Welkom op de blog van de studievereniging JESJOEROEN, Thora tegen nationaal-jodendom (sionisme)
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Willkommen im Blog des Studienverbandes JESCHURUN, Tauro gegen Nationaljudentum (Zionismus).
Wir bieten Rabbinische Texten (hauptsächlich von der Samson Raphael HIRSCH Tendenz – meistens in deutsche Originalfassung), sowie Nachrichten und Hintergrundinformationen, im ganzen mit Thoratreues antizionistisches Engagement und anti-imperialistische Solidarität.
Welcome to the blog of the Study Association YESHURUN, Thora against Nationaljudaism(Zionism).
We propose Rabbinical texts (mostly from the S R HIRSCH tendency), news and information, the whole inspired by Thora-true anti-Zionist Commitment and anti-imperialist Solidarity.
S R HIRSCH Aus dem Kommentar zur Wochenabschnitt Tétsawé
תצוה
Aus dem Kommentar von Rabbiner Samson Raphael HIRSCH zur Wochenabschnitt Tétsavéh
Kap.28 V.38 Auf Aharons Stirne soll es sein, und Aharon so die Krümmung der Heiligtümer aufheben, die Jisraels Söhne dem Heiligtume weihen, in Beziehung auf alle ihre heiligen Hingebungen. Auf seine Stirne soll es stets für sie zum Ausdruck ihres Willens vor Gottes Angesicht sein.
Kap. 28 V.38 טומאה jedoch greift den Gottesbegriff selber an, in dem er somit eine Negierung desקדש לד' wäre, wird er selber durch קדש לד' negiert. Es ist nämlich טומאה ein Zustand, der, wie ihr Urborn טומאת מת, der Tod, eine physische Macht vergegenwärtigt der alles Lebende, und auch der Mensch, der zur sittlichen Freiheit Berufene, erliegt, eine blind zwingende Naturgewalt, die im tiefen Grunde die höchste Gottheit des Heidentums aller Zeiten bildet, das den freien Gott wie den freien Menschen leugnet, und alles in den physischen Zwang einer blind waltenden Notwendigkeit aufgehen lässt. Diese Vorstellung befindet sich aber zu einem Heiligtum, das eben auf der Tatsache s.v.v. frei sittlichen Gottes den freien, sittlichen Mensch erbauen will, im geraden Gegensatz. Von dem Finger der טומאה berührtes Blut, berührtes Fett und Nieren, berührte handvoll Mehl und Öl auf dem Altar gebracht, könnte den missdeuteten Anschauung, als ob Leben und Streben und Nahrung und Gesundheit eben jener physischen vermeintlichen Allgewalt huldigend dargebracht werden sollte, deren vernichtendem Schritt vermeintlich alles erliegt. Diesem in buchstäblichem Sinne עון הקדשים, dieser die Heiligtümer aus ihrer reinen geraden, einzig wahren Richtung abwendenden Missdeutung, steht das fröhlich heitere קדש לד' auf reinem goldenen Grunde an Aarons Stirne entgegen, und tilgt jeden solchen Anhauch eines düsteren Wahns, indem es alle Heiligtümer des Altars dem einen Einzigen, freien, lebendigen wahrhaftigen Gott vindiziert, dessen Geschöpf und Diener alle physischen Naturgewalten und alle Naturgesetze sind, die das heidnische Bewusstsein zitternd anbetet, und der, wie er selber in seiner allmächtigen freien Energie über allen Naturzwang frei erhaben ist und waltet, also auch den Menschen durch sein ihm eingehauchtes göttlich freies Wesen hoch hinauf über alle blinde Naturnotwendigkeit, zu einem in sittlich freier Energie zu vollendeten, Gott, und nur Gott dienenden, heiligen, das ist eben von aller blinden Naturnotwendigkeit sich frei machenden, Leben beruft.
Rabbiner Dr. MENDEL HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro Tétsawé
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH
(1833 1900)
הפטרת תצוה
Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes TETSAWE
Ezechiel, Kap. 23, Vers 10 und folgende
Die Haftora bringt uns den Schluß eines an den Propheten Ezechiel ergangenen größeren Gotteswortes. Dasselbe hatte ihm im Geiste aus dem Exil nach dem jüdischen Lande versetzt und hatte ihm das Heiligtum der Zukunft, das ewige, das בית שלשיin eingehendster Beschreibung, mit seinem ganzen Gehalte, in allen seinen Größen- und Maßstabverhältnissen gezeigt. (Das. Kapp. 40, 41 en 42). Indem ihn nun jetzt der Auftrag wird, was er geschaut, in aller Genauigkeit und Anschaulichkeit seinem Volke zu vergegenwärtigen, und als Frucht dieser Vergegenwärtigung und des daraus zu gewinnenden Verständnisses ein tiefes Schamgefühl über bisher bewiesene Unzulänglichkeit in Aussicht gestellt wird: so wird damit mit unabweisbarer Klarheit die Tatsache bewiesen, daß das Heiligtum in seiner Totalität und in allen seinen einzelnen Bestandteilen die Vergegenwärtigung eines Ideales ist, das stets und stets zu seiner Verwirklichung mahnt, das also, weit entfernt mit seiner Herstellung bereits seinen Zweck erreicht zu haben, vielmehr gerade von dem Augenblick seiner äußeren Vollendung erst anfangt, der ewig laute, nimmer verstummende Mahner an die Erfüllung der Pflicht im Leben zu sein. So sehr, daß bei seiner bloßen Vergegenwärtigung das gesunkene Jissroél sich des Abstandes seiner Wirklichkeit von der Höhe seiner Bestimmung so recht im tiefsten Herzen inne werden müsse. Es ist die eindringlichste Sicherstellung des Gottesheiligtums vor der Verquickung mit entsittlichenden heidnischen Vorstellungen einer dem Tempel und seinem Dienste innewohnenden magisch-mystischen Schutzwirkung, die bis auf den heutigen Tag noch nicht überall geschwunden ist, obgleich die trotz der correcten Innehaltung des Opferdienstes erfolgte zweimalige Zerstörung des Tempels doch den sprechendsten Beweis des Gegenteils in schrecklichster Deutlichkeit bereits zweimal erbracht hat.
בן אדם, Menschensohn, diese durchgehende Bezeichnung des Galuthpropheten, weist auf seine und des Galuth-Jissroél menschheitspriesterlichen Bestimmung hin: Erziehung der Menschheit zur Verwirklichung des höchsten, mit Adam gegebenen Menschenideales.
(Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 152- 159Kommentar zu Ezechiel. Kap 43 )
Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Tétsawé
Rabbiner Dr. Salomon BREUER
(1850 1926)
Belehrung und Mahnungzur Wochenabschnitt Tétsawé (Auszug)
כתית למאור hat noch zu alle Zeiten sich bewahrheitet. Unter dem Druck der צרות hat sich Jissroél noch stets in seiner Gesamtheit, aber auch in seinem Einzelleben auf seine Aufgabe besonnen. Unter dem Druck der Leiden hat noch immer der ererbte, väterliche Keim sich entfaltet da wir auch gefastet, צדקה gegeben, mit כונה geort, mehr als sonst gelernt, werden ernste Vorsätze und Entschlüsse gefasst: Es gelobt der Mann, am Freitag sein Geschäft pünktlich zu schließen, die Frau das כשרות und טהרה des Hauses gewissenhaft zu wahren, und auch der Scheitel wird nicht mehr als drückende Last empfunden unter den Druck wird das Öl gewonnen und auch zur Leuchte entzündet allein כדי: להעלות נר תמיד שתהא שלהבת עולה מאליה daß die nun einmal emporgeschlagene Flamme fortan auch selbständig weiterleuchte, diese unter heiteren, glücklichen Lebensverhältnissen zu lösende abramitische Lebensbestimmung harrt leider noch immer ihrer vollen Verwirklichung.
Solange aber ist unsere Aufgabe nicht erfüllt, zu deren Lösung auf Erde uns Gott berufen. Hat doch Gott nicht nur zu unserem, sondern auch zum Heile der Menschheit sein Thoralicht unserer Pflege anvertraut. Denn wenn es von der Pflege der Menora heißt, חקת עלם לדרתם מאת בני, daß sie das Gesamtanliegen Jissroéls bilde uns seine Priester berufen seien, alle Glieder des Volkes für die Pflege des Thoralichtes zu gewinnen, so ist das jüdische Volk als Priestervolk inmitten der Völker berufen, Gottes Thoralicht solange zu pflegen, bist einst die Sehnsucht der Menschheit nach seinem Besitze verlangt. Solange aber das Thoralicht nicht uns dauernd erleuchtet, wie sollte es da anderen leuchten? Solange wir nicht für das להעלות נר תמיד gewonnen sind, solange uns das Öl zur Leuchte nur durch Druck erpresst wird, wie sollten wir da andere für seine Pflege gewinnen?
Wenn erst Jissroél für das להעלות נר תמיד, für seine gottgewollte, heitere Lebensbestimmung gewonnen sein wird, dann wird Jissroél auch seine Mission inmitten der Völker vollenden. Dann wird Gottes Thoralicht aus Jissroéls Leben in die Nacht der Völker hinausstrahlen und Völker werden zu seinem Lichte wandeln, Könige zu seinem Strahlenglanze (Jes.60) אמר הקב"ה בעוה"ז אתם צריכין לנר Zunächst, meinen daher die Weisen so sinnig, seid ihr des Lichtes bedürftig, müsst ihr selber erst für die in dieser Menorabestimmung niedergelegte Lebensaufgabe gewonnen werden einst aber wird das Prophetenwort seine Erfüllung finden, daß Völker aus eurer Hand das Licht des Lebens sich holen werden; denn ist einmal das להעלות נר תמיד in unserem Leben Wahrheit geworden, dann gehört auch Jissroéls Leidenszeit der Geschichte an: Gott wird dir zum ewigen Licht, und zu Ende sind die Tage deiner Trauer (Jes.60) כי ה' יהיה לך לאור עולם ושלמו ימי אבלך
Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUERBelehrung und Mahnung zweiter Teil Exodus J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1931 S. 54 -35
Daher muß über unser Verhältnis zum Galuth die Vorfrage gelöst sein, ob wir
verpflichtet sind, in der latenten Form des jüdischen Volkstums, in der Gola
einen Selbstzweck zu erblicken, oder sagen wir lieber, einen provisorischen
Selbstzweck, nachdem das Endziel, die Erwürdigung und Ertüchtigung zur Identität
der staatlichen Existenz mit der Erfüllung des Inhalts des jüdischen Volkstums
außer aller Debatte steht. Da wäre nun zu bemerken, daß unter Umständen eine im
Galuth erzielte religiöse Integrität der Gola ethisch höher steht als eine ohne
Widerstände gelebte Vollkommenheit im eigenen Staate. Diese ethisch höchste
Potenz zu erzeugen ist Selbstzweck der Gola und die sittliche Höhe der
einzelnen Staaten läßt sich daran bemessen, wie weit sie dieser Erzeugung
Schwierigkeiten in den Weg legt oder sie wohlwollend fördert. Und da hätten wir
an die Adresse des Völkerbundes ein ernstes Wort zu sagen, eine große Forderung
zu stellen. Soll wirklich die Welt künftig unter dem Zeichen der Erzeugung
ethischer Güter stehen, so bedarf es einer vollkommenen Umgestaltung des
Staatbegriffs, einer Revision hinsichtlich der Competenzen des Staates. Der
Staat müßte zum mindesten es sich versagen, in die Pflege des religiösen
Gedankens einzugreifen. (Es müßten also um heute nur einige Grundlinien zu
zeigen, ausführliche Formulierung bleibt vorbehalten zunächst zwei
Voraussetzungen erfüllt werden. Erstens müßte freies Wort auf der Kanzel
gestattet werden, zweitens müßte der Freiheit der Erziehung ein viel größerer
Spielraum gewährt werden, als bisher. An Stelle des Schulzwangs müßte
Bildungszwang treten. De Staat sollte wohl das Recht haben, von dem
dreizehnjährigen Menschenein gewisses
Maß von Kenntnissen zu verlangen, aber es müßte den Eltern überlassen bleiben,
wie und durch wen sie dieses Wissen ihren Kindern vermitteln lassen wollen).
