem Innern zum Leben und zur Freude der Menschen, und was davon treibt, ist wiederum Täuschung, es wohnt kein Segen in dem Mark und Saft der  Triebe und Pflanzen. …

    In dem Augenblicke, in welchem Gott Noah und seine Söhne die neugeschenkte Erde wieder betreten lässt und ihnen die Pflanzen- und Tierwelt zur freien Disposition übergibt, proklamiert er mit dem: ואך את דמכם לנפשתיכם אדרש וגו' שופך דם האדם באדם דמו ישפך כי בצלם אלקים עשה את האדם die Geltung der unantastbar höheren Dignität der Gottesebenbildlichkeit des Menschen als Grundbedingung des Genusses dieses Geschenkes und dieser freien Waltung. In dem Augenblick, in welchem Gott Jissroél das Land als Boden seiner segensreichen Entfaltung für die Verwirklichung Seines Gesetzes übergibt, erneuert er dem: ולארץ לא יכפר לדם אשר שפך בה כי אם בדם שפכו dieselbe Humanitätsproklamation für Jissroél als Grundbedingung des gesegneten Besitzes und Genußsegens dieses Landes und erweitert sie noch durch die Sühneinstitution für den unvorsätzlich Mord.

     

    V.34 Und verunlautert das Land nicht, in welchem ihr wohnet, in dessen Mitte ich gegenwärtig bin; denn Ich, Gott, bin gegenwärtig in der Mitte der Söhne Jissroéls.

     

    V.34 אשר אתם יושבים בה אשר אני שכן בתוכה ist eine andere Beziehung des Landes zu seinen Menschen, als die V.33 durch אשר אתם בה ihren Ausdruck fand. Dort ist es die Beziehung des Landes als Bodens der Menschenexistenz. Der Boden versagt den Menschen die Existenz, wenn die Existenzvernichtung eines Menschen durch einen Menschen gleichgültig lässt. Hier ist es die Beziehung des Landes als Boden der ישיבה und der שכינה, der nationalen Menschengesellschaft und der Gottesgegenwart auf Erden. Beides, sowohl die auf die Huldigung Gottes und seines Gesetzes zu erbauende soziale Volkswohlfahrt, als die einer solchen Erhebung des irdischen Gesamtseins zu Gott zugesagte Gegenwart Gottes auf Erden (2 B.M.25,8) beruht offenbar auf dem Bewusstsein und der Anerkennung der Gottebenbildlichkeit des Menschen. Wenn das ganze Gottesgesetz auf den drei Fundamenten des Rechts und der Liebe des sozialen, und der Sittenheiligung des individuellen Menschen beruht, so steht und fällt das ganze Gesetz mit dem Bewusstsein und der Anerkennung oder der Verneinung und Leugnung der höheren Dignität, der Gottenebenbildlichkeit des Menschen. Auf der Anerkennung der Gottenebenbillichkeit des Nebenmenschen beruht das Recht, auf dem Selbstbewusstsein der eigenen Gottebenbildlichkeit die Sittenheiligung und die Liebe. Ist der Mensch nur tierebenbildich, nur ein physisches Wesen wie alle Lebendigen neben ihm in der Schöpfung, so sind Gewalt und Selbstsucht und Tierbefriedigung auch für ihn die einzige Lebensmotoren, so kann von Recht und Liebe und Sittenheiligung keine Rede sein, so ist טומאה, „physische Gebundenheit“, Unfreiheit mit allen Konsequenzen der Gewalt und der Entartung das ausschließliche Gepräge der Erd- und Menschenwelt, so ist es das Tierideal, dem in Haus und Staat des Menschen- und Völkerlebens die Idolhuldigung gezollt wird, so ist für Gott, den in Recht und Liebe und Sittenheiligkeit zu bekennenden ein Einzigen, keine Stätte auf Erden. ….  

    09-07-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    08-07-2021
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    Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH

                  (1833 – 1900)

     

    הפטרת פרשת מסעי

     

       Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes Massei

     

    Jeremias Kap. 2, Vers 4 und folgende

     

     Kap.2, V. 4. „Höret das Wort Gottes, Haus Jakobs!“ Mit dieser Aufforderung trat Jeremias in Jerusalems letzten Tagen in unsern Kreis, und R. Lewi in der Peßikta steht bei diesen Worten still und meint, es wäre schon viel gewonnen, wenn in Zeiten eines praktischen Abfalls von Gott und seinem heiligen Gesetze das Wort Gottes nur erst wieder gehört, mit Ernst gehört werde. Sei ja das Ohr die Pforte zum Geiste, die Pforte zum Herzen, und auch nur dem Gedanken Gottes und seines heiligen Gesetzes wieder Raum gegeben, sei der Boden für alle Hoffnung der Zukunft gewonnen. (Jeschurun IV. S.496.) Wir verweisen angelegentlich auf diese herrliche Thamus-Abhandlung  „Jissroéls Verfall“, die an der Hand einer eingehenden Erläuterung des ersten Verses unseres Kapitels die Verhältnisse der jüngsten jüdischen Geschichte und der Gegenwart beleuchtet.

    „Haus Jakob“: Einheit, „alle Familien des Hauses Jissroél“: Vielheit. Jakob: Jissroél in Abhängigkeit und Druck, Jissroél: in Selbständigkeit und Glück. Die im Glücke nach Reichtum und Mannigfaltigkeit der äußeren Verhältnisse, nach „Rang und Stand“ sich von einander abgrenzenden Kreise werden als „Jakob“, durch das hereinbrechende Unglück wieder zu dem einen Jakobshause vereinigt.

    V.5 וילכו אחרי ההבל ויהבלו „Sie gingen dem Nichtigen nach und verfielen selbst dem Nichts“, „wurden selbst nichtig“, das ist dIe kürzeste, treffendste, inhaltsreichste und ergreifendste Grabschrift so vieler Geschlechter jüdischer und nichtjüdischer, alter und moderner Zeiten. – Völkergunst, Göttercult, die Besitz- und Genußvergötterung, in der sie schwelgten – sind an sich nichtig. Alle äußeren Güter und das Streben nach ihnen haben Wert und volle Berechtigung, wenn sie als Mittel zu einem menschlich reinen, pflichttreuen Leben erstrebt und verwendet werden. Als Selbstzweck erstrebt sind sie jedoch nichtig, und das Aufgehen in das Streben nach ihnen beraubt das Leben jedes wahren, dauernden Gehaltes.

    …

    V.8 Alle für die Gestaltung des Volkslebens maßgebenden Faktoren versagten oder sie übten offenen Verrat. Die Priester, die durch den steten Hinweis auf Gott und Pflicht „die rechte Richtung geben“ sollten, mahnten nicht: „wo ist denn Gott?“ Siehe oben. Die „Handhaber der Thora“, die Männer der jüdischen Wissenschaft, des Gottesgesetzes, „kannten“, spricht Gott, „mich nicht“ – mochten sie auch die eingehendste Kenntnis aller einzelnen gesetzlichen Bestimmungen und ihrer Anwendung haben, sie hatten dennoch keine Ahnung von Sinn und Bedeutung des Ganzen, und weil ihnen dieser Sinn fern und dieser Geist fremd bleib, so war ihr Wissen ein totes. Dem Gotte, dessen lebenweckendes und lebengestaltendes Wort ihnen trotz alles Wissens ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch blieb, konnten sie des Volkes Herz und Sinn nicht öffnen. והרועים, die Führer aber, die einflußreichen, angesehenen Großen, zu denen unwillkürlich das Volk emporblickt, deren Leben und Beispiel deshalb mustergültig sein sollte, die waren gerade zu allererst und am allermeisten von Gott abgefallenen. והנביאים, und die Propheten, die Männer, die, wenn vom rechten Geist beseelt, wohl imstande wären, trotz aller unwürdigen Priester, aller unfähigen und stumpfen „Handhaber der Thora“ und aller gewissenlosen Führer, durch das zündende Wort der Wahrheit das Volk aus seiner Lethargie zu wecken und zurück- und emporzuleiten: die Propheten –  predigten im Namen des Baal und gingen dem Heillosen nach! –

    …

    V.12 שמו שמים וגו': Es ist dies der so oft wiederholte bedeutungsvollen Hinweis auf die nahe Beziehung zwischen der Natur und dem Berufe Jissroéls für die Anbahnung des reinen gottdienenden Menschentums. Die Natur „trauert“, wenn dieser Beruf verfehlt und die Erreichung dieses Zieles in weite Ferne  hinausgerückt wird.

    …

    Kap. 3, V.4 Auf diese Zeit wird hingeblickt, wo Jissroél in Gott seinen Vater  und seinen einzigen Führer von ewig her erkennen wird. Mit diesem tröstenden Ausblick schließt die Haftora.  – Die Sephardim schließen statt dessen mit den beiden ersten Versen des vierten Kapitels, die die Aufforderung zur Rückkehr, jedoch zur ernsten, in voller Verwirklichung des Gottesgesetzes sich betätigenden Rückkehr, enthalten, mit dem Ausblick auf das Heil, das dadurch weit über den jüdischen Kreis hinaus der Gesamtmenschheit erblühen werde.

     

    (Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 294-303  Kommentar zu Jeremias Kap 2 V.4…) 

    08-07-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    07-07-2021
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    Rabbiner Dr. Salomon BREUER

                    (1850 – 1926)

     

    מטות

     

    Belehrung und Mahnung zur Wochenabschnitt

    MATTAUS

    (Auszüge)

    …

    Diese Wochen, die Jahr für Jahr, seitdem unser Volk im Galuth weilt, einen jeden, der sich seiner Zugehörigkeit zum jüdischen Volk noch bewußt  ist,  zur Trauer laden, die wehe Klage, die sie in jedem jüdischen Herzen entfesseln, sie gelten zunächst nicht dem Verlust der politischen Selbständigkeit, nicht dem Verlust des heimatlichen Bodens – על אלא אני בוכיה עיני עיני ירדה מים כי רחק ממני מנחם וגו' „darum weine ich, zerfließt mein Auge in Tränen, daß mein Tröster, der meine Seele erquickte, sich von mir entfernte – „ זה סלוק שכינה erklären die Weisen, das ist die Entfernung der göttlichen Schechina aus dem Menschenkreise, – dem גלות שכינה, wie es die Weisen so tief und so erschütternd bezeichnen, daß mit dem Untergang des Heiligtums auch Gottes Schechina in Galuth weilt, heimatlos, stättelos vergebens des Augenblickes harrt, da Menschen ihr aufs neue die Stätte in ihrem Leben bereiten, diesem herzzereißenden Jammer fließt vor allem die Träne jeder wahrhaft jüdischen Seele in diesen traurigen Wochen.

    Und diese Träne und dieser Schmerz sollte an Berechtigung eingebüßt haben, seitdem die finsteren Nachtjahrhunderte, die unseren Vätern ein Martyrium ohnegleichen auferlegten, einer helleren glücklicheren Zeit gewichen sein? Haben wir die Prüfung bestanden, die der Anbruch dieser Zeit uns stellte? Hat Galuth Schechina seitdem von seinem Jammer verloren und nicht vielmehr eine Steigerung erfahren, die unseren Vätern unfaßbar gewesen wäre? ...

    Hat diese Klage nicht in unseren Tagen erhöhte Berechtigung gewonnen, zittern wir nicht vor der Möglichkeit, ass das ernst mahnende Wort der Weisen, mit dem sie das Verhalten der Söhne Gads und Reubens begleiteten: לפיכך גלו תחלה in seiner ewigen Wahrheit sich auch an uns bewähren könnte?

    Diesem Galuth der Thora, das, ach, so viele der Thora gerade in der Zeit günstiger, heiterer Lebensgestaltung bereiten, müsste vor allem unsere Tischo-beaw-Träne gelten. Leider aber ist dies nicht der Fall, nicht einmal in Kreisen, in denen Thora und Mitswauss noch gewissenhaften Pflege finden. Welche Entrüstung, welche Empörung löst nicht überall auch der leiseste Versuch aus, der geeignet ist, die Galuthstellung des jüdischen Volkes zu verschlechtern, oder gar die Errungenschaften seiner Emanzipation zu gefährden und das Schreckgespenst erneuter Galuthnacht vor die ängstliche Seele zu malen! – Daß aber der Abfall vom Gottesgesetz immer weiter um sich greift, bereits ganze Geschlechter in völliger Unkenntnis der jüdischen Lebenspflichten heranwachsen, Tausende und aber Tausende durch Mischehen und durch Verschmähung des Abrahambundes dem Judentum sich völlig entfremdet haben und das Heiligtum des göttlichen Gesetzes zunehmender Verödung entgegengeht – dieses erschütternde Galuth Schechino, das doch in Wahrheit die einzige Ursache ist, die unser Galuth verlängert und noch immer erneutes Galuthleid über uns gebracht hat, es findet vielleicht Bedauern, ohnmächtigen Seufzer, aber die leidenschaftliche Träne, die die letzte Kraft zur bessernden Tat aufpeitscht, wo wird sie geweint? –

    Dieser traurigen Erscheinung verleiht das Weisheitswort beredten Ausdruck: בכה תבכה בלילה, ישראל בוכים בלילה Jissroél weint in der Nacht, wenn finstere Galuthnacht mit allem leidvollen Weh der Lebensverkümmerung und Entrechtung ihm seine ohnmächtige Stellung inmitten der Völker zum schmerzlichen Bewußtsein bringt; jedoch für das bittere Leid, das der Galuthtag ihm bringt, wenn die Sonne  glücklichere Lebensverhältnisse wohl seine Nacht verdrängt, dafür aber die Nacht der Galuth Schechino umso finsterer gestaltet, findet es keine Träne. – Aber Jirmejo, der Prophet, der auf der Warte des Heiligtums steht und dem das wahre Heil seines Volkes am Herzen liegt, ירמי' בוכה ביום er weint die heiße Träne des Schmerzes, die das Bewußtsein ihm entlockt; daß sein Volk die heitere Gestaltung seines Lebens noch immer nicht als die göttliche Prüfung begreift, ob es gewillt ist, Gott und seiner Thora nicht nur in der Gollusnacht, sondern auch wenn die Nacht dem hellen Tage weicht, die gewissenhafte Treue zu bewahren. – Gott aber weint in Golus bei Tag und bei Nacht: es sind die Tränen des Vaters, der nach seinen Kindern sich sehnt; deren Leid ist sein Leid, und sein tiefster Schmerz ist die leidvolle Erkenntnis,d aß seine Kinder  noch immer nicht „nach dem Tisch ihres Vaters sich sehnen“.   Jissroél aber spricht zum Propheten:נעשה תנאי בינינו laßt uns eine Vereinbarung treffen: אנו בוכים בלילה in der Golusnacht werden wir weinen, da brauchen wir keinen, der uns weinen lehrt, dagegen אתה בוכה ביום am Golustag, wenn nicht äußeres Leid drückend auf uns lastet, da lehre du uns weinen, daß wir die Träne nicht vergessen, die wir dem Golus Schechino schulden.

    …Uns aber, meine Brüder und Schwestern, denen Golutstage beschieden sind, mögen diese ernste Tage die große Frage vor unser Gewissen stellen: was können wir tun, haben wir alles getan, um das traurige Golus Schechino, das Golus der Thora zu beenden? ירמי' בוכה ביום Wer von Jirmejo sich führen läßt, wen der heilige Ernst der jüdischen Lebensaufgabe erfüllt, den werden die Golustage nicht über den Jammer und die Schmach hinwegtäuschen, die die Tatsache, aß Gottes Schechino in finsterer Golusnacht weilt, für unser jüdisches Bewußtsein bedeutend. Solches jüdisches Bewusstsein laßt uns unsere Kinder erziehen, daß sie mit uns ihr Leben der großen Aufgabe weihen: Gottes Schechino mit ihrem Leben Heimstätte zu bereiten. – Ist aber erst dem traurigen Golus Schechino ein Ende bereitet, dann kehrt sich Gott in unendlichem Erbarmen den Gefangenen Jissroéls zu, um sein Jakobsvolk aus tränenvollem Golusleid einer glücklichen, freudvollen Zukunft entgegenzuführen בשוב ה' שבות עמו יגל יעקב ישמח ישראל. 