Bei absoluter Trennung von Kirche und Staat, müßte der Staat den ethischen
Gedanken der Toleranz um eine Nüance steigern. Es müßten Wegen gefunden werden
und where is a will, there is a way um den Grundgedanken des Völkerbundes
einander verstehen wollen, einander fördern wollen auf die einzelnen
Individuen zu übertragen: so ginge Staatsinteresse und Religionspflege parallel
zu demselben Ziele. Nicht der Kapitalismus allein und nicht der Nationalismus
allein sind Schuldquelle des Krieges, es sind nur Einzelerscheinungen, die als
Helfershelfer in den Dienst jenes Omnipotenzgedankens des Staates, welcher das
Innenleben nicht genügend in Rechnung stellte oder es nur dann würdigte, wenn
offen oder verschleiert darin ein Hebel für den materiellen Aufschwung gefunden
wurde. Als Subjekt und Objekt dieses Innenlebens zugleich geht die Gola durch
die Welt. Es ist geschichtliche Tatsache, daß die Völker bei Mißbrauch des
Objekts sanken und versanken, daß Jissroél bei Verkennung dieses
Galuth-Selbstzweckes sank und verkam.. Wir Golamenschen müssen deshalb selbst
um den Preis als reiner Tor verlacht zu werden auch dem Völkerbund gegenüber
betonen, daß Judenfrage nur eine Abschnitt in dem Aufwärts und Abwärts der
Menschenfrage ist. Jede Lösung der Judenfrage, welche dieses Moment außer acht
läßt, kann vielleicht für einen Augenblick materielles Leid mindern, aber je
weiter sich diese Lösung von dem durch eine außerhalb Jissroéls stehende Macht
der Gola gesetzten Ideal entfernt, desto größeres Unheil bedeutet sie für
Jissroél und für die Menschheit. Von den Menschen haben wir Liebe und Achtung
zu fordern, Erlösung können uns Sterbliche nicht bringen. Seit dem Sieg der
römische Legionen stand Jissroél niemals vor einer so schweren Stunde; den
Völkern, auch den wohlmeinendsten, muß gesagt werden, wessen die Welt bedarf,
die eine Judenfrage wahrlich nicht aus Übermut oder Überwollen construiert hat,
sondern der diese Judenfrage als außerordentlich schwieriges geschichtliches
Vermächtnis überantwortet ist. Die Denkenden werden es verstehen. (Daniel XII,
11).P.K.
Quelle: דרש טוב לעמו Jüdische
Monatshefte, herausgegeben von Rabbiner Dr. P. Kohn, Ansbach, unter Mitwirkung
von Rabbiner Dr. Salomon Breuer, Frankfurt a.M. Jahrgang 6 Heft 1 u. 2 S. 1-6
Das provisorische Comité der Agudas Jissroél hat in seiner Casseler Tagung,
dem Sinne nach (endgiltige Formulierung wurde einer Redaktionscommission
überantwortet) sich einstimmig dahin ausgesprochen, daß jüdisches Volkstum in
der Religion verankert und mit dem allgemeinen Nationsbegriff incommensurabel
ist, so daß jeder poltische Nationalismus, welcher staatsrechtliche Forderungen
stellt, abzulehnen ist. Binsenwahrheit! Und doch ist es dringend vonnöten,
selbst dieser Binsenwahrheit ergiebigen Commentar zu geben.
Als des babylonischen Eroberers Fuß sich auf den Nacken Jissroéls zu setzen
drohte, da gab es viele, sehr viele, denen die materielle Loslösung von
Jerusalem und Zion ein hartes, unmögliches Ding erschien. Aber da gab es auch
einen Propheten, welcher einerseits dem Volke die materielle Seite des Exils
klar zeichnete, indem er ohne Scheu kündete, daß aus dem Volke eine Gola
geworden war, bestimmt in anderen Existenzformen diejenige Ideale zu erfüllen,
die es als Volk verleugnet hatte, andererseits aber auch dieser neuen Form der
Vergesellschaftung den Inhalt der Interessengemeinschaft ebenso klar ohne Scheu
kundgab Man täte gut daran, bei der Lektüre von Jeremia Cap. 29 nicht bloß
immer auf die Verse 5-7 zu beschränken, sondern auch die Verse 12 u. 13 einer genaueren
Beachtung zu würdigen. Ihr sollt mich rufen, auch aufraffen zum Entschluß
hinzugehen zu mir zu beten, ich höre auf euch, sollt mich suchen. Ihr werdet
mich finden, so ihr nach mir verlangt mit Eurem ganzen Herzen, Fast noch
deutlicher sagt es Jecheskel, daß die Gola eine Gemeinschaft sei, welche weitab
von den algemeingiltigen staats- und völkerrechtlichen Beziehungen (משפטי הגוים) ihre Interessen zu suchen und zu
pflegen habe. Freilich, täuschen wir uns nicht, es gehört der allergrößte Mut
dazu, Gott zu dienen und den Solidaritätsgedanken der jüdischen Gemeinschaft
lediglich aus den gemeinsamen Verpflichtungen zum Gottesdienst abzuleiten, so,
wie es die Propheten taten. Man mag da sich mit mehr oder weniger Grazie wenden
oder kunstvolle Wortgebilde ersinnen, es werden immer jene gebrochene Cisternen
bleiben, die das lebensspende Wasser nicht u bergen vermögen. Wahr ist und
bleibt, daß (jüdische) Volksschaft der
Gola ein lediglich latenter Factor ist, den alle Resolutionen jüdischer Kreise
ebensowenig, wie die Beschlüsse von Kongressen oder Konferenzen zum Leben
erwecken können und sollen, weil außenstehende Factoren dem Volke niemals den
Inhalt geben könnten, welcher das Wesen des jüdischen Volkstums bildet und es
so klar von allen Völkern unterscheidet. Es bedeutet Assimilation im äußersten
Sinn des Wortes, wenn man Wollen und Werden des jüdischen Volkes am allgemeinen
Weltgeschehen mißt.
Es war daher ein äußerst klares Erkennen seitens der Assimilation ,als sie
auf einem der Baseler Congresse sehr energisch Front machte gegen Rabbi
Jochanan ben Sakkai, weil dieser in der Werdestunde des zweiten Gola das
Volkstum verraten hätte, weil er von dem römischen Eroberer nur Jabneh und
seine Weisen als Reservation für das Judentum verlangt habe. Die traditionsgläubigen
Teilnehmer jenes Congresses brachen in Entrüstungsrufe aus und verlangten
stürmisch eine Ehrenrettung für Rabbi Jochanan b. Sakkai. As sie diese in
parlamentarisch einwandfreier Form erhalten hatten, waren sie zufrieden und die
Acten über diesen Fall waren geschlossen. Man hätte auch anders verfahren
können, man hätte sogar im gewissen Sinn für die klärende Offenheit dankbar
sein Können, man hätte den Mut bewundern können, mit dem der grandiose Versuch,
das Ganze des Judentums assimilatorisch an das allgemeine Weltgeschehen
anzugliedern, so hüllenlos in seinen letzten Zielen dargestellt wurde. Damals
schon wäre es Zeit gewesen, höchste Zeit, daß die traditionsgläubigen
Teilnehmer des Congresses sowohl, wie die gesamte Orthodoxie nun auch ihrerseits
daran gegangen wäre, ihr Verhältnis zum Golus zu klären. Es ist nicht
geschehen, aus tausenderlei Gründen nicht, ein furchtbar ernstes Versäumnis.
Und also kam es, daß heute es fast als ein vergebliches Beginnen erscheint,
gegenüber einem zum mindesten wenig erquicklichen Ansturm persönlicher
Verunglimpfungen und sachlicher Entstellungen den alten Ideengehalt nochmals in
die Wogen der Tagesstürme zu tragen.
Hatte wirklich Rabbi Jochanan Sakkai
kein Herz für die alle Leiden, welche einExil, ein Zustand der Rechtlosigkeit
oder doch wenigstens der Rechtsverkümmerung für jeden Einzelnen im Gefolge
haben mußte? War ihm wirklich jene feinste Blüte des Solidaritätsbewußtseins,
die אהבת ישראל, die alle
umfassende Liebe fremd geworden? Es war ja in jener wehen Stunde des Beginnens
der vierten Gola ein Prophet nicht da, welcher den Zagenden eine unmittelbare
Weisung hätte geben können, allein R. Jochanan b. Sakkai wußte, das
aufgezeichnet war נבואה שרוצה פה לדורות, Prophetenwort, das bahngebend war für alle Zeiten. So wußte er
auch dem Exil die recte Deutung zu geben; er hatte ja schaudernd erlebt, wie
wenig nationalen Sinn und Wollen imstande gewesen war, die Blüten verzeihender
Menschenliebe vor dem Reif zu bewahren, hatte gesehen, wie unter der Herrschaft des stärksten nationalen
Selbstbewußtseins tobringende Entfremdung, blindester Haß ihr Unwesen treiben
könnte. Und da glaubte er, daß wieder einmal die Stunde gekommen war, in der
die äußere Form des jüdischen Volkstums sich allzu sehr den allgemeinen Formen
angenähert hatte und deshalb seinen wirklichen Daseinszweckes beraubt, seines
wesentlichen Inhalts verlustig gegangen war. Mit einem Herzen voll Liebe wollte
er die הצלה פרותא
vorbereiten, die scheinbar so geringfügige und doch so sichere Rettung, er
wollte durch Einstellung des Volksganzen auf seinen Inhalt dem Volke Dasein und
Daseinszweck verbürgen. Vespasian verstand ihn nicht, verstand nicht, daß R.
Jochanans Wunsch von volkserhaltende Tragweite war, sonst hätte er ihm sicher
nicht Jabneh und seine Weisen concediert. So wie Vespasian erging es nun seit
2000 Jahren unzähligen Juden. Und auch die heutige Bewegung ist letzten Endes
nichts anderes als eine unbewußte Auflehnung der Gola gegen das Galuth. Es ist
klar, wenn man dem Exil keinen Sinn abgewinnen kann, dann muß man dagegen
rebellieren; wenn man ferner nicht weiß oder nicht wissen will, daß die
exilierte Idee der Einheit des göttlichen Willens (גלות
שכינה) mi dem jüdischen, staatlichen
Volksdasein noch keine Stätte gefunden hat, so muß ein Sabbatai Zewi, wie es
einst auch in Erscheinung trat, unzählige Anhänger finden.
Quelle: דרש טוב לעמו Jüdische
Monatshefte, herausgegeben von Rabbiner Dr. P. Kohn, Ansbach, unter Mitwirkung
von Rabbiner Dr. Salomon Breuer, Frankfurt a.M. Jahrgang 6 Heft 1 u. 2 S. 1-6
Rabbiner Dr. Raphael BREUER: Vorläufer des Zionismus (1. Folge)
Rabbiner Dr. Raphael BREUER
(1881-1932)
Vorläufer des Zionismus (1.Folge)
Jedes lebende Geschlecht beansprucht für sich den Vorzug der Originalität. Weil immer die jeweilig existierende Generation das große Wort zu führen vermag, während die verstorbenen Geschlechter sich ruhig und still verhalten müssen, empfängt die Zeitgenossenschaft den Eindruck, als ob Dinge, die zum ersten Male an ihr Ohr dringen, wirklich von unerhörter Neuheit seien. Ihr wird ein falscher Schein der Originalität vorgetäuscht, in der Voraussetzung, daß sie aus angeborener oder anerzogener Bequemlichkeit nichts unternehmen wird, um auf dem Wege vergleichender Geschichtsforschung sich kritisch bewußt zu werden, was an dem Neuen wirklich oder nur vermeintlich neu, was darin mitseinen tiefsten letzten Wurzeln in vergangene Tage zurückweist. Nichts Neues unter der Sonne! Es wären manchen Generationen manche Enttäuschungen erspart geblieben, wenn sie die Wahrheit dieses Erfahrungssatzes rechtzeitig bedacht hätten.