     

    Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER  Belehrung und Mahnung vierter Teil Numeri  J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1935 S. 72-77

    07-07-2021 om 16:39 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    06-07-2021
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    Die drei Trauerwochen

     

    Editorial der Wiener Wochenzeitung „Jüdische Presse“ 1933, 28.Woche

     

    Mit dem 17. Tamus beginnen die drei Trauerwochen, deren Abschluß den 9. Aw bildet. Drei Trauerwochen, die uns von Jahr zu Jahr die Zerstörung Jerusalems, die Einäscherung des heiligen Tempels neu in Erinnerung zu bringen. Das allgemeine jüdische Leid ergießt sich in diesen Wochen in mitternächtlichen Wehklagen um die verflossene Herrlichkeit des jüdischen Staates, um das Weichen der Schehinoh aus unserer Mitte, um den jüdischen Stolz und Adel, die seither,  zu Staub erniedrig, nirgends dauernd das Haupt erheben können. So und das war der Sinn  der drei Trauerwochen zwischen dem 17. Tamus und dem 9. Aw seit nahezu wie Jahrtausende.

    In der jüngsten Zeit, seit den  modernen Versuchen Palästina für das jüdische Volk zurück zu gewinnen, bekommen diese drei Wochen allmählich auch einen anderen Charakter.

    …

    Die praktische Palästina-Arbeit der Agudas Jisroel bewegt sich in diesen Bahnen. …  Unter dem Eindruck  der katastrophalen Entwicklung der jüdischen Lage in Deutschland, aber auch in manch anderen  mittel- und osteuropäischen Staaten, sieht sich ein Großteil unserer orthodoxen Juden die einzige Möglichkeit in Erez Jisroel. Die zionistische Propaganda nützt die Katastrophe zu ihren Parteizwecken aus. … Dies sind Momente, welche die Orthodoxie mit großer Aufmerksamkeit; ja, sagen wir es nur ganz offen heraus, mit großer Besorgnis betrachten muß. So wertvoll die Palästina-Sehnsucht unserer orthodoxen Jugend ist, sie wir eine Gefahr, wenn es unseren religiösen Führern nicht gelingt diese Sehnsucht mit einen gleichstarken religiösen Willen in dem jungen jüdischen Menschen zu paaren und zur Vollendung zu bringen.

    Was wir aber jetzt sehen, ist einerseits intensivsten zionistischen Propaganda, andererseits schwache orthodoxe Versuche, eine praktische Erez-Jisroél-Arbeit in die Wege zu leiten, und fast nichts was das große religiöse Sehnen in dieser schweren, aufgewühlter Zeit wecken und befriedigen würde. Wenn es so bleibt dann wird …

     

    Weiter vollständig zu lesen in Beilage:

    Bijlagen:
    JPW 1933 28 Die drei Trauerwochen.JPG (188.8 KB)   

    06-07-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    05-07-2021
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    Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER

                 (1894-1983)

     

    ובקשו

     

    „Ein  jüdisch-geschichtlicher Wegweiser“ von  Leo BRESLAUER. Frankfurt am Main  5695/1935







    26.      Zwangsgastschaft

    „De facto ist der Gottesstaat Zukunftshoffnung, er existiert nicht mehr in irdischer Wirklichkeit. Dafür beherrscht er als unverrückbares  Geschichtsziel der göttlichen Vorsehung alles irdisches Geschehen. So, als himmlischer Gottesstaat, hat er nie aufgehört. Sein Recht gilt fort. De jure ist er schon heute – noch heute.  Er ist so kraft unserer immer noch geltenden Berufung zur  Mamlecheß-kauhanim w’gauj-kodausch und kraft der uns verbliebenen Zentralinstanz der Tauro. Gleich wie Awrohom selber schon de jure, wenn auch nicht de facto, Herr des Heiligen Landes war. Die Angehörigkeit zu diesem de jure-Staat stempelt jeden Juden. Das Bewußtsein von dieser Angehörigkeit – und es allein – macht ihn zu einem bewußten Juden.

    Die sinnennahe Realität eines faktischen Staates bedeutet für jeden seiner Bürger auch ohne jedes andere Hoheitszeichen ein positives, untrügliches Merkmal seiner Angehörigkeit und Hörigkeit an diesen Staat. Bürgerbewußtsein ohne dieses Merkmal ist gar nicht denkbar. Was ersetzt aber dem Juden des sinnenfernen, ideellen de jure-Gottesstaates den Mangel solch eines positiven Merkmales? – Den ersetzt ihm die sinnennahe Realität des – Goluß und seines Innuj.“

    „Wir selber können bis dahin unseren Gastzustand nicht eigenmächtig beenden, auch die Menschheit kann das nicht, kein Volk und kein Völkerbund. Gegen das System autonomistischer Erdenbürgerlichkeit und Gottesreichsbürgerlichkeit eben als „Gastbürger“ zu zeugen, ist ja grade auch eine, schon von den Ahnen uns vorgelebte, Bestimmung unseres Golußschicksals.

    Die welthistorische Lehre dieser Wahrheit ist: nicht die Staaten  der Erde sind unsere eigentlichen Wirte, sie sind es nur scheinbar. Der Herr der Menschheit, Gottkönig, ist es, der uns zu ihnen Quartier gab, damit sie seinem Volk auf seiner Erde Lebensraum gewährten genug um, dankbar und treu für ihr Gewähren, der Ehre Gottkönigs und seines Reiches zu leben. Er tat es nach seinem Plan wahrhaftig beiden zum Wohl und beiden zur – Prüfung. Das Anormale unseres Goluß-Daseins ist nicht nur unser Schicksal, sondern auch Schicksal der Menschheit. Es ist vollendeter Irrtum, zu glauben, eigenmächtige Normalisierungsmaßnahmen können beide Teile von ihrem Schicksal befreien, bevor noch die Stunde des dritten Gottesstaates geschlagen hat. Und verhängnisvoller Irrtum, wäre es aber auch, aus unserer irdischen Heimatlosigkeit ein Recht für die Menschheit herzuleiten, uns die Gastfreundschaft zu kündigen und nach Belieben Ruhelosigkeit aufzubürden, also, S’charjo’s Mahnung zum Trotz, dort, wo „Gott ein wenig zürnt von sich aus das Unglück zu fördern“, Gottkönig wird den vorzeitigen Abbruch unserer Zwangsgastschaft nicht wollen, bis daß sie ihren Zweck als gottesstaatlicher Wegeweiser erfüllt und Jißroeil und die Menschheit heimgeführt hat in  sein Reich.“

    „ Da sollt jeder schon um seinetwillen die Zügelung der Triebe nach Gottesweisung bei sich und beim andern fördern. Wüßten die Völker, um was es geht, sie stellten neben jeden Juden zwei Wächter, die ihn zur Tauro-Hüt anhielten, zur Respektierung des Weltenwirtes, und – sie respektierten selber ihn auch. – –

    Jedes Ding hat zwei Seiten, jedes jüdische – drei.

    Unserer Zwangsgastschaft eine Seite sehen die Völker: die Judenfrage. Die zweite sehen wir: Goluß-Leid. Die dritte seht Gottkönig: Erziehung und Bewährung für Jisroeil und die Menschheit.

    Goluß muß nun einmal sein, Goluß-Leid muß nicht  sein.  Aber wenn es ist, dann zeugt es eindringlich für unsere Angehörigkeit zum himmlischen Gottesstaat; …“


    Es freut uns – in Beilagen –  eine weitere Skizze (S. 46 bis 50) aus dieses rabbinische Meisterwerk vollständig zu liefern:

    Bijlagen:
    Breslauer Leo Uwakschu 46b.jpg (86.7 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 47.jpg (125 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 48.jpg (122.9 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 49.jpg (126.9 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 50.jpg (24.1 KB)   

    05-07-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    04-07-2021
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    מסעי

     

    גם כי אלך בגיא צלמות לא אירא רע, כי אתה עמדי:

     

     

    „Gehe ich darum auch in todesumschattetem Tale, fürchte ich nichts Böses, denn Du bist bei mir Dein Stab du Deine Stütze sind es; sie trösten mich. “

    (Psalm 23,4 Übersetzung Rabbiner Samson Raphael HIRSCH)

     

    1.

    Gleich einer Reise führt das Leben

    Den Menschen zu dem Ziele hin,

    Ein jeder hat ein and’res Streben

    Ein jeder anderes im Sinn.

    2.

    Bis dann am Ende aller Leiden

    Die ewige Ruhe freundlich winkt

    Und in das Land der seligen Freuden

    Uns sanft der Tod hinüber bringt!

     

    Aus: Erbauungsbuch „Bibel- und Talmudschatz“ J.H. Kohn S. 361  13.Auflage Hamburg 5691 – 1931

     

    Die beste Anschrift für antiquarische Judaica:

    Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    Inhaberin: Frau Manja BURGERS

    http://www.spinozabooks.com

    04-07-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    מטות

     

    טוב אשר לא תדר, משתדור ולא תשלם:

     

     

    „Besser ist es, wenn du nicht gelobst, als du gelobst und nicht erfüllst “

    (Koheleth 5,4 Übersetzung Rabbiner Dr. Raphael BREUER)

     


    1.

    Leite deine Zunge an,

    Wahrheit nur zu sprechen,

    Lügest du in eitlem Wahn,

    Wird es bald sich rächen,

    2.

    Und das Wort, das dir entfuhr,

    Heilig stets verehre

    Halte treulich deinen Schwur!

    So will’s Gottes Lehre.


    Aus: Erbauungsbuch „Bibel- und Talmudschatz“ J.H. Kohn S. 353  13.Auflage Hamburg 5691 – 1931

     

    Die beste Anschrift für antiquarische Judaica:

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    04-07-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    02-07-2021
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    Rabbiner Samson Raphael HIRSCH

     

    פינחס

     

    Aus seinem Kommentar zur Wochenabschnitt Pinchos

     

    Kap. 25, V.11 Pinechas, Sohn Elasars, des Sohnes Aharons des Priesters, hat meinen Umwillen von Jissroéls Söhnen abgewendet, indem er meine Rechtsforderung in ihrer Mitte zur Geltung gebracht, so daß Ich Jissroéls Söhne nicht durch meine Rechtsforderung vernichtet.

    12. Darum sprich es aus: „Siehe, Ich gebe ihm meinen Bund: „Friede“.

     

    Kap. 25 V.11: …Jissroél ist entweder „Gottes“, oder es hört auf zu sein….

    V. 12 לכן אמר וגו', nichtאמר לו  oderאליו , sondern allgemein: bringe es zu allgemeinem Verständnis und zur Beherzigung aller: הנני נתן לו את בריתי שלום! Wie 3 B.M. 26,42  ein יעקב :ברית, ein יצחק :ברית, ein אברהם :ברית heißt, und damit jedes unter den Begriff „יעקב“, „יצחק“, „אברהם“ gefasste Verhältnis als ein ברית, als ein von absoluter Gottesbestimmung getragene Verheißung bezeichnet wird: so heißt  hier  ein ברית: „שלום“, die Gestaltung der vollendetsten Harmonie aller Weltverhältnisse unter einander und mit Gott, als ein „ברית“, als ein von absoluter Gottesbestimmung getragene Verheißung ausgesprochen, deren endliche Realisierung das absolute Augenmerk Gottes und daher der Welt unabänderlich sicher ist (siehe 1 B.M. 6,18). Die Realisierung dieser höchsten Friedensharmonie überantwortet Gott hier gerade derjenigen Gesinnung und demjenigen Tatenwirken, welche ein gedankenlose, ihre pflichtvergessene Untätigkeit so gerne in den Mantel der „Friedensliebe“ hüllende Welt, eben als „Friedenstörer“ zu bezeichnen und zu verdammen sich gefällt. „Friede“ ist ein hohes Gut, dem alles, alle eigenen Rechte und Güter, nimmer aber die Rechte anderer, nimmer aber das Recht des göttlich Guten und Wahren zum Opfer gebracht werden darf.  Der wahre Friede des Menschen unter einander beruht auf dem Frieden aller mit Gott. Wer den Kampf mit dem dem göttlich Guten und Wahren im Kreise der Menschen Feindlichen wagt, der ist mitten im Kampf und durch denselben ein Streiter für den ברית שלום auf Erden. Wer um des vermeintlichen Friedenswillen mit Menschen deren wirklichen Zwiespalt mit Gott schweigend das Terrain lässt, dessen Friedensliebe gesellt sich selber zu den Feinden des ברית שלום auf Erden. Nicht die Teilnahmslosigkeit der Massen, selbst nicht die am Eingang zum Heiligtum in Untätigkeit geweinte Träne des Schmerzes und den Verrat, die wackere Pineasthat hat das Volk gerettet und ihm den Frieden mit Gott und seinem Gesetze und damit die Basis des eigenen wahrhaftigen Friedens wieder gebracht. So nennt Gott (Maleachi 2,5) seinen dem Levitengeist überhaupt übergebenen ברית: das Leben und den Frieden. בריתי היתה אתו החיים והשלום ואתנם לו מורא וייראני ומפני שמי נחת הוא. Mein ברית war bei ihm: das Leben und der Friede. Die übergab Ich ihm in der Furcht, da er nur mich fürchtete und zu allererst vor meinem Namen sich selber beugte.

     Es ist aber das „ו“ in שלום ein ויו קטיעא, nach allgemeiner Auffassung ein gebrochenes Waw. Der Pineasbund heißt eben der „wiederzusammengefügte“ שלום. Wo der Pineasstreiter von Nöten ist, da ist eben der Friede „gebrochen“. Und der Pineaskampf gilt eben der Wiederherstellung des Friedens, er will den שלום wieder שלם machen. Daran knüpft dann (Kiduschin 86b) die Halacha den Satz, daß בעל מום שעבד עבודתו פסולה, daß der מום des ministrierenden כהן die עבודה nichtig mache. Es heiße hier von dem in das Priestertum eintretenden Pineas: הנני נתן לו את בריתי שלום כשהוא שלם ולא כשהוא חסר הא שלום כתיב א"ר נחמן וי"ו דשלום קטיעה היא, wer die Wiederherstellung des mit Gott gebrochenen Friedens vermitteln will, und das soll symbolisch jede עבודה  – der muss selber שלם sein. –

     

    Kap.26, V.55 Nur durchs Los verteile man das Land; für den Namen der Stämme ihrer Väter sollen sie es in Besitz erhalten.

     

    Kap. 26, V.55 …Zwei Momente dürften damit in dem Kataster des jüdischen Nationallandes ihre Verewigung gefunden haben sollen.

    Was Gott verheißen, ist so gewiss, daß es selbst vor der Erfüllung als bereits verwirklicht zu betrachten ist. Nicht nur die bereits Erlösten, selbst das noch im harten Egypterjoch schmachtende Geschlecht wird bereits als Besitzer des gottverheißenen Bodens mit rechtlichen Folgen für ihre Nachkommen betrachtet. Wird daher א"י ja auch als מוחזק als bereits realer Besitz der Väter, nicht als ראוי, als bloßer Rechtsanspruch betrachtet, so ass bei dessen Verteilung auch die בכור-Rechte geltend werden konnten (Kap.27,6 und 5 B.M.21,17).