Vor mir legt eine kleine hebräische Broschüre von 16 Seiten:קול אבירי הרועים. Es ist eine Propagandaschrift für ישוב ארץ ישראל aus der Zeit des R. Hirsch Kalischer, den bekanntlich der Zionismus als seinen naiven Vorläufer und als dessen Fortsetzer und Erfüller er sich selbst betrachtet. Wohlbekannte Namen klingen uns aus der Broschüre in imponierender Fettdruck entgegen:der Rabbiner in Grätz: R. Elijahu Gutmacher, der Rabbiner in Würzburg: R. S.B. Bamberger, der Rabbiner in Berlin: R. Esriel Hildesheimer, der Rabbiner in Halberstadt: R. Benjamin Zwi Auerbach, der Rabbiner in Altona: R .Jakob Ettlinger, der Rabbiner in Hamburg: R. Ascher Stern. Auch die Laienweltder deutschen Orthodoxie ist vertreten: die Gebrüder Hirsch in Halberstadt und der Baron Willy von Rotschild in Frankfurt a.M.
Um die Träger dieser Namen scheint sich R. Hirsch Kalischer nicht ohne Erfolg bemüht zu haben, sie für sein palästinensischen Kolonisationsprojekt zu gewinnen. Nur ein Name fehlt: Rabbiner Hirsch in Frankfurt a.M. Wir haben vor Jahren im Israelit ein Schreiben veröffentlicht, worin Rabbiner Hirsch auf Kalischers Anfrage eine deutliche Absage erteilt.
Auch damals lag, wie heute und wie so oft schon im Verlauf der jüdischen Geschichte, viel Messianismus in der Luft. Wieder einmal schienen die Zeiten sich erfüllt zu haben. "... הזמן מסכים עמנו כעת לנסות בדבר ברשיון כל הלאומים אשר עדנה לא היתה שעת הכושר כזה מיום גלות יהודה מעל אדמתם בחבורות של מצוה מכל גדולי הערך בישראל גם כבושום הטוב נתבשם כל העולם כעת במלכי חסד ורחמים בין כל הלאמים ורוזני הארצות כאמור בנבואה (ישעיה נ"ה) תחת הנעצוץ יעלה בראש ותחת הסרפד יעלה הדס והיה לה' לשם לאות עולם לא יכרת ע"כ לא נאבד בידינו הזמן היקר הלז באפס תקוה והסח הדעת כי חכיני עוד עד אור הבוקר ומצאנו עון חלילה כי זאת בגדר הרחקת הקץ אשר סבלו אבותינו עי"ז גזירות ושמדות אשר עברו על השבועה החמורת שלא להרחיק את הקץ בזמנים המוכשרים לזה ..."
Auf zur Tat! Zurück nach Palästina Die Zeit ist günstig. Die Sympathien der Völker sind uns gewiß. Die Großen Jissroéls stehen auf unserer Seite. Noch nie, seitdem das jüdische Volk sein angestammtes Land verlassen musste, war eine Zeit für die gegenwärtige.Ein neuer Geist geht durch die Welt. Der Geist der Liebe und Versöhnung. Ihm unterordnen sich Könige, Fürsten und Völker. Das Wort des Propheten Jesaja: Statt des Dornes wird die Cypresse sich erheben, und statt der Brennnessel erhebt sich die Myrthe; es wird für den Herrn zum Ruhme sein, zum ewigen unvertilgbaren Denkmal wird zur Wahrheit. Laßt uns die kostbare Zeit nicht vertrödeln. Hoffnungsfreudig und mit wachem Sinn laßt uns zur Tat schreiten, rechtzeitig, ehe es zu spät wird. Bängliches Zögern wäre Verbrechen, wäre Eidbruch. Noch immer hat ein gleichgiltiges Verschlafen messianischer Zeiten über Jisrael Leid und Trübsal gehäuft.
Klingen diese Sätze nicht, als ob sie in unseren Tagen anläßlich der Pariser Friedenskonferenz geschrieben seien? Das gleiche Pathos, die gleiche Ekstase. Nur mit dem Unterschiede, daß damals nicht der Zionismus, sondern die Alliance israélite universelle das jüdische Publikum faszinierte.
Die Alliance israélite universellle hat inzwischen bei der jüdischen öffentlichen Meinung, die im Judentum doch noch etwas mehr als ein philanthropisches Unternehmen sieht, so gründlich abgewirtschaftet, daß man sich heute nicht vorstellen kann, wie es möglich war, daß dieser Alliance einmal auch aus weiten Kreisen der Orthodoxie jüdische Herzen begeistert entgegenflogen. Dem war aber tatsächlich so.
(wird fortgesetzt)
Erschienen in דרש טוב לעמו Jüdische MonatshefteJahrgang 6 Heft 5 u. 6 1919, 5699 S. 101-106
Auszüge aus dem Kommentar zur WochenabschnittTrumoh
Kap. 25 V.10 Sie sollen eine Lade von Schittimholz machen, zwei Ellen und eine halbe ihre Länge; eine Elle und eine halbe ihre Breite und eine Elle und eine halbe ihre Höhe.
Kap.25 V.10 ארון עצי שטים: Jissroél nimmt das Gesetz mit seiner, Jissroéls, ewig frischen Entwicklungsfähigkeit und für diese immer fortschreitende Entwicklung hin. Das Gesetz ist abgeschlossen gegeben, es sind steinerne Tafeln. Sie bilden zusammen einen steinernen vollkommenen Würfel
V.15 In den Ringen der Lade sollen die Stangen bleiben; sie sollen nie von ihr weichen.
V. 12-15 Die בדים, Traghebel an der Laden symbolisch genommen, bezeichnen die Bestimmung und die Aufgabe: die Lade und ihren Inhalt auch über die Grenze ihres gegenwärtigen Standortes, wenn es sein muss, fort zu tragen, und die Bestimmung, daß diese Traghebel nie fehlen durften, hielt somit für alle Zeit von vornherein die Wahrheit gegenwärtig: daß dieses Besitz und seine Aufgabe nicht an die Scholle verbunden sei, auf welcher zur Zeit der Tempel und sein Heiligtum stehe.
Diese Bedeutung der ewige Präsenz der בדים als Dokumentierung der lokalen Unbedingtheit des göttlichen Gesetzes erhält noch eine bedeutsame Schärfe in dem Gegensatz der Lade zu den anderen Heiligtumsgeräten, insbesondere zu dem Tische und dem Leuchter: die der permanenten Traghebel entbehren. Es spricht sich darin sofort der Gedanke aus:Jissroéls Tisch und dem Leuchter sein materielles Leben in seiner Fülle und sein Geistesleben in seiner Blüte sind an den Boden des heiligen Landes gebunden. Jissroéls Thora ist es nicht.
V.16 In die Lade giebst du dann das Zeugnis, das ich dir geben werde.
V. 16 Des Gesetzes Repräsentanz sind die עדות-Tafeln, deren Dasein selbst allen Folgegeschlechtern die Tatsache der Offenbarung des Gesetzes bezeugen und daher עדות: Zeugnis heißen. Von vornherein hat somit Gott gerechnet, für deren Belehrung und Warnung es das Zeugnis niederlegte. Ist ja ein Zeugnis nur Zweiflern und Leugnern gegenüber vonnöten.
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH Kommentar zur Haftoro TRUMOH
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH
(1833 1900)
הפטרת תרומה
Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes TRUMOH
Könige I, Kap. 5, Vers 26 und folgende
Dem bescheidenen Zusammenkunftsbestimmungszelte der Sidra stellt die Haftora den stolzen Prachtbau Salomonischer Königsherrlichkeit gegenüber. So stolz und prächtig er auch war, so sehr er auch zur Ehre Gottes errichtet wurde, wir werden doch, schon bei der Geschichte des Baues, seiner nicht froh. Freilich alles großartig. Großartig die Vorbereitungen, großartig der ganze Apparat, ganze Armeekorps von Lastträgern und Steinmetzen, mit weitschauendem Blicke alles überdacht, großartig der Kostenaufwand bloß für die Errichtung von Zedern- und Tannenstämmen für den Bau durch phönizische Arbeiter hatte Salomo den ganzen Hof des befreundeten Königs Hiram jahrelang erhalten und wie von den Ruhmesbauten ägyptischer Herrscher man noch nach Jahrtausenden weiß, wie groß der Zwiebelverbrauch der unglücklichen Arbeiter war, so wird auch einige Verse vor unsere Stelle genau berichtet, welch kolossale Lieferung Salomo so glücklich war, der tyrischen Majestät leisten zu dürfen. Doch nicht dieser Aufwand ist der Punkt, den wir im Auge hatten. Salomo war ja reich genug, und sein Volk entbehrte es ja nicht. Allein sein Volk! das ist es. Welche traurige Stellung nimmt dieses Volk, nimmt Jissroél zu diesem Bau ein. Wo ist die Begeisterung der Männer und Frauen, von der die Sidra zu erzählen weiß? Würde Salomo auch eine solche freiwillige Privatbeteiligung auch nur geduldet haben? Und doch, im Hinblick auf den Ursprung und im Hinblick auf den Zweck, um wie vieles herrlicher und heiliger war die Arbeit der webenden und wirkenden jüdischen Frauen und Mädchen, die Arbeiten der der Kunstfertigkeit so lange entwöhnten jüdischen Männer unter Bezalels kunstsinniger Leitung, als alle die Herrlichkeiten phönizischer Technik und salomonischen Kunstsinns! Eine andere Art von Beteiligung hatte Salomo seinem Volke vorbehalten. Frondienste, pharaonischen Andenkens, hatten sie zu leisten, und auch die Fronvögte fehlten nicht! Das ists, was dem denkenden Leser wie ein Eiseshauch aus dieser Geschichte entgegenweht! Dazu kommt die Überschätzung der Pracht und des äußeren Glanzes überhaupt, die sic hier und in der noch glänzenderen Herstellung seines eignen Königspalastes, ausspricht. Deshalb erging auch noch während des Baues, lange vor seiner Vollendung an Salomo das warnende und mahnende Gotteswort, das den Schluss unserer Haftora bildet. Es warnt ihn vor Überschätzung der äußeren Herstellung dieses Baues, erinnert ihn daran, daß er seine ganze Königsstellung nur der seinem Vater David gewordenen Gottesverheißung zu verdanken habe, und daß die Aufrechthaltung dieser Verheißung für ihn in keiner Weise von Glanz und Machtentfaltung, sondern lediglich davon abhänge und dadurch bedingt sei, daß er gewissenhaft die Gesetze seines Gottes in Wandel und Tat hüte und verwirkliche, erinnert in ferner daran, daß auch bei treuer Erfüllung dieser Bedingung Gott nicht im Tempel auch nicht bei dem gottesfürchtigen mächtigen Könige, sondern in Jissroéls Mitte weilen, in keinem Falle aber Jissroél, mein Volk Jissroél, verlassen werde. So viel die Worte, so viel dem stolzen Selbstgefühl des Königs gewordene ernste Belehrungen.