    Der Eltern größte und reichste Errungenschaft sind treu sich bewährende Söhne und Enkel. Sie sind die Zeugen ihres Verdienstens und sind die Sühne ihrer Schwächen. ….

     

    Kap.28, 2 Verpflichte Jissroéls und sage ihnen: Das mir als meine Opfer, für meine Feuerhingebungen Nahezubringende, den Ausdruck meiner Willfahrung, sollt ihr hüten, mir in seiner Zusammenkunftsbestimmung nahezubringen.

     

    Kap. 28 V.2 …Und wenn noch heute, nach so vielen Jahrtausenden, dem Vermächtnis der späteren großen Führer unseres Galuth getreu, die ganz in alle Fernen zerstreute Nation zu einem „Maamad“ geworden, und in Nord und Süd, in West und Ost, die Zeit des einstigen Tamidopfers in Jerusalem noch jetzt jede treue jüdische Brust weckt, den Blick nach der Moriahgegend in Jeruschalaimzion zu richten und das in Worte übersetzte שחרית und מנחה Nationaltamidopfergelübde erneut auszusprechen, und so uns in einem nationalen Treugelöbnis an das von der Moriahöhe zu Jerusalem uns zu Erbe gewordene Gottesgesetz mit Gott und  allen Brüdern auf Erde zusammen zu finden: so ist dies im Grunde nichts anderes, als eine Betätigung im Geiste des את קרבני לחמי לאשי ריח ניחחי תשמרו להקריב לי במועדו, bis einst in Wirklichkeit der Altar auf der Moriahöhe in Jerusalem wieder erbaut ist und aus den Gesamtschekeln der Nation das Tamidopfer in den von Gott gestifteten Opfersymbolhandlungen das ewig jüdische Nationalgelübde zum Ausdruck bringt.

    Nach allem diesen begreift sich sehr die Opposition, die eben die Darbringung des Tamidopfers aus Nationalmitteln an den Bestrebungen des Sadducäer finden konnte und fand. Der Geist welchen das nationale tägliche Opfer im Volke nährte und jeden einzelnen im Volke mit Erkenntnis und Weihe seiner Lebenserfüllungen auf die Gesamtheitsvertretung im Gesetzheiligtum hinwies, der das Zeugnis und die Lehre des Gesetzes (5 B.M. 17, 10) anvertraut war, und dies des täglich zu erneuernden Treuegelöbnisses an dies Gesetz in dem Gesamtheitstamidopfer namens der Gesamtheit zu warten hatte, dieser Geist ist eine Verurteilung des Sadducäismus einer jeden Zeit. Der Sadducäismus kennt als Vermittlung des jüdischen Menschen mit seinem Gotte nur den, wie er spricht „jedem in seinem Winkel zur Hand liegenden“ (Kiduschin  66a) Schriftbuchstaben der Bibel, den sich jeder nach seinem subjektiven Belieben interpretieren und daraus das ihm jeweilig Zusagende als den göttlichen Willen verehren und befolgen möge. …

     

    V.11 Und an den Anfängen eurer Monate bringt ihr Gott ein Emporopfer nahe: zwei junge Stiere und einen Widder, jährige Schafe sieben in ihrer Ganzheit.

     

    V. 11 ובראשי . חדשיכם וגו' ראש חדש bildet die Grundlage des ganzen jüdischen Gott-, Welt- und Menschenbewusstseins. Mit ihm begann Gott die Grundlegung seiner Nation und richtete damit das Faktum des חדוש, das Faktum der freien Weltschöpfung und Menschenerlösung aus der freien Gottestat, aufs neue, im Gegensatz zu dem die Welt und Menschheit in das Grab der Schuld und des Elends rettungslos bettenden heidnischen Wahn des קדמות, als die Säule der Erlösungszukunft Israels und der Menschheit auf, wie wir dies 2 B.M. S.97 f. entwickelt. …

     

    V.15 …Indem ה' ב"ה, der Gott der den Menschen und die Menschheit erziehende Liebe, in den lichtwechselnden Mondesphasen uns unser Gleichbild gewiesen und mit jedem regelmäßig wiederkehrenden Neumond uns unser Gleichbild gewiesen und mit jedem regelmäßig wiederkehrenden Neumond uns einen ראש חדש, uns einen Tag einer wieder neu zu beginnenden geistig sittlichen Selbsterneuerung zum Emporringen aus jeder lichtlos gewordene Verdunkelung gestiftet, hat Er die große Grundwahrheit zur ewigen Beherzigung niedergelegt, daß auch der חוטא, daß auch der sündige Mensch noch לד', noch Gottes sei, ja, daß , daß die Sündenfähigkeit und das Entsündigungsbedürfnis und die Entsündigung, die Wiederkehr aus der Sünde, wie dies zusammen in dem חטאת-Begriff liegt, לד', das höchste Gnadengeschenk sei, mit welchem Gott sein edelstes Geschöpf, den Menschen geadelt. Des Menschen höchster Vorzug, die eigentümlichste Hoheit seines Wesens, daß er aus freier Willensenergie sich auf der Höhe des Sittlichguten halten, frei das Böse meiden und das Gute üben könne, setzt ja unumgänglich die Möglichkeit voraus, daß er auch zu sündigen vermöge, daß die Sinnlichkeit einen verlockenden Reiz für ihn habe, dem aber mit freiem Willenentschlusse zu widerstehen ihm die Kraft verliehen sei, in deren Übung, in deren wiederholter Übung er eben sein Wesen immer mehr u der ihm bestimmten Gott nahen Stufe sittlicher Reinheit emporarbeitet. Könnte der Mensch nicht sündigen, hätte die Sünde keinen Reiz für ihn, er wäre eben kein Mensch, er wäre Tier oder Engel, „die nicht abweichen in ihrem Gange“, aber „Mensch“, das aus freier Energie Gott dienende Wesen, wäre er nicht. Seine Wiedererhebung aus der Sünde, wie es das חטאת lehrt und bewirkt, ist somit die Sühne der Sündenfähigkeit, die sein innerstes Wesen bildet und von ihm unzertrennbar ist. ….

    02-07-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    01-07-2021
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    Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH

                  (1833 – 1900)

     

    הפטרת פרשת פינחס

     

    Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes Pinchos

     

    Könige Kap. 18, Vers 46 und folgende

     

    Daß es der Pineaseifer war, der in Elijahu unsterblich weiter lebte, ergibt von selbst den Zusammenhang zwischen Haftora und Sidra.

     

    Kap. 18, V 46. Elijahu als Läufer dem Wagen eines Königs Achab bis in die Thore der Residenz voraneilend! Und in welchem Augenblicke! Von solcher Machthoheit umflossen hatte seit Moses nie ein Prophet vor seinen Zeitgenossen dagestanden. Ein ganzes Volk hatte er soeben zu lauter Gotteshuldigung zurückgebracht, noch zitterte die Luft von dem begeisterten Bekenntnisrufe: „Nur Haschem ist Gott!“ Und in Gegenwart des Königs, des Gemahls einer Isabel, hatte er die Baalspfaffen getötet, und keine Hand hatte sich zu ihrem Beistande geregt. Und sodann hatte er dem seit mehr als zwei Jahren nach Regen lechzenden Lande Regen verkündet, und der heiß ersehnter Regen war mit Macht gekommen.  Das ist der Augenblick, in dem er, nachdem seine Sendung vollbracht, der göttlichen Eingebung folgend sich dieser ganzen Hoheit vor den Augen des Volkes entkleidet und dem König Achab als Vorläufer dient! Es ist als ob er gerade den Augen des Volkes jeder Verherrlichung der Person des Propheten und jeder Verdunkelung des göttlichen Waltens entgegengewirkt werden sollte. Wie zerfließt aber auch von diesem einen Bilde alles, was eine gewisse Geschichtsschreibung von einem politischen Antagonismus, von Ehrfurcht und Eifersucht, von persönlichen und hierarchischen Intriguen zu fabeln weiß, die als charakteristische Verhältnis der Propheten zum Königtum gebildet hätten! 