Warnung vor Verkennung der Bedeutung des Gotteshauses überhaupt, vor allem aber Warnung vor Überschätzung der Bedeutung der Herstellungund des Daseins auch des prächtigsten Gotteshauses, das ist der Inhalt dieser Haftora. Sie enthält damit zugleich den lauten Protest gegen jene Verirrung, die alles Religiöse auch im Judentume in Synagoge und Tempelleben aufgehen lassen möchte. Ist die Zeit schon gekommen, in der dieser Protest gegenstandlos geworden?
(Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 147- 148Kommentar zu Könige I. Kap 5 )
Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt TRUMOH
Rabbiner Dr. Salomon BREUER
(1850 1926)
תרומה
Belehrung und Mahnung zur Wochenabschnitt
TRUMOH
(Auszüge)
למוד התורה Lernen ist die erste, höchste Pflicht im jüdischen Leben: ושמרתם זו משנה Wenn das Gotteswort uns zur Hut der Thora immer wieder verpflichtet, so ist hierunter vor allem das Lernen der Thora verstanden. Denn nur wenn Gottes Thora gelernt und erforscht wird, bleibt sie uns erhalten, stehen wir als ihre Hüter da. Da aber genügt es nicht, daβ wir קובע עצים לתורה eine bestimmte Zeit dem Thoralernen einräumen, wozu allerdings ein jeder, der Jude sein will, verpflichtet ist, die תורה fordert vielmehr die ungeteilte Hingabe des Geistes an ihre Erforschung. Eine solche Hingabe ist freilich nicht jedem vergönnt: dem einen sind die hierzu nötigen geistigen Fähigkeiten versagt, während bei anderen der sogenannte Beruf Geist und Zeit dem Thorastudium entzieht. Und doch, mögen unsere Geistesanlagen noch so verschieden geartet sein, mag der Beruf uns noch so sehr in Anspruch nehmen, zu einem höchsten, heiligsten Lebensberuf sind wir alle berufen: unserer Thora, ihrer Erfüllung und Förderung alle unsere Kräfte zu weihen. Das aber vermag ein jeder: ob mit seinem Lernen oder seinem Leben, seinem Verstande oder seine Tat, seiner Geisteskraft oder seiner materiellen Habe der Förderung und Erstarkung der Thora im Leven des jüdischen Volkes gelte sein Sinnen und Trachten!
עץ חיים היא למחזיקים בהDieser Lebenspreis winkt einem jeden. Und wer an seiner Stelle, in seinem Beruf die Errungenschaften seines Geistes und seiner Tatkraft in den Dienst des קיום התורה, der Erhaltung der Thora stellt, steht dem Geistesfürsten der Thora in nichts nach gleich ihm hat er dem Lebensbaum der Thora mit ganzer Hingabe gedient und ist der Segnungen teilhaftig, die solchem Leben zugesichert sind.
ועשו ארון עצי שטים Der Aufruf, Gottes Thora den ארון zu bereiten, richtete sich an alle. Der Aufruf, Gottes Thora den ארון zu bereiten, richtete sich an alle. Denn ein jeder kann, ein jeder muβ ein ארון der Thora werden. יבואו הכל ויעסקו בארון Mögen sie alle kommen und mit der Lade sich beschäftigen Soll doch das ganze Leben des Jehudi mit allem, was er an Unternehmungen und Bestrebungen bringt, eine dauernde Beschäftigung mit der der Aufnahme und Bewahrung der Thora bestimmten Lade sein, denn nur so gewinnt jedes Leben Anteil an der Thora und sichert sich als köstlichste, dauernde Errungenschaft כדי שיזכו כולם לתורה.
Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUERBelehrung und Mahnung zweiter Teil ExodusJ.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1931 S. 43-48
hilf uns, daß wir zu Dir in wahrer תשובהzurückkehren, dann werden wir auch die Rückkehr zur nationalen Selbständigkeit im Lande der Väter wieerfinden, eine Rückkehr, die wir aber ausschließlich aus Gottes Händen zu erwarten haben, der ja auch der alleinige Schöpfer unseres einstiges nationalen Geschickes war. (Gebete, Kommentar S. 195-196)
Help us to return to You in true תשובה, then we will also find in the return to national independence the land of the fathers, a return which we can solely expect from the hand of God, Who was also the sole Creator of our former national destiny. (Prayers, Commentary pp. 195-196)
Das Träumen, so sang schon König David, ist eine unentbehrliche Begleiterscheinung der Erlösung. Gewiß jede Erlösung versetzt als das Wunderbare die Menschen in einen Traumzustand, aber nicht jeder Traum bedeutet die Erlösung.
In dem Ringen der Seelen um einen Sinn der Tatsachen während des Krieges, glaubten viele Menschen es müsse eine bessere Zeit anheben, damit die unerhörten Opfer nicht vergeblich gebracht worden wären. Auch jüdischen Menschen träumten also. Da noch jede epochale Wendung in der Weltgeschichte nicht ohne Rückwirkung auf jüdisches Geschick verblieb, ahnte man, wusste man sogar, daß wieder einmal עת פקידה nannten es die Alten Jissroél am Vorabend einer Wandlung stand. Das Bild ist unterdessen klar geworden; auf der eine Seite eine Verschärfung des Galuth in ägyptischer und mittelalterlicher Form, auf der anderen Seite das Hineinragen von Erez Jissroél in den Mittelpunkt des Denkens und Schaffens auch solcher Juden, welche noch vor einem halben Jahrhundert jede Erinnerung an die Zionsverheißungen des Allmächtigen zu tilgen für gut und notwendig hielten. Man könnte sogar einen inneren Zusammenhang zwischen diesen beiden Erscheinungen vermuten; tatsächlich ist ja die Befürchtung Max Nordaus in etwas anderem Sinne Wahrheit geworden. Palästina droht ein Nachtasyl zu werden. In den wirtschaftlichen Nöten zeigt sich eine fluchtartige Sehnsucht nach Palästina und die Tragik des ganzen Komplexes liegt darin, daß die Pforten auch dieses Nachtasyls nicht mehr offen sind. Es ist ganz müßig zu fragen, ob es anders hätte kommen können.
Umsomehr aber erwächst für die Erben der Chalukagründer die ernste Aufgabe, der Situation gerecht zu werden. Diese Erben sind allerdings nicht organisiert und es zeigt sich jetzt mit aller wünschenswerten Deutlichkeit, welch eine Kurzsichtigkeit es war, daß die Kolalim (die landmannschaftlichen Vertretungen der Chaluka) nicht zu einer einheitlichen Linie in Bezug auf ihr ureigenstes Gebiet zu bringen waren. Denn was wollten die Begründer der Chaluka, der vielgeschmähten? Sie wollten der Anschauung zum Siege verhelfen, welche das wohnen in Palästina in unlöslicher Verbindung mit Einstellung des Daseins auf lückenlose Hingabe an die Thora im Forsche und Erfüllen bringt. Man darf wohl in diesem Zusammenhang davon reden, daß fast alle Bewohner der Städte in Palästina ob Juden oder die Anhänger der verschiedenen christlichen Konfessionen mehr oder weniger Pensionäre ihrer Gesinnungsgenossen waren und zum guten Teil noch sind. Merkwürdiger Weise machen sich ähnliche Versuche auch jetzt im Islam geltend. In welcher Weise die Subventionierung erfolgt, dürfte ziemlich belanglos sein.
Sind aber die Kolalim bzw. ihre Vertreter (Nesiim) wirklich und ernstlich diese Erben, so haben sie im Augenblick eine sehr ernste Augabe. Man wäre versucht, zu sagen, daß der historische Moment für diese Kreise gekommen ist.
Denn füglich wird man sich heute in allen Kreisen darüber klar, daß der Kernpunkt dieser ganzen Palästinafrage sich letzten Endes auf die Frage Europa oder Orient zuspitzt.
Vor mehr als zwei Jahre hatten wir in der Wiener Jüdischen Presse diese Frage zur Debatte gestellt, allerdings ohne nennenswerte Reaktion. Neuerdings hat, in einer allerdings ganz anderen Sphäre Dr. Kadmi Cohen diesen Punkt aufgegriffen. (Dr. Kadmi COHEN, Ein Beitrag zurFrage des Großzionismus, Paris le Triangle. Eine Besprechung dieser ganz eigenartigen Ideenfolge bleibt vorbehalten.) So lange die Einwanderer nicht entschlossen sind, sich etwas weniger gegen die Orientalisierung zu wehren, wird der Konfliktsstoff in der Umgebung stetig wachsen. Denn der Gegensatz Araber Juden ist nicht bloß ein machtpolitischer, sondern in seinen letzten Wurzeln ein kulturpolitischer. Nun haben aber alle orientalische Völker als Protest gegen die Materialisierung der Lebensbeziehung eine Art von Reservation für rein geistige, nicht auf Erwerb abzielende also, wie man heutzutage beliebt, unproduktive Tätigkeit und für die Pflege des Gemütslebens geschaffen. Dieses hat ebenso die Brahminen, die Lama, wie auch die Derwische geschaffen. Man geht fehl, wenn man darin bloß etwa eine Erfindung schlauer und berechnender Priestererblicken wollte; vielmehr entsprachen derartige Einrichtungen und Personengruppen den inneren Sehnsuchtsbedürfnissen eines Volkes. Und es ist wahrlich ein nicht gutes Zeichen für den Geist einer Zeit, wenn man auch derartige Reservationen nur von dem Gesichtswinkel materieller, produktiver Interessen betrachtet, bekämpft, vernichtet. Dagegen wehrt sich alles was Orient heißt. Übrigens könnte man diesen Faden weiter ausspinnen und behaupten, daß bis tief in die Neuzeit auch im Occident solche Erscheinungen sich geltend machten und sich bewährten, bis der Mangel an Ehrfurcht von der Welt des Geistes und Gemütes einerseits, allerdings auch andererseits gewisse Entartungen im Kreise dieser Erscheinungen und die Sieghaftigkeit des Chassidismus ist auch heute noch eine solche Reservation in nuce.
Blickt man auf die Vergangenheit im Galuth zurück, so erkennt man, daß der Rettungsanker in kritischen Zeiten, die Freude der ruhigen Tage die Kehilla war, ohne staatlichen Zwang die Heimstätte idealer Bestrebungen. Will man nun ernstlich den Versuch machen, trotz aller modernen Bestrebungen, trotz aller Wirtschaftlichkeiten, trotz der Säcularisierung des jüdischen Volksbegriffes, dem heiligen Land noch irgendwie den Charakter der Heiligkeit zu wahren, so müssen dort Kehillaus entstehen. Wir sind überzeugt, die Begründer der Chaluka würden den letzten von ihnen gesammelten Pfennig so verwerten, daß eine Kehilla alten Stils in allen Siedlungen, im heiligen Lande entstünden, für die Kreise, welche mit einem gewaltigen, im Occident nicht erkannten und deshalb nicht gewürdigten Heroismus sich der Säcularisation zu erwehren versuchen. Es wäre Aufgabe der Aguda, den Kolalim dieser Situation klar zu machen, es wäre Aufgabe des Rabbinischen Rates, den gesamten Occident über die Vordringlichkeit dieser Aufgabe aufzuklären.
Die so geschaffene Kehilla müsste eben diese Reservation werden, ihr müsste als Trägerin des Schulwesens die Erziehung der kommenden Generation überantwortet werden. Der neue vom Highcommissar veröffentlichte Entwurf von Normen für das Erziehungswesen wird über kurz oder lang ja doch dazu zwingen, allen Schulen, Gemeinden als Träger zu geben.
Sie müsste sich so aufbauen, wie die alte Kehilla und sie müsste einen so weiten Rahmen spannen, daß alle, die Gegner der Säcularisation sind, darin Raum finden, behaglichen Raum. Da könnte man auch wieder einmal den Versuch machen, die soziale Fürsorge nach den Normen des Schulchon Oruch zu betätigen.