     

    Kap. 19 V.3ff וירא  ...

    …Er  überschritt unangefochten die Grenze und gelangte nach Beer Sheba, „das zu Juda gehörte“, wo er also von Achab und Isabel sicher war. Gleichwohl bleibt er nicht dort, sondern wandert allein hinaus in die Wüste und betet dort – Gott möge ihm heimrufen. Er war des Lebens müde. Tiefe Entmutigung war über ihn gekommen. Die Erkenntnis der traurigen tatsächlichen Wirklichkeit, daß er inmitten desselben Volkes, das soeben erst der sichtbaren Offenbarung der Nähe des allmächtigen Gottes gewürdigt worden war, dennoch des eigenen Lebens nicht sicher sei, ließ an jedem nachhaltigen Erfolge seines Wirkens verzweifeln. Damit aber wie er glaubte, seinem Leben jedem Wert genommen. Er verzweifelte und wünschte sich den Tod. Als gottesfürchtiger Mann hatte er gleichwohl das Seinige getan, das ihm zur Bürde gewordene Leben zu erhalten, so lange es dem Schöpfer gefiele, der es ihm verliehen. Ihn bittet er nunmehr um Erlösung. Da wird ihm in der Wüste, wie einst den Vätern, durch göttliche Fügung Speise. Zum Gottesberge sodann, auf dem einst Moses drei mal vierzig Tage und Nächte geweilt, werden seine Füße in einer Wanderung von vierzig Tage und Nächten gelenkt. Und an derselben Stelle, wo einst Moses ein Einblick in die Waltungsweisen der göttlichen Gnade  gewährt wurde, wird auch Elijahu einer Gottesoffenbarung gewürdigt.

    Wo ist der Mensch, der ohne tiefstes Ergriffensein lesen kann, was Elijahu hier offenbart wurde! Er war Zeuge des tobenden, Berge entwurzelnden, Felsen zersplitternden Orkanes, war Zeuge des gewaltigen Erdbebens, war Zeuge der alles verzehrenden Feuersglut- und er erkennt, wie diese alle nur Vorboten Gottes sind,  –   „nicht im Orkane und nicht im Erdbeben und nicht im Feuer war Gott“.  – Da plötzlich legt sich des Orkanes Wüten, kommt zur Ruhe das Donnerrollen des Erdbebens, verschwindet das lohende Feuer- und lautloses Schweigen erfüllet die Welt- Da verhüllt er sein Angesicht: in dieser lautlosen Stille des zu seinem Schöpfer und Herrn ehrfurchtsvoll auflauschenden Weltalls erkennt er, fühlt er die Nähe Gottes; dieses lautlose, tiefste Schweigen ist selbst קול , die lauteste Verkündigung der Gottesnähe, lauter als Sturm und Erdbeben und Weltbrand. –   In diesem Sinne hat der tiefste Bibelforscher diesesקול דממה דקה   aufgefaßt.  Denn, fügen wir hinzu, דום heißt stets nur Schweigen, so וידום אהרון (3 B.M.10,3), und es begegnet sich in dieser Bedeutung mit דמה.   דק: die feinste Zerteilung von etwas Materiellem, das intensivste Verkleinern, hier auf einen negativen Begriff wie Schweigen bezogen, ebenso die höchste Intensität, also das lautloseste Schweigen.

    Was hier Elijahu in gewaltigster und erhabenster Vergegenwärtigung vor die Seele geführt ward, ist die das ganze Gotteswort durchdringende Wahrheit: ה'-ה', daß , Gott die Liebe ist und ebenso alle seine Waltungen Liebe sind, daß  alle scheinbare Zerstörung in Wahrheit Erhaltung, alle Erschütterung  in Wahrheit Befestigung, alle Vernichtung in Wahrheit Leben zum Ziele habe, daß aber dem Einzuge Gottes in die Staaten und Städte, in die Häuser und Herzen der verblendeten, ihm sich verschließenden Menschen lange, bange Perioden der Läuterung und Erziehung voranzugehen haben; deren Dauer keinem sterblichen enthüllt ist. Daß aber eben deshalb an der Herbeiführung dieses Gottesreiches mitzuarbeiten und die Herzen der Menschen ihrem Gotte zu erschließen ewige Aufgabe jedes Menschen sei, in dessen Geist diese Erkenntnis aufgegangen, gleichgültig welchen Erfolg er in der von ihm zu überschauenden kurzen Spanne Zeit, einem verschwindenden Momente in der Reihe der Jahrtausende, von seinem Wirken erblicken könne. Damit war dem Propheten auf seine Klage und Verzweiflung vollste Antwort gegeben. Dies wird ihm auch sofort klar gemacht. Denn nachdem er auf die wiederholte Frage (V.13) nur die V.10 gegebene Antwort wiederholen konnte (V.14), wird ihm, nur scheinbar unvermittelt, ein Auftrag, der ihn ohne Weiteres mitten ins Leben und in das Menschengetriebe zurückführt, ihn zum Vermittler ernster Gottesverhängnisse bestimmt und ihn zugleich mit der Bestellung und Erziehung des Mannes beauftragt, der nach seinem Heimgange in seinem Sinne, an  seiner Statt berufen sei. 

     

     

    (Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 281- 287  Kommentar zu Könige Kap 18 V.46…) 

    01-07-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    30-06-2021
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    Rabbiner Dr. Salomon BREUER

                    (1850 – 1926)

     

     

    פינחס

     

    Belehrung und Mahnung zur Wochenabschnitt

    PINCHOS

    (Auszüge)


    לכן  אמר הנני נתן לו את בריתי שלום
    Darum sprich: „Siehe: Ich gebe ihm meinen Bund – den Frieden“.

     

    והיה ביום ההוא שרש ישי אשר עמד לנס עמים אליו גוים ידרשו והיה מנחתו כבוד „An jenem Tage wird die Wurzel Jischais, die stehen geblieben, zum Panier der Völker, zu ihm werden hinstreben die Völker, und seine Ruhe wird Ehre sein“ (Jes. 11,10) – Mit diesen Worten kennzeichnet der Prophet die Vollendung des Erlösungswerks, das den tränenvollen Geschickesweg des jüdischen Volkes einst zum Abschluß bringt und zugleich die Erlösung einer ganzen Menschheit anbahnt. –

     

    Für diesen seinen Galuthweg aber hat das jüdische Volk die Gottesverheißung  mit hinausgenommen: וזכרתי את בריתי יעקוב ואף את בריתי יצחק ואף את בריתי אברהם אזכר „Ich gedenke meines Bundes „Jakob“ und auch meines Bundes „Jizchak“ und auch meines Bundes „Abraham“ gedenke ich – „ (Lev. 26,42)

     

    למה נאמר באברהם וביצחק אף וביעקב לא נאמר אף? יעקב היתה מטתו שלמה Warum fragen die Weisen (ת"כ) heißt es bei Abraham und Jizchak im Gegensatz zu Jakob: Gott werde „auch“ ihres Bundes gedenken? Und ihre Antwort lautet: Abraham und Jizchak hatten Kinder, Jischmael und Esau, die ihrer nicht würdig waren, Jakobs Kinder aber waren alle Kinder seines Geistes; daher: des Bundes Jakob gedenkt Gott gewiß, aber „auch“ des Bundes Abraham und Jizchak wird Gott gedenken.

     

    Der Name יעקב wird hier sowie an weiteren vier Stellen מלא durch volle Schreibung des Buchstabens Waw hervorgehoben, während an ebensoviel Stellen der Name des Propheten Elijahu חסר ohne Waw – אליה – vorkommt. Unsere Weisen deuten diese auffallende Erscheinung mit folgenden Worten: יעקב נטל אות משמו של אלי' ערבון שיבוא ויבשר גאולת בניו Jakob habe den Buchstaben Waw gleichsam als Pfand aus den Namen Elijahus genommen damit er einst seinen Kindern die Erlösung bringe. –

    Elijahu ist nach der Überlieferung der Weisen identisch mit Pinchas, den Gott für sein großes, unerschrockenes Eintreten für Gottes heilige Sache zum Träger und Förderer des durch Gott auf Erden zu stiftenden Friedens geweiht hat: הנני נותן לו את בריתי שלום Und die Überlieferung lehrt וי"ו דשלום קטיעא Das Waw in dem Worte שלום ist hier gebrochen, in zwei Teilen geteilt zu schreiben. -  Damit aber ist die hohe Aufgabe eines jeden wahrhaften jüdischen Führers, der sein Leben im Dienste des von Gott ersehnten Friedens begreift, für immer gekennzeichnet.

    …

    Für die Mehrung des göttlichen Lichts, für die Erhaltung der göttlichen Wahrheit hat der jüdische Führer seine ganze Kraft einzusetzen, um in furchtlosem Kampfe gegen alle Mächte der Finsternis und der Lüge die Herbeiführung des Gottesfriedens auf Erden zu fördern. Dann ist er jüdischer Führer vom Geiste Pinchas-Elijahus.

    …

    Wer dem wahren Frieden dienen will, kämpfe mit dem Einsatz seiner ganzen Kraft für die Herrschaft der Thora! Denn auch wenn er den entschiedenen Trennungsstrich ziehen muß zwischen denen, die die in der Herrschaft der Thora alleinige Lebensmöglichkeit erblicken, und denen, die den traurigen Mut finden, das zu verachten, was ihnen göttlich und heilig sein müßte, auch dann dient diese rücksichtlose Kampfansage wider alle Gesetzverachtung und Thoraleugnung der Anbahnung des Friedens.

    אין שלום אמר ה' לרשעים „Kein Friede, spricht Gott, den Frevlern“ (Jes.57,21) [מכאן שהקב"ה אוהב את הרשעים fügen die Weisen bedeutsam hinzu: indem Gott den Gesetzlosen den Frieden kündigt, bewahrt Gott auch ihnen seine unendliche Liebe, die sie auf diesem Wege, früher oder später, der göttlichen Lebenswahrheit zurückzugewinnen hofft. – Wollet nicht mehr Liebe den Gesetzesverächtern entgegenbringen als Gott, wähnet aber auch nicht, über größere „politische Weisheit“ zu verfügen als Gott! Nicht durch künstliche, widernatürlichen Zusammenschluß disparatester Gegensätze wird der von uns allen ersehnte Friede angebahnt, nicht auf diesem Wege die allmähliche Zurückgewinnung der Entfremdeten – wie man gerne, sich selbst täuschend, vorgibt – herbeigeführt. Das Gegenteil ist der Fall:

    …

    - Wollen wir den Frieden, ersehnen wir die Zeit, in der die Entfremdeten den Weg zu Gott und seiner Thora zurückfinden, dann folgen wir der prophetischen Mahnung: אין שלום אמר ה' לרשעים und kündigen wir den religiösen Frieden mit den Gesetzesverächtern, der nimmer ein Frieden ist, nimmer ein Frieden sein kann, sein darf, weil er nur auf Kosten des Friedens mit Gott und seiner Thora von uns erkauft wird.

    Wenn wir so das Friedenswerk eines Pinchas fördern, werden wir auch das Erlösungswerk Elijahus beschleunigen, der einst kommen wird, להשיב לב אבות על בנים וגו' um den Bruch zu heilen, der das junge Geschlecht vom alten trennt, und im Zeichen der Reinheit und Wahrheit der unseligen Zerklüftung für immer ein Ende zu bereiten.

    …

    Wenn erst Elijahu den Boden für Moschiach bereitet haben und es ihm gelungen sein wird, Jakobs Kinder aus trauriger Entfremdung dem Vaterhause zurückzuführen, dann „wird die Wurzel Jischais, die stehen geblieben, zum Panier der Völker hinstreben, und seine Ruhe wird Ehre sein“: והיה ביום ההוא שרש ישי אשר עמד לנס עמים אליו גוים ידרשו והיה מנחתו כבוד

     

    Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER  Belehrung und Mahnung vierter Teil Numeri  J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1935 S. 62-71

    30-06-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    29-06-2021
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Rabbiner Dr. Salomon BREUER Programmrede auf der Konferenz von Kattowitz
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    Rabbiner Dr. Salomon BREUER

                    (1850 – 1926)

     

    Programmrede auf der Gründungskonferenz der Aguda in Kattowitz

     

    Es freut uns die „Erinnerungen an Kattowitz” von J. Kreppel, erschienen in der  Wiener Wochenzeitung „Jüdische Presse“ (1923, Folgen 26, 27, 28) in Beilage zu bringen. Hieraus heben wir hervor:

     

     „…Hierauf ergriff  Rabbiner Dr. S. BREUER (Frankfurt) das Wort zur Programmrede.

    Bereits vor 15 Jahre – erklärte der Redner – habe er gelegentlich einer jüdischen Konferenz in Frankfurt die Schaffung einer solchen Organisation wie die geplante „Aguda“ angeregt.

    Als die „Allianz“ vor 50 Jahre gegründet  wurde, habe sein Schwiegervater Samson R. Hirsch s.Z.l. dieselbe als ein Gefahr für das Judentum bezeichnet. Dies hat sich auch bestätigt.

    Nachher ist der Zionismus auf den Plan getreten. Die massgebendste Rabbiner haben ihn als dem religiösen Judentum schädlich bekämpft. Selbst die „Misrachi“, die formell zum Zionismus schwören, sahen die Gefahr desselben für das unverfälschte Judentum ein, denn sie fanden sich veranlasst, eine eigene Organisation zu schaffen, um den schädlichen Rückwirkungen des modernen Zionismus entgegenzuwirken. Seither sind noch andere jüdische Organisationen entstanden. Doch kein einzige aus den Kreisen der Orthodoxie. Die orthodoxen Juden sind zu alle mögliche Aktionen materiell herangezogen worden, doch hatten sie dabei nichts mitzureden. Selbst dann nicht, wenn diese Aktionen gegen den Geist unserer Thora geführt wurden. Nun taucht die Frage die Frage auf: Sollen wir weiterhin untätig bleiben? Sollen wir weiterhin diejenigen als „Führer“ und „Retter‘ des Judentums gelten lassen, die sehr oft zum Schaden desselben handeln? Ich verkenne nicht die Schwierigkeiten – erklärt Rabbiner Breuer weiter – die uns entgegenstellen werden. Aber „kol Kenessio schehi Leschemschomaim, saufo lehiskajem“ Jede Gründung, die gottgefällige Ziele verfolgt, hat einen Bestand. Kaum werden wir den ersten Stein legen, wird das Haus gar bald stehen. Wir wollen kein zionistisches Surrogat ins Leben rufen. Wir wollen auch keine zionistische Orthodoxie sein. Wir wollen eine wirklich jüdische Orthodoxie sein…“

    Bijlagen:
    JPW 1923 26 Erinnerungen an Kattowitz 2.JPG (25.9 KB)   
    JPW 1923 26 Erinnerungen an Kattowitz 3.JPG (63.3 KB)   
    JPW 1923 26 Erinnerungen an Kattowitz.JPG (109.2 KB)   
    JPW 1923 27 Erinnerungen an Kattowitz 1.JPG (36.5 KB)   
    JPW 1923 27 Erinnerungen an Kattowitz 2.JPG (76 KB)   
    JPW 1923 27 Erinnerungen an Kattowitz 3.JPG (79.9 KB)   
    JPW 1923 28 Erinnerungen an Katowicz IIa.JPG (115.4 KB)   
    JPW 1923 28 Erinnerungen an Kattowitz IIb.JPG (92.2 KB)   

    29-06-2021 om 16:13 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    28-06-2021
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER „Ein jüdisch-geschichtlicher Wegweiser“ (9)
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    Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER

                 (1894-1983)

     

    ובקשו

     








    „Ein  jüdisch-geschichtlicher Wegweiser“ von  Leo BRESLAUER. Frankfurt am Main  5695/1935

    23.      Und dennoch Fortschritt?

    „Ein tröstlicher Ausblick am traurigen Ausgang dieses Geschichtsabschnittes; ähnlich wie an seinem Eingang, aus heilsamen Erziehungsschmerzen geboren, die klarere, sichtnahe Herausstellung des Gottkönigtums als höchsten, ureigentlichen Sinn unseres Volksseins und der Weltgeschichte leuchtete; Leid verklärend, Zukunftsdunkel erhellend, trotz allem.