Es ergibt sich dann ein interessantes Gegenspiel. Auf der eine Seite der ganz in den Anschauungen des Occidents befangene Zionismus, dem gerade deshalb Galuth, sinnlos geworden ist, der in Palästina auch das köstlichste Erbe des Galuth, die Kehilla, in seinen Bahnen zu zwingen versucht und sich dabei recht galuthmäßig der nichtjüdischen staatlichen Macht zu bedienen versucht mit mittelalterlicher Entrechtung des alten Jischuw, auf der anderen Seite die Kehilla, welche die Geheimnisse ihrer Konstruktion einer Zeit entlehnt, in der idealistische gottesgerichtete Träume und Bestrebungen den Kulturinhalt des jüdischen Volksbegriffes bildeten.
So könnte es in Palästina tagen. Es wäre ein Sieg des Orients.
Rabbiner P.Kohn, Wien.
in NachAlass Zwi 5692, 1931/32 S. 206-209
Dieser Text ist Teil unseres Studienprogramms des Sommers 5768 (2008)
Rabbiner Dr. Pinchos Kohn 1867, in Kleinerdlingen bei Nördlingen geboren, Besuch des Realgymnasiums in Halberstadt, Studium in Berlin und Besuch des dortigen Rabbinerseminars, von 1890 bis 1893 Rabbiner in Burgkunstadt, 1893 Promotion und Rabbinatsverweser in Mannheim, 1894 Wahl zum Distriktsrabbiner in Ansbach; Mitbegründer der Agudass Jissroél.
Zusammen mit Rabbiner Dr. Salomon BREUER, Herausgeber der Zeitschrift "Jüdische Monatshefte" (Dez. 1913-1920)
Nach dem Ende des 1. Weltkrieges leitete Pinchos Kohn als Vorsitzender des Exekutiv-Ausschusses die Geschäfte der Agudass Jisroel in Wien und wurde 1923 zum Präsidenten berufen. Er füllte diese Stellung aus, bis er 1937 wieder in seine alte Gemeinde nach Ansbach zurückkehrte. Rabbiner Pinchos Kohn blieb in Ansbach bis zum Februar 1938, als ihm die Flucht in die Schweiz gelang. Bei Kriegsausbruch ging er nach London, wo er am 7. Juli 1941 starb.
Aus seinem Kommentar zur Wochenabschnitt Mischpotim
Kap. 21, 2 Wenn Du einen ibrischen Knecht kaufst, soll er sechs Jahre dienen; aber im siebten soll er zur Freiheit unentgeltlich hinausgehen.
Kap. 21, V.2 Es verhält sich die תורה שבכתב zur תורה שבעל פה, wie die kurzen Diktate nach einer vollständig mündlich vorgetragener Disziplin einer Wissenschaft sich zu dem mündlich Vorgetragenen verhalten. Für die Jünger der Wissenschaft, die die mündlichen Vorträge gehört, sind kurze Diktate vollkommen hinreichend, um zu jeder Zeit, an der Hand dieser Diktate, sich die ganze Wissenschaft vollständig gegenwärtig zu halten und immer aufs neue wieder zu vergegenwärtigen. Für sie genügt oft ein Wort, ein beigefügtes Fragezeichen, Ausrufungszeichen, ein Gedankenstrich, ein Punkt, ein Strich unter einem Worte u., um eine ganze Gedankenreihe, eine Bemerkung, Beschränkung u.s.w. wieder ins Leben zu rufen. Für diejenigen, die die mündlichen Vorträge des Meistersnicht gehört, werden solche Diktate völlig unbrauchbar sein. Wollen sie sich lediglich aus ihnen die Wissenschaft konstruieren, so werden sie vielfach irre gehen müssen; Worte, Zeichen, u.s.w. die den durch die mündlichen Vorträge eingeweihten Jüngern als die belehrendsten Leitsterne zur Festhaltung der gelehrten und gelernten Wahrheiten dienen, starren den Uneingeweihten als nichts sagende Sphinxe entgegen, und die Wahrheiten welche die eingeweihten Jünger nur an ihnen reproduzieren, nicht aber aus ihnen produzieren, werden die Uneingeweihten nur als bodenlose Spiele des Witzes und leere Träumereien belächeln.
V.6 so führt in ihn sein Herr zum Gerichte hin, führt ihn hin zu der Thüre oder zu dem Pfosten, es bohrt sein Herr das Ohr ihm mit dem Pfriemen, und er hat ihm dann für immer zu dienen.
V. 6 Freiheitsstrafen, mitaller der Verzweiflung und sittlichen Verschlechterung, die hinter den Kerkermauern wohnen, mit all den Jammer und Elend, die über Weib und Kind des Gefangenen bringen, kennt das göttliche Gesetz nicht. In den Umkreis seines Reiches sind die traurigen Zwingerwohnungen des Verbrechens fremd. Es kennt nur eine Untersuchungshaft, und auch die konnte nach der ganzen vorgeschriebenen Gerichtsprozedur, und namentlich bei der völligen Zurückweisung eines jeden Indizienbeweises, nur von kurzer Dauer sein.
V.7 Wennein Mann seine Tochter zur Magd verkauft, soll sie nicht wie die Knechte ausgehen.
V. 7 Soll doch auch sonst der Vater nicht einmal von der einen Befugnis, seine minderjährige Tochter zu verheiraten Gebrauch machen. Geradezu אסור heißt es: Verboten ist es, seine Tochter als Kind zu verheiraten bis sie großjährig geworden und sage: Den möchte ich gerne zum Manne! und ist damit nicht nur jeder Zwang, sondern selbst das gar nicht selten Überreden einer Tochter zu einer Heirat als sündhaft erklärt (Kidduschin 41a). Ein Bündnis, das die innigste Vereinigung bedingt, kann nur aus völligster Freiwilligkeit wahrhaft gedeihen.
V.14 Sinnt aber einer über den andern, ihn mit bewusstvoller Absicht zu töten, von meinem Altare weg sollst du ihn nehmen zu sterben.
V. 14 מעם מזבחי וגו' Der jüdische Altar gewährt dem Verbrecher keinen Schutz. Es sind nicht etwa zwei sich gegenseitig kontrollierende, mildernde und beschränkende Prinzipien, wie etwa Kirche und Staat, Gnade und Recht u.u.; unmittelbar neben dem schwertfeindlichen Altar war die oberste Stätte des Rechts. Es ist ein und dasselbe Prinzip, das am Altar gepflegt und vor dem Sanhedrin zur Verwirklichung kam. Der ganze Begriff des Begnadigungsrechts fehlt im jüdischen Staatskodex. Nicht des Menschen, Gottes ist das Recht und das Gericht.
V. 22 Wenn Männer sich schlagenund treffen eine schwangere Frau, so daß deren Kinder entweichen, es erfolgt aber kein Todesfall, so soll er mit Geld bestraft werden, wenn der Mann der Frau die Auferlegung fordert, und hat sie nach Richterausspruch zu geben.
V.23 Wenn aber ein Todesfall eintritt, so hast du zu geben Leben für Leben.
V.22-23 Die Geldstrafe hat der Schuldige zu geben, sie liegt ihm, soweit sie Ersatz ist, sogar ob, selbst wenn kein Gericht ihn dazu verurteilt. Das Gericht sagt ihm nur, wie viel er zu leisten schuldig sei, die Leistung ist aber seine Aufgabe. Nicht so der Todesschuldige. Er hat nicht sein Leben hinzugeben. Es steht ihm ja gar nicht die Disposition über sein Leben zu. Ein Tod von seiner Hand wäre ja nur ein zweites Verbrechen. Ja, nicht einmal die Herbeiführung wird von ihm erwartet, ja das Gesetz hat sie ihm unmöglich gemacht. Kein Verbrecher kann nach jüdischem Gesetz sich selbst angeben. Sein Geständnis ist für seine Verurteilung völlig irrelevant. Nur vor Vollziehung eines Todesurteils wird der Verbrecher um der eigenen Sühne willen zum Geständnis ermahnt. (Dürfte doch, in Parenthese, für Gesetzgebungen, die auf Selbstgeständnis des Verbrechers den meisten Nachdruck legen, und darauf hin ein Todesurteil fällen und vollziehen, die Frage nicht leicht zu beantworten sein, warum denn die Selbsttötung eines Mörders Selbstmord wäre?) Nur Gott, und in besonderen Fällen der für diese Fälle von ihm delegierten Gesamtheit, steht die Disposition über sein Leben zu. Indem es aber ונתתה und nicht ולקחת heißt, indem die Vollziehung der Todesstrafe als ein Hingeben des Lebens, nicht als ein Nehmen desselben bezeichnet wird; so ist damit allen Versuchen die diese Strafe als ein Rachenehmen an dem Verbrecher, als Abschreckungsmittel, ja auch nur als Vergeltung auffassen möchte, begegnet. In diesem Ausdruck liegt zugleich, daß das Leben des Einzelnen Gott und der Gesamtheit angehöre, und daß mit jedem Tode, auch mitdem des Mörders, die Gesamtheit einen Verlust erleide, der aber von der Pflicht der überwogen wird.
Kap. 23,17 Dreimal im Jahre soll all dein Mannhaftes in Beziehung zu dem Angesichte Gottes, des Herrn, sich zeigen.
Kap 23 V.17 In der Tat sind in das Buch der Zeiten einzuzeichnen: die Erwachsenen, Mannhaften. In der Tat sind auch direkt nur die Erwachsenen, Vollsinnigen, Freien, Gesunden, Jungen, Kräftigen männlichen Geschlechtes zum Erscheinen im Tempel an den drei Wanderfesten verpflichtet; dagegen: Blödsinnige, Unmündige, Frauen, Sklaven, Taube, Stumme, Lahme, Blinde, Kranke, Greise, Verzärtelte, von dieser Pflicht befreit (Chagiga 2a), und scheidet auch diese Bestimmung die jüdischen Tempelversammlungen scharf ab von allem, was in anderen Kreisen dem äußerlich ähnelnd an Wallfahrten u. existiert. Der jüdische Tempel ist kein wundertätigen Gnadenort, zu dem vor allem der Kranke und der Greis, der Blinde und der Lahme, die Schwachen und die Frauen, zu dem überhaupt das geschlagene, leidende, bemitleidenswerteKontingent der Menschheit in diesem Jammertale hinaufgepilgert, um wundertätige Tröstung und Heilung für die mancherlei Gebrechen und Leiden des irdischen Daseins zu suchen; der Tempel des lebendigen Gottes, das Heiligtum seines Gesetzes rangiert nicht in eine Reihe mit den Hospitälern, Siech- und Trosthäusern, des schiffbrüchigen Lebens; die Elite der Nation, die Vollkräftigen, Männlichen, der Kern des Volkes, auf welchem alle Tat der Gegenwart und alle Hoffnung der Zukunft beruht, sie erwartet der lebendige Gott in dem Heiligtum seines Gesetzes
V.19 Das Erste der Erstlinge deines Bodens bringst du in das Haus Gottes, deines Gottes; koche nicht Tierfleisch in der Milch seiner Mutter.
V.19 So erscheint איסור בשר בחלב auch selbst auf diesem allgemeinen Standpunkte der Betrachtung als die eindringlichste und unmittelbar ad hominem redende Mahnung zur Heilighaltung des Gesetzes, als die Erinnerung, daß die Herrschaft des göttlichen Gesetzes nicht erst mit dem Jude beginne, daß die Herrschaft des göttlichen Gesetzes in jeder Faser des organischen Lebens überall gegenwärtig, und die Thora, unser Gesetz, nichts anders als die Präzisierung seines למינו Weltgesetzes für die Art des jüdisch menschlichen Lebens sei. Wir begreifen die Verwebung dies Gattung-Scheidungsgesetzes in den ganzen Kreis unseres häuslichen Genusses, und wenn keines von allen Speisegesetzen also wie die Scheidung von Milch und Fleisch die jüdische Küche und den jüdischen Tisch beherrscht, so hat auch kein anderes also wie dieses die Bestimmung, Gottes Herold zu sein und Gottes Gesetz, jüdische Menschenpflicht und jüdische Menschenwürde uns in jedem Augenblicke gegenwärtig zu halten.
V.20 Siehe, ich sende einen Boten vor dich her, dich auf dem Wege zu hüten und dich der Stätte, die ich vorbereitet habe, hinzubringen.
V.20: In mehrfacher Beziehung steht das Folgende zu dem Vorangehenden. Der letzte Abschnitt der Mischpotim von V.20 des vorigen Kapitels bis zu Ende hat vor allem die Rechtsgleichheit aller und ihre gegenseitigen Pflichten im künftigen Gottesgesetzstaate auf Grund der Gotteshörigkeit des Bodens zum Inhalte, und es waren die Wochen- und Jahressabbate, sowie die dreimaligen Wanderfeste zur Zeit des Frühlings-, Sommer- und Herbstfortschritte des Jahres mit den sich ihnen anreihenden Bestimmungen als Pflegerinnen jenes Bewusstseins der Gotteshörigkeit, sowie des Geistes der Rechtsgleichheit und Brüderlichkeit, aufgeführt.
Hieran schließt sich das Folgende:
1) mit der Tatsache, das Jssroél den Boden dieses Gottesgesetzstaates nicht der eigenen Tapferkeit verdanken, sondern, daß dieser ihm rein nur infolge gehorsamen sich Unterordnens unter den göttlichen Willen von Gott überantwortet werde;
2) daß dieser treue Gehorsam gegen das göttliche Gesetz auch das alleinige Mittel sein werde, das physische Gedeihen im Lande zu sichern, (wie dies ja eben durch die Hinaufwanderungen im Frühlinge, Sommer und Herbste und das Niederlegen der Erstlinge zu den Füssen dieses Gesetzes zum steten nationalen und individuellen Ausdrucke gelangen soll);
3) daß es daher durch die Berührung mit den bisherigen Bewohnern dieses Landes, das ihm nur nach und nach völlig eingeräumt werden werde, sich nicht zu dem entgegengesetzten heidnischen Wahn betören lassen solle, der das physische Gedeihen unabhängig von der Verwirklichung des Sittengesetzes begreift und in dieser Anschauung physische Naturgewalten selbst als Spenderinnen des physischen Gedeihens vergöttert;
4) daß vielmehr auf dem Boden dieses Gottesgesetzstaates keine Spur jener heidnischen Götterverehrungen geduldet werden, und, wenn die soziale Gesetzgebung auf dem Prinzipe der Rechtsgleichheit aller sich vor allem auch in der Gleichheit des Fremden vor dem Gesetze aussprechen soll, dies an die Bedingung sich knüpft, daß er aufgehört habe, heidnischer Götzendiener zu sein.
הנה אנכי שלח מלאך. Wir haben bereits zu המלאך הגואל (1 B.M.48, 16)bemerkt, wie durch מלאך nicht immer ein individuelles, menschliches oder übermenschliches Wesen verstanden sein muss, sondern auch eine jede von Gott für einen Zweck gesendete Veranstaltung überhaupt darunter verstanden sein kann. Man würde es hier in der Bedeutung Engel oder in jener allgemeinen Bedeutung: Fügung, Sendung, buchstäblich ja: Schickung, verstehen können, wenn nicht V.21 u. 22 von dem diesemמלאך zu leistenden Gehorsam und den durch ihn zu erteilenden Gottesbefehlen die Rede wäre. Wir finden nicht, daß Gott durch einen Engel dem Volke Befehlen erteilen ließ, und müssten daher selbst wenn man es in jener allgemeinen Bedeutung verstehen wollte, doch darunter speziell auch Moses mit inbegriffen, der ja jedenfalls mit in bedeutendem Maße zu den Werkzeugen und Veranstaltungen gehörte, durch welche Gott Israels Geschick vollzogen werden ließ. Mit Beziehung auf die Stelle וישלח מלאך ויוציאנו ממצרים (4 B.M.20) wo unter מלאך speziell Moses verstanden wird (siehe ויקרא רבה,I.,1 wo auch auf Richter 2,1 als auf eine Bezeichnung Pineas als מלאך hingewiesen wird), glauben wir, daß es nicht fern liegen dürfte, unter dem vor Israel hergesandten Gottesboten, hier auch speziell Moses zu verstehen. Jedenfalls ist hier gesagt, daß, so wie ihr Schutz auf der Wanderung durch die Wüste offenbarnur unmittelbares Werk göttlicher Allmacht ist, also auch die Einnahme des verheißenen Landes, אשר הכנתי, das Werk derselben Gottesmacht und nicht eine Errungenschaft menschlichen Schwertes sein soll. מקום hier für das ganze Land als Stätte(מ) des Volkesbestandes (קום). Vergl. zu 1B.M. 18,26 ,הכנתי die dem Lande Palästina verliehene Bodemeigentümlichkeit und klimatische Beschaffenheit entspricht ganz der Bestimmung, daß sich darauf das vom Gottesgesetze und Gottesgeiste getragene Volkleben entwickle. (Vergl. 5 B.M. 11, 10 12) und im Zusammenhange damit: das. 13 ff. Jona 1,3 [ בא מכילתאAnfang] und Aussprüche wie: אוירא דא"י מחכים u.a.m.)
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus dem Kommentar zur Haftoro Wochenabschnitt Mischpotim
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH
(1833 1900)
Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes MISCHPOTIM
Jeremia Kap.34, Vers 8 und folgende
Das Prophetenwort der Haftora führt uns in die letzten Zeiten des jüdischen Staates vor der Zerstörung Jerusalems unter Nebukadnezar. Fast ganz Juda war bereits im Besitze der Babylonier. Auch Jerusalem hatte sich schon unmittelbar bedroht gesehen, die Feinde waren jedoch wieder abgezogen. Daß es fallen und sein König gefangen genommen werde, war vom Propheten verkündigt.Da, in dieser Stunde da das Ärgste noch einmal abgewendet war, scheint sich in Zidkijah, den sonst wenig löblichen König, sein Besseres selbst geregt zu haben. Wars ein Dank in dem Frohgefühl über den Abzug der Feinde? Wars um sich des ferneren göttlichen Schutzes würdig zu machen? Jedenfalls war es ein sinniger Zug, der den König aus dem großen Register der wieder gut zu machenden Verfehlungen in dieser Stunde, da ihnen allen das Los härtester Knechtschaft schon so nahegerückt gewesen und auch noch weiter sie bedrohte, gerade die von ihnen selbst gegen ihren unglücklichen Brüder und Schwestern widerrechtlich geübte Knechtung als zu sühnendes Unrecht herausheben hieß. Und er hatte seine Großen, und die Priester und Beamten und das ganze Volk versammelt und sie in feierlichem Zeremoniell, sogar unter Nachahmung des Bundes zwischen den Stücken, schwören lassen, ihren widerrechtlich in Knechtschaft gehaltene Brüdern und Schwestern dem Gottesgesetze folgend die Freiheit zu geben. Und wortwörtlich hatten sies auch vollführt, hatten die in Dienstknechtchaft Gehaltenen freigelassen. Es schien so schön, ein Lichtstrahl in dunkler Nacht, das Durchschimmern einer edleren Natur. Doch leider nur eine flüchtige Regung war es beim Könige, und nur eine frivole Farce auf Seiten der Großen, der Priester und des Volkes. Denn die eben Freigelassenen wurden von ihren Herren sofort wieder mit Gewalt in die alte Knechtschaft zurückgezwungen!! Es war der frechste Hohn, den sie ihrem Gotte ins Angesicht zu schleudern wagten, gepaart mit der kaltherzigsten Grausamkeit gegen die unglücklichen, so schmählich Getäuschten. Mochte auch bei anderen Kulturvölkern damals und noch ein Jahrtausend später die viel härtere Sklaverei als berechtigt gelten: diese jüdische Gesellschaft forderte das Verhängnis förmlich heraus, dieses Juda wurde vor dem wohlverdienten Verhängnisse ereilt.
Denn die Heilighaltung der persönlichen Freiheit steht an der Spitze der großen Mischpatim-Gesetzgebung die schnöde Höhnung dieses Gesetzes brach den Stab über Jerusalem. Das ists was das Prophetenwort uns lehrt. Es ist wahrlich kein Zufall, daß gerade die in der Höhnung eines solchen Gesetzes sich kundgebende sich kundgebende Gesinnung das Urteil besiegelte. Denn die auf dem Boden der Gotteshuldigung aus dem Quell der Gesinnungslauterkeit in Gerechtigkeit und Liebe erblühende menschlich edle Gestaltung des Verhältnisses zwischen Mensch und Mensch ist die herrlichste Frucht, auf deren Zeitigung das ganze Gottesgesetz hinwirkt. Damit stimmt es aufs vollständigste, daß derselbe Prophet, da er dem schon bedrohten Jerusalem die Heiligung des Sabbaths im Namen Gottes ans Herz zu legen und die Verheißung auszusprechen gehabt hatte, daß aus dieser Sabbathheiligung dann die Rettung hervorgehen werde, gerade diejenige Seite der durch die Sabbathfeier vollzogenen Gotteshuldigung in den Vordergrund zu stellen und mit ganz besonderem Nachdruck hervorzuheben hatte, durch welche die absolute Unterstellung des ganzen geschäftlichen Verkehres zwischen Mensch und Mensch unter das heilige Diktat gottgebotener Pflicht allsabbathlich im jüdischen Kreise erneut proklamiert wird. השמרו בנפשותיכם ואל תשאו משא ביום השבת Jer. 17, 21 ff. Vergl. über diese Stelle, bezw. Über das Verbot des Tragens am Sabbath, Hirsch Commentar zu 2 B.M. 35,1.
Die Knechtschaft, von der hier die Rede ist, kann sofern sie überhaupt einen legalen Ursprung hatte, sich nur auf ein durch Not veranlasstes, zeitweilig eingegangenes Dienstverhältnis beziehen, das 3 B.M. 25,39 besprochen ist. Denn die durch Richterspruch zu verhängenden sechsjährige Dienstbarkeit konnte nur in dem seltenen Falle eintreten, in dem die sechsjährige Arbeitsleistung sich in ihrem Werte mit dem zu ersetzenden gestohlenen Gegenstände deckte und war außerdem nur auf Männer beschränkt.
(Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 142- 142Kommentar zu Jeremia Kap 34 )
Rabbiner Dr. Salomon BREUER zur Wochenabschnitt Mischpotim
Rabbiner Dr. Salomon BREUER
(1850 1926)
Belehrung und Mahnungzur Wochenabschnitt Mischpotim (Auszug)
משפט וצדקה ביעקב אתה עשית Wie aber im gotterfüllten jüdischen Lebenjedes משפט als צדקה empfunden wird, so wird auch jede צדקה als משפט geübt. Pflichttat ists, auf die der Bedürftige im Namen Gottes Anspruch erheben darf, die der Gebende zu leisten hat, wenn er vor Gottes Auge gerecht dastehen will. Denn auch sie ist eine köstliche Frucht, die nur auf dem gottgewiesenen Lebensweg ihren Nährboden findet.