    Trotz allem gehen Gottes Wege aufwärts.“

    24.      Die zweite Kompensierung

    „Nun war der Torsostaat an Habsucht und rationalem Egoismus zugrunde gegangen. Das Volk war also noch nicht einmal für halbausgerüstete Eigenstaatlichkeit reif. So blieb, seinem historischen Gesetz entsprechend, nichts anders übrig, als es – o   Weh und Schande! – vom letzten Rest selbständiger Gemeinschaftsmacht zu entlasten. Das  bedeutete völlige Sch‘chino-Ferne  und damit totales Goluß und Innuj.

    Der Jude in J’ruscholajim (anders als der in Alexandrien und Rom) hatte sich durch Geldesliebe und niedere Gehässigkeit nicht nur gegen göttliches Gesetz vergangen, sondern direkt am lebendigen Gottesstaat versündigt.  Denn was er an Kraft und Mitteln für seine Habsucht verwandte, das entzog er, der Bürger, seinem Staat; er mißbrauchte in jedem Fall gottesstaatliche Energie.

    Nicht so der ausländische Jude der Gaulo.“

    „Jedenfalls – die Innuj-Schule setzt wieder ein.  Da wird mehr sein als nur Entsagung. Jißroeil wird als Gast nicht nur scharf beobachtet (wie erzieherisch kann das allein schonwirken!), sondern soll selber ein scharfer Beobachter sein. Gegen eigene Fehler waren sie blind. Jetzt werden sie die Folgen von Autonomismus, von Verirdischung, von Verfall in Habsucht und Sinnlichkeit und Rechthaberei ständig vor sich sehen und am eignen Leib zu spüren bekommen. Dann werden sie hoffentlich auf ihre eigene Geschichte צידוק הדין sprechen.“

     

    25.      Bewährungsaufgabe des Goluss.

    „Goluß war nie nur Innuj und ist es auch jetzt nicht. Tauroh einmal offenbart, bleibt für ewig Erbgut der Gemeinde Ja’akauws und fordert Bewährung, von jeder Generation, zu jeder Zeit , an jedem Ort.“

    „Nicht, daß nun etwa eigenmächtige Wiederherstellung des territorialen Staates die Aufgabe des Goluß sei. Denn dieser Staat könnte nicht ohne Macht sein und politische Machtlosigkeit ist heute unser Schicksal.“  

    „Gottesstaatsvolk zu sein, ist die höchste und wahrste jüdische Lebensform überhaupt und als solche nicht nur die Wehmut unserer Vergangenheit und die Hoffnung unserer Zukunft, sondern für jede Gegenwart bleibendes Erziehungsziel und unabänderliche Bewährungsaufgabe.

    Also heißt denn die gottesvolkliche Aufgabe dieses Goluß – und nur das macht die Trauer um den zerstörten Staat sinnvoll –  : uns und unseren Kindern bereitwillig die Befähigung zur einstigen Gottesvolkstaatlichkeit zu erwerben und erhalten. In unermüdlicher Selbsterziehung und durch treue Gemeinschaft der J’re’im sind Rechthaberei und Sinnlichkeit und Habsucht zu überwinden, um das leibliche Dasein nach den in Anwendung verbliebenen Chukkim und Mischpotim erfolgreich zu gestalten; und Aniwuß und Prischuß und Chassiduß zu pflegen, um der Gott suchende den Ausblick und Anstieg zur Jir’o und K’duscho und – Ruach hakkaudesch zu ermöglichen. Jißroeil in diesem Goluß ist eine Erziehungs- und Bewährungsgemeinschaft für den dritten Gottesstaat.  “

    Es freut uns – in Beilagen –  drei weitere Skizzen (S. 41 bis 46) aus dieses rabbinische Meisterwerk vollständig zu liefern:

    Bijlagen:
    Breslauer Leo Uwakschu 41b.jpg (88.7 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 42.jpg (120.7 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 43.jpg (123.8 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 44.jpg (125.9 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 44.jpg (125.9 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 45.jpg (121.5 KB)   
    Breslauer Leo Uwakschu 46.jpg (29.1 KB)   

    28-06-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    27-06-2021
    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.17. Tammus: Fasttag
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    שבעה עשר בתמוז

     

    Der siebzehnte Tag des Monatsתמוז  (שבעה עשר בתמוז) ist aus trauriger Veranlassung ein Fasttag der Gemeinde und  wird in ganz Jissroél wehmütig begangen.

     – Um diese Zeit hat Nebukadnezar, der König von Babylon, im Jahre 3340 nach der Schöpfung die Mauern Jerusalems nach einer achtzehnmonatlichen Belagerung erbrochen und zur Zeit des zweiten Tempels wurde eben demselben Tage im Jahre 3860  ירושלים, die Hauptstadt des jüdischen Reiches, von den Römern eingenommen, sodaß auch die täglichen Opfer im Tempel von diesem Tage an aufhörten.

    Diesen Trauertag sollen wir durch besondere Gebete und durch Fasten auszeichnen, und unsere Reue kundgeben und trauernd der der furchtbaren Unglücksfälle zu gedenken, welche die Zerstörung des Tempels und den Untergang des jüdischen Staates nach sich gezogen haben.

    Die Bedeutung des Fasttages aber besteht nicht allein darin, daß wir glauben, durch Kasteien allein schon alles getan zu haben, wir müssen vielmehr an solchen gottgeweihten Tagen uns bemühen, den Hang zur Sünde in unserem Innern zu besiegen und dauernde Besserung unsere Handlungen mit ganzem Herzen zu geloben. Wenn wir auf solche Weise fasten, dann ist auf die trostvolle Verheißung des Propheten Jesaja anzuwenden: „Du rufst, und der Herr erhört dich; du flehest, und Er spricht: Hier bin Ich!“  (Jesaja 58,9.)

     

    Aus: Erbauungsbuch „Bibel- und Talmudschatz“ J.H. Kohn S.323  13.Auflage Hamburg 5691 – 1931

     

    Die beste Anschrift für antiquarische Judaica:

    Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    Inhaberin: Frau Manja BURGERS

    http://www.spinozabooks.com

    27-06-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    Klik hier om een link te hebben waarmee u dit artikel later terug kunt lezen.Psalm 106,30 und Sprüchlein zur Wochenabschnitt Pinchos
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    פינחס

     

    ויעמד פינחס ויפלל ותעצר המגפה:

     

     

    „Da stand Pinchos und übte ein Richteramt, und Einhalt geschah der Seuche“

    (Psalm 106,30 Übersetzung Rabbiner Samson Raphael HIRSCH)

     



    1.

    Das größte Opfer sei bereit

    Für Gott stets hinzugeben,

    Und fordert es der Ernst der Zeit,

    So weih‘ Ihm selbst das Leben!

    2.

    So lehret dich der Priester dort,

    Wie kühn den Speer er zücket,

    Und eifernd nur für seinen Hort,

    Dem Tod ins Auge blickt!

     

    Aus: Erbauungsbuch „Bibel- und Talmudschatz“ J.H. Kohn S. 343  13.Auflage Hamburg 5691 – 1931

     

    Die beste Anschrift für antiquarische Judaica:

    Antiquarische Buchhandlung „Spinoza“ in Amsterdam

    Inhaberin: Frau Manja BURGERS

    http://www.spinozabooks.com

    27-06-2021 om 00:00 geschreven door Naphtali HIRSCH  


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    Shmiel Mordche BORREMAN,

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