Und doch gibt es wohl kaum eine Mitzwa, die so mißverstanden und traurig missbraucht wird wie gerade מצות צדקה. Nicht allein, daß sie vielfach als Sühnemittel für die mit Bewusstsein geübte Vergehen herhalten muss glaubt man doch sogar die Einheit der Gemeinde in der neben den Institutionen der Gesetzestreue die Institutionen des vollendetsten Abfalls von Gott und seinem Gesetze in völliger Gleichberechtigung bestehen, damit rechtfertigen zu können, daß dadurch die Möglichkeit gegeben sei, צדקה in umfassenderem Masse zu üben.
Ruft uns nicht auch in diesem Sinne das Gotteswort zu: ושמרו דרך ה' לעשות צדקה ומשפט daß wir auch kein Schritt außerhalb des von Gott gewiesenen Weges setzen, wenn wir gewillt sind, gottgewollte צדקה zu üben?Jede צדקה aber, die durch Preisgabe auch nur einer göttlichen Forderung oder göttliche Wahrheit erkauft wird, versündigt sich an dem דרך ה', zu dessen Wahrung wir in erster Reihe verpflichtet sind. Wir haben das Unsrige voll und ganz zu leisten; aber Gott, der uns den דרך ה' gewiesen, weist uns Grenzen, die wir nicht überschreiten dürfen.
Meine Brüder und Schwestern! Es dürfte wohl kaum jemand in den Sinn kommen, mit Mitgliedern eines fremden Bekenntnisses in irgendeine religiöse Gemeinschaft zu treten, um mit deren Hilfe die Aufrechterhaltung jüdischer Institutionen zu sichern und צדקה in größerem Umfang üben zu können schon deshalb nicht, weil jede andere Konfession ein solch lächerliches Bündnis von vornherein ablehnen würde. Ist es aber nicht weit schlimmer, freiwillig einer sogenannten jüdischen Gemeinde anzugehören, die jüdisch nur insofern noch ist, als sie die Verpflichtung hätte, jüdisch zu sein, deren Institutionen jedoch den traurigsten Hohn auf alles Göttliche im Judentum darstellen und deren geistige Führer nicht vor dem Verbrechen zurückschrecken, unserem Judentum seine göttliche Seele, unsere תורה zu rauben und an ihre Stelle in der jüdischen Geschichte beispiellos dastehendes Machwerk subjektiver Willkür zu setzen!!
ושמרו דרך ה' לעשות צדקה ומשפט lautet das große Vermächtnis unseres Stammvaters an seine späten Enkel es ist auch das Vermächtnis unseres großen Rabbiners זצ"ל an seine קהלה!
גדולים צדיקים במיתתן יותר מבחייהן Die Größe der צדיקים wird oft erst nach ihrem Ableben ganz erkannt חכם עדיף מנביא Sein weises Auge hat diese Zeit, die wir erleben müssen, vorausgeschaut.
Zeigen wir unseren Kindern, zeigen wir unserer Jugend, daß man zum mindesten auf die Worte des heimgegangen רב zu hören hat.
Wenn unsere Kinder an uns nicht irre werden sollen, wenn unsere Jugend lernen soll, daß sie vor allem lernen müsse, gründlich, fleißig Thora lernen müsse und die selbständige Beschäftigung mit כלל- Angelegenheiten bescheiden, wie es seit מתן תורה im jüdischen Leben als selbstverständlich galt, den זקני הדור, den in תורה und יראת שמים ergrauten Führern überlasse, selber statt dessen lerne, lerne, aber auch darum lerne, um einst als gereifte Männer, als wahrhafte בני תורה den פסק ihres רב zu verstehen und nicht in erbärmlicher Unwissenheit zu korrigieren , dann lasst uns ihnen zeigen, daß für uns das heilige Vermächtnisunseres großen Rabbiners זצ"ל unverbrüchliche Geltung besitzt, daß uns der אמת und nur der אמת hoch über allem steht und daß wir nur unter gewissenhafter Wahrung des דרך ה' gottgewolltes משפט und צדקה zu üben imstande sind!
Dann aber dürfen wir hoffen, daß die göttlichen Segensverheißungen, die an jenes abrahamitische Vermächtnis geknüpft sind, sich auch an uns verwirklichen werden, so daß unsere קהלה imstande sein wird, in immer größerem Umfange ihren jüdischen Aufgaben gerecht zu werden.
הקב"ה, der bisher unserer קהלה so sichtlich beigestanden, wird auch in der Folge seinen mächtigen Beistand nicht versagen אל יעזבנו ואל יטשנו לנצח.
Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUERBelehrung und Mahnung zweiter Teil Exodus J.Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1931 S.31-36
Dr. Raphael BREUER Mittel und Zweck - Eine halachische Betrachtung (1926)
Rabbiner Dr. Raphael BREUER
(1881-1932)
MITTEL UND ZWECK Eine halachische Betrachtung (1.Teil)
Die zionistische Palästinapolitik unterscheidet sich von der agudistischen durch ihre Hemmungslosigkeit. Sie ist nicht durch die Thora beschwert. Sie kann ihre realen Ziele verfolgen, ohne fortwährend die Moral der Thora fortwährend um ihre Zustimmung zu befragen. Die zionistische Palästinapolitik hat sich von der Thoramoral emanzipiert. Dagegen muss die agudistische Palästinapolitik sorgfältig im Rahmen der Thoramoral verharren. Das ist nicht immer leicht durchzuführen und die Versuchung ist groß gelegentlich aus diesem Rahmen herauszutreten und im Hinblick auf einen idealen Zweck die lähmende Frage nach dem einwandfreien Charakter der anzuwenden Mittel von sich abzuschütteln. Dieser menschlich begreiflichen Versuchung wurden wir leichter widerstehen können, wenn wir uns in di halachischen Grundlagen versuchen dieses Problems versenken. Unsere Frage lautet allgemein: Wie denkt die Halachah über das Problem der Heiligung des Mittels durch den Zweck?
I.
Die Wurzel der gesamten Überlegung ist die Frage nach den Grenzen der Arewuthpflicht. Arewuth heißt Gemeinbürgerschaft des einen für den anderen. Zur Nächstenliebe gehört auch die Teilnahme am Wohl und Wehe des Nächsten. Wie aber, wenn dieses Nächstenwohl nur mitsündhaften Mitteln gefördert werdenkann?
Erschienen in der WochenzeitungJüdische Presse (Wien) 1926 , 3
S R HIRSCH Aus dem Kommentar zur Wochenabschnitt Jissro
Rabbiner Samson Raphael Hirsch
Auszüge aus dem Kommentar zur Wochenabschnitt JISSRO
Kap.18 V.13-15 Die Zeit der Wüstenwanderung war daher die hohe Schule des jüdischen Volkes
Kap. 19,6 Ihr aber sollt mir ein Reich von Priestern und ein heilig Volk sein! Dies sind die Worte die du zu Jissroels Söhnen sprechen sollst.
Kap.19 V.6 und gerade für diese Bestimmung der gesamte Erde sollt ihr mir ein ממלכת כהנים und ein גוי קדוש sein. ממלכת כהנים, jeder einzelne von euch soll dadurch, daß er sich in seinem ganzen Tun von mir regieren lässt, in Wahrheit עול מלכות שמים auf sich nimmt und verwirklicht, ein כהן ein Priester sein, der durch sein Wort und Beispiel die Erkenntnis und Huldigung Gottes verbreitet, wie es in Jesajas 61,1 ausgesprochen ist: Ihr aber werdet Priester Gottes genannt werden, Diener unseres Gottes, wird man euch nennen, und ,גוי קדוש und wie priesterlich in jedem einzelnen, so soll eure Gesamterscheinung nach außen eine Gott heilige sein; ein einziges Volk unter den Völkern, das nicht dem eigenen Ruhm, der eigenen Größe, der eigenen Verherrlichung, sondern der Begründung und Verherrlichung des Reiches Gottes auf Erden angehört; und auch dieses wieder eben dadurch, daß es seine Größe nicht in der Macht, sondern in der absoluten Herrschaft des göttlichen Sittengesetzes sucht; denn das eben heißt: קדושה לא פחות ולא יותר , אלה הדברים וגו', wie die Weisen erläutern, nicht weniger und nicht mehr. Ein Minderes genügt nicht für eure Zukunft, und ein Mehreren bedarf es nicht.
10. Gott aber sprach zu Mosche: Gehe zum Volke und heilige sie heute und morgen, und lasse sie ihre Kleider waschen. 11. Lasse sie zum dritten Tage bereit sein; denn am dritten Tage wird Gott vor den Augen des ganzen Volkes auf den Berg Sinai sich hinablassen. 12. Umgrenze das Volks ringsum und sage ihm: Hütet euch wohl, den Berg zu besteigen oder auch nur einen Teil davon zu berühren! Jeder, der den Berg anrührt soll getötet werden. 13. Daß ihn keine Hand berühre! Denn gesteinigt soll er werden, oder nur hinabgestürzt, sei es Vieh oder Mann, er soll nicht leben bleiben; wenn das Entlassungshorn seine Töne dehnt, dürfen sie wieder den Berg ersteigen.
V.10-13 Ist ja das jüdische Gesetz das einzige, das nicht aus dem Volke hervorgegangen, daß zu konstituieren es bestimmt war. Ist ja Judentum die einzige Religion, die nicht aus dem Schosse der Menschen entsprungen, die in ihr den geistigen Boden ihres Leben finden: und gerade diese Objektivität des jüdischen Gesetzes, der jüdischen Religion, macht sie zu der einzigen ihrer Art, scheidet sie scharf und spezifisch von allem, was sonst auf Erden Gesetz und Religion heißt, und lässt sie das einzige Kulturmoment der Menschheit sein, das sich als Hebel und Höheziel jedes andern Fortschritts betrachten darf, selbst aber als das gegebene Absolute über allen Fortschritt erhaben ist. Weil allen andern Religionen und Gesetze, nur aus dem Schosse der zeitlichen Menschheit hervorgegangen, nichts anderes sind als Ausdruck dessen, was zu einer gegebenen Zeit von einem bestimmten Menschenkreis als deren Überzeugung von Gott, von der Bestimmung der Menschen und ihre Beziehungen zu Gott und zu einander zum Ausdruck gelangte, darum müssen auch alle andere Religionen und Gesetze gleich allen übrigen aus dem Schosse der Menschen zeitlich hervorgegangenen Momente der Kultur, der Wissenschaft, der Kunst, der Sitte mit der Zeit fortschreiten. Sie sind ja ihrer Natur und ihrem Ursprung zufolge nichts anderes, als der adäquate Ausdruck einer zeitlichen Menschheitsstufe in irgendeinem Gebiete der Menschenentwicklung. Die jüdische Religion und das jüdische Gesetz waren aber nicht aus den zeitlichen Überzeugungen der Menschen entsprungen, sie enthält nicht das, was zu irgendeiner Zeit die Überzeugung irgendwelcher Menschen von Gott und den göttlichen und menschlichen Dingen gewesen; sie sind vielmehr von Gott gegeben und enthalten das, was nach Gottes Willen die Überzeugung der Menschen zu allen Zeiten von Gott und den göttlichen, und vor allem von den Menschen und den menschlichen Dingen bilden soll. Das Gottesgesetz befand sich von vornherein im Gegensatz zu dem Volk, in dessen Mitte dieses Gesetz zu erst Stätte auf Erden gewann, ist das untrüglichste Kriterium des göttlichen Ursprungs dieses Gesetzes, das nicht aus dem Volke, sondern AN das Volk kam, und erst nach jahrhundertlangen Kämpfen sich dies Volk zu seinem Träger durch die Geschichte eroberte (Über die Einzigkeit des Judentums und sein Verhältnis zu Religion u. siehe Jeschurun I, S.3)
Kap 20 V.2Ich ד' sei dein Gott, der ich dich aus dem Lande Mizrajim, aus dem Sklavenhause hinausgeführt.
Kap.20 V.2 Indem dieser Satz nicht als eine Aussage, sondern als מצוה, als ein Gebot gefasst wird, spricht Er nicht aus: Ich ד', bin dein Gott, sondern: Ich, ד', soll dein Gott sein, und setzt damit als Fundament unserer ganzen Beziehung zu Gott jene Anforderung, die die Weisen unter dem Ausdruck קבלת עול מלכות שמיםbegreifen.
Der sogenannte Glaube ab das Dasein Gottes, wie alte und moderne Religionsphilosophen diesen Begriff auszusprechen pflegen, ist noch um Himmelsweiten von dem ferne, was dieser Fundamentalsatz des jüdischen Denkens und Seins erwartet. Nicht das es überhaupt einen Gott gebe, sondern daß dieser eine, einzige, wahrhaftige Gott mein Gott sei, daß Er mich geschaffen, und gebildet, dahin gestellt und verpflichtet und mich schaffe und bilde, erhalte, überwache, lenke und leite, daß ich mit ihm nur in zehntausendster Vermittlung als zufälliges Produkt des Universums zusammenhänge, dessen allererste Ursache Er vor Äonen gewesen, sondern: daß jeden gegenwärtigen Atemzug und jeder kommende Augenblick meines Daseins ein unmittelbares Geschenk seiner Allmacht und Seinem Dienste zu verleben habe,kurz: nicht die Erkenntnis Gottes, sondern die Anerkenntnis Gottes als meines Gottes, als der ausschließlich einzigen Lenkers aller meiner Geschicke und als der ausschließlich einzigen Leiters aller meiner Taten, erst dies ist die Wahrheit, mit deren Zugrundelegung ich den Boden eines jüdischen Daseins gewinne. Der Anforderung: אנכי ד' אלקיך entspricht nur die Erwiderung: אתה אלקי!
Nur die gänzliche Hingebung an Gott hat uns von den Menschen freigemacht, nur unter dieser Bedingung sind wir frei geworden und sind wir frei. Während andere Menschen und Völker nur mit ihrem geschöpflichen Dasein Gott verpflichtet sind, sind wir es auch mit unserm geschichtlichen, sozialen. Wir sind unmittelbar aus עבודת פרעה in עבודת ד' übergegangen, und אני עבדך בן אמתך פתחת למוסרי singt unsere Nationalhymne: Ich bin dein geborener Sklave; denn du hast meine Bande gelüftet!
V.12Ehre deinen Vater, und deine Mutter; damit lange deine Tage dauern auf dem Boden, den Gott, dein Gott dir gibt.
V.12 .Nicht auf die Erforschungsergebnisse unserer Betrachtung der Natur, auf die geschichtlichen Erlebnisse unseres Volkes, durch welche Gott eins offenbar geworden und seinen Willen uns offenbar gemacht, hat Er unsere jüdische Erkenntnis und Anerkennung Gottes, als Lenkers unserer Geschicke und Leiters unserer Taten gegründet. Himmel und Erde hatten zu den Menschen vergebens gesprochen, ja ihre Sprache hatte polytheistischen Umdeutung gefunden, und nur die dem jüdischen Volke geschichtlich gewordenen Offenbarungen Gottes haben den Menschen den monotheistischen Blick und das monotheistische Ohr zum Verständnis der Natur und der Geschichte wiedergebracht. יציאת מצרים und מתן תורה, diese beide Grundfakten des jüdischen Volkes, welche unsere Gotteshüldigung als des Lenkers und Leiters unserer Geschicke konstituieren, sind geschichtlichen Wahrheiten, Erkenntnis und Anerkennung geschichtlicher Wahrheiten beruhen aber lediglich auf Tradition, und Tradition beruhigt lediglich auf treuer Übertragung durch Eltern auf Kinder und auf willige Entgegennahme der Kinder aus den Hände der Eltern. Somit beruht die Fortdauer der großen jüdischen Gottesstiftung lediglich auf dem theoretischen und praktischen Gehorsam der Kinder gegen Vater und Mutter, und כבוד אב ואם ist die Grundbedingung der Ewigkeit der jüdischen Nation. Durch Vater und Mutter gibt Gott dem Kinde nicht nur das physische Dasein, sie sind auch faktisch das Band, daß das Kind mit der jüdischen Vergangenheit verknüpft, es Jude und Jüdin sein lässt, und sie sind es, die ihm die Tradition der jüdischen Bestimmung in Erkenntnis, Sitte und Erziehung überliefern sollen. Geschichte und Gesetz soll das Kind aus ihren Händen empfangen, um einst beides ebenso auf seine Kinder zu vererben. Wie es zu seinen Eltern aufschaut, sollen seine Kinder einst zu ihm aufschauen. Ohne dieses Band zerreißt die Kette der Geschlechter, geht die jüdische Vergangenheit der Zukunft verloren, und die jüdische Nation hört auf zu sein
V.14 Du sollst nicht erlüsten das Haus deines Nächsten; du sollst nicht erlüsten das Weib deines Nächsten, seinen Knecht, seine Magd, sein Ochsen, seinen Esel, noch irgend was deinem Nächsten gehört.
V.14 Du sollst nicht morden u.s.w. vermag auch ein sterblicher Gesetzgeber zu dekretieren. Allein du sollst nicht gelüsten vermag nur Gott zu verbieten, der Herz und Nieren prüft, vor dem nicht nur die Tat, vor dem auch der Gedanke und die Regung sich vollzieht. Menschen können nur Verbrechen verbieten und begangene Verbrechen notdürftig vor ihr Tribunal ziehen. Allein der Herd, die eigentliche Brut- und Geburtsstätte des Verbrechens entzieht sich ihrer Kognition. Ist aber einmal erst dort das Verbrechen reif geworden, so schreckt die Ausführung selten vor dem strafenden Arm der Menschengerechtigkeit zurück. Darum bleibt aller Staatenbau der Menschen Stückwerk und vergebens, gebrechliches Bemühen, so lange er nur von der Menschenmajestät getragen und vollendet werden soll, so lange sie mit Gott wohl den ersten Grundstein legen, aber ohne Gott das Gebäude aufführen zu können vermeinen, den Dekalog hinnehmen, um darauf die Nebukadnezarsäule menschlicher Vergötterung aufzurichten, nicht die Menschenmajestät dem Staate und dem Staate dem Gesetze und das Gesetz Gott unterstellen, sondern umgekehrt die Gotteshüldigung pflegen, um damit der schwanken Menschenhüldigung eine Stütze zu gewähren. Nur erst wenn Gott König über die ganze Erde und damit Sein Wille Gesetz der Menschen geworden, werden sich die Kerker schließen und wird das Elend von der Erde weichen.
Den Zehngeboten wohnt übrigens mitnichten eine größere Heiligkeit oder eine größere Bedeutung als irgend ein derder andern im Pentateuch ausgesprochene Gesetze bei. Sie sind weder das ganze Gesetz, noch sind sie heiligere Gesetze als alle übrigen. Wohl aber sind sie Grundzüge, allgemeine Kapitelüberschriften, zu denen die ganze übrige Gesetzgebung die eigentliche Ausführung bildet.
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH aus Haftoro Kommentar Wochenabschnitt Jissro (2. Teil)
Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH
(1833 1900)
Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes Jissrau(zweiter Teil)
Jesaja Kap. 9, Versen 5 und 6
Die Haftoro bricht bei diesem unsäglich trüben Ausblick auf das im Haß und Verachtung des Judentums mit Aram vereinte Jissroél ab und schließt mit zwei einem späteren Kapitel (9) des Propheten entnommenen Versen. Dieselben enthalten den Hinweis auf Hiskijahu, jenen König, der mit davidischer Treue für die Gewinnung seines Volkes für die Thora wirkte, und dem vor allen die Erhaltung eines treuen Kernes zu verdanken ist, jener oben genannten Saat des Heiligtums, die den unsterblichen Stamm der jüdischen Nation zu bilden berufen war.
Kap.9. V. 5 כי ילד ילד לנו וגו' Ein Kind ward uns geboren. Dieses uns ist aus der Seele eben dieser damals unterdrückten gesetzestreuen Minderheit gesprochen. Der den Achas bereits geborene Sohn werde, so wird es hier verkündet, sich des von Achas mit Füssen getretenen Gesetzes annehmen, aufrichten, was jener gestürzt, und stürzen, was jener verderbenbringend geschaffen hatte. Er wird Träger der Herrschaft, es wird aber eine Herrschaft für Gott sein. Er wird seine königliche Macht als der jüdische König, wie er im Gottesworte vorgesehen ist, zur Anwendung bringen. Mit diesem Königswirken steht er im Dienste der Anbahnung des höchsten, einzig wahren Friedens auf Erde, jenes Friedens ohne Ende, der am Ziele der Geschichte winkt, und dessen Heilessaaten jener treue Jissroélskern für die Menschheit trägt, der durch Hiskijahus Wirksamkeit erstarken sollte.
ויקרא שמו: Namen nennen, ist, von Gott gebraucht, gleichbedeutend mit: Bestimmung geben. פלא יוצץ אל גבור אבי עד sind Subjekte und beziehen sich auf Gott. Er nannte den Namen des dem Schear geschenkten Kindes: Fürst des Friedens und bestimmte es damit:
V.6. למרבה המשרה וגו' auf den Davidsthron zum Mehrer des Gottesreiches, den Davidsthron als echter und eigentlicher Davidssprössling nicht auf Unrecht und Gewalt, sondern auf Recht und Liebe zu gründen und zu stützen. Mit der Herrschaft des Rechtes und der Nächstenliebe, die er durch Verwirklichung des Gottesgesetzes im Volke anbahnt, stellt er den Davidsthron in den Dienst der göttlichen Weltwaltungsziele. Dadurch aber verleiht er ihm eine auch über die Zeiten, da er den Augen völlig entschwunden ist, hinaus in die Ewigkeit reichende Bedeutung und Dauer. Liebe und Recht wurden an der Wiege des jüdischen Volkes einst dem Ahnen als Inhalt der ganzen Sendung seines Volkes bezeichnet (1 B.M. 18,19) : Recht und Liebe bilden die Grundlage und Ziel derjenigen Herrschaft, die berufen ist, für die Herbeiführung des ewigen Friedens zu wirken. Und was sichert diesem die Jahrtausende überdauernde Werke die Verwirklichung? Es ist die Rechtswahrung Gottes, קנאת ה' ( קנא: sein Eigentumsrecht vertreten), die von jetzt bis in die Ewigkeit an diesem Werke arbeitet. Nach jüdischer Lehre ist die Menschheit das teuerste Gut Gottes. Ihre freie Huldigung in freier Entfaltung des vollendeten reinen Menschentums ist das Einzige, was Gott von der Welt erwartet. Er ist der Vater, der nach seinen Kindern sich sehnt, seine Kinder nie aufgibt, sie sich durch nichts auf die Dauer entziehen lassen will. Alle Ereignisse der von ihm gelenkten Gänge der Geschichte stehen im Dienste dieses Werkes. Deshalb gehört die Zukunft ihm. Das hohe Bild des ewigen Friedens, der Paradiesseligkeit auf Erden, das als süßer Traum in den Kindheitsdämmern aller Völkerseelen lebte, und von den an der rauen Wirklichkeit ernüchterten Völkern, solange sie die gottgewiesenen Wege zur Verwirklichung dieses Traumes verschmähten, als Utopie belächelt wird, verdient dieses Lächeln auch wirklich, solange sie sich der Huldigung des Rechtes und der Nächstenliebe verschließen.Auf dem Boden der jüdischen Wahrheit aber ist der ewige Friede und das Paradies auf Erden mit nichten eine Utopie, sondern eine von dem Schöpfer des Menschen verbriefte Verheissung, der am Ziele der Geschichte die concreteste und realste Wirklichkeit winkt.
(Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 141- 142Kommentar zu Jesaja Kap 9 )